Ausgabe 
19.9.1906
 
Einzelbild herunterladen

652

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der BrühI'fchen Universitäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gießerr,

Bersteck-Rätsel.

Nachdruck verboten.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer". Ingermanland Solling Jndasbanm Kindergarten Vergißmeinnicht Heilmittel Demosthenes Achsel- bank Redefreiheit Fanflrecht Schützenfest Guten­berg.

'Auflösung in nächster Nummer.'

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Elise, Liszt.

Musik.

Musik für Alle. Das im Verlage von Ullstein u. Co.,- Berlin, zum Preise von 50 Pf. erschienene Heft 24 der bekannten Notenbibliothek bringt einen rassigen polnischen Tanz von Mo- niuszko, der zwar nicht an die Größe und Vornehmheit Chopins heranreicht, ihn aber an Kraft und Wirksamkeit fast übertrefft. Daran schliesst sich Brüll, der Komponist des goldenen Kreuzes, mit einem SiebeMeiner Mutter ihr Spinnrad", das in feiner einfachen Melodik aufs beste sich dem stimmungsvolleu Gedicht von Klaus Groth auschließt. Auch Karl Klingler trifft mit seinem heiteren LiedeDer Diebstahl" glücklich den Volkston. Das Ca- prieeietto von Gernsheim bietet ein Klavierstück von feinen und intimen Reize. Paul Liucke steuert ein zartes Walzerlied bei. An Linckes musikalische Eigenart gemahnt auch die frische Polka Gut gelaunt", die Robert Klaas versaßt hat. Von den Klassi­kern ist Händel mit einer Arie ans seinem MeisteroratoriumDer Messias" vertreten, Stuber Mit einer anmutigen Szene aus tfra Diavolo. __

Heinz Tovote: Hilde Vangerow und ihre Schwester. Roman. Verlag von F. Fontane u. Co., Berlin. Preis: geh. 4 Mk. Der neue Roman Heinz Tovotes schildert den Lebensgang zweier Offizierstöchter, die als modern empfindende Mädchen sich von hergebrachten Vorurteilen frei­machen und selbständig den Kampf mit dein Leben aufnehmen. Kühl und herb geht Hilde, die Aeltere, als gefeierte Landschafts­malerin auf ihr künstlerifches Ziel zu. In einem erwachenden

' Einsamkeitsgefühl läßt sie sich von einem kalten Streber, einem einflußreichen Kunstfchriststeller fesseln, der sie, künstlerisch entdeckt hat und in ausfälliger Weise in seiner Zeitschrift für sie eintritt. Getrieben von Sympathie und Dankbarkeit heiratet sie ihn; er nimmt ihr anfangs alle geschäftlichen Sorgen ab, sodaß sie ganz ihrem Schassen leben kann. Nach kurzem Gluck aber sieht er in ihr nur noch die von ihm berühmt gemachte Malerin, deren gut bezahlte Bilder er auf die vorteilhafteste Art für sich und seine wachsenden Nebenluteressen verhandelt, während sie selbst, nicht ohne eigene Schuld, ihm gleichgültig wird, sodaß er bald sein Glück bei anderen Frauen sucht und findet. So hat denn Hilde Vangerow in ihrer freudlosen Ehe keine Zufriedenheit gesunden und muß bald um ihre Freiheit als Fran und Künstlerin ringen und kämpfen. Susi, ihre leicht­herzige jüngere Schwester ist dagegen von anderer Art. Aus der Arbeit ihres chemischen Laboratoriums heraus sehnt Jte sich leidenschaftlich nach Lebenslust und Lebensfreude. Durch inter- effallt geschilderte Verwicklungen verknüpft sich nun das Schick­sal beider Schwestern, bei aller Verschiedenartigkeit der Charak­tere, am Ende mit demselben Manne, an dem sie beide,. rede in ihrer Art, mit ihrem Suchen nach Glück scheitern. Die Wieder­gabe dieser spannenden Verwicklungen ist reich an wechselvoller Stimmung; und der Parallelismus in den Empfindungen der beiden eigenartigen Schwestern ist voll intimer psychologischer Reize. Die ruhig einsetzende Handlung des Romans, die sich gegen den Schluß immer dramatischer steigert, hebt sich von der reichen Landschaftsschilderung einer interessanten Mälerkolome ab. Dieses bunte Leben und Treiben und die endliche Umwand­lung und Entwickelung aus einem einfachen kleinen Fischerdorfe mit seinen strohbedeckteu Hütten zu einem großen Modebadeorte erleben wir in anschaulicher Weise, vor allem an bem eigen­artigen Künstlerheim Hilde Vangerows mit, das sie sich in dem entzückend geschildertem Strauddorfe Sandhoop geschaffen hat.

Die französische Revolution von Thomas C arlyle. Neue illustrierte Ausgabe in 40 Lieferungen a50 Pf. Herausgegeben von Theodor Rehtwisch. Lieferung 613 ein­schließlich. Verlag von Georg Wigand, Leipzig. Die vorliegende Folge der Lieferungen 613 beschließt den ersten Band des großen Carlyle-Werkes und umfaßt den Zeitraum von den Wahlen zur ersten Nationalversammlung bis zum Weiberausstand von Versailles, der bekanntlich mit der völligen Niederlage des 'Königtums endete. Mit großer Meisterschaft hat Thomas Carlyle das gewaltige Stosfgebiet, das in diesem ersten Bande vorliegt,

behandelt.Seit langer Zeit", rüst John Stuart Mill be­geistert aus,ist kein genialeres Buch geschrieben worden, weder vom historischen, noch vom poetischen Gesichtspunkte aus!" Und Sir William Hamilton, der Philosoph, ward so gesesselt von der Lektüre des Werkes, daß er die drei Bände in einem Zugevon 3 Uhr nachmittags bis 4 Uhr morgens durchlas": Charles« Dickens pflegte das Werk jährlich zweimal zu lesen. Heute darf man getrost sagen, daß ein gleichwertiges, kongeniales Geschichtswerk über jenen merkwürdigen Zeitabschnitt nicht existiert! Besonders in dieser neuen illustrierten Ausgabe verdient das Carlyle- Werk eine neue, allseitige Beachtung der Gebildeten. Dieser erste Baud des Werkes enthält 187 Abbildungen. Das Carlyle- Werk sei daher in dieser neuen Ausgabe als ein hochinter­essantes, vornehm ausgestattetes und reich illustriertes Monument der Geschichtsschreibung zur Anschaffung empfohlen.

Seit Jahren bringen sich Velhagen u. Klasings Mo natshefte, wenn im September der neue Jahrgang be­ginnt, durch Werbemittel in Erinnerung, die mit Papa Usus und Mama Schema nichts zu tun haben, sich vielmehr durch eine originelle Idee und durch geschmackvolle Ausstattung auszeichnen. Diesmal erschienen sie gleich mit zwei verschiedenen Gaben auf dem Plan: einmal mit einem Prospekt, her verkündet, was der neue Jahrgang bringen soll und, der iusofern eigenartig ist, als er in einer Reihe von Photographien darüber berichtet, tote die Monatshefte bei unfern Landsleuten im Auslande aufgenom­men werden; dann mit einem zierlichen Kuvertchen, das eine AnzaU hübscher und originellerPostkarten von Velhagen und Klasings Monatsheften" birgt. Leider gibt uns der genannte Verlag keine Gelegenheit, über die Zeitschrift selber zu unseren Lesern zu sprechen.

VsvmkschLsr.

* 'Tierpäntomimen im Mönchskloster zu He­rn is in Tibet werden alljährlich zweimal aufgeführt an­läßlich der Wallfahrten, welche die Bevölkerung nn Umkreise von mehr als hundert Meilen nach diesem buddhistischen Kloster unternimmt, das in der Nähe von Kaschmir ancher gmßen, In­dien mit China verbindenden Karawanenstraße liegt. Eine solche interessante, zweifellos auf jahrtausendealter Ueberlieferung be­ruhende Tierpantomime zu sehen, ist bet dem bekannten Fanatis­mus der Buddhapriester für den Europäer fast eine Unmöglichkeit, dennoch ist dies einem französischen Reisenden unter der stutzen­den Verkleidung als tibetanischer Wallfahrer gelungen, und»eine farbenprächtige Darstellung einer solchen religiösen Pantomime veröffentlicht nunmehr das neue, hopusur-wisienschaftliche +>ii4t- werk von Hans KraemerDer Mensch nnd die Erde (Deutsches Verlagshaus Vong u. Co , Berlin W. 57), von^ dem gerade jetzt die dritte Lieferung (60 Pf.) zur llusgabe getaugt ist Jultus Hart fetzt in derselben fetne geistvolle, gründliche Wissen­schaftlichkeit 'mit gemeinverständlicher Darstellungswelfe in glück­lichster Weife verbindende Abhandlung über Tierkultus und Tierfabel" fort, die ein ganz neues-Licht auf viele bisher un­verständlich gebliebene mystische Vorgänge und Slnschauungen bei den Natur- und zum Teil auch bei den Kultur-Volkern wirft. Auch diese Lieferung ist wieder in glänzender Weise illustriert. Außer der genannten Darstellung heben wir aus den zahlreichen Illustrationen nur noch ein interessantes farbiges Blatt aus dem berühmtenBreviariuni Grimani" der Biblwtheea Mar- eiana zu Venedig aus dem Jahre 1475 hervor, das eine Wild- schweinshatz schildert, und eine wertvolle Farbentafel von Prof. Dr. Karl Eckstein, die für Naturfreunde gerade in dieser Jahres­zeit von besonderem Interesse sein dürste, da sie die Beschadig- ung von Blättern und Nadeln durch Insekten vorführt, die der Waldbesucher an der Hand dieser Tafel nunmehr unterscheiden Aerjit.

Kunst.

Ostasiatische Kunst und ihr Einfluß auf Europa. Von Professor Dr. Richard Graul, Direktor des Kunst- gewerbe-Museums in Leipzig. Mit 49 Abbildungen im Text und auf einer Doppeltafel. (Aus Natur und Geisteswelt". Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 87. Bändchen.) Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (VI u. 88 S.) 8. Geb. 1.2.) Mark. Im 17. und 18. Jahrhundert hat em durchdringender Einfluß namentlich! Chinas auf das europäische Kunstgewerbe stattgefunden. Aus einer dekorativen Mode wurde die Chineserei zu einem Entwickler der zum Rokoko drängenden freien Richtungen in der dekorativen Kunst des 18. Jahrhunderts. Jrn 19. Jahrhundert überwiegt der Einfluß Japans auf die Kunst Europas in den Beziehungen der Malerei und Farbendruckkunst Japans zum Jmpresfionismus der modernen europäischen Kunst und in den japanischen Anregungen, aus denen die ganze moderne Eiitwick- lung unserer Keramik fußt. Die Erörterung der vielfachen Wechsel­beziehungen gibt Veranlassung zur Hervorhebung der Verscyiedeii- heiten in der Kunstauffafiung Ostasiens und des Abendlandes und bietet zugleich eine erste Anleitung zur Würdigung ostastatiicher Kunst. So kann das mit zahlreichen Abbildungen geschmückte Buch bestens empfohlen iverbert.