1906
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Mittellose Mädchen
Nonmn von H. E h r Hard t.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
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Der Mutter tst nur wohl, wenn sie ein bißchen Vor- sebuna spielen kann!" spöttelte Meta gutmütig, „oo Du viel Dank ernten wirst in diesem Falle? Unser Trautendorf küßt Dir sicher nicht die Hände dafür." ,
Gott, der kann sie ja doch nicht heiraten!' wehrte dre alte Dame resoliit ab, „besser, da wird ein Riegel vorgeschoben."
„Aber wo ist denn Suse?" ,
Fraii von BrockhauS hielt flüchtig Umschau.
flni Erker am Fenster saßen noch ein paar Damen und Herren eifrig plaudernd, der Major stand mit einem alten Freunde, den er hier im Ministerium wiedergefunden hatte, an der Tür zum Nebenzimmer — von snse ferne
'Trautendorf ist ja auch nicht zu sehen'." meinte die Geheimrätin mißtrauisch, „er hätte sich doch sicher von mir verabschiedet, wäre er schon fortgegangen."
Ruths Augen, in denen eine angstvolle Frage stand, trafeir sich mit deneil der Cousine.
„Sie vlaudern gewiß zusaminen nebenan, Suse und Trautcndorf!" cntschilldigte Meta das Verschwinden der beiden, „sie haben so viele geineinsame Erinnerungen.
„Ra, hoffentlich nicht mehr!" bemerkte die Geheimratm ruhig, „aber. ich glaub's nicht. Ich kenne Suse, die verplempert sich nicht." „ „ r ,
In dieser tröstlichen Zuversicht widmete sie sich wieder ihren übrigen Gästen. . ..
Hätte sie einen Blick inö Nebenzimmer geworfen, fle wäre weniger zuversichtlich gewesen. In dem stillen, kleinen Gemach, an einer Stelle, die Eintretenden nicht sofort ms Auge fallen konnte, stand der junge Offizier und hielt dre glückstrahlende Suse im Arm, sich mit unzähligen Küssen für ihr „abscheuliches Kokettieren mit dem alten Gecken' rächend. ,, r .
„Liebling, Du darfst nicht daran denken, ihn zu heiraten."
Sie schmeichelte sich an ihn. , .
„Fritz, Du hast mich nicht lieb. Tu würdest Mir sonst Wünschen, daß ich mal raus käme aus der Misere —"
„Kind, wie lieb ich Dich habe, Tu ahnst es ja gar nicht, in Stücke ließ ich micb hauen für Dich — aber Dich einem anderen lassen, wo ich genau weiß, daß Du mich liebst, nein, das kann ich nicht — ich hab' ja Qualen ausgestanden, da ich mit ansehen inußte, wie der Kerl Dich mit seinen Blicken verschlang.",
„Denke Dir, der Mertens ist total verschossen in die Suse. Wenn sie's nur ein wenig schlau anfängt, heiratet
Er bedeckte das süße, geliebte Gesichtchen mit leidenschaftlichen Küssen.
„Du wirst doch noch mein!" flüsterte er heiß, „ich flchl s, das ist gar nicht anders möglich."
„Spielst Du in der Lotterie, Liebster?"
„Du kleine Prosa, Tu!"
„Nu ja, ich hab' doch recht. Wo nichts ist, hat der Kaiser das Recht verloren. Oder versprichst Tu Mir, von der Luft satt zu werden?" .
Er sah mit verzehrender Glut ut ihr liebreizendes. Schelmengesicht. „ ,
„Du machst mich ganz und gar verrückt mit Demer Vernunft, Liebling. Laß mir doch wenigstens das Hoffen.
Ein finsterer Zug entstellte ehieit flüchtigen Moment ote weiße Kinderstirn. Ihre Hände lösten sich von seinem Hals.
Und über dem Hoffen wird man alt und graii und mübe--nein!" sie schüttelte den Kopf, daß die fransen
blonden Haare nur so flogen, „nur nicht nur das, nicht mir. Lieber schieß mir nur gleich eine Kugel durch den Kopf"
„Aber Liebling!" meinte Trautendorf ganz entsetzt, „Dii siehst zu schwarz, es gibt doch auch für alternde Mädchen chöne, beglückende Wirkungskreise - ich selbst besitze eine Tante, die im Hause ihres Schwagers unentbehrlich ist, die von den mutterlosen Kindern vergöttert ward — sie sühlt sich sehr glücklich, weil sie einen Pflichtenkreis hat, den jeder Meiisch, mag er nodj so reich und hochgeboren sein, besitzen muß, um eine Befriedigung un Leben zu finbcn."
Seine Worte hatten den mißmutigen Ausdruck aus Suses Antlitz gewischt, lachend hielt sie jetzt die kleinen Hände an die rosigen Ohren, in ihrer Stimmung w jay wechselnd wie Aprilwetter.
„Nnn predigst Du schon wieder, Schatz, und das steht Dir doch gar nicht und es ist auch bei mir in den Wmd gesprochen, zwecklose Zeitvergeudung — frage mal Ruth.
Bei dem Namen schlug beiden das Gewissen. Sw erinnerten sich daran, daß iie bereits auffallend lange bte übrige Gesellschaft verlassen hatten, und der junge Offizier kam erst zum Schluß mit dem heraus, was er Suse heute schon einmal hatte sagen wollen.
' „Ehe wir hineingehen — und es ist hohe Zeit! sagte er eine verschobene Spitze an Suses Taille ordnend, „mochte ich Dich noch bitten, kläre Ruth auf, wie war beide Mit- ctndnbcT ftcbctt !zz
„Fritz, lieber nicht! Du wirst sehen, es tut nicht gut, laß uns wenigstens noch ein Weilchen damit warten. Was oll ich ihr denn sagen? Daß Du mich lwbst und Mich küssest und mich doch nicht heiraten wirst? Dann hab ich keine rnhige Stunde mehr zu Haus und sw kann mir den Verkehr mit Dir verbieten, uns meinen Vormund am den Hals hetzen — was wollen wir dann machen? Nein, lieber, lieber Fritz, ich laß Dich noch nicht der olle Oberbonze kann warten."


