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den Strom von Gold. In den Theaterarchiven ruhten, mehr oder iveniger sorgsam gesichtet, Haufen von Manu-, skripten; auf die rechnet^ man. Zwischen den Papieren verpackt lagen zahllose Hoffnungen und Wünsche, von grünen Anfängern, von mancherlei Berühmtheiten, von ehrlichen Strebern und von geschickten Tantiemejägern — lag auch die Hoffnung der Direktoren. Ach, und wie viele Hoffnungen zerrannen vor den brennenden Lampenlichtern, wieviel mit Tamtam verkündetes Talent erwies sich als Taluli, und wieviel echte Begabung verlachte das Publikum—
Es war eine seltsame Zeit, das Jahr der Theaterkrache. Direktor Valentin Hub an. Die Operette zog nicht mehr; es schien, als sei ihre Epoche vorüber. Auf die Operettenhochflut der siebziger Jahre ivar eine klägliche Ebbe gefolgt; die alten Melodieen lockten die Leute wenig, und die neuen gefielen nicht. Da war Direktor Valentin gescheit; er raffte die Reste seines Vermögens zusammen, heiratete seine erste Soubrette und zog sich in das Privatleben zurück. Dann kam das Intime Theater an die Reihe, das man sich so hübsch gedacht hatte: ein Schmuckkästchen für nur zweihundert Personen, etwas ganz Intimes und Reizendes, Plaudereien am Kamin, schelmische Einakter und niedliche kleine Cochonnerien, direkt aus Paris bezogen. Es half alles nichts; statt der zwei- hundert Personen pflegten nur fünfzig zu erscheinen, die Pariser Eindeutigkeiten verbot die Zensur, die fine diesen Import schon ihre bestimmte theatralische Ablagernngs- stätte hatte, und die übrigen Nichtigkeiten langweilten. Die ganze Intimität ging in einem Weinrestaurant auf, das sich allerdings eine Reihe versteckter kleiner Nischen zulegte, um in den Chambres separses wenigstens etivas von dem früheren Charakter des Hauses gn wahren. Der Dichten Alberti hielt sich mit seinem Neuen Theater noch mühsam; ein einziger Zufallsschlager hatte ihm Glück gebracht, aber dieser Erfolg begann allgemach zu versiegen; man sprach davon, daß er sein Haus einem Kon- sortimn von Spekulanten überlassen wollte, die hier eine „Gastspiel-Bühne" zu begründen gedachten. Nur Carolus Dieckhoff machte mit seinem klassischen Repertoire leidliche Geschäfte,
(Fortsetzung folgt.)
vermischtes.
* Wieviel Haare hat der Mensch? Es ist eine bekannte Tatsache, daß ßch die Statistik um alles kümmert, gleichwohl dürste es überraschen, daß sie auch die Haare ans unseren Köpfen zählt. In einer im neuesten Hefte der Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie veröffentlichen Abhandlung von I. Frsdäric ist eine Statistik der Dichtigkeit des menschlichen Haarwuchses enthalten, aus der hcrvorgeht, daß die Dichtigkeit der Haare sehr bedeutenden Schwankungen unterliegt. Sie Pflegt bei blondhaarigen Menschen am größten, bei schwarzhaarigen am kleinsten zu sein, doch kommen Ausnahmen vor. Bei einem mittelmäßig behaarten Mann wurden am Kopswirbel 293 am Hinterkopf 225, am Bordcrhaupt 211 Haare innerhalb eines Viertels eines Ouadratzolles gezählt. Im Durchschnitt wurden innerhalb eines OnadratzcntimeterS 250 Kopfhaare fcstgcstcllt. Natürlich ist die Stärke der einzelnen Haare in den verschiedenen Lebensaltern sehr verschieden. In der besten Blüte des Haarwuchses kommen ans das Ouadratzentimeter unter durchschnittlich 450 Haaren 100 schwache, im Greisenalter dagegen unter durchschnittlich 350 Haaren 250 schwache vor. Am dichtesten stehen die Haare in der Scheitelgegend, nämlich 300—200, dann folgt die Gegend der Stirn und des Kinns mit 200—240 Haaren auf das Ouadratzentimeter. An den verschiedenen Gegenden des Kopfes ist bei dcmfclben Individuum der Haarwuchs recht verschieden. In der Schläfeugcgend stehen die Haare viel lichter als am Scheitel, vorausgesetzt natürlich, daß der Zahn der Zeit die Haare am Scheitel nicht weggcbissen hat. Man hat sogar einen sinnreichen Apparat zur Vornahme von Haarzählnngen erfunden, mit dem man bei einem blonden Deutschen mit sehr feinem Haar 280, bei einem dunklen Deutschen mit dickerem Haar 272, bei einem Japaner mit seinem Haar 286, bei einem anderen Japaner mit dickem Haar 252 Haare ans das Onadratzentimcter gefunden hat. Im allgemciucn hat man die Beobachtung gemacht, daß bei den niederen Rassen der Haarwuchs weniger dicht ist als bei den höheren. Bei den Europäern schwanken die Zahlen zwischen 260 und 468. Das Maximum vou 468 fand man bei einem blonden Jtaliener- knabeu; eine Elsässerin hatte 412, eine Badenerin nur 276.
echt humvrv oll war die erste Huldigung int Leben des sachsenkönigs Friedrich August, welche man ihm im stillen Dörfchen Hosterwitz. bei Dresden einst darbrachte. Prinz Georg, der nachmalige König, hielt sich mit seiner Gemahlin im Sommer 186t> zit Hosterwitz in der Prinzlichcn Villa auf. Prülz Friedrich Angust hatte am 25. Mai das Licht der Welt erblickt und
wurde am 30 Ium, als die Prinzessin mit dem flehten Prinzen zum erste.«mal ausfuhr, vom Volke mit lautem Jubel empfangen.' Villeir uitd Dorshäuser hatten geflaggt und illuminiert. Alt der Hütte eines Landmannes prangte aber die folgende Transparent- Inschrift :
„Wir danken Gott für diese Gabe», Die lvir von ihm empfangen haben Und bitten unfern lieben Herrn, Er woll' uns künftig mehr bescheern!" Die Doppeldeutigkeit dieses' Textes nnirbe in allen Kreisen mit Heiterkeit begrüßt. Ursprünglich war der Spruch freilich fürs ein Erntedankfest bestimmt gewesen, aber der biedere Bauersmann, mag wohl gedacht haben: „Es paßt auch so ganz schön!"
* Derrechte Z u s a m m menhan g. Zwei Professoren vom Gymnasium einer kleinen Landstadt kamen gelegentlich eines Gelehrtenkongresses in die Provinzialhauptstadt, in der sie zusammen studiert halten. Durch die Juaetideriunerungen übermütig geworden, besuchten sie am Abend ein Theater, sie hatten dort einstmals die Dramen Goethes und Schillers gesehen und wußten nicht, daß aus dem Theater eine Variöts geworden war. Schweigend sahen sie zu, wie nacheinander zwei Chansonetten, drei spanische Tänzerinnen und ein Humorist auftraten. Während sich darauf ein Bauchredner produzierte, gab der eine vou ihnen endlich seinen Gefühlen Ausdruck. „Wissen Sie, Herr Kollege", sagte er, „was ich in diesen modernen Stücken schmerzlich vermisse, ist der rechte Zusammenhang."—
* Der Ka ndid at. „Nu vakehren Se jeschlagene zwee Monate in unsan Hans, Herr Kauuedat, essen bei uns zu Miltach int Abend — nu machen Se aber dalli mit unsan Linch'n! Unsa Kind, wissen Se, is uns zu jut zu 'ne Freßbraut." — („Simpl.")
Atterne praktische Ratschläge.
* D ie Vertilgung der Fliege. Vor einiger Zeit hat Professor Chantemeffe in der medizinischen Akademie in Paris einen Aufsehen erregenden Vortrag gehalten über seine ergebnis- reichen Forschungen betreffend die Fliege als Trägerin u it d Verbreiterin des Cholerakeimes. Daraufhin hat der Pariser „Matiir" einen Preis von 10 000 Francs für den Erfinder eines praktischen und wirksamen Mittels zur Vertilgung der Fliegen ausgeschriebeit. Eine Kommission, bestehend aus den Professoren Brouardei, Roux, Chantemefse und Bouvier, wurde mit der Aufgabe betraut, die 265 eingelaufeneit Arbeiten zu prüfeik. Die Kvmmission hat nun den Preis einstimmig dem Autor der mit dem Kennworte „Musea delenda" (die Fliege muß vertilgt werden) versehenen Arbeit verliehen, der ungenannte bleiben will. „Da eine Fliege", führt der Autor aus, „durchschnittlich zweihundert Eier legt, so läßt sich durch eine einfache Rechnung zeigen, daß nach sechs'Generationen aus dieser einzigen Fliege hundert Milliarden Insekten hervorgegangen sind. Das ausgewachsene Insekt zu vertilgen, ist vergebliche Mühe. Die Fliegen lassen sich gründlich nur in verpupptem Zustande vernichten, wo sie in bedeutenden Massen aus Düngerhaufen und in Senkgruben aufgehäuft lagern. Nach vielfachen Versuchen fand ich, daß Rohöl diele Larven augenblicklich tötet. Die sterilisierende Kraft dieses Rohöles, das überdies den Vorzug der Billigkeit hat, ist nicht bloß eine momentane, sondern tvirkt lange nach und verhindert das Aufkeimen jeder weiteren Brut." Die Kommission erklärt in ihrem Gutachten, daß sie. den AuK- sührungeu des Autors der Studie „Musea delenda" vollständig beipflichte, und daß sie durch daS Mittel, das er angibt, die Frage vollständig gelöst erachte. Als .Kuriosum mag erwähnt werden, daß sich unter den Preisbewerbern auch die Königin Elisabeth von Rumänien befand, der die Jury eine Bronzemedaille zuerkannte.
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Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Versteck-Rätsels in voriger Nummer;
Ein Sperling in der Hand ist besser, als eine Taube auf dem Dache,
Redaktioni Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


