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die Kunst.
„Ter Skandal im Zuschauerraum fand, wie wir hören, nach Schluß der.Vorstellung seine Fortsetzung im Theater- Restanrant. Da gerieten Direktor Giesecke und der Opern- regisseur Herr Claudius Imhofs so hart aneinander, daß es schließlich Ohrfeigen regnete. Tas ist eine Privatsache der beiden .Herren. Aber die Wangenstreiche sind doch auch symbolisch zu nehmen. Und mannigmal hilft ein Katzentopf.
„Tie Doppel-Direktion des Instituts untersteht einem Aufsichtsrat, der unseres Wissens von Fall zu Fall auch künstlerisch mitzureden hat. An einer ordnenden Aufsicht aber fehlt es vorläufig dem Prinz Ferdinand-Theater durchaus. .Hammer gab uns aus der Vollkraft seines .Schaffens die Kunst. Run schaffe sie auch in diesem, der Kunst geweihten prächtigen Tempelban! Das Wahre, Edle Und Schöne wird mit so unzulänglichen Mitteln niemals erreicht werden.
1 „Elstermann, packe die Koffer", sagte der Graf, „wir reisen, und es geht diesmal weit. Der übrigen Dienerschaft wird gekündigt, die Wohnung geschlossen, der Portier behält die Aufsicht. Nun bring mir das Frühstück und nimm Dein Notizbuch zur Hand; ich werde Dir diktieren, was alles mitzunehmen ist," , r
Elstermann verbeugte sich, und der Graf nahm einen der Briefe vom Schreibtisch, zerriß ihn in kleine Stucke und warf diese in den Papierkorb. Es war der an den Kammcrherrn von Goetzcn.
14.
Tie Zeiten kamen und gingen; es schmückte sich die Welt mit sommerlichem Grün, und wieder spannte der Winter See und Citrom in blitzende Bande, und abermals! wechselte das Jahr. .'„Tie Saison ist tot, es lebe die Saison", begann der Zeilen-Kuappe eine geistreiche Plauderei im lokalen 'Teile einer der gelesensten Zeitungen. Es wurde wieder viel von der Saison gesprochen: dieser berückenden Fee in Sammet und Seide, mit dem heiteren Antlitz und dem anmutigen Lächeln, die zur aschgrauen Frau Sorge werden konnte mit lastenden Falten auf der Stirn und zu einem Ungetüm mit gierigen Pranken und gefräßigem Rachen. Was erwartete man alles von der neuen Saison, was sollte sie bringen! Tausend Ber- gnügungen und Lachen und Freunde und auch einen rollen-
meister. M........ . ., -
Schwerdt tragisch gemeint hatte; schließlich gewann die Empörung die Oberhand; man zischte, schrie, trampelte und verlangte den Schluß. Das Publikum benahm sich zweifellos ungezogen. Es gibt eine andere Art der Ablehnung', die ebenso drastisch gewirkt haben würde als dieser alberne Skandal. Man hätte zischen können, aber nicht wüten; man hätte in eisiger Ruhe den Blödsinn über sich ergehen lassen, hätte auch schweigend das Theater verlassen können. Wir nehmen die Unart des Publikums nicht in Schutz; wohl aber
Personal.
„Nach dem ersten Akte rief man wieder nach Hammer. Dann wurde es böse. Man sah nicht mehr die architektonische Pracht ringsum und vergaß auch den Baumeister. Zuerst lachte man über das, was Wolfgang
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s iäää".s äs rk? lwiliü^müäina geschrieben hat wie an den unseren. I dem wahrhaft theatralischen Genie znrufeu. hie Rhodus, N iss« LHiSYZLWH ZL-MM-Wß MWUMZÄ Effekten haschenden und doch unendlich alltäglich bleibenden Haus würde ihr eine herrliche Fickte geben. Aber cs muß Musik, sondern auch an dem Mangel eines dramatischen auch die feilte lebendige Blute fein, teilte pappe y ^Quartie8A^war ein Mißerfolg; „Fata Morgana" .^Grch F-rchliughaus hatte dies ohne sonderliches
war "geradezu ein Skandal. Der schauspielerischen Leitung Interesse gelesen. Alle Auheudinge waren ihm gl >hg « t fl des Prinz Ferdinand-Theaters fehlt es sichtlich an entern geworden. Er warf das^Blatt fort, lehnteZick in die bühnenhindigen, literarisch gebildeten Dramaturgen. Es des Kupees und schloß du. Augen. Er Werwgre, w ist nichts dagegen zu sagen, daß man für die Schauspiel- als Kartelltrager zu Heros schicken sollte. E sah ncy oereus Premiere das Werk eines Neulings wählte. Aber man ihm gegen überstehen und freute sich, _ daßer bcr rm hätte nicht auf eine absolute Talentlosigkeit verfallen dürfen, trefflicher Schutze war und eine sichere Hund hatte. ~ In diesem „bürgerlichen Schauspiel" mit dem anspruchsvoll Herz wollte er treffen • • • . T . tattc ter€,
phantastischen Titel ist alles an- und nachempfunden: In der Nacht. WM er wieder dc^tm. Er KW. tew
Ibsen, Sudermann, Sardou und Kotzebue reichen sich graphiert, und Elstermann empfing ihn. Li 1 rt V •) brüderlich die Hände. Auch nicht der leiseste Hauch eines Glas Burgunder geben und schickte den dienet zu em. originalen Geistes weht uns aus der trostlosen Langeweile Heut wollte auch er zu schlafen versuchen.
der Vorgänge entgegen, ans diesem Gemisch von schmal- | Aber es war wie gestern und vvrgestzerii und zigcr Rührseligkeit und einer anfdringlichen, nach dein vvrgestern; der Schlummer wollte nicht kommen. Tintenfasse schmeckenden Rhetorik. Es verlohnt sich nicht ! untersuchte er seine Pistolen. Daun.fetzte er sich hm und der Mühe, auf Inhalt und Durchführung naher emzu- I schrieb an den Kammerherrn von Wochen, d.r ihin den gehen. Auch die Darstellung war ganz unausgeglichen. | Dienst der Sekundiernng erweisen sollte. Und dann holte Fräulein Held (Tina) ist eine schöne Erscheinung, Frau I er eine Photographie Fredas aus einem der ^alorn und Jmhoff-Lobedanz (Karla) weiß sich gut zu benehmen, stellte sie vor fich auf den Tisch und malte sich am,wie Frau Vieweg (Baronin Gerster) zeigte in der dramatischen jje anssehen werde, wenn sie Nachricht von dem ^ode Aren Szene des dritten Akts ein gewisses Temperament: aber j steins erhalten würde ... , . r .
keine dieser Leistungen Reichte über eine leidlich brave Und da fühlte er, daß etwas Eigenes in feinem Herzen Mittelmäßigkeit hinaus. Fräulein Eberhard (Lieschen) ist vorging. Es glich einer großen Revolution, einem Kampfe eine Anfängerin; sie iuirb es vorläufig wohl auch noch zwischen Finsternis und Licht, zwischen Ormiizd und ckhri- dlciben. Aehnliches ist von den .Herren zu sagen; nur Herr mcm; xs war wie ent Lenzsturm, der alles ^Weue enl- Tronk (Bürgermeister) bildete eine rühmliche Ausnahme. In I igm-t, und unter dessen warmem Odem sich die Knospen ein Haus, das den Wettstreit mit unfern ersten Theatern öffnen, der die Befreiung bringt nach störender Wmter- anfzunehmcn hofft, gehört ein von Grund aus anderes ! nacht. . . Frehlinghaus sank vor dem Bilde szredas m - " die Knie. Er betete und weinte. —
Den Rest der Nacht verbrachte er am Schreib tischt Ein Stoß Briefe häufte sich neben ihm, darunter enter «n seinen Bankier und einer an das Militärkabinett. Als Elsterinanu am Morgen an seine Tür klopfte, war


