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gem’einljeit des Nachrichteilverkehrs haben den Nachteil, daß fte hier und da mißbraucht werden. Um besonderer Interessen wüten tverden falsche Nachrichten verbreitet. Auch die Politik ist hier hier nicht von Schuld frei. Auch darf das nicht verkannt tverdeii, daß der telegraphische Nachrichtendieilst auf die Tages- schriftstelleret einen nachteiligen Einfluß ausgeübt hat. Das Ueberhandnehmen der Telegramme, mit ihrem kurzen und vielfach zurecht gemachten Svnderstil drängt den gut geschriebenen Artikel des Schriftstellers zurück. Man kommt auf das zurück, Was int Sinne der Zeit am Ellde des 18. Jahrhunderts Cotta vorschwebte: die Zeitung soll nichts Subjektives, nur Tatsächliches bringen. Vielleicht hängt mit diesen Dmgen zusammen, daßsnaucher politische Schriftsteller sich auf die Wochenschrift zurncl- zicht. Eine sehr anfechtbare Frucht des Depeschendienstes smd falsche Wortbilduiigen wie „Attentäter", „Kajserhoch"., Mau darf zugcben, daß Auswüchse bestehen, aber man muß sagen, daß die Presse es sich auf das ernsteste angelegen sein laßt, sie aus- zurotten, wo sie sich zeigen: überdies' trägt chte fortschreitende Kultur das Korrektiv gegen sie in sich. Em besonderes Hauptstuck ist die Abhängigkeit der Presse von der Gesetzgebung Wohl smd die Kautionspflicht und die Anzeigenbesteuernng aufgehoben; aber unser Preßrecht beschränkt sich immer iioch iiur auf gewerblichen Verhältnisse der Presse und läßt ihre imkeren, geistigen, noch außer acht. Günstig Hai sich hingegen die Gesetzgebung der Presse im Bereiche des Verkehrs erwiese«. Post. und Telegraph haben die Zeitungen eindringlich gefördert, billiges Porto für Drucksachen, die Ausgestaltung des Zeitnngspostdienstes, des deutschen und des internationalen, kommen in Betracht. Der Aufschwung ist auch hier nur ein Zeichen dafür, wie die Zeitung allseitig als Külturmittel anerkannt wird. Uebrigens kontmen die historischen und lebhaften Beziehungen zwischen ZeitungÄ- und Post- tvesen dahin zum Ausdruck, daß Bezeichntmgen wie „Post", „Bote", „Kurier", „Postillon" in Zeitungstiteln gang und gäbe sind. Nach den Zeitungen ein Wort über den Journalisten. Nufere Zeitungen haben etwas Unpersönliches an sich. Der Zeitungsschreiber tritt ganz gegenüber der Zeitung zurück. Das hängt damit zusammen, daß es deutsche Art ist, für die Sache zu wirken und dabei sich selbst in den Hintergrund zu stellen, und das tut der Journalist, obwohl sein Beruf schwer und ungemein verantwortlich ist. Es irrt nämlich derjenige aufs schwerste, der sich nach Frehtags „Journalisten" ein Bild von den heutigen Journalisten macht. Wer in den Tag hineinleben will, findet reinen Platz in der Journalistik unserer Tage. Sie verlangt einen ganzen Mann. Schon die Technik des Zeitungswesens erheischt strenge Arbeit und viel Geschick und Erfahrung. Nun und nimmer ist die Zeitung jetzt ein Nothafen für gescheiterte Existenzen. Sein viel zitiertes' Wort von den Journalisten als Leuten, die ihren Beruf verfehlt haben, hat Bismarck in der Koikfliktszeit iit einem Augenblick der Verstimmung ausgesprochen. Er hat sich in Lothar Bucher und Hermann Wagner aus dem Journalistenstand Gehilfen genommen, die sich ihm aufs beste bewährt haben. Aber er selbst ist, wie wir ja wisset«, wenn es not tat, Journalist gewesen, und zwar war er ein großer Journalist. Uns gilt auch das Wort des Kaisers Wilhelm II., daß die Leiter der Presse den kommandierenden Generalen gleich zu stellen sind. Jeder echte Journalist muß An Stück Gottes-Giradcntum in sich tragen; er muß von Jdealeti erfüllt sein, seinem Berufe innig anhängen. Aber nicht genug daran: zum Journalist gehört Talent; zum Talent «nutz sich Fleiß, Kenntnis, Hingebung, Selbstverleugnung und ein scharfer Blick gesellen. Darum kann nicht Vorsicht genug bei der Rekrutierung zum Journalistenberuf walten.
Humor deZ Auslandes.
* Flossy: „Ich habe heute abend Ehampagner getrunken und fürchte, er ist mir zu Kopf gestiegen." — Pansy: „Nun, Liebste, dann kannst du dir doch schmeicheln, daß du jetzt wenigstens etwas darin hast."
* „Nun, mein Freund", sagte der Stabsarzt zu einem Patienten, der längere Zeit auf schmale Diät gesetzt worden war, „wie geht es Ihnen?" — „Bedeutend besser Herr Stabsarzt." — „Könnten Sie heute wohl ein Hühnchen vertragen?" — „O ja, Herr Stabsarzt." — „Womit möchten Sie es denn gern gestillt haben?" — „Mit einem zweiten Hühnchen, bitte", entgegnete der hungrige Patient.
E m p f i u d l i ch. Dienst m ä d ch e n, zum Sanitätsrat: „Herr Rat möchten sofort zur Gnädigen kommen, die hat vom Lachsessen geträumt, und Lachs vertragt sie absolut nicht!"
Heinrich Heines letzter Traum,
Vision: „Abschied von den Frauen".
(Auf das Gemälde von Franz Kuppka.) Lange stand ich vor dem Bilde, Hab's mit Andacht angeschaut, Lange, bis es in dem Tiefsten Meiner Seele mir vertraut.
Selber wie in Traum versunken Sprach mein Äug' dem deinen zu, Der, ein ew'ger Friedensengel, Träumet süß die letzte Ruh'.
Denn ja nimmer kannst du schlafen: Wenn auch bald das Auge bricht, Führt dich, ob der Tod schon rufet, Fantasie zu ew'gem Licht.
Bald erlöset von den Leiden, Winkt sie dir ins bess're Land, Läßt von denen Abschied nehmen Dich, die dir dein Leid gesandt;
Denen, die des Lebens Wonne, Denen, die dein höchstes Glück, Die dir oft nach trüben Stunden Gaben Sonnenschein zurück.
Frauen, ja, euch galt sein Leben, Euch sein Lieben und sein Lied; Euch war stets sein Herz gewogen, Bis er aus dem Leben schied.
Ihr wart all sein Trauern, Schmerzen, Süße Wesen, leichtes Blut.
Schnell gebt's Mündchen ihr zum Küssen, Sprecht von Liebe schön und gut;
Dock), wie auch die Aeuglein funkeln, Selig schwärmend übergehn, Launig, wie int März die Stürme, Eures Herzens Stürme wehn.
Und so naht ihr euch denn wieder
Heut' zum allerletzten Mal Demutvoll dem kranken Sänger In der stillen Todesqual;
Schön geziert mit Lorbeer«, Palmen, Mit der Rose dufl'gent Kranz Und dem trauten Buch der Lieder In der Jugend goldnem Glanz;
Bietet ihm des Abschieds Grüße, Lindert ihm sein letztes Leid, Schmückt die Stirne ihm mit Blumen, Die die Liebe ihm geweiht.
Von der Fürstin zur Geringsten Alle weilet ihr um ihn, Alle die in schönsten Weisen Ließ jein Sang vorüberziehn.
Und auch er, nicht eher kann er Trennen sich von dieser Welt, Bis den letzten Abschiedsgruß ihr Ihm, den letzten Dank bestellt.
Und so tasten seine Hände
Denn nach Euch so sehnsuchtsvoll;
Unter Träumen, süßen Bildern Er hinüber wandern soll.
Selbst der Vöglein traute Scharen, Wie im jungen Lenzesblühn, Singen ihm voin Minnezauber, Goldne Lotosblumen glühn.
Doch — im Dunkeln schwebend flieh« dis Schatten — und sein Auge bricht.
ES geleitet ihn der Tod zu Ew'gem Frieden, ew'gem Licht.
___________ Adolf Metz.
Bilderrätsel.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Scherz-Rätsels in voriger Nummert Nähmaschinen, Besen — Chinese (mit dem Zopf),
Redaktion: Trust Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversttäts-Buch- und Stetndruckeret, R. Lange. Ttetzea,


