Ausgabe 
19.2.1906
 
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1Ö7

dies in den Orten der Fall, die ungünstige Verkehrsverhältnisse haben, also wett von der Bahn entfernt sind. Stark vermehrt hat sich die Bevölkerung in den Orten, die in der Rühe von Gießen liegen. Nur einige machen davon eine Ausnahme. So hat Großen- Bnseck nur eine geringe Zunahme, Alten-Buseck und Steinbach so­gar eine Abnahme zu verzeichnen, was bei den beiden letzteren wohl durch die nicht sehr günstigen Verkehrsverhältnisse bedingt ist. lieber 100 pCt. ist die Einwohnerzahl von Trais-Horloff und Winnerod gestiegen, wa§ wohl bei ersterem der Grube Friedrich daselbst zii danken ist. Zur genaueren Orientierung lassen wir eine Üebersicht der Einwohnerzahlen von 1880 und 1905 folgen; die Zu-, bezw. Abnahme ist in Prozenten auSgedrückt.

Gemeinden 1880 1905 Zunahme Abnahme

% %

Albach 371 361 2,7

Mendorf a. d. Lahn 520 719 88,2

Mendorf a. d. Lumda 1120 1125 0,45

Allertshausen

246

266

8,1

Alten-Buseck

1258

1188

5,2

Annerod

514

575

11,8

Bellersheim

586

635

8,3

Beltershaiii

980

310

5,0

Bersrod

372

389

4,6

Bettenhausen

417

354

15,1

Beuern

999

1061

6,2

Birklar

448

486

9,7

Burkhardsfelden

591

721

22,0

-

Climbach

224

252

12,5

Daubringen

614

807

31,4

Dori-Gill

403

402

0,25

Eberstadt mit Arnsburg

530

552

4,1

Ettingshausen

609

568

6,7

Garbenteich

674

814

22,8

Geilshausen

466

467

0,24

Gießen 17 928

28 910

61,2

-

Göbelnrod

220

247

12,2

Großen-Bufeck

1638

1697

3,6

Großen-Linden

1288

1916

54,2

Grünberg

2 259

2165

4,2

Grüningen

774

733

5,3

Harbach

357

398

11,5

Hattenrod

392

426

8,7

*

Hansen

853

518

46,7

Heuchelheim

1779

2 391

34,3

-

Holzheim

1186

1168

1,5

Hungen

1850

1523

12,8

-

Inheiden

346

389

12,7

Kesselbach

402

441

9,7

Klein-Linden

895

164

83,3

Langd

620

573

7,5

Laug-Göns

1467

1629

11

Langsdorf

931

915

1,6

Lauter

426

412

3,3

Leihgestern

1028

1864

32,6

-

Lieh

2 568

2 621

2

Lindenstruth

802

357

18,2

i-

Lollar

1265

2 012

59,9

Londorf

791

879

11,1

Lumda

341

386

13,2

Mainzlar

451

509

12,3

Münster

329

299

9,1

Mufchenheim

703

091

1,7

Rieder-Bessingen

348

313

10

Nonuenroth

351

354

0,9

Obbornhofen

568

618

8,8

Ober-Bessingen

404

349

13,6

Ober-Hörgern

337

352

4,4

--

Odenhausen

804

315

3,6

Oppenrod

303

312

2,9

Queckborn

597

555

7

Rabertshausen

184

194

5,4

Reinhardshain

290

301

3,8

Reiskirchen

675

841

24,6

Rodheim

843

330

3,8

Rödgen

600

694

15,6

-

Röthges

277

264

4,7

Ruddingshausen

680

736

6,8

Ruttershausen

879

428

15,5

-

Saasen

474

500

5,4

Stangenrod

308

308

0

0

Staufenberg

609

729

19,7

Steinbach

1019

1016

0,8

Steinheim

485

515

6J5

-

Stockhausen

159

148

6,8

Trais-Horloff

255

512

100,8

Trais a. d. Lumda

1064

1166

9,2

Trohe

155

198

27,7

-

Utphe

506

557

10

Villingen

936

990

5,7

Watzenborn-Steinberg

1421

1909

34,3

**-

Weickartshain

886

897

18,1

Gemeinden

1880

1905

Zunahme °/o

Abnahm^ 0/ 10

Weitershain Wieseck Winnerod

471

2304

30

524

2877

63

11,2

24,8

HO

Kreis Gießen

69949

88627

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Are Kukimelle Bedeutung der Messe lautete das Thema, über welches Chefredakteur Hugo Jacobi- Müuchen kürzlich in derBereinigung für staatÄmssenfchastliche Fortbildung" in Berlin einen Vortrag hielt. Eruleiteud wies! ^acobi darauf hin, wie in unseren Tagen die Presse Handeln und Wollen, Empfinden und Denken der Gesamtheit durchdnngt und Wie es keinerlei Verhältnisse des geistigen und wirt,chast- lichen Lebens gibt, die sie nicht beständig beeinflußte. Man darf heute Nn Bedeuten tragen, dies Aute auch rnr »Ze!der Um- versität auszusprecheii, wenn auch ^rade Re WstsEaft lauge acit der Presse treinb gegenüber geitanden hat. Aber ganz zu Unrecht Unter ben Vertretern der Presse sind die geschichtlichen Namen der führenden Männer zn finden. Anw sollte die Wiprn- ickait bcdeulen, daß die Eriorschung der ^Geschichte und des Wesens der Presse eine sehr lohnende wissenschaftliche Aufgabe ist. Aber auch ohne die Unterstützung der Wissenschaft hat die ~ebre vvn der Presse sich das Bürgerrecht tn der.Wsssensch^t erworben. Das liegt an ihrer WirkuugLkrast. Was sich durch- fefcen will bedarf der Publizität, und ohne Pubuz.mr gwr es keine Publizität. Nicht bloß die Verzeichnung uuo Verbreit- una der Geschehnisse ist nämlich die Aufgabe der Presse, sondern auch die Meldungen zu verarbeite!, und Anregungen zu Neuen« daraus abzuleiteii Die Presse meditiert, kritisiert, räsoniert. Die Zeitung ist ein Kind der Buchdruckerkunst. Ansätze dazu gab es freilich schon lange zuvor. Sie gehen auf Assyrien, Bavylon, Rom zurück Auch der neutestamentücheu Briefe ist hier zu aedenkem Jin 14. und 15. Jahrhundert beginnt der Botendienst, ^ie Sammlung von Nachrichten und ihre Vervielfältigung. Im 16. Jahrhundert konimt der Brauch auf, dem Privatbrief eine sur die Allgemeinheit bestimmten Beilage mit Nachrichten beizule^en. Eure andere Quelle der Zeitung bilden dre Flugblätter. 4.ne Zit - gestaltung des Zeitungswesens in der Folge wurzelt in zweierlei, in' der Buchdruckerkunst und in deni Postwesen. Es kommen Märkte für das Nachrichtenwesen zustande, vor allem in Venedig- Bekannt ist der Quellenwert der venetianischen GesandtschafA- berichte. Aber auch die Kaufleute unterhielten m Venedig Nach- richtcnbureaus. Ein anberer solcher Markt,!mr rn dtürilberg. Die Fugger gaben eine Zeitung MM Pre,,e von 4 Kreuzern aus. Eigentümlich ist, daß diese geschriebenen Zeitungen stch hlev und da noch erhalten haben, als gedruckte Zeitungen lchon lange einaeftihrt waren. Für die Bearbeitung der Zeitungen und damit für"ihren Bestand war die Ausbildung deS Verkehrswesens wichtig. Hier war besonders die Herstellung emes regelmäßigen Boten­dienstes mit bestimmten Botenwagen durch die Mufleute von grundlegender Bedeutung. Spater wurde die Post die Fordern hxs Zeituugsweseus. Die Postmeister wurden an manchen Orten Zeitungsherausgeber. Es kam vor, daß eine. Zeckiing ehtgmg, Wenn ihr Herausgeber sein Postmeisteramt verlor. Der Aufsticg des Zeitmigswesens ist in seinen Hauptepochen durch die großen Stufen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung bestimmt. Ein aiideres wurde das Zeitungswesen nach dem dreiMglahngen Kriege. Neue Impulse fommen durch bie Befreiungskriege, g^ wattige Aitregungen vom Jahre 1848 intb eine neue Zeit brach nach dem deutsch-französischen Kriege an. Mit der Entwicklung wuchs der kulturelle Einfluß der Presst, ganz besonders je mehr neben der objektiven Verzeichnung des Neuen vom Lage das Räsonement an Platz und Bedeutung Warnt. Es wäre un­gemein lohnend, diese Entwicklung historiscy zu verfolgen, Die Darstellung würbe einen guten Teil einer "Enzyklopädie des Zeitungswesens" ausmachen, die uns leider noch fehlt. In der Geschichte dieser Entwicklung ivürde sich der Wandel widerspiegeln, 'welche die hervorstechenden Interessen der Nation durchgemacht haben. Zum Beispiel wie die ästhetischen Interessen von den theologischen abgelvst würben; tote bann der konstitutionelle Ge­danke die Gemüter beschäftigte, tmb dann daN Nationalitats- Prinzip, und wie heute rnuerpontilche und sozmlpolttische riraaen ganz im Vordergründe stehen. , Aii den letzteren zeigt sich der enge innere Zusammenhang zwischen dem Leben der Nation und den Zeitungen Durch bie Einführung des allgemeinen Stimm­rechts sind^die breiten Schichten ben allgemeinen Interessen An­geführt worden; sie haben mit Einfluß aus die ^staltung der Dinge gewonnen. Der Publizist muß daraum auch auf sw zu wirken suchen. Sein Wirkungskreis wird immer großer. Eine ftOke davon ist, daß in den breitesten Schichten em ganz all­gemeines Jntevesse für bie Tagesereignisse besteht. Wie viele von den kleinen Leuten wußten vor 25 Jahren ^was voii Japan, und jetzt konnten sie nicht genug davon erfalwen. DaKVerlangen, jegliches von Bedeutung ohne Verzug zu erfahren, ist ins Uner­meßliche gewachsen, und dieses Verlangen lutrb dank der Aus­bildung der Technik und der überaus großen Aufwendungen der Zeitungen auch befriedigt. Die Schnelligkeit und die All-