— 1Ö7
dies in den Orten der Fall, die ungünstige Verkehrsverhältnisse haben, also wett von der Bahn entfernt sind. Stark vermehrt hat sich die Bevölkerung in den Orten, die in der Rühe von Gießen liegen. Nur einige machen davon eine Ausnahme. So hat Großen- Bnseck nur eine geringe Zunahme, Alten-Buseck und Steinbach sogar eine Abnahme zu verzeichnen, was bei den beiden letzteren wohl durch die nicht sehr günstigen Verkehrsverhältnisse bedingt ist. lieber 100 pCt. ist die Einwohnerzahl von Trais-Horloff und Winnerod gestiegen, wa§ wohl bei ersterem der Grube Friedrich daselbst zii danken ist. Zur genaueren Orientierung lassen wir eine Üebersicht der Einwohnerzahlen von 1880 und 1905 folgen; die Zu-, bezw. Abnahme ist in Prozenten auSgedrückt.
Gemeinden 1880 1905 Zunahme Abnahme
% %
Albach 371 361 — 2,7
Mendorf a. d. Lahn 520 719 88,2 —
Mendorf a. d. Lumda 1120 1125 0,45 —
Allertshausen
246
266
8,1
——
Alten-Buseck
1258
1188
——
5,2
Annerod
514
575
11,8
Bellersheim
586
635
8,3
——
Beltershaiii
980
310
—
5,0
Bersrod
372
389
4,6
—
Bettenhausen
417
354
15,1
Beuern
999
1061
6,2
•—
Birklar
448
486
9,7
——
Burkhardsfelden
591
721
22,0
—-
Climbach
224
252
12,5
—
Daubringen
614
807
31,4
——
Dori-Gill
403
402
—
0,25
Eberstadt mit Arnsburg
530
552
4,1
—
Ettingshausen
609
568
—
6,7
Garbenteich
674
814
22,8
—
Geilshausen
466
467
0,24
——
Gießen 17 928
28 910
61,2
-—“
Göbelnrod
220
247
12,2
—
Großen-Bufeck
1638
1697
3,6
——
Großen-Linden
1288
1916
54,2
Grünberg
2 259
2165
——
4,2
Grüningen
774
733
—
5,3
Harbach
357
398
11,5
——
Hattenrod
392
426
8,7
*—
Hansen
853
518
46,7
—
Heuchelheim
1779
2 391
34,3
—-
Holzheim
1186
1168
1,5
Hungen
1850
1523
12,8
—-
Inheiden
346
389
12,7
—
Kesselbach
402
441
9,7
Klein-Linden
895
164
83,3
——
Langd
620
573
—
7,5
Laug-Göns
1467
1629
11
—
Langsdorf
931
915
1,6
Lauter
426
412
——
3,3
Leihgestern
1028
1864
32,6
—-
Lieh
2 568
2 621
2
——
Lindenstruth
802
357
18,2
i-—•
Lollar
1265
2 012
59,9
——
Londorf
791
879
11,1
Lumda
341
386
13,2
——
Mainzlar
451
509
12,3
——
Münster
329
299
9,1
Mufchenheim
703
091
—
1,7
Rieder-Bessingen
348
313
—
10
Nonuenroth
351
354
0,9
—
Obbornhofen
568
618
8,8
—
Ober-Bessingen
404
349
—
13,6
Ober-Hörgern
337
352
4,4
—--
Odenhausen
804
315
3,6
Oppenrod
303
312
2,9
—
Queckborn
597
555
—
7
Rabertshausen
184
194
5,4
Reinhardshain
290
301
3,8
——
Reiskirchen
675
841
24,6
■—
Rodheim
843
330
—
3,8
Rödgen
600
694
15,6
—-
Röthges
277
264
—
4,7
Ruddingshausen
680
736
6,8
Ruttershausen
879
428
15,5
—-
Saasen
474
500
5,4
Stangenrod
308
308
0
0
Staufenberg
609
729
19,7
——
Steinbach
1019
1016
—
0,8
Steinheim
485
515
6J5
—-
Stockhausen
159
148
6,8
Trais-Horloff
255
512
100,8
Trais a. d. Lumda
1064
1166
9,2
——
Trohe
155
198
27,7
—-
Utphe
506
557
10
Villingen
936
990
5,7
—
Watzenborn-Steinberg
1421
1909
34,3
•**-
Weickartshain
886
897
18,1
——
Gemeinden
1880
1905
Zunahme °/o
Abnahm^ 0/ 10
Weitershain Wieseck Winnerod
471
2304
30
524
2877
63
11,2
24,8
HO
—
Kreis Gießen
69949
88627
27
Are Kukimelle Bedeutung der Messe lautete das Thema, über welches Chefredakteur Hugo Jacobi- Müuchen kürzlich in der „Bereinigung für staatÄmssenfchastliche Fortbildung" in Berlin einen Vortrag hielt. Eruleiteud wies! ^acobi darauf hin, wie in unseren Tagen die Presse Handeln und Wollen, Empfinden und Denken der Gesamtheit durchdnngt und Wie es keinerlei Verhältnisse des geistigen und wirt,chast- lichen Lebens gibt, die sie nicht beständig beeinflußte. Man darf heute Nn Bedeuten tragen, dies Aute auch rnr »Ze!der Um- versität auszusprecheii, wenn auch ^rade Re WstsEaft lauge acit der Presse treinb gegenüber geitanden hat. Aber ganz zu Unrecht Unter ben Vertretern der Presse sind die geschichtlichen Namen der führenden Männer zn finden. Anw sollte die Wiprn- ickait bcdeulen, daß die Eriorschung der ^Geschichte und des Wesens der Presse eine sehr lohnende wissenschaftliche Aufgabe ist. Aber auch ohne die Unterstützung der Wissenschaft hat die ~ebre vvn der Presse sich das Bürgerrecht tn der.Wsssensch^t erworben. Das liegt an ihrer WirkuugLkrast. Was sich durch- fefcen will bedarf der Publizität, und ohne Pubuz.mr gwr es keine Publizität. Nicht bloß die Verzeichnung uuo Verbreit- una der Geschehnisse ist nämlich die Aufgabe der Presse, sondern auch die Meldungen zu verarbeite!, und Anregungen zu Neuen« daraus abzuleiteii Die Presse meditiert, kritisiert, räsoniert. Die Zeitung ist ein Kind der Buchdruckerkunst. Ansätze dazu gab es freilich schon lange zuvor. Sie gehen auf Assyrien, Bavylon, Rom zurück Auch der neutestamentücheu Briefe ist hier zu aedenkem Jin 14. und 15. Jahrhundert beginnt der Botendienst, ^ie Sammlung von Nachrichten und ihre Vervielfältigung. Im 16. Jahrhundert konimt der Brauch auf, dem Privatbrief eine sur die Allgemeinheit bestimmten Beilage mit Nachrichten beizule^en. Eure andere Quelle der Zeitung bilden dre Flugblätter. 4.ne Zit - gestaltung des Zeitungswesens in der Folge wurzelt in zweierlei, in' der Buchdruckerkunst und in deni Postwesen. Es kommen Märkte für das Nachrichtenwesen zustande, vor allem in Venedig- Bekannt ist der Quellenwert der venetianischen GesandtschafA- berichte. Aber auch die Kaufleute unterhielten m Venedig Nach- richtcnbureaus. Ein anberer solcher Markt,!mr rn dtürilberg. Die Fugger gaben eine Zeitung MM Pre,,e von 4 Kreuzern aus. Eigentümlich ist, daß diese geschriebenen Zeitungen stch hlev und da noch erhalten haben, als gedruckte Zeitungen lchon lange einaeftihrt waren. Für die Bearbeitung der Zeitungen und damit für"ihren Bestand war die Ausbildung deS Verkehrswesens wichtig. Hier war besonders die Herstellung emes regelmäßigen Botendienstes mit bestimmten Botenwagen durch die Mufleute von grundlegender Bedeutung. Spater wurde die Post die Fordern hxs Zeituugsweseus. Die Postmeister wurden an manchen Orten Zeitungsherausgeber. Es kam vor, daß eine. Zeckiing ehtgmg’, Wenn ihr Herausgeber sein Postmeisteramt verlor. Der Aufsticg des Zeitmigswesens ist in seinen Hauptepochen durch die großen Stufen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung bestimmt. Ein aiideres wurde das Zeitungswesen nach dem dreiMglahngen Kriege. Neue Impulse fommen durch bie Befreiungskriege, g^ wattige Aitregungen vom Jahre 1848 intb eine neue Zeit brach nach dem deutsch-französischen Kriege an. Mit der Entwicklung wuchs der kulturelle Einfluß der Presst, ganz besonders je mehr neben der objektiven Verzeichnung des Neuen vom Lage das Räsonement an Platz und Bedeutung Warnt. Es wäre ungemein lohnend, diese Entwicklung historiscy zu verfolgen, Die Darstellung würbe einen guten Teil einer "Enzyklopädie des Zeitungswesens" ausmachen, die uns leider noch fehlt. In der Geschichte dieser Entwicklung ivürde sich der Wandel widerspiegeln, 'welche die hervorstechenden Interessen der Nation durchgemacht haben. Zum Beispiel wie die ästhetischen Interessen von den theologischen abgelvst würben; tote bann der konstitutionelle Gedanke die Gemüter beschäftigte, tmb dann daN Nationalitats- Prinzip, und wie heute rnuerpontilche und sozmlpolttische riraaen ganz im Vordergründe stehen. , Aii den letzteren zeigt sich der enge innere Zusammenhang zwischen dem Leben der Nation und den Zeitungen Durch bie Einführung des allgemeinen Stimmrechts sind^die breiten Schichten ben allgemeinen Interessen Angeführt worden; sie haben mit Einfluß aus die ^staltung der Dinge gewonnen. Der Publizist muß daraum auch auf sw zu wirken suchen. Sein Wirkungskreis wird immer großer. Eine ft’Oke davon ist, daß in den breitesten Schichten em ganz allgemeines Jntevesse für bie Tagesereignisse besteht. Wie viele von den kleinen Leuten wußten vor 25 Jahren ^was voii Japan, und jetzt konnten sie nicht genug davon erfalwen. DaKVerlangen, jegliches von Bedeutung ohne Verzug zu erfahren, ist ins Unermeßliche gewachsen, und dieses Verlangen lutrb dank der Ausbildung der Technik und der überaus großen Aufwendungen der Zeitungen auch befriedigt. Die Schnelligkeit und die All-


