Areitag den 19. Januar

1906.

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Jem Wahren- ßdken, Schönen.

Ein Großstadtroman von Fedor t>. Zabeltitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Er tat dies mit Kraft und Innigkeit und machte dazu ein verblüffend harmloses Gesicht, während es über die blassen Züge des Grafen eigentümlich wetterte, als lägen dort mannigfache Empfindungen im Hader darüber, wie sie sich äußerlich geben sollten. Priestap wußte nicht recht, was er sagen sollte' aber Hammer erfaßte mit klugem Klicke die eigentümliche Situation und rief:

Bravo, meine Herren! Ich stehe auf gleichem Stand­punkt wie Sie und glaube Ihnen garantieren zu können, daß bei uns immer nur der ideale Gesichtspunkt maßgebend sein wird. Damit hoffe ich, werden auch Ihre Bedenken gehoben fehl, Herr Graf, denn ich gestehe Ihnen ohne weiteres zu: es liegt uns viel an Ihnen, sehr viel."

Er verbeugte sich und sammelte alle Verbindlichkeit auf seinem Antlitz, obwohl es ihm in diesem Augenblick und gerade dem Hofmarschall gegenüber schwer fiel.

Der wiegte den Kopf wie ein Perpendikel hin und her. Sehr gütig, Herr Baumeister", sagte er;ich bleibe also. Ich will Ihnen auch mitteilen, daß meine gnädigste Herrin meine Ansichten teilt, Sie hat seit sieben Jahren kein Privat­theater mehr besucht, weil sie, nun also, weil sie die neuere Dramatik fürchtet. Das letzte Stück, das sie gesehen hat, warenHascmanns Töchter". Herr Baumeister, Hoheit die Prinzessin hofft viel von Ihnen. Sie wird Ihrer Bühne auch eine gnädige Prolektorin sein, wenn sie sieht, daß es Ihnen heiliger Ernst ist. Und noch mehr, doch das unter uns ...." Der Graf spitzte den Mund, hielt die Zipfel seiner Favoris mit beiden Händen fest und riß die Augen weit auf, was seinem Angesicht einen merkwürdig dummen Ausdruck gab. Das weitere flüsterte er nur....Herr von Priestap, das unter uns, wenn ich bitten darf. Die Prinzessin ist sehr musi­kalisch. Sie hat eine geistliche Oper gedichtet und allerhöchst- selbst komponiert, so eine Art Mysterium mit Chören und Wechfelgefängen, betitelt"

Der Esel Bileams", fiel Prinz Arenstein ernsthaft ein.

Nein", fuhr der Kammerherr unbekümmert fort,es heißtDurch die Wüste gen Nazareth". So heißt es und ist stellenweise von hoher Schönheit. Sie hätte nicht übel Lust, es bei Ihnen aufführen zu lassen naturgemäß unter einem Pseudonym. Aber es würde ja doch durchsickern, daß sie die Verfasserin ist und denken Sie, welche unbeschreibliche Folie dies Ihrem Theater geben würde! . . ."

Der Graf sagte dies mit förmlicher Begeisterung. Prinz Arenstein war an ein Gemälde getreten und betrachtete es

aufmerksam und schien es sehr amüsant zu finden, donn er lächelte. Der Baumeister aber erwiderte mit nochmaliger Verbeugung:

Jedenfalls würde es eine große Ehre für uns fein, Herr Graf. Ich wiederhole: die Herren können sich darauf verlassen, daß das Theater allein nach künstlerischen Prin­zipien geleitet werden soll."

Und das genügt uns", sagte der Prinz und wandte sich um.Frehlinghaus, ich meine, damit ist unser Gewissen beschwichtigt. Du kannst deiner Prinzessin vermelden, daß sie beruhigt auf eine Loge abonnieren darf. Im übrigen habe ich die Ueberzeugung, daß der Herr Baumeister und der Baron Priestap nicht zögern werden, dem Verein zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit beizutreten, wenn dies deiner Ho­heit angenehm sein würde. Oder i|t cS der Bund zur Er­haltung der Tugend Minderjähriger, dessen Vorsitz die Prin­zessin führt?"

Arenstein", erwiderte der Graf,du scherzest: aber das ist hier wirklich nicht am Platze. Nein, durchaus nicht. Ich überlasse es den Herren, ob sie Mitglieder unserer Vereini­gungen werden wollen, die im übrigen mehr Segen stiften, als'du ahnst, lieber Freund. Allerdings es wurde ein glänzender Sieg unserer Sache sein, wenn das Personal des neuen Theaters in corpore unserem Tugendbunde beitreten wollte aber ich möchte darüber nicht bestimmen*

Ich weiß auch nicht, ob es praktisch sein würde", warf Hammer ein.Für die Opernsouffleuse könnte ich mich freilich verbürgen; die ist bereits engagiert und würde sich unschwer dazu bewegen lassen. Aber die anderen Mitglieder muß ich erst kennen lernen. Dem Tenor, den wir in Aus­sicht haben, würde eine erhöhte Tugend zweifellos nichts schaden; indes bin ich doch ungewiß, ob sieh mit Zwangs- regeln da etwas erreichen läßt."

Vielleicht kann man das Ballet zu irgend einer glor­reichen Tat veranlassen", meinte der Prinz, wie immer mit tiefernster Miene,um der hohen Frau gefällig zu sein. Ich bin gewiß, daß es ihr eine große Genugtuung be­reiten würde, wenn man beispiclsiveise gemeinschaftliche Ballet-Abendandachten einführen wollte, konfessionslose natür­lich ..."

Der Spott war zu derb, um mißverstanden zu werden. Selbst Priestap, der sich über den Prinzen noch nicht völlig im klaren war, lächelte, und Hammer pruschte laut heraus.

Graf Frehlinghaus wurde unwillig.Heros, der Scherz ist wohlfeil", sagte er und griff nach seinem Zylinderhut. Im übrigen bin ich nicht hier, um für unsere Bestrebungen Propaganda zu machen. Ich glaube, die Herren werden mich recht verstanden haben."