484
von den Grenztürmen aus konnten durch Signale die Truppen der Kastelle benachrichtigt werden.
War so die Provinz Obergermanien durch den Limes vom Main bis zur Nordgrenze am Vinxtbach hin nach Möglichkeit gesichert, so wurde noch am Ende desselben Jahrhunderts die Mainlinie von Großkrotzenburg (südlich von Hanau) bis Miltenberg durch die Neckarkastelle mit der Donaulinie verbunden. Alle diese Grenzfestnngen stützten sich auf Mainz und Straßburg als Hauplwaffenplätze. Tas ganze Erenzland stand unter der straff zentralisierten Mili- tärverwaliung, die der Höchstkommandierende in Mainz (legatus Augusti pro praetbre) leitete. Ihm persönlich war die Feldgendarmerie unterstellt, die sich aus besonders zuverlässigen Legionären zusammensetzte und ihre Stationen an den wichtigsten Straßenkreuzungen und an den aus dem feindlichen Land in das Reich einmüudenden Wegen hatte und u. a. auch die Besatzungen an der Grenze überwachte.
Im zweiten und dritten Jahrhundert lockerte sich das enge Verhältnis von Mainz zuni Limes mehr und mehr. Dieses hatte unter Domitian und Trajan ausschließlich militärischen Zwecken gedient. Unter Hadrian wurde das anders. Auf ausdrücklichen Befehl dieses Kaisers wurden die großen Kastelle des Binnenlandes (Hofheim, Heddern- heini, Okarben, Friedberg) aufgegeben, dagegen die Cweuz- kastelle, die bisher nur aus Erdumwallungen bestanden, irr Stein aufgeführt, so z. B. die Saalburg, Marköbel, Großkrotzenburg. Der Limes hatte eben nicht mehr seine alte militärische Aufgabe; das zeigt sich auch an der Limesstrecke Miltenberg—Walldürn—Haghof (schwäbische Alb), die der Kaiser Antonius Pius als kerzengerade Linie, ohne Rücksicht auf das Gelände zu nehmen, ausführen ließ, indem er so eine neue Verbindung zwischen Main und Donau schuf. Hadrian aber hat außerdem „die ganze Reichsgrenze, wo sie nicht durch Flußufer, sondern durch Limites abgeschlossen war, mit Holzpallissaden gesperrt". Wodurch rechtfertigte sich denn nun diese Umgestaltung des Grenzschutzes?
Die Germanen waren durch das seitherige Systemtat- süchlich der großen Angriffe entwöhnt worden; dieses also hatte seine Aufgabe durchaus erfüllt. Schon unter Hadrian scheinen nur noch kleinere Räubereien und Grenzverletzungen vorgekommen zu sein, und diesen sollte die Neuordnung der Verhältnisse abhelfen; es war weniger eine Grenz- verteid'rung an unserm Limes, als vielmehr eine Grenzpolizei. Eine Linie von ungeheurer Ausdehnung wurde überwacht von einem ganz auseinandergezogenen Truppenkordon, der wenig tatsächliche Widerstandskraft besaß. Auch " in dieser Zeit waren doch die Festungen Mainz und Straßburg der unentbehrliche Rückhalt, ohne sie hätte der Limes nicht lange gehalten werden können.
Als im dritten Jahrhundert unter schwachen Kaisern die Wehrkraft des Reiches erlahmte, da drängten die germanischen Scharen zuerst in Raetien und dann auch in Obergermanien immer wieder über den. Limes. Was half es da, daß man in Raetien die Pallissaden durch eine Steinmauern ersetzte, daß man in Obergermanien hinter den llissaden her einen Spitzgraben legte (daher der Name , . fahlgraben"), daß man die Grenzbevölkerung militärisch organisierte, die Kastelle vermehrte und verstärkte? Auch einzelne Vorstöße, wie der des Kaisers Caracalla, vermochten die Germanen nicht zurückzuhalten und so wurde unter Gallienns' Regierung der obergermanische Limes gebrochen, fortan war wieder der Rhein die Grenze des Reiches.
___________ H. S.
Für die Hausfrau.
— Nene Sa late. Ebenso wie die „Künstler" und „Künstlerinnen", die für die mehr oder weniger geschmackvolle Entwickelung der Mode verantwortlich sind, geivöhnlich keine leichte Ausgabe haben, wenn es gilt, etwas Neues zu erfinden, so tostet cs Von „Chefs" in den fashionablen Hotels des Londoner Westendcs manchmal böse Kopfschmerzen, bis cs ihnen gelingt, den Gästen ein neues Gericht vorzusetzen, das allseitig Anklang findet, und das muh unbedingt geschehen, wenn der Name eines Nestauranls nicht verlieren soll. Die Leute müssen wissen, daß sie diese oder jene neue Speise nur da oder dort zu essen bekonnnen, denn sonst kommen sie nicht. In der gegenwärtigen warme» Sommcrperiode essen die meisten Menschen gern Salat, und das ist das Gebiet, auf welchem sich die Chefs der berühmten Restaurants und Hotels zurzeit den Rang abzulausen suchen. Ans den mcrkivürdigsten Dingen werden
dieselben hergesteNt, denn den gewöhnlichen grünen Salat mag niemand mehr, den bekommt inan ja schließlich auch in jedem billigen Restaurant. In den vornehmen Hotels ißt man nur noch Bluinen- und Fruchtsalat. Der erstere wird aus den Blütenblättern der verschiedensten Blumenarteir gemacht und der andere aus Bananen, Orangen, Johannisbeeren und Erdbeeren. Die letzteren essen besonders die Amerikaner gern. Tann ist zurzeit ein japanischer Salat sehr beliebt, der unter dein Namen Salade Mikado in London sehr schnell bekannt geworden ist. Derselbe wird aus den Blättern von Roseuknospen gemacht und zwar werden diselben mit den Btütenblättern der weißen Nelke gemischt. Tie Blumen- und Fruchtsalale werden nicht mit Essig angemacht, sondern mit einer Kapernsauce, in die etwas Zitronensaft gemengt wird. Im Savoyhotel bekommt man einen Salat, der aus iveißen Herzkirschen bereitet wird, oder Salade d'amour, der aus Schlotter- äpseln gemacht ivird, dann Salade Jndienne, der bcsoiiders aus Reis besteht, rind Salade coloniale oder Salade savourite, aus Ananas, bezw. Bananen.
VeVMZschltss.
* Die Zahl der Selbstmörder belief sich nach der amtlichen „Etat. Korresp." im preußischen Staate wahrend des Jahres 1904 auf 7290, und zwar 5652 Manner und 1638 Frauen. Von 1900 bis 1904 schwankte die jährliche Zahl der Selbstmordfälle, auf 100 000 Lebende berechnet, insgesamt zwischen 20 und 21. Bei den Männern betrug sie 32—34, bei den Frauen zwischen 8 und 9. Der Selbstmord kommt also bei den Männern fast viermal so häufig vor, als bei den Frauen. Ueber die Beweggründe ist ermittelt worden, daß unzweifelhaft bei 1810 Selbstmördern, also bei mehr als einem Viertel, Geisteskrankheit vorlag. Als fernere Ursachen werden angegeben: Nervenkrankheit (190 Fälle), Geistesschwäche (79), Leidenschaften (222), Trauer und Kummer (775), Reue und Scham, Gewissensbisse (505), Aerger und Streit (132), körperliche Leiden (689), Alkoholismus (697). Unter den Fällen, in welchen der Alkoholismus als Ursache aufgeführt wird, sind diejenigen zufammengestellt, bei denen der Trunk nachweislich, direkt und hauptsächlich die Ursache bildete. Unter den übrigen aufgeführten Fällen, in welchen andere Ursachen genannt werden, spielt, wie eingehende Untersuchungen ergeben haben, der Mißbrauch geistiger Getränke als indirekte oder mitwirkende Ursache seine Rolle. Dies gilt besonders für die Geisteskrankheiten. Die Zahl der Selbstmorde, welche auf das Schuldkonto des Alkohols zu setzen sind, dürfte etwa ein Drittel betragen.
* Ein Fliegen forscher will durch lange und mühevolle Versuche allen Ernstes folgendes statistische Faktum hcrausgefnn- den haben: Er sperrte 3000 Fliegen in ein Zimmer, in dem sich nichts Anknabberungsmögliches befand als ein Hut Zucker. Innerhalb sechs Tagen war keine Spur mehr von dem Zucker vorhanden. Danach kommt, sagt der große Gelehrte, auf eine Fliege dreizehn Hundertstel Pfund Zucker in vier Wochen, ungefähr 8 Pfg. Wert. In einem Hotel, fährt nun der Fliegenforscher fort, verkehrten in einer Saison ca. 13 Millionen Fliegen (Mahlzeit!). Auf jede Fliege kommen dabei 20 Pfg. Nahrung, also hatte er während des Sommers ca. 261000 Mark für Fliegenfutter auf sein Unkosten-Konto zu schreiben! — Dieser höchst komische Ernst scheint uns die beste Erklärung für die wahrhaft unverschämte» Preise mancher Hotels zu sein.
LrLevKL'isches.
— Die bei der Teutjche» BerlagS-Anstalt in Stuttgart in Lieferungen erscheinende Illustrierte Volksausgabe von S ch i l l e rs W c r k c n nähert sich ihrem Abschluß; die Lieferungen 47—52 enthalten die erste Hälfte des 4. (Schluß-)Bandcs, in dem die historischen Arbeiten vereinigt sind, und zivar finden ivir von diesen hier die „Geschichte des Abfalles der Niederlande", die dem jungen Dichter die Berufung an die Jenaer Universität eintrug und ihm die Anregung zu dem „Don Carlos" gab. Die Illustrationen rühren größtenteils von H. Knackfuß her.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Feinschmecker lieben mich zärtlich, im Meere ist meine Heimat; Aenderst ein Zeichen du nur, sichst du bei Reisenden mich. M.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung dcs magischen Quadrats in voriger Nummer:
A | D | R j A D | A | A j L R | A | ü | B A | L | B | E
Redaktion: Ern» L>eß. — .Rotationsdruck und Verlag der Brühs'fchen Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen«


