Ausgabe 
18.4.1906
 
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Menschen. Auch selbst wenn sie ihn schon aus dem Gesichte ver­loren haben, beruhigen sie fick' nicht und beriechen die Spuren, die er im Sande zurückließ. Sie springen von Fußstapsen zu Fußstapfen und heulen zwischendurch zum Himmel auf, als wollten sie ihren Feind dort verklagen. Ein solcher Mensch kann sich unbesorgt dem wütendsten Kettenhunde nähern. Der Hund kommt wohl heulend und bellend hervor, kriecht aber, wenn der Hunde­schlächter nahe herzugcht, sogleich winselnd in sein Loch zurück."

Aus Chemnitz wurde anfangs des Jahres 1897 gemeldet: Durch die Tatsache, daß am hiesigen öffentlichen Schlachthofe besondere Räume zur Abscklachtung von Hunden eingerichtet wor­den sind, ist der Genuß des Hnndefleisches für Menschen ge- wiffermaßen behördlich gntgehcißen worden. Aus diesem Grrinde haben die hiesigen Schlachthoftierärztc die Untersuchung des Himdefleisches .auf Trichinen' schon vor längerer Zeit beantragt. Bei der unterdessen fakultativ eingeführten Untersuchung des .Hnndefleisches wurde gestern das Vorhandensein von Trichinen im Fleische eines zu Genußzwecken geschlachteten Hundes nach- gcwiesen."

ES ist dies also Genuß von Hnndefleifch unter behördlicher Aussicht,offizieller" Hundeflcischgcnuß, wie man sagt. An welchen Orten Hundeoffiziell" gegessen werden, darüber gibt dasSta­tistische Jahrbuch deutscher Städte" eine interessante Auskunft: Hunde werden offiziell in Breslau, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Zwickau ii. a. geschlachtet. Die meisten Schlachthunde, im Jahres- dnrchschnitt 226, hat die Stadt Chemnitz in Sachsen zu verzeichnen.

An dieser Stelle sei noch eines für jeden Hundefreund höchst bedauerlichen, aber äußerst tragikomischen Mißverständnisses ge­dacht, dem ein edles Tier zum Opfer fiel. Wie bereits erwähnt, sind die Chinesen Hundefleischesser. Bei der Reise des ver­storbenen chinesischen Staatsmannes Li-hnng-tschang durch Europa ereignete sich nun folgender Vorfall: Li-hung-tschang hatte be­kanntlich eine besondere Verehrung für seinen früheren'Waffen­genossen, den im Sudan gefallenen General Gordon, und als' er in London verweilte, besuchte er dessen Grabstätte und legte vor dem Denkmal des Helden einen prachtvollen Kranz nieder. Ein dem verstorbenen General nahestehender Verwandter, Mr. B. Gordon, war über die Pietät Li-hung-tschangs so gerührt, daß er sich veranlaßt sah, dem greisen Staatsmann auch eine Freude zu machen. Mr. B. Gordon besaß ein wahres' Prachtexemplar von einem Bull-Terrier: jngendfrisch, tadellos in der Form, mehrfach preisgekrönt, klug und ergeben, rind ausgestattet mit allen Tugenden, wie sie nur einem Bollbluthunde eigen sind. Dieses edle Tier wurde nun von Mr. B. Gordon als Geschenk aus'ersehen und dem gelben Diplomaten mit einem paffenden Begleitschreiben übersandt. Die Antwort lieh nicht lange auf sich warten, rmd Mr. Gordon brannte vor Begierde, was der glückliche Besitzer seines Hundes zu sagen hatte. Aber ivie groß wav sein Schrecken, als er den folgenden Brief las:Mein lieber Gordon, indem ich Ihnen für die Nebersendung des Hundes bestens danke, teile ich Ihnen mit, daß ich selbst kein Hundesleisch mehr esse, aber mein Gefolge, dem ich "bett Hund übergab, ließ sich ihn recht gut schmecken. Ihr ivohlgelungener Li."

Der Hund, dieser brave, treue Hausfreund des Menschen, ist, das ist aus den eben gebrachten Ausführungen aufs un­zweideutigste ersichtlich, von der Natur selbst nicht dazu be­stimmt, dem Menschen zur Speise zu dienen. Der Widerwille, der sich in unserem Gefühl gegen den Genuß seines Fleisches unwillkürlich regt, erscheint uns als eine Abmahnung vor der Verirrung des Menschen, das treueste aller Tiere als ein Speiseobjekt zu betrachten, und die Intelligenz des Tieres selbst, die sich gegen eine derartige Vergewaltigung sträubt, offenbart sich in der Feindschaft des Hundes gegen den Hundeschlächter und Hundeesser. In unseren Kulturländern, so schließt E. Floeßel diesen Abschnitt seines, wie man sieht, sehr lesenswerten Buches, bedeutet der Genuß von Hundefleifch einen Rückschritt in der Kultur älter derer, die ihn suchen und pflegen.

VermischLes.

* Wie Kinder beim Essen sich benehmen sollen. ES ist durchaus i'.icht einerlei, ob ein Kind schnell oder langsam ißt. Sehr viel Magcnlciden entstehen durch hastiges Essen und schlechtes Kauen. Auch die Zähne leiden, wenn ihnen nicht von früh auf das notwendige Teil Arbeit zugemutet wird. Sobald ein Kind imstande ist, Messer und Gabel selbständig zu handhaben, gebe man ihm unermüdlich die richtige An­weisung, wie es diese Eßgeräte mit Anstand zu benutzen hat. Ein gutes Beispiel arbeitet natürlich vor und unterstützt den Erfolg. Deshalb sollten sich Eltern niemals in Gcgeuwart ihrer Kinder gehen lassen.' Ehe das Kind alt genug ist, ohne Gefahr Misscr und Gabel zu gebrauchen, zer- ileinere man ihm die festen Speisen und gebe ihm statt des Messers einen Löffel. Das Kanen geschieht bei geschlossenem Munde, damit nicht das häßliche Schmatzen oder das hörbare Kauen der Tischgenosseu den Appetit verdirbt. Man achte auch darauf, daß das Kind nicht zu große Speisc- mengen in den Mund nimmt; cs ist ein wenig erbaulicher Anblick, wenn ein Nachstopfen mit dem Löffel oder gar mit den Fingern notwendig wird, weil die Mundhöhle die Fülle, der Speisen nicht zu fassen vermag, abge­sehen davon, daß die Serviette wohl zum Abwäschen des Mundes dienen

soll, aber nicht zur Aufnahme von Speiseresten. Kinder, vis schnell und hastig essen, werden kurze Zeit darauf verdrießlich und mißgestimmt. Kein Wunder, ihr kleiner Magen muß eine Arbeit verrichten, die von den Zähnen unterlassen wurde; daraus entsteht ein allgemeines körperliches Unbehagen, das sich in schlechter Laune kundgibt. Auf alle Fälle sättigt und nährt langsam gekautes Essen sehr viel mehr als hastig hinunter- geschlungeneS. Der beste Lehrmeister ist hier wie bei jeder erzieherischen Tätigkeit, das Beispiel und die Gewöhnung. (Prakt. Wegw.)

* Ans Kindermund. Edith (dreieinhalb Jahre alt) geht "mit ihrer Mama im Winter nachmittags spazieren und zeigt verächtlich nach dem Firmament.Schau, Mama, der dumme Moud! Er glaubt, es ist schon

LrtsVamsches.

Von der in Lieferungen erscheinenden Illustrierten Volks-! ausgabe von Schillers Werken (Stuttgart, Deutsche Ver­lags-Anstalt) sind weitere sieben Lieferungen (2632) ausgegeben worden, womit jetzt die beiden ersten Bände vollständig vor- uegen. Den Inhalt der neuen Lieferungen bilden die letzten Szenen vonWallensteins Tod", fernerMaria Stuart",Die Jungfrau von Orleans'" undDie Braut von Messina", endlich me ersten vier Szenen des den dritten Band eröffnenden Schan- --Wilhelm Teil". Das reiche Bildermaterial, von dem die klassischen Schöpfungen des Dichters in der vorliegenden Ausgabe begleitet sind, macht diese zu einer der wertvollsten, die wir haben; es fetzt sich aus fast 800 Holzschnitten zusammen, die zum kleineren Teil aus Titel- und Schlußvignetten, Zierleisten und andrem Buchschmuck bestehen.

/o LeTraducteur (14. Jahrg.) und The Translator (3.öttlyrg.) Halbmonatsschriften zum Studium der französischem englischere und deutschen Sprache. Bezugspreis je 2.50 Fr) halb­jährlich. Verlag in La Chaux-de-Fouds (Schweiz). Wer sich auf angenehme Weise in der franz, und engl. Sprache ver­vollkommnen will, dem empfehlen wir ein Abonnement auf diese Lehrschriften, deren Vorzüge sind: Zweckmäßige Anordnung, Vielseitigkeit des Stoffes, gediegene Uebersetzungen und Anmerk- ungerr. Sie gestatten eine mühelose Bereicherung des Wortschatzes und führen den Lernenden in einfachster Weise in die eigen­tümlichen Redewendungen der fremden Sprachen ein. Außer­dem wird den Lesern Gelegenheit geboten, mit Franzosen oder Engländern in Briefwechsel zu treten.

Kunst.

Dies Hundeleben muß anders werden!" Das ist die Tendenz zweier höchst gelungener satirischer Kunst­blätter in OuersolioformatVor dem Streik" und Erstes Hunde-Parlament", die in dem Verlage von W. Vobach n. Co., Berlin, nach dem Gemälde von F. Berner vor kurzem erschienen sind. AufVor dem Streik hält ein int Dienste der Menschheit hart mitgenommener Ziehhund eine Brand­rede vor seinenGenossen". Auf dem anderen entwickeltMohr- chen", der Kanzler, fein Programm von den Mgeordueten deS neuen Hundereiches. Die Komik der originellen Bilder liegt nicht nur in ihrer Tendenz, sondern auch in der trefflich iudividnali- fierenbeit Darstellung des Gesichtsandruckes der aufnrerksam lau­schenden Vertreter der verschiedenen Hunderassen. Die in Photo­gravüre vorzüglich reproduzierten Kunstblätter (ä 2 Mk.) bilden als Pendants einen hübschen Zimmerschmuck und seien allen, die Sinn haben für die Komik in der Tierwelt, empfohlen.

Arithmogriph.

Nachdruck verbotent

1 8 9 2 4 ein Kleidungsstück,

2 3 6 1 2 Bcnnn.

3 9 6 1 12 Badeort in Oesterreich.

4 2 11 2 12 wird den Schiffen oft gefährlich.

5 2 3 1 2 5 ein Vogel.

3 12 12 34839 nordamerikanischer Freistaat.

6 3 6 2 5 8 römischer Redner.

1 2 3 4 2 deutscher Dichter.

723 12 6124 eine Blume.

8 5 12 2 10 niederländischer Maler,

4 2 3 9 9 2 Stadt in Schlesien.

9 2 5 11 8 2 4 ein Land.

10 2 8 7 3 12 Stadt in England.

11 2 3 12 ein Werkzeug.

2 12 11 2 ein Fluß.

12 2 5 8 türkische Insel.

Die Anfangsbuchstaben der gesuudeuen Wörter ergeben den Namen eines Geschichtsforschers.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des VexirbildS in voriger Nummer r

Der Bär steckt über der Wegkrümmung mit dem Rücken nach unten, der Wolf befindet sich an den Hinterbeinen des Bären.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,