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„Kate", Mmnelte sie kaum hörbar, „wollen Sie uiie vergeben'?"
„Won ganzem Herzen", war dis Erwiderung. „A-ch ich habe Sie um Vergebung zu bitten. Ich habe Sie verraten, aber der Verlust meiues! cmziigen Sohnes hatte mich von Sinnen gebracht."
Und die beiden Frauen küßten sich wie ihresgleichen int Angesichte des Allversöhners Tod. —
Kate Jefferies liegt neben ihrem Sohne auf dem stillen Kirchhofe in Kenningsthorpe; das nette Häuschen und Gärtchen in Elton ist in andere Hände übergegangen, und das Andenken an die einfache Frau, die so viel erduldet, erlischt mehr und mehr.
Und noch ein Tag höchsten, innigsten und strahlendsten Glückes kam für Lady Wayne, als sie ihre einzige Tochter mit Lord St. Gilbert, und ihren erstgeborenen Sohn, Werner Aylesford, mit Lilly Gizzard trauen sah.
Bis zur Stunde erzählt man noch auf Kenninghall von dem Glanze dieser Doppel-Hochzeit — wie die Glocken festlich Und freudig von Kenningsthorpes Kirchturm läuteten; wie die Vögel' im Sonnenschein sangen, und die ganze Natur ihr fröhlichstes und festlichstes Gewand trug; wie großartig und prachtvoll das Schloß geschmückt war, und tote' vornehm die Trau-Gesellschaft war, die die alte Kirche füllte. Da stand Lord Wayne, ritterlich und stattlich; man sah in seinen freudestrahlenden Zügen keine Spur des vergangenen Kummers, nur leichte Silberfäden in dem vollen Haar kündeten den Eingeweihten davon. Da waren auch Lord Romfey und Geinahlin, beide gerührt und glücklich über das Glück ihres Sohnes. Da war auch Marian West, einfach und vornehm wie immer; ihr liebes gutes Gesicht trug noch Spuren von allem, was sie erduldet, und doch war es auch wieder das ruhige, zusiiedene Gesicht Eurer, die nach langen schweren Kämpfen Ruhe und Frieden gefunden hat.
Lady Wayne hatte nie schöner ausgesehen, als am Tage dieser Doppelhochzeit ihrer Kinder. Ihr schönes Antlitz war ruhig, friedvoll urrd heiter, ihr edles goldenes Haupt hielt sie halbgesenkt in süßer, anmutvoller Demut. Der Ausdruck ihres Gesichtes war ergreifend; ein Menschenkenner hätte eine ganze Geschichte darin gelesen.
Die Bräute waren reizend und hold wie der Traum eines Dichters; und was ihre Erwählten betrifft, so wäre es wohl schwierig gewesen, ein Paar hübschere Männer zu finden, wie Lord St. Gilbert und Werner Aylesford —, jeder in seiner Art und Weise — waren.
So — unter dem Schatten der Myrten und Rosen — wollen wir sie nunmehr verlassen.
Für de» Weihnachtstisch.
— Künstlerische Bilderbücher. Die graphischen Künste haben in den letzten Jahrzehnten ganz außerordentliches geleistet, um den Geschmack des Volkes zu heben. Aber auch „die Kunst int Leben des Kindes" ist nicht vernachlässigt worden. Ein rechter Pfadfinder auf diesem so nngentein wichtigen Gebiete wurde die Bilderbnchsirnra Jos. Scholz in Mainz. Sie hat in ihrer Art das ihre getan, dem alten Vorort dev „schwarzen Kunst", Mainz, zu neuem Ansehen zu verhelfen. Sie brach mit der alten Praktik, die den handwerksmäßigen Litho- grapheu als ausreichenden Künstler für die Bilderbücher der Kleinsten anfah und stellte mit großen Opfern eine Reihe der angesehensten Meister deS Pinsels und des Zeichenstifts in den Dienst der größeren Babys und der ABC-Schützen, treu der Uebcrzeugung, daß das Beste gerade genug sei für unsere Jugend. Auch die Bücher und Hefte, die sie diesmal wieder auf bett Weih- nachtsbüchermarkt bringt, beweisen, daß sie rüstig fortschreitet auf dem betretenen Wege und den Kindern wieder das zu bieten sucht, was ihretn Berstättdnis nahe liegt und dabei ihren Sinn für das Schölte fördert und etckwickelt. Wie prächtig, wie zweckentsprechend ist beispielAweise ihr Bilderbuch: „Backe, backe K u ch e n", Liebe Kinderreime mit Zeichnungen von Franz Jüttner, das in zwiefacher Ausstattung vorliegt, eütmal unzerreißbar auf Pappe (3 Mk.) für die Kleiitsten und dann auch auf Papier (ebenfalls 3 Mk.) für Kinder, bereit Händchen man schon eher ein Buch anvertrauen darf. — Als etwas ganz besonders Schönes und Eigenartiges begrüßen wir auch eine Folge von Kinderliedern unter dem Titel: „Kinbersang — Heimatklang". Die Serie ist vorzüglich und geschmackvoll ausgestattet, Titel und Vorsatzpapier sehr schön und wirksam. Aber der Wert dieses Buches wird gleich deutlich durch die Tatsache, daß Ern ft Liehe r m a n n, der ausgezeichnete, von echt deutschem Empfinden
beseelte Zeichner, der besonders für' die Regungen der Kinber- seele ein feines Verständnis offenbart, den Bilderschmuck schuf, während Meister BernhardScholz, der hervorragende Frankfurter Tonkünstler, den Tonsatz nach dem alten, lieben Melodien lieferte. Es liegen zwei Bücher dieser Serie (jedes Buch 1 Mk.) vor, die auch in einem vereint (2 Mk.) zu haben sind. Von den beliebten Kvlorierbilderbüchern (jedes Heft 50 Psg.) sind auch wieder mehrere erschienen. Da ist ein Heft „Haustiere" von RichardScholz und dann sind zwei neue Landschaftsmalbücher .und ein Postkartenmalbuch von Altmeister Hans Thoma da. Wo ein deutscher Künstler dieses Ranges sich der Jugend widmet, da kann nur Gutes entstehen. I r e n e Ä r a u n ist die Zeichnerin zweier neuer Hefte, deren Eigenart darin besteht, daß die Gruppierung der Figuren und Gegenstände auf den aus- zumalenden Bildern anders ist, wie auf den sehr leicht gehaltenen Vorlagen, somit die kleinen Künstler auch noch Anregung zum Nachdenken finden. Die Scholz'schen Bilderbücher und Malhefte seien der Aufmerksamkeit aller Eltern bestens empfohlen.
Weihnachtsliteratnr.
■— Kant und Goethe von Georg S i m m e l. (Die Kultur, hcrausgegeben von Cornelius Gurlitt. Band 10.) Mit 12 Vollbildern in Tonätzung. In Originaleinband 1,50 Mk. Verlag von Bard, Marquardt u. Co. in. Berlin W. 50. In Kant und Goethe werden die größten Träger der beider. Tendenzen gezeichnet, in die die Differenzierung der Nenze., die ursprüngliche Einheit des Lebens auseinandergelegt hat, d' wissenschaftliche und die künstlerische. Beide suchen jene Ein heit wiederzugewinnen, der eine durch Analyse und Grenzbcstir mung der Elemente von Welt und Seele, der andere dur die künstlerische Gestaltung, die in aller Erscheinung umnittelba allen Sinn und Wert des Daseins anschaulich macht. Ar. diesem Gegensatz werden die Einzelheiten der beiden Weltar schauungen und die Bedeutung entwickelt, die sie und ihre gegen, fettige Ergänzung ebenso für die Innerlichkeit des Lebens toi: für die objektive geistige Kultur besitzen.
— Larsen, Karl, Poetische Reisen. Leipzig, Insel Verlag. 2 Bände ä 3,50 Mk. — Das erste Bändchen enthält Reisen in Deutschland und Rußland, das zweite solche in Spanien und Portugal. Wenn das Wort feinsinnig von den Grobsinuigen nicht so mißbraucht würde, so läge kein anderes zur Charakterisierung dieser Bücher näher. Sie verdanken ihre Entstehung den feinen Sinnen eines geistreia>eu Mannes, der überdies ein Dichter und begabter Künstler des Wortes ist. Karl Larsen gehört zu den Poeten, die in die Dinge mit verhaltenem Atem hineiulauschen, und. da gewinnt das Al! - täglichste, Vertrauteste und Bekamtteste wieder ein ganz neues und eigenartiges Aussehen, und es scheint, als wenn immer wieder eine neue Welt geboren würde. Der Jnselverlag hat die Bücher sehr geschmackvoll ausgestattet.
— Eduard u n d T h e o d o r,_ die Geschichte zweier Buben in lustigen Versen erzählt von Carl Schüler, illustriert von Rud. Brauu. Verlag: D, Dreher & Co., Berlin L>W. 48 Preis 3 Mark. — Bor mir liegt ein Buch, dessen lustige^Verse und nicht minder lustige Bilder mir manches behagliche schmunzeln und manches lustige Lachen entlockt hat. Das Buch ist gleich „Max und Moritz" ein Kinderbuch, aber ich möchte den Erwachsenen sehen, auf den es nicht denselben vergnüglichen Einfluß ausübt, den ich an mir erprobt habe. „Eduard und Theodor" wird überall mit Jubel begrüßt werden.
Rösselsprung.
Nachdruck verbotcn.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auflösung des Arithmogriphs in voriger Stummer: Uelle, Elfer, Luise, Sulla, Ille, Ui, Saul, Ule, Eaul, Saale, AM, Luffa, Ast;
Celsius, Upsala.
Redaktion: Ernst Hetz. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Unwersttäts-Buch- und Eteindruckeret. !R» Lange, Gießen,


