Ausgabe 
17.12.1906
 
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t dan ich mich nicht dichter zu ihrem Erben zu erklären.

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Sie war überrascht, als sie von der Verehelichung

die Gräfin zu ihrem Gemahl gesagt, über Kenninghall gefallen,natür-

Elsies Glück zu sichern, Nomscy demütigen und mußte.

Natürlich," hatte

als der Schatten zuerst

lich, wenn sich wirklich etwas tatsächlich Unangenehmes Herausstellen sollte, so müssen wir Bald überreden, die Ver­lobung aufzuheben. Ich könnte nie meine Zustimmung dazu gebens daß er die Tochter einer Frau heiratet, die eine sogenannte Vergangenheit hat. Die Romseys müssen über jeden Makel, jeden Tadel erhaben dastehen."

Und der Graf, obwohl er sehr ungewiß darüber war, wie sein Sohn unter solchen Umständen sich verhalten würde, stimmte doch seiner Gemahlin darin bei, daß in solchem Falle die Verlobung rückgängig gemacht werden

ihres Bruders hörte.

Und doch and) wieder nicht überrascht", äußerte sie gegen Lady Wahne,mein Bruder deutete etwas Derartiges rn seinem letzten Briefe an mich an. Jetzt verstehe ich, was er damals meinte."

Werner Aylesford verließ Downham und siedelte nach Aylesford Manor als dessen zukünftiger Erbe und Herr über.

Alles vollzog sich so natürlich und selbstverständlich, daß es keinerlei Skandal gab. Alles war sich darüber einig, daß Fortuna diesmal ausnahmsweise bei der Ver­teilung ihrer Gaben gerecht und klug zu Werke gegangen sei,

81. Kapitel.

Licht und Schatten.

Wer von uns kann sich, wenn er auf ein Leben von zwanzig, dreißig, vMzig, oder noch mehr Jahren zurück­blickt, sagen, wir haben kein Leid, keinen Kummer gehabt?

Denen, die dir und mir am liebsten, läutete vielleicht die Totenglocke. Krankheit, Kümmer und Verluste haben uns heimgesncht. Wir haben weinend ein stilles blasses Gesicht geküßt und haben gefühlt, daß der Sargdeckel, deF es uns auf immer verbarg, gleichzeitig auch den hellsten Sonnenschein unseres Lebens verdüsterte. Früher oder später müssen Leiden kommen. Die Seele ist kein Schmetterling, geschaffen, in Wärme und Tust einherzu­gaukeln, dann zu sterben, durch Leiden, durch Ertragen gelangt sie zur Vollendung.

Ebensowenig aber können wir bei einem Rückblick auch fernen, das Leben habe uns keine Freude geboten. Fröhlich haben die Glocken geläutet; wir haben den Myrthenkranz getragen, helläugige Kinder haben uns den Eltern-Namen gestammelt; Frieden und Glück haben wir im trauten Kreise unserer Häuslichkeit gesunden. Wenn wir uns den hohen Pforten der Ewigkeit nähern, so blicken wir auf ab­wechselnd Licht und Schatten zurück.

So war es auch bei Lady Wayne. Ihr Geheimnis war nicht so schrecklich und verhängnisvoll in seinen Folgen, wie es hatte sein können. Ebensowenig entging sie aber auch den Folgen, wie sie einst gehofft hatte, es zu können. Ihr Leben war nicht ganz vernichtet, wie sie früher gefürchtet hatte, gleichwohl hatte sie einen hohen Preis für ihre Schwäche und Torheit zu zahlen.

Wenn Lady Wayne, im vollen Glanz ihrer königlichen Schönheit, zu Bällen, Opern oder Festlichkeiten ging, so sagten die Leute:

Sie ist wunderbar schön, aber ihr Antlitz sieht traurig aus. Was war das doch mal für eine traurige, sonder­bare Geschichte mit ihr?"

Nicht länger war sie mehr Königin der Gesellschaft; ore Durchlaucht von Chisledon behauptete sich wieder siegreich auf ihrem Platze, und Lady Wayne gab nach. Sie konnte sich gegen eine Frau, auf deren gutem Rufe nie der Schatten gelastet, nicht fürder behaupten.

Es kam noch ein Tag großen Glückes für sie, als ganz England, wie von Zaubermacht ergriffen, sich erhob, um ihrem Sohne, Werner Aylesford, Huldigung und Verehrung darzubringen; wo seine dichterischen Werke aus königlichem Munde höchstes Lob und Anerkennung erfuhren, wo alles mit einander wetteiferte, ihn zu ehren, wo englische Herzen ihn als König der lebenden Dichter proklamierten, und seine Mutter war stolz auf ihn und sonnte sich in seinem Ruhme. <

Es kam ein anderer Tag, voll Trauer und Kummer, wo sie mit Marian West an Kate Jefferies Sterbelager stand und Kate zu ihr sagte:Ihr Geheimnis hat überaus schwer auf mir gelastet. Stur Gott, in den Tiefen Seiner All­wissenheit und Allbarmherzigkeit weiß, warum ich für das Unrecht, das Sie getan, so schwer habe leiden müssen. Ihr Geheimnis hat meinem einzigen Sohn das Leben gekostet es hat mich auch meins gekostet, aber ich will mich jetzt nicht darüber beklagen. Ich falte meine Hände und denke, was ich in dieser Welt nicht verstehe, das wird Gott mir in der andern klar machen."

Tief beugte sich das goldene Haupt über das blasse Gesicht. Lady Wayne drückte ihre stolzen Lippen auf ine > weiße, feuchte Stirn.

Sie waren die Güte selbst gegen Elsie während der wenigen Tage, die sie dort bei ihnen verweilte, aber sie machten Balduin gegenüber kein Hehl aus ihrem entschie­denen Wunsche, die Verlobung sofort aufgehoben zu sehen, falls wirklich etwas Unvorhergesehenes über die Waynes zutage käme.

Es läßt sich denken, daß Lord St. Gilbert äußerst un- gkücklich war. Er lieble seine Eltern zärtlich, nie in feinem Leben hatte er ihren Wünschen zuwider gehandelt. Ter Gedanke, ihnen Kümmer zu bereiten, war ihm unerträglich; ebensowenig wußte er aber auch, wie er ohne Elsie leben sollte. , c

Endlich faßte er sich Mut, ging geradeswegs zu Lord Mayne und schüttete ihm sein Herz aus.

Lord Wayne hatte infolgedessen eine längere Unter­redung mit seiner Gemahlin, die merkwürdig sanft und demütig geworden war.

Ich glaube", sagte er zum Schlüsse,du solltest es tun, Evelyn. Ich sage nicht, du mußt es, aber ich meine, es ist nur billig und recht, daß du es tust."

Welches Zwiegespräch zur Folge hatte, daß Lady Wayne anspannen ließ, nach Downham hinüberfuhr und eine lange Unterredung mit dem Grafen und der Gräfin hatte.

Es wäre unrichtig, wollten wir sagen, daß sie sofort nachgegeben hätten. Sie hörten ihre Mitteilungen an und erwogen alles sehr ruhige Lord Romsey selbst war's, der die Frage entschied.

Tie Ehe war gültig", sagte er,zwar unklug, heim­lich, nichtsdestoweniger aber gültig. Bezüglich der Zweck­mäßigkeit und Klugheit Ihres Verhaltens habe ich meine eigene Meinung, die zu äußern nicht meines Amtes ist. Jedenfalls ruht auf allem kein Makel, und ich bin somit Nicht berechtigt, der Heirat zwischen meinem Sohne und Ihrer Tochter meine Zustimmung zu versagen."

Mit dieser zögernden Zustimmung mußte sie sich zu­frieden geben. Es war eine große Demütigung für sie, aber das goldene Haupt, das sie einstens so hoch und stolz getragen, beugte sich jetzt ost.

Hatte sie noch einen weiteren Preis zu zahlen? Ten Noch, daß sie nie wieder dasselbe Lächeln vollkommener Liebe, vollkommener Zufriedenheit und vollkommenen Glückes wie früher aus Marians Gesicht gewahrte. Marians Liebe hörte nie auf; doch das Vertrauen, die liebende Zu­friedenheit waren daraus entschwunden, und Evelyn Lady Mayne wußte auch, warum; sie wußte, daß sie mit der Enthüllung ihrer ersten Heirat Marians Herzen eine un­heilbare Wunde geschlagen.

Es kostete keine große Mühe, Werners Ansprüche auf bie Aylesfordschen Güter zu begründen. Lord Wayne selbst tat die erforderlichen gesetzlichen Schritte.

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etwas nicht mit ihr, und du siehst nun, ....

geirrt habe," pflegte letztere Dame triumphierend zu sagen. Die ganze Wahrheit werden wir ja nie erfahren; aber für nichts und wieder nichts ist Mortimer's Haar nicht so grau und sein Gesicht nicht so ernst gegen früher geworden."

Alles dies hatte Lady Wayne zu ertragen, und sie mußte eingestehen, daß ihre Strafe gerecht und verdient sei.

Sie hatte die neugierigen und verwunderten Blicke ein­zustecken, die sie begrüßten, >vo und wann sie nur immer erschien; das schwerste jedoch von allem war, als sie, um sich vor dem Earl und vor der Gräfin diesen alles noch einmal erzählen