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Greta Bickelhaupt, Rege un Snnneschot.
Gedichte und Geschichten aus dem Odenwald.
Gießen, Verlag von Emil Roth, 1906. kl. 6°, 153 Seiten. Br, Mk. 1, eleg. geb. Mk. 1.50.
Mit einem wahren Schatzkästlein mundartlicher Erzeugnisse hat uns Fräulein Greta Bickelhaupt, Jnstitutsvor- steherin in Erbach i. O., durch obiges Buch beschenkt, an dem sich jung und alt erfreuen wird. Selbst eine Oden- wülderin, beherrscht die Verfasserin die Sprache des Volkes mit großer Gewandtheit und dank ihrer feinen Beobachtungsgabe läßt sie in ihren Gedichten und Prosastücken klare Blicke in das Odenwälder Volksleben tun. Das Denken, Fühlen und Treiben eines biederen Volkes wird uns in anschaulicher Weise vor die Augen geführt. Und was uns erzählt wird, stützt sich meist auf wirkliche, teilweise selbsterlebte Vorkommnisse, wodurch dem Büchelchen ein eigener Wert zukommt.
Lebenswahre, greifbare Gestalten treten uns in den männlichen und weiblichen Charakteren entgegen, die die Verfasserin in seltener Weise zu zeichnen versteht, und gerade hierin liegt ihre Hauptstärke. — Echte Heimatliebe drückt sich in dem hübschen Gedichte „Erbach" aus. Eine Reihe von Gedichten bergen in echtem Volkston geschrieben den köstlichsten Humor. Einige wenige mögen angeführt werden: „'s Echo", „Falsche Berechnung", „Der widder- gfuune Aeisel", „Noutfchrai", „St. Amorsbrunn", „'s Fuhrwerk", „Die schwarz Kranket" und „Wie em Jergpäider soi Fraa e Gräfin gspielt hot." In ihnen ist so recht der volkstümliche Ton getroffen. Ungezwungene Heiterkeit bewirken falsch verstandene Wörter in den originellen Stücken „Die Kieh-Lung", „Dito", „Die net Kur" und „Fremdwörter". Bäuerlichen Geiz geißelt „E nowler Freund". Ergötzliche Schulerlebnisse werden in einigen Gedichten festgehalten, von denen eines hier Platz finden möge:
Mausoleum.
„Wer kann mer wott noch sage, Was Mansoleum is?"
Son sroegl heil der Herr Lehrer. „Ehr wißt's doch all gewiß? No Hannes, do sag dn mer'st Du streckscht jo immerfort." „ „For ansgestoppde Stere E Uffbewahrungsort."" „Bewahre," risst der Lehrer. „Sou schmäh doch koa dumm Zeig! Ich habb's Eich doch erkleert ghatt. No, waaß es kaans vun Eich?" „ „E Mausolemn heeßt maa"" Ter Michele nimmt's Wort, „ „For ausgestoppde Kaiser En Uffbewahrungsort.""
In einem Kreife froher Freunde hatte ich jüngst Gelegenheit, einige der genannten Gedichte von zwei allerliebsten Kindern eines alten Freundes vortragen zu hören, und ich muß sagen, der Vortrag wie Inhalt der Gedichte verfehlten ihre Wirkung nicht; sie fanden die freundlichste Ausnahme und erzielten große Heiterkeit.
Ein jeder, der Sinn für das Volksleben hat, wird obige Sammlung von Odenwälder Gedichten und Geschichten mit Befriedigung lesen und der Verfasserin gewiß den verdienten Dank zollen. Eine weitere Sammlung würde daher wohl von jedem Dialektfreunde mit Freude begrüßt werden.
Straßburg (Elsaß).
Dr. W. List, Universitäts-Professor.
Literarisches.
— Schulze, Dr. E., Geh. Reg-Rat, Ghmnasialdirektor. Die römischen Grenzanlagen in Deutschland und das Limeskastell Saat bürg. (36. Heft der Gymnasial-Bibliothek, herausgegeben von Prof. H. Hoffmann.) Zweite verbesserte Auflage. Mit 23 Abbildungen und 4 Karten. Preis 1,80 Mk. — Das interessante Buch gibt im ersten Teil nach der Einleitung über die Limesforschung eine übersichtliche Darstellung der Geschichte des Limes. Der zweite Teil enthält die eingehende Beschreibung des wiederaufgebauten Kastells Saalburg. Ein historischer Ueber- blick geht voran und eine Bemerkung über die Feierlichkeit bei der Grundsteinlegung zum Wiederaufbau des Prätoriums schließt diesen Teil. An passender Stelle eingeschobene kulturhistorische
Skizzen gewähren ein anschauliches Bild römischen LebenL. DaS schöne Heft wird jedem gebildeten Laien großen Nutzen bringen und manche genußreiche Stunde bereiten.
Eingegangene Bücher.
(Besprechung erfolgt nach Ausivahl. Eine Verpflichtung zur Besprechung und zur Aufbewahrung unverlangt eingesandter Bücher wird nicht übernommen.)
Das Gold. Trauerspiel in vier Aufzügen von Paul Ernst. Verlag von Julius Bart, Berlin 1907.
Der Hulla. Lustspiel in vier Aufzügen von Paul Ernst. Verlag von Julius Bard, Berlin 1907.
Das Blaubuch. Wochenschrift für öffentliches Leben, Literatur und Kunst. Begründet von Albert Kalthoff. Herausg. von H. Jlgenstein und Kienzl. Verlag von Hermann Ehbock, Berlin W. 50.
Meine Freundin von nebenan. Skizzen von Manuel und Käte Schnitzer. Verlag von Dr. P. Langenscheidt, Grpß-Lichterfelde-Ost.
Tragödie. Berliner Skizzen von Dorothee Goebler. Verlag von Dr. P. Langenscheidt, Groß-Lichterfelde-Ost.
Kling, Klang, Gloria. Skizzen von Else Krafft. Verlag von Dr. P. Langenscheidt, Groß-Lichterfelde-Ost.
Arntesünder. Skizzen von Hans Hayn. Verlag von Dr. P. Langenscheidt, Groß-Lichterfelde-Ost.
Backer, Oswald, „Ter ehrbare Kaufmann und sein Atu» sehen". Preis 3 Mk. Dresden, 1906. Verlag von Stein* kopff u. Springer.
Herthel, Betty, „Klein-Elsbeth und die Welt". Geschichten aus einem Kinderleben für solche, die Kinder lieb haben. Mit Buchschmuck von Franz Hein. Preis geschmackvoll gebunden 2 Mk. Leipzig 1906. Verlag von B. G. Teubner.
Rid d er ho ff, Kuno, „Seine Filia ho spitalis". Drama in vier Akten aus einer kleinen Universitätsstadt. Preis 1,2Q Mark. Göttingen 1906. Hermann Peters Verlag.
Geschichte der deutschen Literatur. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Von Eduard Engel. 1. Band: Von den Anfängen bis Goethe. 2. Band: Von Goethe bis in die Gegenwart. Verlag von G. Freytag, Leipzig, nutz F. Tempsky, Wien.
Spiel.
Eilt töricht Weseit dünkt mich der Mensch, Treibt dahin aus den Wogen der Zeit, Endlos geschleudert aus und nieder, Und wie er ein Fleckchen Grün erspäht, Gebildet von Schlamin und stockendem Moor Und der Verwesung grimlichein Dioder, Ruft er: Land! und rudert draus hin, Und besteigts — und sinkt — und sinkt — Und wird nicht mehr geseh'n.
Grillparzer.
Rösselsprung.
Nachdruck verbotet
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Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummerr Um eines Wortes willen Kannst du sür weise gelten; Um eines Wortes willen
Wird man dich töricht schellen. Chinesisch.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversitäts-Buch- und Stetndruckerei, R. Lange, Gieße«,


