Ausgabe 
17.10.1906
 
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612 -*

Emile bliothek Band

Bücher und Schrrsten.

(Besprechung einzelner Werke Vorbehalten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.)

a, Ein Leben in Liebe. Novellen Kleine Bi- Berlag von Albert Langen tn München. (Brosch.

Wohin?

Du fragst: Wohin der Weg? - nicht kann ich Dir das nennen! Denn Weg und Ziel muh doch ein Jeder für sich kennen I

Nie liegt der Weg frei da: ein Jeder muß ihn schaffen I Der breite Weg so nah, er ist doch nur für Lassen.

Tn mußt Dir Deinen Pfad durch mildes Dickicht hauen und ohne Hilf und Gnad ganz Deiner Kraft vertrauen.

Denn unbetretnes, Land das wollen mir erkämpfen und drum des Geistes Brand durch nichts uns lassen dämpfen!

Und millst Du selbst mir nach so mußt Tu Dich bereiten auf Schmerzen und aus Schmach auf Oed und Einsamkeiten 1 Knodt

Bensheim a. d. Bergstr. K a r l E r n st K n o d t.

Zar nicht fuhr." _ r

* Der künftige Dorfheld auf der Schur­ban k. In dem cmhaltischen Dorfe G. besucht der^Ortv- pfarrer so erzählt man zum ersten Male näcy dem Osterfeste die Schule, um die neu ausgenommenen Kmder kennen zu lernen. Dabei streicht er einem pausbackigen Bauernjungen, dem das Stillesitzen sichtlich sehr schwer wird, über die roten, von Gesundheit strotzenden Wangen mit der freundlichen Frage:Nun, wein lieber Junge, fürchtest Du Dich denn auch?" Ein lautesWa?" erinnert den Herrn Ortsschulinspektor daran, daß dem Knaben da» gebildete Hochdeutsch noch eine fremde Sprache rst, dre er in der Schule erst lernen soll; er wiederholt deshalb ferne Frage in der Dorfsprache:Na, Kleener, farchst en Dich doch?", worauf die prompte, mit blitzenden Augen und geballten Fäustchen gegebene Antwort erfolgt:Bor wen denne?^

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universtiäts°Buch- und Steindruckerei, R. Lange,

ssi BeAagvon Georg Wigand, Leiwia und Berlin. ________

Versteck-Rätsel.

Nachdruck verboten.

Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, rote feie Silbean tnWanderer.

Kalmücken - Mäßigkeit - Ganges - Jonrnatts - Hal^ kette Müllerbnrfche Weinglas Buttervennmyen

Spanferkel Finkenfang.

(Auflösung in nächster Nummer.s

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummert Beinah' schießt keinen Rehbock.

Berthold Haendcke. Deutsche Kultur im Zeitalter des dreißigjährigen Krieges. Ver- lag von E. A. Seemann, Leipzig. Preis geb. Mk. 7.50, Die Veranlassung zu diesem Werke waren die kunst­historischen Studien des Verfassers, die, ihn auf die Lebens­anschauungen des deutschen Volkes im 17. Jahrhundert geführt hatten. Durch endlose blutige Kämpfe war dw deutsche Kultur bis ins Mark erschüttert und die ver­heerenden Stürme brachten Deutschland um den größten Teil der Früchte, die das 16. Jahrhundert mit ferner reichen kraftvollen Blüte verheißen hatte. Was in solchen Stürmen stand hielt, mußte sehr tiesgewurzelt, sehr lebensstark fern. Von der schaffenden Kraft, die im Marke des deutschen Volkes trotz allen Ungemachs unverwüstlich lebte, erzählt das Buch des Königsberger Gelehrten. Er ist, ähnlich wie Jakob Burckhardt, in den meisterhasten Schilderungen der Kultur der Renaissance den einzelnen Eleinenten nachge- aange«, die die Bahn des flutenden Lebens bestimmen und beeinflussen. Haendcke zeigt das innere Uhrwerk der Staats­mächte, schildert die Energien, welche das Getriebe tit Um- chwung versetzen, läßt erkennen, welche Einwirkungen von außen hemmend oder beschleunigend wirkten und runder das Ganze durch eine zahllose Menge systematisch geord­neter Einzelheiten kunstvoll ab. Alle Figuren, die damal» auf dem ereignisreichen Welttheater eine Rolle von Be­deutung spielten, werden charakterisiert, alle merkwürdigen Erscheinungen des an Ueberraschungen reichen Zeitalters beleuchtet. Die Ausstattung des Werkes ist vortrefflich.

1 Var im Gorki, Spleen. Erzählung. Deutsch von Kor- fiz Holm. Kleine Bibliothek Band 88. Verlag von Albert Langen in 3^g*ar i e^®ie französische Revolution. ,

Wtxierte Kttqafe mit faft £00'

Rußland immerhin von größerer Bedeutung als heute. Dre ^fostverhältnisse waren vor hundert Jahren noch recht, priMtttve, fort oben am Barangerstord horten )ie beinahe ganz auf. Gleich­wohl mochte der Herr Festungskommandant auch rm hohen Norden von FinnmaAen seinLeib- und Magenblatt" nicht vermissen Er las cs pünktlich in der Woche, aber und kommt das an bet Suc&e et las jebe Nummer genau ^>ayt später, als sie erschienen war. Das Frachtschiff brachte wfoliw nur einmal den ganzen Zeitungsballen aller verflossenen Mo- . nate. Und diese Makulatur stellte in der Eiswuste der nordischen ] Winternacht für die Herren Artillerie-Offiziere dasNeunte bar. Nun darf man aber nicht etwa glauben, daß der Herr ! Kommandant und seine Leser über die geistige Jtahrung wsort bei' d'ren Ankunft mit Heißhunger yersielen. O nein, dort oben in Wardöhus" (feemWarteyaus") hatte die Besatzimg kaltes Blut' Man hatte warten gelernt! Der Kanzleifoener schaffte den ganzen Sack voll Neuigkeiten ms Mchw und legte dem Chef der Zitadelle alle Wochen zweimal die Nummern nnt dem entsprechenden Datum vor, so bildeten also m Vardohus immer die Ereignisse das Tagesgespräch, welcye für die übrige Welt seit 12 Monaten glücklich abgetan waren. Umd das fot eigentlich auch seinen Nutzen. Aufregung blieb, den Herren Offi­zieren von Vardöhus gewiß erspart. Die heutige Lesewelt wäre nicht mehr erbaut von solchenollen Kamellen . Wehe der Zeitungsträgerin, die sich verspätet und wäre e» auchnur ein V??Z?r"und Sibirien. ImCentury Maga­zine" veröffentlicht die amerikanische Miniaturmalerin Amalia Küssner Couderk Erinnernngen an einen Aufent­halt in St. Petersburg iw Jahre 1899, während dessen fte den Zaren und die Zarin im Winterpalais malen durste. Bei den Sitzungen unterhielt sich der Zar liebenswürdig und freimütig mit ihr. Wir entnehmen folgende interessante Stelle ihrer Erzählung:Nur ein einziges Mal, würde ich bei einer Gelegenheit daran erinnert, daß dieser so liebenswürdige und kluge Plauderer der große weiße Zar aller Reußen war. Durch eine unglückliche Ge­dankenlosigkeit erwähnte ich Sibirien mit dem gleichen Tone des Schauders, mit dem wir Amerikaner gewöhnlich von diesem Lande des Schreckens sprechen, und fügte noch hastig hinzu, daß es doch ein sehr trauriges

Land sein müßte, weil es so kalt und ode

sei. Der Kaiser antwortete mir daraus schneller und, er­regter als gewöhnlich, daß Sibirien im Gegenteil em schone» « tuuimerre Ausgaoe nm nm fruchtbares Land sei, grünend und blühend im Sommer, \ katuren. und Auwgraphem Isbrausmgeüe^v^Thwdor^Re^wGH. mit unergründlichen Schätzen von Gold und Durkisen unter dem reichen Boden. Ich sprach nicht weiter von dem Gegen­stände, aber ich hörte nachher in der Gesellschaft, daß der Zar das Verschicken von Gefangenen nach Sibirien immer streng getadelt hatte. Man sagte mir, er sei,, der Ansicht, daß es ein großes Unrecht gegen em so schönes Land wäre, feinen Namen lediglich mit Verbrechern und Martern zu verknüpfen. Ich zweifle nicht an der Wahr­heit dieser Aeußerungen, wenn ich mich daran ermnere, was er zu mir sagte. . . Eine andere wohlverburgte Ge­schichte, die ich am Hofe hörte,, war die, daß der Zar auf 'einer feiner Wagensahrten, die er ohne große Begleit- img und jeden Prunk früher gern unternahm, auf der Straße einer Schar von Studenten ansichtig wurde, die auf dem Wege nach Sibirien an ihm vorbeimarychierten, und sogleich die Freilassung der Studenten anordnete. Nach­her, erzählte man mir flüsternd, ließ die Polizei ihre Ge­fangenen nur noch auf Straßen marschieren, durch ote der

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