Mittwoch den 17. Mioöcr

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1906

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Im Banne des Heßemmisses.

Roman von H. v. Raesfeld.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Es traf sich, daß der Earl ihn noch einige Minuten lang aufhielt, so daß er, als er sich ins Gesellschaftszimmer begab, die meisten Gäste bereits dort versammelt fand.

Lady Romsey kam auf ihn zu.

Nun, Werner", sagte sie lächelnd,will ich Sie Lady Wayne vorstellen".

Er folgte der Herrin von Downham, und dann fielen seine entzückten Blicke auf ein Bild, das ihm nie wieder entschwand.

Die lieblichste Frau in EnglandI" Schöner, dachte er bei sich, als Venus, die Königin der Schönheit. Er sah eine Tanie in anmutiger Haltung auf einem kleinen Sofa sitzen, reich in blauen Sammet gekleidet, der ihre schlanke, ebenmäßige Gestalt auf das Vorteilhafteste zur Geltung brachte und sie in Falten umfloß, deren Wiedergabe einen Bildhauer hätte verzweifeln lassen können. Wolken feinster, weißer Spitze schienen sich auf ihre Arme und den schneeigen Hals nieder­gelassen zu haben Wolken, so zart und duftig, daß man hätte glauben können, sie mit einem Hauch hinwegblasen zu können. Was ihn aber anzog und seine Blicke mit magischer Gewalt fesselte, das war die vollendete Schönheit des wunder- baren Antlitzes und das edle Profil des königlichen Hauptes. Nie, selbst im Traume nicht, hatte er etwas Aehnliches ge­sehen. Das üppige, goldigbraune Haar ließ die edle weiße Stirn frei, auf der er eine goldene Krone zu sehen ver­meinte. Die dunkelbraunen Augen waren strahlend, klar und doch träumerisch zärtlich, sanft und doch wieder stolz sie hatten Tiefen, in die niemand hinabblickte, Geheimnisse, die niemand las. Die langen, seidenen Wimperm lagen wie zarte Fransen auf der sanftgerötcten Wange.

Lady Wayne", sagte die Gräfin,Sie haben mich bereits von dem jungen Helden reden hören, der meinem Sohne das Leben gerettet; erlauben Sie mir jetzt, ihn Ihnen vorzustellen. Lady Wayne Herr Werner Jefferies."

Und sie erhob ihre strahlenden Augen zu den {einigen. Er wußte nicht, was ihn in diesem Augenblick überkam welche seltsame Erregung welcher jähe Impuls, ihr zu Füßen zu fallen und die schönen weißen Hände zu küssen. Ihre Augen schienen ihm das Gehirn in Flammen zu setzen, und doch wußte er weder warum, noch wie.

Es freut mich außerordentlich, Sie zu sehen, Herr Jeffe­ries", sagte sie, und der süße Klang der silberklaren Stimme ließ sein Herz erzittern. .

Wie alle Frauen, so war auch sie von der Schönheff seines Gesichts und dem vergeistigten Ausdruck desselben hiw. gerissen; ihre Augen blieben darauf haften. Sielprach wiedes mit ihm und schob die reichen Falten ihres Kostüms beiseite) um ihn neben sich Platz nehmen zu lassen, indes ihre Augen fortwährend an ihm hingen.

Ach! wie wenig wußte, wie wenig ahnte sie, daß er vor zwanzig Jahren in ihren Armen, sein Gesichtchen an dem ihrigen, gelegen hatte; wie wenig ahnte sie, daß er der Kleine war, dessen vermeintem einsamen Grabe sie zuweilen jetzt noch eine stille heiße Träne weihte l

Sie war entzückt von ihm und seinem Wesen, und als Lord Romsey kam, um sie zur Tafel zu geleiten, sagte sie zu ihm:

Ich hoffe, daß Herr Jefferies in unserer Nähe bleiben wird. Ich habe mehr als Gefallen an ihm."

llnd der Earl, dem jeder Wunsch der schönen Dame Befehl war, richtete es dementsprechend ein.

16. Kapitel.

Das Diner ans Downham.

Der Gesellschafts-Abend auf Doivnham war ein großer Erfolg. Lady Wayne war die schönste Frau dabei, und sie unterschied sich von anderen Schönheiten auch darin, daß ihr Geist und Gemüt dem Aeußern gleichkamem Sie war sehr verständig, von großer FassungSkrast rmd geistreich; niemand verstand es, ein Gespräch mit größerer Leichtigkeit und Grazie in so stetem Fluß zu halten. Lord Wayne war vor allem auf sein unvergleichliches Weib stolz. Sie hatte sein Leben mit Liebe, Schönheit und Ehre gekrönt. Rückblickend auf die langen Ahnenreihen der Waynes fand er keine, die die Ehre des Namens zrr solchem Glanze, solcher Höhe gebracht, wie sie; keine so schön, keine so unvergleichlich, keine so stolz.

Werner Jefferies war entzückt, bezaubert, hingerissen von ihr; nie in seinem ganzen Leben hätte er sich träumen lassen, daß es so schöne iind anmutige Frauen gäbe, >vie diese hier. Lady Romsey war ihm wie eine Enthüllung von etwas Schönem, bisher ganz Unbekanntem gewesen, wegen ihrer feinen Bildung, Anmut, Vornehmheit und Eleganz. Hatte er doch seither nur Frauen, wie Kate Jefferies kennen gelernt hausbacken, ungebildet, sich quälend und plackend, zwar voll Gutmütigkeit und Freundlichkeit, aber doch bar aller Reize, die eine Frau so bezaubernd machen.

Und nun gar erst Lady Wayne! Kein Wunder, daß die Dichter aller Zeiten das Lob der Fraiien so begeistert gesungen! Nie zuvor hatte er die Liebe Dantes zu Beatrice, die Petrarcas zu Laura so recht verstanden; aber jetzt war