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Stadl nmß ihren reine n Geschäftscharakter verlieren, das heißt, sie muß tatsächlich zu einer städtischen Schaubühne werden. Die Reform des modernen Theaters sollte deshalb überall' damit beginnen, daß die Gemeinde alleinige Besitzerin des Dheatergebäudes und des gesamten Fundus wird und einen gut besoldeten, künstlerisch gebildeten und damit dann verantwortlichen Leiter des städtischen Theaterwesens als Intendanten bestellt, der die nötigen Bühneukräfte im Namen der Stadt zu verpflichten hat."
Auf diesem Grund will Dr. Hagemann bas deutsche Nationaltheater („national" kulturell verstanden) aufführen. Seine Aufgabe ist: die gesamte Bühnenkunst zur Darstellung von rein menschlich bedeutsamen Kunstwerken heranzuziehen.
Und was soll dargesteilt werden? „Was wir brauchen und wünschen, ist eine Bühne der Lebendigen. Das moderne Theater soll uns die Meisterwerke aller Zeiten und Völker darstellen — natürlich in einer für jede Spielzeit folgerichtig angelegten geschmackvollen Auswahl. Es soll aber ferner auch eine Bühne der Lebenden sein und damit die -Möglichkeit bieten, daß schon die Mitwelt bis zu gewissem Grade erkennen kann, was von den Schöpfungen der Gegenwart voraussichtlich Anspruch hat, dermaleinst zu den lebendigen Werken mll Ewigkeitswert und Ewigkeitsdauer zu gehören. Das moderne Theater muß Platz für die Kunst und für das Kunstwollen der Werdenden, Ringenden haben. Es muß regelmäßige Versuche anstellen und somit ein Stiick freie Bühne sein. Denn es erreicht dann gleich Dreierlei: es verschafft den Dichtern Gelegenheit, ihre Werke zu sehen und an ihren Fehlern zu lernen — es gibt dem Publikum Aufschluß über die künstlerischen Absichten der Zukunftsfrohen — und es stellt den Bühnenkünstlern neue Aufgaben und damit die nötigen Bedingungen zu neuen Taten."
VesmiMLes.
* Handelsgeschäfte mit Negern. Mit Ausnahme der zivilisatorisch wvhl am höchsten stehenden Kolonie Tentsch-Ostafrika herrscht in unseren afrikanischen Besitzteilen noch immer der Tauschhandel vor. Die deutsche Negierung hat zwar, erzählt D. Kürchhoff in einem -lesenswerten Aufsatz über „Das Geld in den deutsche-afrikanischen Kolonien" in der Leipziger Wochenschrift „Welt und Haus", schon im Jahre 1884 mit der Einführung der deutschen Reichswährung begonnen, aber das Geld hat sich noch nicht recht einzubürgern vermocht. Darüber wenigstens haben sich beide Teile — die Eingeborenen, wie die kolonisierenden Gesellschaften — längst geeinigt, daß bei der Mannigfaltig-- kett der europäischen Tauschgegenstände ein bestimmter Wertmesser nötig sei, und ein solcher Wertmesser ist das Kru geworden. 'Ein gewisses Gewicht Elfenbein und ein gewisses Maß Palmöl, etwa 40 Kilogramm betragend, wird als Kru gerechnet, und diesem entspricht wieder ein Kru Waren, deren Wert ungefähr 20 Mark Verkaufspreis an Ort und Stelle, tatsächlich also etwa 13 Mk. beträgt. Ter Inbegriff der Waren, aus denen sich ein Kru zusammensetzt, ist je nach den Gegenden und dem Gegenstände des Kaufes usw. verschieden. Hauptsächlich kommen als Waren in Betracht: Stoffe von den feinsten bis zu den elendsten bedrrickten Kattunen, Messingringe, Rasiermesser; sehr viel verlangt wird Salz und Tabak, besonders langblättriger Kentuckytabak. Da dieser als Schnupftabak benutzt wird, so dürfen Schnupftabakdosen nicht fehlen, uitb für diese hat sich bereits eine ganz bestimmte Form eingebürgert: Keine runde Dosen, ähnlich unseren Nellendosen, deren Teckel aber -den Kopf der Königin Viktoria zeigen muß. Ferner werden von den Eingeborenen genommen Glasperlen der verschiedensten Farben und Größe, sowie falsche Schmuck- gegenstände. Man darf aber nun nicht glauben, daß die Neger sich ohne weiteres irgend etwas anhängen lassen; sie wissen sehr gilt, was für sie reellen Benutzungswert hat, und wenn sie sich gelegentliche einigen Tand kaufen, so geschieht dieses nur mit der Absicht, durch Geschenke die Gunst ihrer Schönen zu erlangen. Tie Möglichkeit, einen gewinnbringenden Handel abzuschließen, besteht für den Europäer nun darin, daß der die einzelnen Kru zusammensetzende Kaufmann unter Berücksichtigung der verschiedenen Marktverhältnisse, der Preisschwankungen usw. draußen und in der Heimat ihm möglichst billig zustehende
Knt zusa'mmensucht'. D-ab'ei ist aber zu berücksichtigen, daß der Neger lange feilscht und sehr viel Schlauheit entwickelt, uni einen möglichst hohen Preis zu bekommen. Hat map sich nach langem Feilschen aus eine bestimmte Anzahl Kru für die gelieferten Produkte geeinigt, so geht es an das Aussuchen der Waren. Da gefällt nun bald dieses, bald jenes Muster dem Neger nicht, bald jene Farbe in den- Baumw-ollenstoffen; hat er zuerst Zeug genommen, so will er nachher Eisenwaren. Später möchte er letztere wieder durch Tabak oder Perlen ersetzen. Alles wird aus das Genaueste untersucht, und auch nicht der geringste Makel wird- übersehen.
* „Die Bauern", sagte die holde Besucherin aus der Stadt/ „sind genau so unehrlich wie die Milchleute in der Stadt". —: „Wie kommen Sie auf den Gedanken?" fragte ihr Wirt. — „Nun, ich sah, wie Ihr Knecht heute morgen allen Kühen erst Wasser zu faufen gab, ehe er sie molk." (Cleveland Plain Dealer.)
—• Eine neue Reihe interessanter Erscheinungen bietet die Juli-Serie der bekannten Bibliothek der Gesamtliteratur (Verlag von Otw Hendel, Halle a. S.), die diesmal mit einem Lustspiel des dänischen Dichters Ludwig Freiherrn v. Holberg und. zwar mit seinem fünfaktigen, von Dr. G. Herberich übersetzten „Politischen Kannegießer" (brosch. 25 Pf.) beginnt. Das mit scharfer Satire das wichtigtuende Bierbankpolitikertum geißelnde Stück steht den bekannten modernen Lustspielen ist nichts nach. — Dem Dänen schließt sich der englische Romantiker. Thomas Moore mit seiner besten poetischen Schöpfung „Lallst Rukh" (brosch. 75 Pf.) an. Kein zweiter Dichter hat uns so. intim vertraut gemacht mit der bunten, schillernden Märchenwelt des Orients, mit dem farbenprächtigen Traumreich der! Romantiker, wie Moore. Der quellende Reichtum der Phantasie, die weiche, poetische Schönheit der Berssprache in der formvollendeten Uebersetzung de la Motte Fouquss wird der poesievollen Dichtung auch in unserer Zeit wieder die Anerkennung verschaffen, die ihr gebührt. — Weiterhin folgen: Gustav. Schwabs Deutsche Volksbücher, Band 3: „Die vier Heymonskinder"; Band 4: „Die schöne Melusina"; Band 5: „Herzog Ernst" — „Die schone Magelone" (sämtlich pro Band brosch. 25 Pf.) und als Schluß eine farbenprächtige, glühende Schilderung amerikanischen Lebens, die manche Streiflichter auf politische und soziale Zustände der großen, transatlantischen Republik fallen läßt, nämlich Charles Sealsfields „Nathan, Der Squatter-Regulator" (brosch. 75 Pf), eine sich durch Feinheit und Schärfe in der Charakteristik auszeichnende Erzählung, die gerade in unseren Tagen besonders interessieren dürfte.
Musik.
— Musik für Alle. Das im Verlage von Ullstein u. Co. Berlin, zum Preise von 50 Pf. erschienene Heft 23 der bekannten Notenbibliothek beginnt mit einer Flöten so nate Friedrichs des Großen, die sowohl durch ihren originellen musikalischen Gehalt, als auch durch die Persönlichkeit des Komponisten besonderes Interesse erregen dürfte. An den großen. Preußenkönig schließt sich ein lebender Hohenzollernprinz an/ der eine beachtenswerte musikalische Begabung zeigt, Prinz Joachim Albrecht mit einem Menuett aus dem Ballett „Im Manöver". Den wundersamen Eindruck einer mondbestrahlten Sommernacht im deutschen Walde, all das geheimnisvolle Runen und Flüstern schildert Mendelssohns „Notturno" aus dem Sommernachtstraum. Georg Schumann, der Dirigent der Berliner Singakademie, ist mit einem anmutigen Lied „Vergißmeinnicht" vertreten, Gustav Lazarus, der Leiter des Bres- lauerschen Konservatoriums, mit einem an Chvpinsche Art gemahnenden „Präludium". Leichte, gefällige Musik bietet das kleine Klavierstück „Froher Sinn" von Fnhrmeister und die „Luella Tirolienne" von W. Mletter. In die Blütezeit der Cabarets führt Georg .David. Schulz mit seinem. Lied, vom „Meißner Figürchen"» _'4_j _i_j j
Rätsel.
Nachdruck verboten.
Nimm einem Mädchen den Kopf und setz' statt des Fußes zwei Zeichen: Meister der Töne bin ich, in Ungarn stand meine Wiege. m.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:
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Redaktion: Ernst ße6. — Rotationsdruck und 23erlern der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießen»


