Ausgabe 
17.3.1906
 
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in der Welt umher, wie ein Trunkener. Am nächsten Abend fand er sich in Nürnberg. .

Dann wurde es stiller in ihm. Er sammelte seine Gedanken. Er sagte sich:Sie haßt mich, weil sie Aren- steiir liebt; Heros soll mir vor die Pistole. Ist sre nur nicht mehr, fein soll sie nie werden . .

L Auf dem Bahnhofe erregte ein Zeitungsverkäufer ferne Aufmerksamkeit. Der Mann ging den Zug entlang urrd rief:Reiselektüre! Neueste Zeitungen! Berliner Morgcu- blätter! Großer Krach int neuen Prinz Ferdinand- Theater! . . ."

(Fortsetzung felgt.)

vermischtes.

* Ein masurisches Bauernpaa r im kaiserlichen Schlosse zu Berlin. Der Besitzer Peikowskr aus Pretzarreu im Kreise Auacrburg rmd seine Frau hatten das Glück, Gaste des deutschen Kaiserpaares zu sein. Als Peikowski, der in Berlin bei der Kompagnie diente, deren Chef der damalige Prinz Wu- helm war, von der Einladung der Kompaguielameraden zu den Festlichkeiten aus Anlaß der silbernen Hochzeit erfuhr, begab er sich nach Berlin. Zur festgesetzten Stunde wurden die Maturen dort vom Kaiserpaar empfangen und vom Kaiser, der sich in vorzüglicher Stimmung befand, einer längeren Unterhaltung ge­würdigt. Den Landleuten leuchteten die Augen vor Freude, als sich der Monarch nach ihren Familienverhültn-.ssen, nach ihren Aeckeut, Wiesen und nach ihrer engeren Heimat, nach Masuren, erkundigte. Auf die Frage, ob sie auch schon in Rominten ge­wesen seien, das doch nur sechs Meilen von ihrer Besitzung ent­fernt sei, antwortete P. ganz naiv:Majestät, das ist viel zu weit!" (Nach Berlin aber hatte es der Manu etwa 20 Stunden weiter! D. Red.) Nach Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt machten sich die Leute auf die Heimreise und langten wieder in ihrem Dorfe an, wo sie die Leutseligkeit und Güte des Kaisers nicht genug zu rühmen ivußten. P. ist übrigens, löie dieKönigsb. Hart. Ztg." schreibt, vom Kaiser gelegentlich des Kaisermanövers, das 1890 bei Lätzen stattfand, schon einmal unter der Zuschauermenge erkannt und in ein längeres Gespräch gezogen worden.

* lleber die gefürchtete Influenza, plaudert G. Dupont-Ferrier intJournal desDsbats":Wir wissen", schreibt er,nur zu gut, daß die Grippe eine böse Sache ist: wahrschcin- lich wissen aber nicht alle, daß sie zu den ältesten Nebeln gehört. Zwischen 1239 und 1802 gab 'cs in Frankreich 26 verbürgte Influenza-Epidemien. Die Jahrhunderte gingen dahin, und die Grippe ist geblieben; jeden Winter sieht cs so aus, als ob sie immer jünger würde. Im 16. Jahrhundert pflegte man, wenn sie wütete, fast jede Unterhaltung mit den Worten zu eröffnen: Na, hast du auch ein Stückchen von ihr zu kosten bekommen?" Und man sah auf den Straßen nur geschwollene Nasen und Lippen. Mit besonderer Borliebe packte sie die hübschen Frauen. Bei einer Predigt int Jahre 1427 wurde die Stimme des Priesters erstickt von dem imanständigen Niesen und dem unendlichen Hustenaller Schwestern". Im Jahre 1510 mußte man wegen der Husterei auf die gesungenen Messen verzichten. In den Gerichten mußten int Jahre 1.403 die Plaidopers unterbrochen werden, und im Jahre 1557 machten die Richter eines Tages unter gelMtigem Schneuzen Grippeferien.Zu Hause", so heißt cs in einem wenig appetitlichen, aber recht anschaulichen Bericht,flössen die Rasen unaufhörlich wie eine Quelle". Die Kranken zitterten vor Fieber: eine allgemeine Mattigkeit lähmte ihre Glieder. Ihr Kopf schmerzte und ihre Brust schien bei jedem Hustenanfall auseinandcrp'latzen zu wollen. Alle Gerichte erschienen ihnen bitter. Essen, Trinken oder Schlafen wurde beinahe unmöglich. Die Epidemie führte nur in wenigen Fällen zum Tode, und ihre Dauer war verschieden: vier Tage im Jahre 1557 und vierzehn int Jahre 1427, drei Wochen int Jahre 1411 und sechs int Jahre 1510. Da die Krankheit ihre Opfergriff", wie die Katze die aus dem Loch hervorkommende Maus greift, gab man ihr den Namen grippe" (vongripper", greifen).Jnfluences" oderinfluenza" nannte man sie wegen des bösen Einflusses, den gewisse Gestirne auf die armen Menschen ausübten. Man kannte sie aber noch unter vielen anderen Namen: Weil sie von Tür zu Tür eilte, Nannte man sie 1762petite poste" oderPetit courrier"da sie fast keinen Menschen verschonte, hieß sie 1780gchisral". Um ihr neckisch plötzliches Erscheinen und ebenso plötzliches Ver­schwinden zu kennzeichnen, nannte man siegalant",follette" tobetcoquette". Die Hauptursache der Grippe schienen diever­dorbene Lust", die Regengüsse und die Nebel zu fein. Sie konnte aber auch ausmoralischen Gründen" entstehen;, int 16. Jalw- hnndert brauchte man z. B. nur ein gewisses Possenlied, das sich durch) große Frivolität auszeichnete, zu trällern, und man hatte sofort die schönste Influenza weg. Natürlich fehlte es nicht an Heilmitteln: im Jahre 1510 waren es geweihtes Kohlenwasser, Theriakwasser und Kampfer; im 18. Jahrhundert Theriak und Aderlaß. Im Jahre 1411 gaben die Aerzte in rühmenswerter

Selbsterkenntnis zu, daß sie nichts wüßten. Noch rühmlicher und mutiger zeigte sich int Februar 1803 der Doktor C^nivot de Bcauchesne, der in einer Zeitung zu erklären wagte, daß cs gegen die Influenza nur ein sicheres Mittel gebe: sich aller Mittel zu enthalten. Es gab zwar ein Spezifikum', das sich bei den (Stoibernten toten 1580,1676,1703, 1732, und 1737 bewährt hatte, aber dieses Heilmittel wär nicht allen Mauken erreichbar: es bestand nämlich in einem tüchtigen Erdbeben oder einer vulka­nischen Eruption.

* Lichtschirme aus Blumen das ist die neueste Mode dieser Winttrsaisvn zur Ausschmückung einer geschmackvollen Tafel. Es hat sich in den letzten Jahren eine Reaktion gegen das grelle elektrische Licht geltend gemacht, seitdem es den Reiz der Neuheit allmählich verlor. Man be­leuchtet wohl beit Eßsaal von oben, vom Kronleuchter, wie von einzelnen im Plafond angebrachten Birnen aus auf elektrischem Wege, aber auf dem Tische selbst ist es in Ungnade gefallen. Das Kerzenlicht, das übrigens an den Höfen und in sehr vornehmen Privathänsern nie ganz verdrängt wurde, gelaugt jetzt zu neuen Ehren. Ohne Zweifel ist die Ursache dafür aber auch in jenem Zuge unserer Zeit zu suchen, der selbst dem Alltags­leben künstlerische Reize abgewinncn möchte und an die Stelle der bloßen Entwickelung von Pracht und Glanz leise, intime Wirkungen zu setzen bestrebt ist. Die hohen Tafelaufsätze, die riesigen Fruchlschalen, die massigen vielarmigen Kandelaber sind Verschlvnndcn, die den einander gegen- übersitzenden Personen eine Unterhaltung nur mit allerlei mehr oder weniger komplizierten Verrenkungen von Hals und Schultern erlaubten, und statt dessen hält mau das gesamte Niveau der Tafel niedriger. Die Ver­wendung von Blumen hat dabei als Miltel zur Verzierung des Eßtisches zugenommen. Man streut sie lose oder zu lichten Sträußchen gebunden über die ganze Flüche des Tuches, und man arrangiert sie in flachen Schalen. Aus diefen erheben sich, gleich Fackeln, einzelne Kerzen, die mit Schirmen bedeckt sind, die ein sanftes, matte» Licht tzervorbringcn. Das sind Effekte, bei denen sich eine sestfreudige Stimmung viel schneller ein­stellt, und die auch den Toiletten und dem Teint der meisten Frauen weit günstiger sind. Aber mau fertigt diese Schirme nicht mehr einfach aus gefärbtem Papier an, sondern man stellt sie aus einem Geflecht natürlicher oder künstlicher Blumen her.

M u t t e r st o l z. D e v k l e i n e Is i d o r:Mainaleben, der Herr Lehrer hat gesprecht sranzehsch mit mir!" Mu tter: Was hat er gesagt, mein Goldsohn?" Isidor:Ich sei e Muster von Malproprethee". Mutter zum Vater:Hast De gehert, Hersch? Der Lehrer hat hingeslellt unser Kind als'n Muster von 'em sranzesschen Fremdwort! Da, hast de e Fimwcr, mein Gold- kinb,' kaui' der was!"

* Vorsichtig. D a m e, die mit einigen anberen ctitcit Ausflug macht:Wollen wir denn von diesem Ausfluge nicht der Rätin eine Ansichtskarte schicken?!" Eine der Damen: O, tvozu?. . . Muß sie denn wissen, daß wir über sie gesprochen haben? 1" .

Gartenbau und Blumeupflege.

Für Efeu im Zimmer ist ehr schattiger Standort besser als ein sonniger und heißer, sowie int Winter cm nut s ch w a ch geheiztes Zimmer zusagenber als ein stark gehetztes. Wenn der Standort auch schattig sein soll, so ist boch damit ferne dunkle Ecke gemeint, sondern ein Platz an einem nach Norden gelegenen Fenster «der nicht weit von diesem. Sehr zweckmäßig ist es, wenn man ihn in Kästen zieht und diese mit Drahtgittcr versieht. Solcher in mit Gittern versehenen Küsten gepflanzter Efeu läßt sich im Sommer leicht ins Freie, int Winter leicht tu eii< beliebiges, wenn nötig, warmes Zimmer bringen, und anch zu allerhand Dckorationszwecken verwenden., In Töpfen ge­zogener nnd int Zimmer weit hingerankter Efeu läßt sich schwer art einen anderen Ort bringen, bekommt gelbe Blätter und wird art manchen Stellen kahl. Mo hübsch langgerankter Efeu tut Zimmer auch aussieht, so nnzwecknmßig erweist sich doch dies mit der Zeit, und gar manches Zimmer erfährt keine Restaurterung des" lieben Esens ivegen.

Berfieck-Rütsel.

Nachdruck verboten.

Mau suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbean" inWanderer".

Heinrich Kasperletheater Schlingpflanze Schinken Ziegenleder Banhandwerker Geschwister Grundbesitz Serbien Halsband - Sonntagsreiter Bühnenkünstler Tausend Silberrnbel Kaufmann Bademantel Dattelpalme Eichenlaub.

.Auflösmtg in reichster Nummer.

Auflösung der Kömgspromenade in voriger Nummer: Gar lieblich ist das Lachett In Gottes schöner Welt;

Doch «veil es ost uns Schwachen Zu kühn die Seele schwellt. Wird Schmerz ihm beigesellt. Fouguk.

Redaktion: Ernst Heß, Rotationsdruck und Verlas der Vrühl'schen Univerfltäts-Buch- und Stetndruckerei, R. Lange, Meßen,