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Blässe, durch die das Blut nur zuweilen wie ein rosiger Hauch schiinuierte, tiefdunkle Augen von rnandelförinigein Schnitt und schwarzes, schlichtes Haar, das schwer in eine klassisch niedere Stirn fiel. Ihre Bewegungen waren langsaiu und voll Grazie sic hatte schmale Fuße und nicht zu kleine, aber schön geformte Hände.

Guten Tag, Hans!" sagte sie mit einer klangvollen Altstimme, die ihrer ganzen Erscheinung angepaßt war,was bringen Sie uns? Warum legen Sic nicht ab?"

Sie nannten sich seltsamerweiseSie", die beiden, ob­gleich sie als Kinder miteinander gespielt hatten und Hans Klausen der beste Freund von Karl Mcridies ivar, des ältesten Bruders von Ruth. Unwillkürlich brachte sic mit der Er­scheinung Klauseus den Gedanken an den Bruder in Ver­bindung, und als hätte er das erraten, befiel ihn eine leichte Verwirrung, die ihn ihrem Blick answcichen ließ.

Suse hat mir noch keine Zeit gelassen zum Ablegen," antwortete er leicht auflachend,mich auch gar nicht dazu aufgefordcrt"

Dann wandte er sich, ernst werdend, Ruth zu und sagte halblaut:

Ich hätte ctivas mit Ihnen zu besprechen, Ruth, doch jedenfalls ohne Zeugen."

Das schöne Mädchen senkte leicht die dichten Wimpern, nm den gequälten Ausdruck ihrer Augen zu verbergen.Es handelt sich um Karl!" dachte sic beängstigt. Laut sagte sie:

Kommen Sie ins Wohnzimmer, Hans. Mama ist ausgcgangen und Papa arbeitet drüben in seinem Zimmer wir sind ganz ungestört."

Sie ivarf Suse, die neugierig zugehört hatte, einen strengtraurigen Blick zu, der die beabsichtigte naseweise Frage auf ihren Lippen zurüekhielt und schritt nach der Tür.

Vergiß mich nicht!" tuschelte die Kleine, als Hans an ihr vorüberstreiste. Und sie kniff ihn so nachdrücklich in den Arm, daß er leise aufschrie.

Du Hexe, na, ich will's versuchen."

Im Wohnzimmer lag die Nachmittagssonne, grell, auf­dringlich. Sie zeigte alle Schäden des mit ärmlicher Eleganz ausgestatteten Geinachs. Es war mit Möbeln, Bildern, Nipp­sachen überfüllt, doch die Möbel hatten ihren einstigen Glanz verloren, die Bilder waren meist billige Ocldrucke oder Photo­graphien in schlichten schwarzen Nahmen, die Nippes wert­loser Tand, wie man ihn in Bazaren für ein paar Pfennige ersteht.

lieber dem grünen Plüschsofa hing von breitem Gold- rahmcn umgeben das farbenschöne Bild eines entzückenden lichtblonden Frauenkopfes, der aus wunderbaren Blauaugen und mit roten Lippen wie in lächelndem Staunen auf seine einfache Umgebung blickte--Ruths Mutter als Braut

darstellend.

Und lächelnd sah sie auf die Tochter herab, welche an einen der tiefen Sessel gelehnt, als müsse das Kommende sich besser stehend ertragen, beklonnnend sagte:

Es i]t nichts angenehmes, was Sie heut hersührt, Hans, ich sch's Ihnen ja an. Wie sollte uns auch etwas angenehmes kommen?"

Ihr Ton endete in Bitterkeit. Es griff ihm ans Herz. Der bange- Blick ihrer schönen Sammetaugen inachte ihn ganz weich.

Gott, liebe Ruth", meinte er, innerlich diese heikle Mission verwünschend,es handelt sich natürlich nm Karl. Sie können doch nicht im Ernst glauben, daß der arme Kerl imstande i]t, sich mit 60 Mark monatlich durch sein Frei- willigcnjahr zu schleppen, das ist purer Wahnsinn.' Ich be- Lrcffe Ihren Vater nicht. Er muß doch nicht mit der Zeit rechnen, in der er jung war und in der sich ein Mensch mit zehn Talern schon wie ein Krösus vorkam."

Er braucht also Geld?" siel sie ihm ins Wort,hat «r deswegen an Sie geschrieben?"

Eine tiefe Falte hatte sich senkrecht in ihre niedrige Sürn gegraben. War ihr Gesicht für gewöhnlich schon ernst, jetzt sah es düster, fast unjugendlich aus.

- -Geschrieben? Was glauben Sie denn, Ruth? Sie

kennen doch Ihren Bruder!" wehrte Hans Klausen ab,ich war gestern drüben in W., ein bekannter Offizier hatte mich zum Liebesmahl cingeladen, da habe ich Karl natürlich be- sucht. Er hat eine recht hübsche Wohnung, das ist er seiner Stellung als Referendar und angehender Reserveoffizier schuldig aber er selbst sicht jammervoll ans, ich glaube sicher, Ruth, er hungert."

Ein stöhnender Laut entfuhr ihren Lippen. Sie klammerte sich fester an die Stuhllene.

Er sagte, von mir gedrängt, daß er diesen Monat ge­rade besonders schlecht daran sei!" fuhr der junge Mann haitig fort.Sie hatten ihm sonst stets eine Kiste Eßwaren gesandt oder der Wäsche, eine Kleinigkeit beigelegt, aber nun diesmal nichts"

rIch konnte nicht", murmelte sic heiser,das Wirt- schaftsgeld ist so knapp bemessen und wir hatten ein paar mal Gäste^zu Tisch - keinen Pfennig konnte ich entbehren wenn Sic wüßten"

Sic brach schroff ab. Sic konnte ihm doch unmöglich sagen, daß sie schon längst Schulden inachte bei Fleischer und Bäcker und beim Kaufmann. Großer Gott, ihr wirbelte der Kopf. Ungeheuerliches schoß ihr durch den Sinn.

Wieviel braucht er denn?" stieß sie hervor. Er zögerte flüchtig.

Nun, 20 Mark würden genügen, Ruth, er bat ja noch keine Schulden, aber er sitzt seit gestern ohne einen Pfennig Bargeld, ein scheußlicher Zustand."

Was er nun seinerseits verschwieg, war, daß er dem Freunde bereits gestern 30 Mark zur Tilgung einer kleinen Schuld geliehen hatte. Er ivußte, Ruth würde es nie ver­winden, wenn sic cs erfuhr.

Ruth hatte ein Weilchen in düsteres Nachsinnen ver­sunken vor sich hingesiarrt, nun hob sic den Kopf und sagte rasch:

Ich werde ihm das Geld sofort schicken, Hans, es muß eben gehen. Haben Sie Dank, daß Sie sich deswegen bemühten. Sie sind und bleiben schon unser treuester Freund."

Er hielt die Hand, die sic ihm cntgegenstreckte, fest. Sie bebte. Wie ein geheimnisvoller Strom flutete cs von diesen schmalen, zitternden Mädchcnfingern zu ihm hinüber. Was lauge in ihm geschlummert, drängte sich plötzlich ans Licht.

Wannn kann ich Ihnen nicht mehr sein, Ruth?"

Sie starrte ihn an ans weitgeöffncten, erschreckten Augen.

Der unvermittelte Uebergang von der eben besprochenen peinlichen Angelegenheit zu solch schicksalsschwerer Frage war ihr wie ein Faustschlag gegen ihr stolzes, heiß empfindendes Herz geführt.

Was soll das heißen?" stammelte sie mit blassen Lippen. Sic meinte, sie habe sich verhört, es müsse nur ein Scherz sein, über den sic Beide lachen würden. Aber das leiden­schaftliche Leuchten in seinem Antlitz bestätigte die tiefe Be­deutung seiner Frage. Langsam zog er sie an den Händen naher zu sich heran.

Was das heißen soll, Ruth?" wiederholte er flüsternd, nun, was Sie längst wissen, daß ich Sie liebe, heiß und innig liebe, daß ich Sie bitte, mein Weib zu werden. Wollen Sie es mit mir wagen, Ruth?"

Schon hatte er sie dicht an seine Brust gedrückt und neigte sich über ihr schönes, weißes Gesicht, die stolzen Lippen zu küssen da bog sie sich mit Anstrengung von ihm fort. Ein herzzerreißendes Lächeln irrte nm ihren schönen Mund. Die Augen gesenkt, sagte sie mit leiser Stimme:

Wissen Sie eigentlich, Hans, ivie alt ich bin?"

Er ließ sie sofort los. Aus seinen Zügen schivand der frohsinnige, sieghafte Ausdruck. Er fühlte sich verletzt.

Eine seltsame Antwort auf meine Frage, eine Frage, die mir aus übervollem Herzen kam!" sagte er scharf. Hoch aufgerichtet, erzwungene Kühle im Blick, stand er vor ihr. Sie hielt krampfhaft die Lider gesenkt. Das rebellische Herz klopfte wild, trotzig in ihrer Brust.

,Wirf Dich an seine Brust!" lockte es,denk einmal nur