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fache, leicht Verständliche, nicht langweilige Unterhaltung, erbaulicher und beschaulicher Art.
Je nach der Mundart mögen Bolksschriftsteller, wie Reuter und Rosegger, Bock und Holzamer, vorgelesen werden, schlichte weltliche und Kirchenmusik wird aufgesührt, möglichst von heimischen Kräften, desgl. Schauspiele. Auch einen Dorf ho in er kann ich mir denken, der, wenn auch ohne Harfe, die . alten Dinge und Taten erzählt und das Herz der Zuhörer mit Heimatstolz erfiillt. Ist dieser Stolz erst erwacht, dann ist alles gut. Mit ihm erwacht auch die Hingabe und der Opsersinn, erwacht auch der selbstschaffende Geist.
Und mit solchem frischen, fröhlichen Geistes!- und Geschmacksleben drängen wir die schlechten Einflüsse zurück, die jetzt alles in Grund und Boden verwüsten: die Einwirkung schlechter Bücher und Zeitungen, schlechter Musik, schlechter Geselligkeit. Eine gutgewählte Bücherei must zu jedermanns Verfügung stehen. Das Volk wird wieder selbst singen, ja dichten und neue Weisen finden, wie einst; und jene greuliche mechanische Groschenmusik wird verschwinden, die den BolWgesaug nachgerade zum Verstummen bringt; geschweige die gemeinen Gassenhauer, die Musik der Tingeltangel und dergleichen. Ihtb wenn alles höher und höher blüht, so werden auch, seien cs örtliche oder landschaftliche Feste mit dichterischem, musikalischen! und leiblichem Wettbewerb abgehalten werden können, gleichsam olympische spiele im kleinen oder die „jochS florals" der Provenzalen und Katalanen.
. Wer aber soll alle diese geistigen Anregungen geben, diese Anstalten leiten? In erster Linie die hoher entwickelten geistigen strafte: Bürgermeister, Pfarrer, Lehrer, Amtspersonen. Zu ihnen würden sich aber bald viele mehr finden, brächten sie zuerst auch nur ihren gesunden Menschenverstand, ihren Mutterwitz, ihren unverfälschten Geschmack mit.
Der Lohn für solche Hingabe an eine wichtige öffentliche Ausgabe liegt in dem eigenen Bewusttseiu der Erfüllung einer schönen Pflicht gegen Volk und Vaterland, in der Freude an dem immer sich mehrenden Gelingen. Und mit solcher Ausstattung des Landlebens wird der ungesunde Trieb in die Stadt ahnehmen und aufhvreu; zu den übrigen Vorteilen des Land- lebens kommt nun auch noch hinzu, iw rum inan sonst meinte, den Städter beneiden zu müssen.
Und auch die soziale Bedeutung solches alle Stände und Berufe verbindenden gemeinsamen Lebens springt in die Augen; es wird der Versöhnung in hohem Maste dienen. Ans Werk denn, Pfleger der Heimat und der VolMvvhlfahrt! Prof. Dr. F.
Alleine prakSische Ratschläge.
. ** Der Karpfen besitzt in vielen Fällen bekanntlich einen eigentümlichen Schlammgeruch und Geschmack. Diesen kann man leucht beseitige,!, wenn man beim Kochen dem Wasser ein nußgrostcs Stuck Holzkohle hinzufügt. Die Kohle must ohne Hinzutun von Stein- oder Braunkohlcnrust geglüht sein, möglichst frisch, darf aber rncht mehr glühen rind Heist sein. Die Holzkohle nimmt den laden Modergeruch auch von anderen Fischgerichten, z. B. vom Stockstich oder Leberdan.
Eine Heute-Nummer
haben die .Lustigen Blatter" in Berlin fertiggestellt. Eine Anzahl unserer vmncln stcn Dichter und Cchrüstiester, unserer hervorragendsten Zeichner haben sich zu einer Jubelhmnne für Heine zusan inenaeiunden. Richard Tehniel, Detlev v. Lilicncron, Ernst v. Walzercn, Georg Reiche, Hugo Callis ufro. besingen den Dichter, besten Todestag sch heute zu,,, fünfzigsten Male jährt, Gustav Larpeles, der Heine-Biograph stellt aus Heines Gedichten seine irertvalle poetische Autobiographie zusammen. Ltu's Gerate- n>o»l in die plille der Gaben hmcingrciscnd, geben wir hier einige Proben wieder:
Den Heine-Verächtern.
Kunst ist ein Kind der Sinne!
Ihr glaubt es freilich nicht, Euch ist nur niedre Minne, Was bnrd) die Sinne spricht»
Ihr wollt Moralen haben, Das „Edle" nur ist grast, Ter Sinne bunte Gaben Sind Euch ein Blendwerk blost.
Co habt Ihr Sinn-Berächler Den Heine uns vertleint, Den Nachruhm der Geschlechter Zn schmäler» ihm gemeint.
Vergebliches Beginnen! Tie Welt geht drüber hm: .richt bei des Lebens Sinnen «wnd stets des Lebens Sinn.
Georg Reiche.
Ich halte Heinrich Heine slir einen der grbstten Lyriker, die je gelebt haben, Alt-Rahlstedt, den 4. 1. 1906.
Detlev v. Liliencvon» *
Buch der Lieder, nachgedichtct von unseren Modernen.
Gerhart Hauptmann.
Ich grulle ui! „u host'S amol gehärt.
44! biss ja, »recht >ner svrecha, gor ni ivectl As»,eene iS mer zu schlecht dahie, Nu jemersch ok, „tt ne, ich grulle nie!
Zch häng mich ni derwegenS uf; tut bak § i§ mt ni andersch l itze weest mer'sch jL Har uf mit dam Gewerge, härschte Du? Ich grulle ni! was prillste denn asu?
»
Hugo von H ofinannstha l.
Ich weiß nicht, was soll eS bedeuten:
Der Slbler, das Lamm und der Pfau, Der Erbe und das Salböl Der toten alten Frau.
Der Erbe verschwendet das Salböl Mit Adler, Pfau und Lamm, Und der Leser verschwendet Gehirnschmalz:
■ Wie reimt sich das zusamm?
*
Otto Julius Bierban in.
DaS Meer erglänzte weit hinaus — Laridahl Wir tanzten um das FifcherhauS — Laridah! Ter Nebel stieg, das Wasser schwoll — Laridaht Sie sprach zu mir bedeutungsvoll: Laridah!
Ich wußte, was dies Wort verriet: Laridah Und machte draus ein Brettl°Lied — Laridahl Das.singt sie mm im Kabarett — Laridahl Und eine Mark kost't das Billet — Laridah!
*
Detlev von Liliencron.
Du bist wie eine Blume, Trutz, blanke Hans!
Stürmt König Ragnar Lodbrok Einst Deines Herzens Schanz? Ach nein, ein Herr Hauptmann, Und daun die LentenanlS, Und dann die Grenadiere.
Trutz, blanke Hans!
Peter Altenberg.
Leise zieht durch mein Gemüt
Dust von Tamarinden;
Sennesblätter soll mein Lied Um Rhabarber winden.
Liebchen, laß zum Hochzeitsschmaus
Uns Püree genießen;
Wannst' Hunyado Janosch schaust, Sag, ich laß ihn grüßen!
Scherzrätfel.
Nachdruck verboten.
Rezept zu einem Maskeu-Kostüm für Herren» Ein wichtiges Teilchen der Nähmaschinen Und von einem Besen ein tüchtiges' Stück, Tie können als Tracht für den Maskenball dienen. Euch blüht dann bei sämtlichen Damen das Glitch Nur mögt Ihr nicht Locken verschenken vom Hauple, Sonst wär' cs gescheh'» nm die herrlichste Zier. Ihr könnt's nicht ertragen, ivenn man sie Euch raubte. So geht eS mitunter den Leuten aiich hier.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung der Königsproinenadc in voriger Nummert Wahre Freunde nennt man solche, Die vom Bösen fern uns halten, Aber mit bedächt'gem Sinne Für des Freundes Vorteil wallen; Das Geheimniß treu verbergen, Nur das Gute laut verkünden, Wenn eS Zeit ist, gerne helfen.
Und im Unglück nicht verschwinden. Höfe««
Redalnon. Ernst Heß» — Rotattonsdruck und Verlag der Brühl'scheu UnwersttätS-Buch. und Stemdruckeret. Si. Lange, Metze«.


