Ausgabe 
17.1.1906
 
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tretet des Htmtänitätsideals gefeiert. So toirkte er «och in den letzten Jahren in zwei Gesellschaften, m der emen für die Erleichterung des Elends in den Gefängnissen, in der ändern für die Aufhebung der Sklaverei. Nicht nur das eigene Volk fühlte den unersetzlichen Verlust, selbst m Frankreich wurde eine dreitägige Natronaltrauer rhm AU Ehren beschlossen. Der sittlich religiöse Grund, aus dem ferne Größe sich entwickelte, war der desTersmus , das ist eine in seinem Jahrhundert wertverbreitete liberale Weltanschauung, die frei von aller dogmatischen Rech - Haberei das Wesen der Religion nur darrn erkannte, den Mitmenschen Gutes zu erweisen. Tas sind Franklins eigen.. Worte, das ist der Geist, der uns aus redew Blatte ferner Selbstbioacaphie entgegenweht. Mag er deshalb auch ru manchen Minen B in seiner fast völligen Gleichsetzung von" Tugenouno äußer em Glück, die in unserer Welt der Trauerspiele doch leider gar ost nicht stimmt), die Schranken verraten, die diesem ganzen Zeitalter cuchastmi, so wird das seinem Charakterbilde in der Gesamtwrrkung iv^urg Abdruck; tun. Tenn, als Menschen smd wrr ja alle mehr oder weniger vom Geiste unserer Zeit abhängig. Und bet Franklin trägt seine Bescheidenhert und fern lrebenswur- diger Humor noch besonders viel dazu 6et, seine kleinen Schwächen erträglich zu machen. Man lese nur die Grab­schrist, die er sich noch selbst verfaßte:Ter Herb Bensamrn Franklins, eines Druckers, lieot hier als Sperse für Würmer, wie der Einband eines alten Buches, woraus der Inhalt gerissen, Aufschrift und Vergoldung abgegriffen. Aber das Werk lvird nicht verloren gehen; denn eS wrrd (tote er Maubte) wieder erscheinen, in einer neuen, zierlicheren 'Auf­lage, durchgesehen und verbessert vom Verfasser."

Nietzsches Wahttfin».

Das Januarheft derNeuen Rundschau" (Berlin, S. Fischer, Bcrlag) bringt aus dem Nachlaß des Baseler Professors Franz Overbeck dre von diesem Freunde Nietzsches in den Jahren 1889 und 1890 au Peter Gast Heinrich Kösclitz) geschriebenen Briese, in denen u. a. zum ersten Male ein Nahestehender (O. leitet den Transport Nietzsches von Turcn nach Basch die Kraulheit Nietzsches und seine Unterbringung in eine Anstalt schildert. Die Briefe das Zeugnis eines edlen Freundes, sind ein äußerst wichtiger Beitrag zur Nietzschckunde. Wir entnehmen dem zweiten Brief, vom 15 Januar 1889, die erschütternde Schilderung der ersten Begegnung OverbcäS mit dem in Wahnsinn verfallenen Nietzsche. Overbeck war, nachdem er sich aus Briefen Nietzsches von dem Ausbruch der Krankheit hatte überzeugen müssen, gerade noch rechtzeitig nach Turin gekommen, der Haiiswirt Nietzsches war ebeii ans der Polizei und beim deutschen Konsul, ^Nietzsche", berichtet Overbeck,der schon tagS vorher auf der Straße gefallen und anfgelesen worden, war nun davon bedroht, alsbald in ein privates Mamcoimo zu aeravn und eben daran, von Abenteurern umgebei- zu werden, die sich m Italien bei solcher Gelegenheit rascher alS anderswo zusammensinden mögen. Es war der letzte Moment, wo seine Fvrtscl assung ohne besondere Hindermsie außer feinem eigenen Zustande noch möglich wak. Ich übergcye die rührenden Verhältnisse, in denen ich Nietzsche als Psleg.mg seiner Wcris- teure Inhaber eines Zeitungskioskes auf der Via Carlo Alberto fand, auch sie mögen für Italien bezeichnend sein. Mtt dem fürchterlichen Moment, wo ich Nietzsche wiedersah, bin ich wieder bei der Hauptsache, in ganz einziger Weise ein fürchterlicher Moment und ganz anders als alles folgende.' Ich erblicke Nietzsche in einer Sosaecke kauernd und lesend . wie sich daun ergab, die letzte Korrektur von Nietzsche contra Wagner entsetzlich verfallen anssehend, er mich und stürzt sich auf mich zu, umarmt mich heftig, mich erkennend, und bricht in einen Tränenstrom aus, sinkt dann in Zuckungen auss Sofa zurück, ich bin auch vor Erschütterungnicht im­stande, aus den Beinen zu bleiben. Hat ihm sich in diesem Augenblick der >>b- arund anfaetan, an dem er steht oder in den er vielmehr gestürzt ist < Jedenfalls hat sich nichts derart wiederholt. Zugegen war die ganze Familie Fino. Kaum lag Nietzsche stöhnend und zuckend wieder da, alv mau ihm das auf dem Tisch stehende Bromwasser zu lchhnkm gab. Lnge,i- blickiich trat Beruhigung ein, und lachend begann Nietzsche vom großen Empkaug zu reden, der für den Abend vorbereitet sei. . Damit war er nu Kreist der Wahnvorstellungen, aus dem er daun, bis ich ihn aus den Aitgcu verloren, nicht wieder getreten ist, über mich und uberhanvt^dle Personen anderer stets klar, über sich in völliger Nacht befangen. Afc heißt, es kam vor, daß er in lauten Gesängen und Nasereleil, am «lavier sich maßlos steigernd, Fetzen aus der Gedankenwelt, in der er zuletzt gelebt hat, hervorstieß und, dabei auch in kurzen mit einem unbeschreiblich ge­dämpften Tone vorgebrachteu Sätzen sublime, wunderbar hellsicyüge und unsäglich schauerliche Dinge über sich als den Nachfolger des toten Gottes vernehmen ließ, das Ganze auf dem Klavier gleichsam interpunltierend, worauf wieder Konvulfionm und Ausbrüche eines unsäglichen Leidens erfolgten, doch, wie gesagt, das kam nur vor in wenigen flüchtigen Momenten, soweit ich dabei gewesen, im ganzen überwogen die Aeußerungen des Berufs, den er sich selbst zuschreibt, der Possenreißer der neuen Ewigkeiten zu sein, und er, der unvergleichliche Meister des Ausdrucks, war außerstande, selbst

die Entzückiiugen seiner Fröhlichkeit anders als in den trivialsten Ausdrücken oder durch skurriles Tanzen und Springen wiederzngeben. Dabei die kindlichste Harmlosigkeit, die ihn auch in den drei Rächten, in denen et schon tobend den ganzen Haushalt tvach erhalten hatte, nie verlassen hatte, nnb eben diese Harmlosigkeit und die fast unbedingte Lenksamkeit, sobald man auf seine Ideen von königlichen Empsängen und Einzügen, Fest- musikcn usw. einging, machte wenigstens für den Reisebegleiter, den ich ans WilleS strenge Anweisungen in Turin gesucht und mitgenommen, bett Transport hierher zum Kinderspiel."

Dir. Heinrich, Jlgenstein und Dr. Albert Kalthoff geben int Vertriebe derConcordia" (Deutsche Verlagsanskalt, Hermann. Ehbock, Berlin W. 50) eine neue Wochenschrift für öffentliches Leben, Literatur und Kunst,Das Blaubuch" heraus, deren erste Nummer uns vorliegt. Aus dem Einleitungsartikel von A;. Kalthoff geht die Richtung dieser Zeitschrift hervor, ioelche eist freies, aber kein Partei-Organ sein will. Aus dem Inhalt der ersten Nummer heben mir bdtt Artikel:M ajestäts> beleidigungen" von Tr. Robert Richter hervor, durch bett ein frischer, gesunder Hauch geht' ferner ein Gespräch Frist MauthnersBismarck" betitelt, eine köstliche Satyre auf das heutige Preußentum. Ein aktneller Beitrag des Privatbozenten Dr. Hug» PreußKampf um die Schule?" deckt die Unterström- ungeit aller inobernen Schulkämpfe unb pädagogischen Beweg­ungen auf. Hans Ostwald ist mit einer kleinen psychologischen^ ErzählungUnd das Volk kam zu ihnen. . ." vertreten. In­teresse werden wohl die Rubriken:Umschau",Freie Aeußerung Kritik" undNeue Bücher" erwecken. Die Ausstattung ist ge­schmackvoll, der Preis beträgt 3,50 Mk. pro Quartal, 30 Pf. pro Heft. ____________

Die Herren dev Welt,

lieber die Erde

ragen zwei Zinnen der höhuenben Hölle, gleißend wie Königssessel iiebeneinaubergestellt: da? sind die Throne der Welti

Da glanzt bas Gold protzend mit Pracht und allem Geschmeib, bmnit der Tyrann die törichten Wkenschen trngvoll verzaubert, baß sie ihm schenken ihr Blut um gülbenes Blech.

Neben ihm thront die Würgerin Furcht, die Menschen zwingend mit bannendem Blick, daß sie nicht wagen srohsrei zu ivaudeln, daß sie verhandeln eigenes Glück um fremden Schein.

Zn diesen gleißenden glänzenden Thronen wallet die Menschheit, opsernd ihr Blnl. Und ihrer lachet das lüsterne Paar, die Pracht und das Geld, die Herren der Welt!

Darmstadt.

Dr. D. Greiner.

Logogviph.

Nachdruck verboten.

Echtes Bier und feinsten Wein.

Und noch And'rcs schließ' ich ein.

Acnderft du mir aber ein Zeichen,

Kannst du getrost nach dein Ausland eulweichen. m. Äiiflösung in nächster Nummer.

Aiiflösniig des liiggischen Quadrats in vor. Nr.t

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Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gieße«.