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Und daran hat er gut getan", war die grimmige Erwiderung.Ich sagte ihm heute morgen, ich würde ihm die Knochen zu Brei schlagen, wenn er sich unterstände, dich zum Narren zu halten."

Betsy ging zu ihm und legte ihm die Hand auf die Schulter. Starr sah sie ihm ins Gesicht.

Ich will weiter nichts sagen, Betsy; nur muß mir die Sache nicht albern werden. Alle Nachbarn wissen, daß er an Dich gefreit hat und Dich heiraten wollte, und Du sollst Dich doch vor den Leuten nicht schämen."

Ich will zusehen, daß das nicht nötig ist," erwiderte sie kurz und ging hinaus.

Und lange, nachdem sie das Zimmer verlassen, saß der alte Farmer noch bei seiner Pfeife und grübelte über den seltsamen Ausdruck in den Mienen seiner Tochter.Ich fürchte, ich fürchte, die Sache läuft übel aus," dachte er. Inzwischen begab sich Jack nach Hause, fest entschlossen, sofort nach Kenninghall zu gehen. Er hatte ,o wenig an Betsy gedacht, cs für das Allereinfachste geha.ie n, das Ver­hältnis mit ihr abzubrechen, sie laufen zu lass en; jetzt sah er ein, daß es gefährlich sein würde, länger mit ihr weiter zu liebeln, und er entschloß sich, weiter keine Zeit mehr zu ver­lieren, sondern sofort Lady Wayne aufzusuchen.

Es würde ja ein Leichtes für ihn sein, Elton zu ver­lassen, ohne daß eine Menschenseele etwas davon erfuhr; dann, einmal auf Kenninghall, konnte er seine Vorkehrungen so treffen, daß er nie wieder dahm zurückzukehren brauchte, wo Betsy Fenton weilte.

Er zweifelte ganz und gar nicht an seinem schließlichen Erfolge oder daran, daß er Elsie Wayne zur Frau bekommen würde. Das- Glück hatte ihm ja bereits in solchem Maße gelächelt, es würde ihm auch diese Krönung seiner Pläne nicht vorenthalten. Also ging Jack am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe ganz seelenruhig und sicher zum Bahn­hof. Er nahm ein Billet nach Elmswell, einem Bahnknoten­punkt, von wo er leicht nach Kenninghall reisen konnte.

Am Bahnhof war niemand als eine schweigsame, in einen langen Reiscmantel gehüllte Person, die gleich nach ihm an den Billetschalter trat. Er hatte keine Ahnung, daß sie ebenfalls ein Billet nach ElmSwell löste.

44. Kapitel.

Ein sonderbares Briefchen.

Lady Wayne saß in ihrem Ankleidezimmer auf Kenning­hall; sie schrieb nicht, las nicht, plauderte auch nicht, sie dachte angestrengt nach, Die Nebenbuhlerin, die sie besiegt hatte, die stolze, vornehme Herzogin von Chisledon, war nach Belvoir Castle zurückgekehrt, und Lord Wayne wünschte ein großes Fest zu geben, wozu natürlich auch die Herzogin cin- geladen werden sollte, sodaß Lady Wayne viel und mancherlei zu überdenken hatte. Algernon und Isabel waren ebenfalls auf Kenninghall, und die alte Feindschaft zwischen den beiden Frauen hatte sich nicht iin Geringsten abgeschwächt.

Die große Enttäuschung in Isabel Waynes Leben war die, daß sie an der Gemahlin ihres Verwandten keinen Fehler entdecken konnte. Und sie hatte doch von Anfang an Uebles von ihr prophezeit. Sie hatte geglaubt, Lady Wayne habe irgend ein Geheimnis zu verbergen, dessen Bekanntwerden ihr unaussprechlichen Kummer und Schmach bereiten würde. Sie hatte sie alle diese vielen Jahre her scharf beobachtet, und was war zu Tage gekommen? Nichts. Lady Wayne war einfach eine der populärsten und umschwärmtesten Frauen des Landes, hatte überall höchste und begeisterte Huldigung und Verehrung gefunden, hatte alle anderen Nebenbuhlerinnen vollständig besiegt und aus dem Felde geschlagen, wie das siegreich aufgehende Tagesgestirn alle Nebel und Wolken um sich her zerstreut und in nichts auflöst. Isabel mochte spähen, spionieren, beobachten, argwöhnen, kombinieren, vermuten, bezweifeln, kurz tun, was sie wollte; es ergab sich einfach nichts, und Lady Wayne behauptete siegreich als Königin das Feld.

Und selbst, wenn jetzt irgend ein kleines Geheimnis ans Licht kommen sollte, so hatte es nichts oder doch sehr wenig

zu sagen, das wußte Isabel selbst. Waren doch zwei Söhne vorhanden, Raymond und Harry, also keine Aussicht, daß ihr Mann je Titel und Güter erben würde. Die bittere Enttäuschung hatte die Intrigantin verbittert. Sie iva« reizbar, boshaft und ungenießbar geworden. Die bezaubernde gute Laune, die anregende Unterhaltungsgabe, die sie einst so beliebt gemacht, waren verblichen, dahin. Isabel Wayne fand durchschnittlich nicht mehr die Aufnahme in der Gesell­schaft, wie früher, und deswegen verabscheute sie ihre schöne Rivalin, der die Zeit schier nichts anzuhaben vermocht, nur um so mehr.

Trafen Ihre Durchlaucht von Chisledon und Isabel sich, so herrschte eine Herzlichkeit und ein Einvernehmen zivischen ihnen, die ganz entzückend zu sehen waren. Die Herzogin konnte es nie verwinden, wie ruhig, so ganz ohne Kampf, ohne Aufsehen, sie ihres Thrones enthoben worden war, Lady Wayne hatte lachend zu ihrem Manne gesagt, die Waynes auf Kenninghall sollten eigentlich die erste und herrschende Stellung in der Grafschaft einnehmen, und in ihrer ruhigen Art und Weise hatte sie ihr auch tatsächlich den Rang abgelaufen. Wie oder warum, das konnte die Herzogin sich nie erklären, aber die Sache stand fest, langsam und sicher sah sie ihren Einfluß verbleichen.

Lady Wayne entfaltete die eleganteste, bezauberndste Gastfreundschaft. Ihre eigene Liebenswürdigkeit war auch so groß, daß sie die Leute anzog, wie nichts anderes es ver­mocht hätte.

Die Herzogin machte keinerlei Bemerkungen darüber, dazu war sie zu klug; sie tat nicht einmal, als ob sie es bemerke, aber im Herzen haßte und verabscheute sie Kenning- hall's schöne Herrin so aufrichtig und bitter wie nur möglich.

Und dies alles war Lady Wayne natürlich sehr wohl bekannt; als ihr Gemahl ihr daher heute gesagt, er wünsche eine brillante Festlichkeit anläßlich ihrer Rückkehr auf den Familiensitz, wobei sie ihre ganze Unterhaltungskraft und Kunst entfalten sollte, hatte sie sich Bedenkzeit erbeten und saß nun in tiefem Sinnen, wie sie das Fest wohl am besten gestalten solle, damit es das werde, was er davon erwartete.

Natürlich würden die Nomseys sämtlich herüberkommen, überhaupt waren Ablehnungen nicht zu befürchten; die Ein­ladungen waren seit einigen Tagen erlassen, und bisher hatte sie nur Annahmen erhaltcm

Was kann ich nur ausdenken," grübelte Mylady,was entweder neu oder originell ist? Alle Festlichkeiten, denen ich beigewohnt, waren so ziemlich immer dasselbe; es muß was Neues, was Anregendes, was allgemein gefällt, sein."

Ein leichter Schritt wurde draußen hörbar.

Mama", sagte eine süße Stimme,darf ich herein­kommen?"

Ja, Elsie."

Und Lady Wayne's stolze Züge nahmen einen sanften, zärtlichen Ausdruck an, als sich jetzt die Tür öffnete.

Elsie Wayne schlang die Arme um den Hals der Mutter und beugte ihr süßes, strahlendes Gesicht zu dem ihrigen hinunter. Man hätte nicht so leicht ein schöneres Bild sehen können, als die hoheitsvolle, schöne Herrin von Kenninghall und ihre liebliche, jugendfrische Tochter.

Mama, woran denkst du? Ich habe dich schon überall gesucht. Du siehst ganz abgespannt aus, hast sogar zwei Falten auf der Stirn. Kann ich etwas für dich tun?"

Setz' dich hierher, Elsie", sagte Lady Wayne und deutete auf ein mit Sammet überzogenes Tabouret, worauf sie ihren zierlichen Fuß gestützt hatte.Laß uns zusammen beratschlagen".

Das junge Mädchen gehorchte; sie legte den Kopf auf das Knie der Mutter und ihr prächtiges, goldenes Haar floß wie ein Goldstrom an Lady Waynes Kleidern herunter.

Von allem und vor allem gefällt mir beratschlagen mit dir am besten, Mama", sagte Elsie lächelnd,worüber sollen wir uns nun den Kopf zerbrechen?"

(Fortsetzung folgt.)'