Ausgabe 
16.11.1906
 
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Zrniag den 16. Uovemöer

1906

Ur. 169

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Zm Banne des Heijemlnisses.

Roincin von H. v. Raesfeld.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Kein Gedanke, daß er durch sein Versprechen ihr gegen­über gebunden war, daß er alles aufgeboten, um sie zu ge­winnen r kein Gedanke, daß er Ehrenhalber gebunden war, daß sein Wortbruch ihr Kummer und Gram verursachen könnte; nein, er hatte nur einen einzigen Gedanken, und das war:Ich, Ich, Ich". Kein anderes Gefühl, keine an­dere Neigung hatte in seinem engen Herzen mehr Platz.

Er hielt cs für sehr wahrscheinlich, daß sie zornig sein würde kannte er doch die Herkunft ihrer Mutter; doch ihr Zorn, ihre Wut sollten ihn wenig kümmern.

Jack hielt im allgemeinen nicht viel von dem schwächeren Geschlecht. Schwach, leicht betrogen, stets bereit, zu klagen, leicht zu leiten, das waren nach seinem Dafürhalten die Fehler der Frauen in seiner Klasse. Vor solchen, wie Elsie Wayne, empfand er Respekt, und sogar Verehrung; das waren Geschöpfe aus einer andern Welt. Er hätte zwanzig Betsys unter die Füße getreten, doch vor einer Elsie Wayne würde er voll Ehrfurcht und knicschlotternd dagestnnden haben.

Der jähe Abbruch allen und jeden Verkehrs mit Kenning- hall House war ihm nicht ganz recht gewesen. Er hatte Miß West bei ihrem Advokaten getroffen, und nachdem die Ur­kunde ausgefertigt war und er seine erste Rate in der Tasche gehabt, hatte er einen familiären Ton ihr gegenüber anzu- schlagcn versucht, was sie sehr entschieden zurückgewiesen hatte.

Sie dürfen nicht vergrssen, Herr Jefferies", hatte sie mit unnahbarer Külte und Verachtung gesagt,daß, wenn es Ihnen auch gelungen ist, durch Ihre listigen Praktiken Geld von mir zu erpressen, Sie doch keine Duldung von mir erkaufen können."

Und vor dem Zorncsblitz aus ihren Augen war er wie ein Hund, der einen Peitschenhieb erhält, zurückgewichen.

Werner besuchte ihn am folgenden Tage und teilte ihm mit, daß sie London direkt verlassen würden.

Reisen die Waynes auch ab?" fragte Jack, ärgerlicher, als er eingesiehen wollte.

Ja, ich denke es mir wenigstens; ganz sicher weiß ich es noch nicht."

Na, auch gut!" sagte Jack, nicht sehr erbaut über diese Mitteilung,vielleicht kann ich ja mal nach Downham runterrutschen und dich da besuchen, Werner".

Werner erinnerte ihn so schonend wie möglich daran,

daß jedenfalls doch eine Einladung vorhergehen müsse, bevor er etwas Derartiges unternehme.

Jack lachte laut.Wenn ich mal komme, so komme ich auch als feiner Mann, pitfein, darauf kannst du Gift nehmen. Ich habe eine sehr glückliche Spekulation gemacht, Werner; brauchst nicht fragen, was oder worin, denn ich sags doch nicht. Aber du bist nicht der einzigste Glückspilz auf der Welt. Ich hab soviel, daß ich mein Leben lang nicht mehr arbeiten brauch! Na, was sagst du dazu?"

Werner sah seinen Bruder in fassungslosem Staunen an. Was meinte er?

Wie, du hast Geld genug verdient, um davon leben zu können, Jack?" wiederholte er;ganz unmöglich!"

Was ich dir sage, es ist wahr ich kann nicht bloß leben, sondern gut leben. Ich könnte dir sogar helfen, aber", fügte er schnell bei,du hast ja einstweilen alles, was du brauchst. Aber wegen der Waynes, Werner; laß mich wissen, lucnn du heute vielleicht noch ctivas darüber hören solltest ob sie London verlassen oder nicht".

Werner hielt es für müßige Neugier und legte weiter keinen sonderlichen Wert auf Jacks Interesse für die Waynes. Abends jedoch, als er Lady Romsey sagen hörte, daß die Waynes ebenfalls nach Kenninghall zurückkehrten, fiel ihm Jacks Neugier wieder ein und er sandte ihm ein paar Zeilen mit der gewünschten Nachricht.

Damit wußte Jack, daß seine Geschäfte in London zu Ende waren; er brauchte also von seiner kostbaren Zeit hier nichts mehr zu vergeuden, von dem (Selbe, das so wohl ver­wahrt in seiner Börse lag, hier nichts mehr auszugeben. Er ivollte eine Zeit lang nach Hause gehen und sich dann ent­scheiden, welche Schritte er zuerst tun wollte, um Miß Waynes Hand zu crobrrn.

Zunächst und vor allem, sagte er sich, mußte er Betsy (o§ sein wenn nötig, ihr mit dürren Worten erklären, daß er gar nicht die Absicht habe, sie zu heiraten, machte sie dann ihr Schlimmstes tun. Somit kehrte Jack nach Elton zurück, um zunächst diesen Entschluß auszuführen»

43. Kapitell

Die Wolke ballt sich zusammen. '

Wie die meisten Mahler, so war auch Jack Jefferies von Haus aus ein Feigling. Bevor er London verlassen, war er zu einem berühmten Westend-Schneider gegangen und hatte sich von dem Ergebnis dieses Besuches mehr als befriedigt gefühlt. Er hatte eine umfangreiche und wundervolle Kollektion der allerrnodernsten Anzüge mit allem Zubehör gekauft. Angetan mit einem der ausgesucht modernsten Kostüme bereitete er jetzt, wie er sich ausdrückte^ den Einwohnern Eltons ein Fressen, das heißt, er schien-