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Vermßsch-es»
s Unter dem Titel: „Blaubart Hochs Ende" schreibt mau aus Chicago: „Nach einem zärtlichen Abschied von seiner letzten, wahrscheinlich seiner fünfzigsten Gattin, Frau Marie Fischer-Hoch, hat der sensationelle Blaubart der nwderneu Kriminalgeschichte Heute seine Verbrechen am Galgen gebubt. Die Annalen der neuen Welt wenigstens wissen Hoch nichts ähnliches an die Seite zu stellen. Nicht weniger als fünfzig Frauen soll er geheiratet und zum größten Teil gewaltsani aus der Welt geschasst haben; nur Johann Hoch allein konnte die Anzahl angeben, aber er hat auch dieses Geheimnis gleich allen anderen mit sich ins Grab genommen. Als wirkungsvollen und schrecklichen Bundesgenossen der Bigamie hatte der geschickte Chemiker den Giftmord gewählt, nicht weniger als ein viertel Hundert Frauen soll er mittels Arsenik ans der Welt geschafft haben, welches Gift er absichtlich gewählt hatte, weil hierzulande fast alle Leicheneinbalsamicrungen mittels Arsenik vorgenommen werden. Das Jahr 1904 sieht ihn wieder in Chicago, lvo er Mrs. Welcker zum Altar führte. Zwei Wochen später ivar die Unglückliche, angeblich an Brightscher Nierenkrankheit, gestorben. Auf der Rückfahrt vom Begräbnis der Gattin machte er der Schwester der Verstorbenen, Mrs. Marie Fischer, in seiner ge- vohnten stürmischen Manier einen Hciratsantrag und drei Tage später führte er sie zum Altar. Mit den 700 Dollars, welche sie Ersparnisse der Brant darstellten, flüchtete er wenige Tage später nach Newhork. .Da wird die jüngste Mrs. Hoch von einem schrecklichen Verdacht befallen: sie klagt Hoch der Ermordung ihrer Schwester an, die Leiche wird exhumiert, und man findet in deren Inneren 7,6 Gran Arsenik. Das erstemal, daß Hochs Berechnungen nicht eintrafeu, denn bei der Einbalsamierung war diesmal kein Arsenik in Verwendung gebracht worden. Hoch hatte sich nach Newhork begeben, woselbst er, voll der Polizei verfolgt. Von Hotel zu Hotel eilt. Sein Bild ist in allen Zeitungen, es kommen mit einemmal eine Menge Schandtaten des Berschwun- denen ans Tageslicht. Hoch hat unterdessen in einem rilhig gelegenen Kosthanse, dem der Mrs. Katherine Kuemmerle, ein Asyl gefunden, doch da erwacht in dem alten Verbrecher, unbeschadet er wie ein Hirsch verfolgt wird, der alte Trieb. Er bietet Mrs. Kuemmerle Herz und Hand an. Dies sollte sein Berderbeil sein. Die Fran wird aufmerksam, vergleicht ihn mit einem Bilde in der „Nclvhorker Staatszeitung", und alarmiert die Polizei. Hoch rv-rd nach Chicago gebracht und hier am 23. Juli 1905 wegen Ermordung der Mrs. Welcker zum Tod durch den Strang verurteilt. Als Hauptzeugin hatte seine letzte Gattin gegen ihn ausgesagt. Nun beginnt ein heftiger Kampf um das Leben Hochs. Es ereignet sich das Merkwürdige, daß Mrs. Fischer-Hoch, „die Rächerin ihrer Schwester", plötzlich für Hoch in Liebe entbrennt und rhm hilfreich zur Seite steht. Sie sammelt Geld, um alle Rechtsmittel erschöpfen zu können. Auch andere fernstehende Personen nehmen sich Hochs merkwürdigerweise an, itnb es werden pausende von Dollars aufgebracht, um alle Chikänen des amerikanischen Rechtsganges aufzubieten. Es half aber nichts. .Hoch hat „alcj Soldat und brav", wie er sich ausdrückte, bis zum letzten Augenblick seine Unschuld beteuernd, das Schaffst be- fttegen Seine Lebenserfahrungen legte er vor feinem Tode in folgenden Worten nieder: „Ein jeder Mann kann, wenn er will, tausend und mehr Frauen bekommen, wenn er nur darauf ausl- geht unb beharrlich ist. Alle Frauen wollen heiraten. Einige fuid wühlerisch, die Mehrzahl ist es nicht. Witwen sind die schrecklichsten von allen. Bon Kindheit auf hat die Frau mir ein Ziel, die Heirat. Storni sie gut heiraten, umso besser, wenn nicht, lieber schlecyt, als gar nicht. Die Frau gleicht jenem Spieler, der auf die Frage seiner liebsten Beschäftigung erwidert: „Im Spiel gewinnen", unb auf die Frage nach der zweitliebsten Bc- schastigiing erwidert: „int Spiel verlieren". Die Erfolge, deren sich Hoch rühmen konnte, scheinen ihm Recht zu geben, beim er ivar unschön, nnliebenswürdig, fast abstoßenb. Er wußte aber, wie er sich ausdrückte, „bie Frauen zu nehmen". Johann Hoch Hieß mit seinem wirklichen Namen Jakob Schmitt und stamn't aus dem Done Horrweiler bei Bingen a. Rh. Dort heiratete er seine erste Gattin, welche ihm drei Kinder gebar und gegenwärtig noch am Leben ist. Er war 1895 infolge eines betrügerischen Bankerottes' Hierher geflüchtet."
. ., *' Fünfzig Jahre sind am 16. Marz vorüber gegangen seit der Gevurt Louis Napoleons genannt Lulu, der von den Bouapartisten alS Napoleon IV. gezählt wird. Wohl selten ist die Geburt eines Prinzen sehnsüchtiger erwartet und freudiger begrüßt worden als die des „Prince Imperial", der bei der Taufe die Namen Eugsne Louis Jean Josephe erhielt. Daß derselbe erst drei Jahre nach der Vermählung Napoleons III. mit Eugenle Marie de Guzman, Tochter des spanischen Grafen von Montyo und Teba, Herzogs von Peneranda und Granden
'"ld der etwas abenteuerlichen Schottin Manuela >n-^an,Ä^E-Eloseburn — erfolgte, gab dem geschwätzigen Pa- » mÄm seltsamen Gerede Anlaß. Der junge r,l L?tl(!lc £on. Anfang an die besten Lehrer und genoß die militärischer Instruktor war der
>. hochgebildete nacymalige General Fro'fsard, der ^70 ^ll Niederlage auf den Spichorer Höhen erlitt. Bei Saar
brücken, aber bei deut früheren Gefecht, wär cs Auch, wo 1870 Lulu, der seinen Vater ins Feld begleitet hatte, die Feuertaufe erhielt. Die französischen Regierungsblätter gaben davon wunderbare Schilderungen. Er wurde aber dann zur Sicherheit zu seiner Mutter nach Paris' geschickt. Nach der Katastrophe von Sedan wurde er nach England in Sicherheit gebracht. Einige Tage spater folgte ihm auch seine Mutter, die bei der Revolution vom 4. September ihr Zahnarzt gereitet hatte. Sie bezogen das Schloß Camden House in Chiselhurst, wohin ihnen auch der Exkaiser folgte. Nach dem Tode dieses (1873) beruhte die ganze Hoffnung auf dem jungen Louis Napoleon, der inzwischen die Militärakademie in Woolwich besuchte. Eugenie und ihre Ratgeber betrieben nun mit allen Kräften und großem Geldaufwand die Wiederherstellung der Dynastie. Um kriegerischen Ruhm zu erwerben und da ihm ein europäisches Heer nicht offen stand,' machte der Prinz als Freiwilliger die englische Expedition gegen die Zulus mit. Bei einem Rekognoszierungsritt am Jtyolysifluß siel er unter den Asiägaien der Zulus, womit Eugenies Kaiser- traum zerfloß und der BonapartisiNus den schwersten Schlag ctiUt. —Im nächsten Jahre besuchte die gebeugte Exkaiserin seine Todesstätte. Sic transit gloria mundi!
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®ic Zeitung, welche cs allen recht machen kann, muß noch ermnbeit werden. Sollte, sic, was sehr zu bezweifeln ist, jemals erfunden werden, so könnte man nur wünschen, daß sie alsbaldj wieder eiugmge, denn sie würde nichts taugen.
Dr. Iul. Bachem.
Literarisches.
— Der Kaiser und Hamburg in ihren Wcchsel- oeziehungen, das ist der illustrative und textliche Inhalt der Silbernen Hochzeits-Festnmnmer der illustrierten Wochenschrift „Welt und Haus". Schon das Titelblatt schmückt eine auch int Text wiederkehrende Reproduktion jener ausdrucksvollen Marmorbüste von Professor Walter Schott-Berlin, die den Kaiser in Garde-du-Corps-Uniform mit allen Abzeichen seiner Würde darstellt, ein Geschenk des Kaisers an beit Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Ballin. Eine Knnstbeilage vereinigt die Bilder des Silberhochzeitpaares, zwei Aufnahmen aus Homburg v. d. H. Nicht ohne Bedeutung ist gerade heute das Zitat aus dem „Standard" vom Atärz 1892, mit dem der Verfasser, eines in demselben Heft enthaltenen illustrierten Artikels „Ein Welthotel auf dem Ozean" seine anschauliche Beschrcibuitg dyN Riesendampfers „Amerika" beschließt: „Die Deutschen sind berufen, mit uns in der überseeischen Dampfschisfahrt zu wetteifern. Ihre größten Dampffchiffahrts- Gesellschaften zahlen mehr Schiffe mit größerem Gesamt - Deplace- ment, als unsere größten Dampferlinien, und sie führen diese Schiffe mit Umficht und Schueidigkeit. Wir mürben stolz darauf fein, wenn wir sie Engländer nennen dürften!" — Ein weiterer, für Hamburg wertvoller Beitrag dieser Festnummer ist ein Bild des Bierländer Fruchtkahns, des Hochzeitsgeschenks des Hamburger Senats au das Kronprinzenpaar, sowie die Wieder-! gäbe, des nahezu vollendeten Kopfes der Hamburger Bismarckstatue.!
Kvmgsprometmde.
Nachdruck verboten.
Auflösung in nächster Nummer.
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Auslösung des magischen Quadrats in vor. Nr.P
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Kebaftion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der Vrühl'lchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Samte. Gießen.,-


