Ausgabe 
16.3.1906
 
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»Pardon, Hoheit,"

Prinzessin Luise stützte den Kopf auf die Hand.

Mein Gott, Frehlinghans, lesen Sie denn keine Zeitungen?! Haben Sie die Morgenblätter nicht gelesen?"

Hoheit, ich bin heute in der Tat noch nicht dazu ge* fonnnen, in die Journale zu schauen."

, ",®W' SJjre Gattin ist bei der alten Fürstin zweifel-,

0-LinIe? Händen. Ich kann Sie augenblicklich! nicht entbehren"

Hoheit vergeben", sagte Frehlingshaus,ich würdet nienr gehör,amstes Ersuchen ohne weiteres zurückziehen) wenn es angängig wäre. Mer zu meinem innigsten! Bedauern muß uh darauf besteheu. Meine Frau liegt krank Bei ihrer Mutter in Bisingen und bernft mW zu

ciiigeguete FrehkinghauZ erstaunt I liehen haben, meiner Schöpfungen aunehuicu Ich Willi *** ' von Berlin nichts mehr wissen; ich danke für die preußisch«

Nur eins tut mir aufrichtig leid: daß! ich der Aufführung meines Oratoriums ini Prinz Ferdis nand-Theater nicht iverde beiwohnen können. Denn das! steht fest: m den Nächsten Jahren sieht mich Berlin, IlAn«MV°n - "» ** Sie; »»S'»«*

.. "W]1*3 ineine Frau unter den obwaltenden Ver­hältnissen unmöglich allein lassen, Hoheit"

Pvmzessin äugte scharf zu Frehlingshaus hinüber.

schkiiit , sagte sie,daß es zwischen Ihnen, Graf, undi "öhrer Frau zu einem versöhnlichen Zusammenschlnßi gekommen ist. Das wurde mich uur freuen. Und doppelt; freuen ivnrde uh mich, wenn es auch mir vergönnt wäre,, der kleinen Frau ein ivenig näher zu treten. Mein Gott.

us )ft noch jung, und ich denke, ivenu >vir ein paar! Auslände leben, fern von den Einflüssen der

itnb in trüber Ahnung.Ich hörte von keinem Klatsch. | vvu wum mu/i Was hat sich zugetragen, ivenn ich dero Hoheit lintertänigst Gastfreundschaft, fragen darf?" I tcB der Auffübri

Daun tun Sie es nachträglich, und Sie iverden Ihre Freude daran haben. In der gestrigen Stadtverordneten- vcrsaniinlnng hat ein Sozialdemokrat über meine philan- ......

tropischen Bestrebungen gesprochen in einer so infam | sich/ gehässigen Weise, daß ich einen Nervenzufall bekommen habe, als ich den Bericht las. Mir dröhnt noch der Kopf, als ivenn er von innen mit Hämmern bearbeitet würde mein Gott, womit hab' ich das verdient! . . ." Sie rückte an ihrer Stirnbinde und schaute Frehliughaus fragend an. Sie sehen auch aus, als ob Sie von einer Leiche kämen, Graf. Was ist Ihnen?"

Es ist schandbar", sagte der Hosmarschall, aber er dachte an ganz etwas anderes.

tu hat er sich auch vorgeuommcn, mein teurer Gras fuhr die Prinzessiu mit nuverkenubarer Gehässig- , fvrt.uchre sogeumiuten Bettelfahrteu im Tiergarten- Viertel nut dem Klingelbeutel und dem Lockapparat fiir ^^den und Titel charakterisiert er sehr hübsch. Sie müssen den Arti.rel nach dem Diner lesen; c'est bon pour la, digesuon ... Es ist eine ungeheure Gemeinheit. Und nun follte man doch glauben, daß ich, wenn nicht bei den Be- yorden, so doch bei meinen erlniichteii Bertvandten Schuß Z?den würde. Statt dessen" und die Prinzessin lachte höhnisch und bitter aufhat mau mich heute früh mit einem Handschreiben beehrt, daß. es erwünscht sei, wenn ich schleunigst Berlin verließe. . . Das spukte schon lange ^0Y- .und ich weiß auch, wer im Schlosse und im Neuen Palais beständig, in langsamer wühlender Maulwurfs- .arbeit, gegen'mich intrigiert. Ich kenne die hohe Fran, die meine Volkstümlichkeit fürchtet aber. . . lieber Hof­marschall, ich kann nichts tun als gehorchen. Wir iverden den Herbst in Oberitalien und den Winter in Aegypten verleben. Halten Sie sich mir bitte für heute abend zur Verfügung, lassen Sie bei Stenzmer anfragen, ob er nun endlich wieder gesund sei, und bestellen Sie mir auch den Banner zu acht Uhr. Haben Sie einen besonderen Wunsch, .der Sie zu mir führte?".

Der Hosmarschall neigte den Kopf.Zu befehlen ja, Hoheit, erwiderte er,ich wollte mir in Gnade acht bis zehn Tage Urlaub erbitten"

»Liebster Graf", sagte die Prinzessin indigniert,das ist doch nach Lage der Sache eine pure Unmöglichkeit.

^ie, daß ich angesichts der mir gewordenen Be­leidigung auch uur eine Stunde länger, als nötig, ist, in ^lefuL , un preußischen Staate bleiben iverde? Nein, ^ubec. Wir werden heute abend unsere Dispositionen siLeJLe1U/ Vwi übermorgen sind wir, so Gott will, über alle tPÄ lirf) die städtischen Behörden, die ja so Ml.llg ihr Ohr dem geiinMiigsverwandteu Sprecher ge-

Jch müsste es, Hoheit, wenn"

Wenn der Pantoffel winkt ... Ich lvill Ihnen etwas! sagen, Graf. Ich ivill einmal aufrichtig fein. Ich bin frohj gewesen, daß sich Ihre Fran von meinem kleinen Hoflager zurückgezogen hat. Sie paßte nicht zu mir. Aber das! iväre unwesentlich gewesen; man hat mit manchem zu tun,, von denn uns eine geistige Kluft scheidet. Ich bin froh! gewesen über die Retirade Ihrer Frau, meiner Damen, wegen. Seit Jahren spricht die Welt über die Gräfin Freh-, linghaus. Man weiß, daß sie die obszönsten Stücke des Residenztheaters besucht; man hat sie, glaube ich, auch! einmal auf einer zweifelhaften Redoutc gesehen. Ihr auf­fallendes Benehmen chokicrt überall. Man singt nicht Gassenhaller in einer vornehmen Gesellschaft. Man führt, mcht Ansichten im Munde, die einem freigeistigen Pro- testantenveremler gut zu Gesicht stehen mögen, doch keiner! Aristokratin. Bemerkungen über die intime Freundschaft Wrer Frau zu dein Prinzen Heros Arenstein habe ich hundertmal ausgefangen und was für Bemerkungen! Ich warne Sie, Graf!"

... v-achte der Mann in dem Höfling auf. Freh- linghaus verbeugte sich uicht mehr; er staüd jetzt kerzen­gerade.

Ich muß mir eine solche Kritik über meine Frau auf das Entschiedenste verbitten, Hoheit", sagte er.Die Gräfin' Frehlinghans steht hoch über allem Klatsch giftiger Zniigeu. Wenn sie sich von Euer Hoheit Hof zurückzog, so geschah! dies, iveil ihre gesunde Natur sich in der hier herrscheim pen Atmosphäre nicht zurechtzufinden' vermochte. Ich hätte! ihr langst folgen sollen. An der Entfremdung zwischen iHv und mir tragen Hoheit gewichtige Mitschuld. Ich lege mein, Amt in Ihre Hände zurück..."

Er ging, hörte noch ein spöttisch kreischendes Auflachen! und den Ausruf:Tie Ratten verlassen das Schiff! ::-f1 aber er wandte sich nicht mehr um. " "

iFortsetuliig folgt.!.

Ein häusliches Mißgeschick, Hoheit"

Lieber Graf", fiel sie ein,wir müssen alles Private

vorderhalid hintenan setzen. Dieser fürchterliche Sozial­demokrat hat niis gewissermaßen den Todesstoß gegeben. Sie entsinnen sich, wir hatten das Unglück, daß der Vor-

die Brechruhr im Sommer leider manches Opfer gefordert Frehliughaus . . " U } anzuneymen, lieber

2ti: ^'1z=h.tT95,3ntt0,t t.u, der Sebastianstraße hätte Ter Graf blieb einen Auaenblick stumm rtra üt^t.

überhaupt nicht geduldet^werden dürfen, I lege er, und erwiderte dann:Es ist mir noch streifet)

. rNndelhaiiser nicht zulässig seien. Tie finanziellen I haft, ob meine Frau Ihre .Hoheit in das ^lJrnnl*) be« Schiebungen wegen des Terrains zu nnserm neuen Ferien- gleiten wird -" ' *

WWWMUM MZWEWL -TM-= «»-MS I »WSsLKLM Die Prinzessin fuhr auf.Sie wollen mich verlassen, Frehlingshaus?!"