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treffen. Sie können sich denken, tote uncutgenehm das der Dame, — Lady Wayne, toar. Sie ging aber doch hin, und als sie dort toar, drohte er ihr, wenn sie ihm nicht vey- spräche, daß er ihre Tochter bekommen solle, würde er ihr Geheimnis jedermann verraten."
Betsy Fenton lachte, ein bitteres, höhnisches Lachen, das ihm das Blut in Wallung brachte.
„Vornehme Damen sollten keine Geheimnisse haben", sagte sie spottend; „es ist sehr unangenehm für sie."
„Hören Sie weiter. Sie weigerte sich entrüstet; und während sie noch mit ihm sprach, wurde er vor ihren
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einen Punkt.
„Jawohl; aber nur, um noch mehr Verwirrung, Falsch
„Lady Wayne stand in seiner Nähe — so nahe wie ich Ihnen hier bin — und das Herzblut des armen Jack spritzte aus ihr Kleid und ihre Hände, aus diese Weise ein fürchterliches Zeugnis gegen sie ablegend. Ich kann Ihnen alles, was darauf folgte, hier nicht erzählen; es mag genügen, wenn ich sage, daß Lady Wayne augenblicklich im Gefängnis und des Mordes an ihm angeklagt ist! Und eine falschere Anklage hat die Welt noch nicht gesehen!"
„Er starb mitten in seiner Falschheit", sagte sie triumphierend, offenbar mit ihren Gedanken nur bei diesem
Zigeuner blut.
schrei entfuhr Betsy Fenton, als er jetzt sortfuhr: Wayne stand in seiner Nähe — so nahe tote ich
Augen erschossen!"
77. Kapitel.
heit und Unrecht gegen Unschuldige zurückzulassen. Ich wollte, ich könnte Ihnen den Kummer aus Kenninghall schildern. Lord Wayne ist ein Edelmann durch und durch, stolz, aufrichtig, auf seinem Namen hat noch nie ein Makel geruht, er weiß, daß seine Gemahlin unschuldig ist, kann es aber nicht beweisen, das stumme Zeugnis ihres blutbefleckten Kleides spricht zu stark gegen sie. Bedenken Sie nur, was Sie dulden müssen. Bedenken Sie, welch ein Schatten dadurch auf das Leben dieses schönen, jungen Mädchens fällt. Noch nie habe ich von so schrecklichen Folgen gehört, tote diese es sind, die sich an Jack Jefferies' Tod zu knüpfen scheinen. Sie sind so schrecklich, daß ich — wenn eine solche Lüge nicht eine große Sünde wäre — morgen hingehen und mich selbst als Schuldigen einkerkern lassen würde, um die eNe Dame zu retten, die nie dem armen Jack auch nur das mindeste zu Leide getan hat."
Sie sah unbehaglich zu ihm aus.
„Warum sagen Sie mir dies alles? Was hat es mit mir zu tun?"
„Das wissen Sie selbst am besten", versetzte er mit Nachdruck. „Ich kann Ihnen nicht sagen, was ich vermute und argwöhne. Ich weiß, daß Lady Wayne dem armen Jack nie ein . Leid zugefügt hat; aber von Ihnen kann ich nicht dasselbe sagen. Ich weiß, die Zigeunerinnen sind schnell zur Rache, schnell zum Strafen. Ich weiß, das Blut rollt Ihnen wie Lava in den Adern, — weiß, daß sie hitzig, aber nicht falsch sind; rachsüchtig, aber nicht gemein, ihre Fehler sind wie ihre Tugenden und Vorzüge groß. Ich kann mir demnach denken, daß eine Ihres Blutes sich rächt, kann aber nicht glauben, oaß sie eine andere für die Folgen dieser ihrer Rache leiden lassen könnte."
Mit einer Geberde stolzer Verachtung warf sie den Kopf zurück.
„Sie haben Recht", sagte sie. „die Frauen unseres Blutes sind stolz und rachsüchtig, aber nicht gemein. Aber weshalb — ? Sagen Sie mir, weshalb Sie mir dies alles sagen?"
„Habe ich dazu vielleicht keinen Grund? Jack ist nicht Von Lady WaymS Hand gestorben, und Sie sind die einzige lebende Person, der er Unrecht getan hat. Sie sind schnell zum Rächen, aber nicht gemein. Sie würden für das, was Sie getan, niemand anders leiden lassen."
„Wer sagt denn, daß ich etwas getan habe?" fragte sie trotzig.
„Ich sage das. Ich habe keinen Beweis, daß mein Verdacht begründet ist; er kann möglicherweise falsch fein. Ich kann mich deshalb nur an Ihren Edelmut wenden und sagen, wenn Sie diese Tat begangen haben, so lassen Sie niemand an Ihrer Stelle dafür leiden."
„Wer sagt, daß ich es getan habe?" wiederholte sie.
„Ich allein auf der ganzen Welt sage das und glaube das! Es ist mir so klar, wie eine Erleuchtung, wie eine Eingebung. Jack liebte Sie;' und er betrog sie, dadurch.
daß er Sie verlassen wollte, als er seiner Meinung nach eüt großer Herr geworden war, und Sie — als echte Zigeunerin — rächten die Ihnen zugefügte Schmach! Ich kann mir denken, daß Sie ihm nach Kenninghall hin nachgespürt, ihn dort mit Lady Wayne sprechend gefunden, und dann blind und sinnlos vor Wut erschossen haben l War's nicht so?"
Seine Augen hingen mit unbeschreiblicher verzehrender Angst und stummer Bitte an ihren Lippen.
„Ich würde mein Leben dafür geben", wiederholte er beschwörend, „wenn Sie mir die Wahrheit sagen wollten.. Wein Leben könnte ich darum geben!"
Sie lachte in wilder, erzwungener Lustigkeit.
„Angenommen, es wäre alles wahr, was Sie da fugen, dann verliere ich mein Selten!"
„Es gibt Dinge, die hochherzige und edelgesinnte Frauen höher schätzen wie das Leben. Eine Frau Ihrer Art und Abstammung schätzt ihren guten Ruf höher, zehntausend mal höher, als alles, was das Leben ihr geben kann. Ich verhandele mit einer Tochter der edelmütigen, sorglosen, stolzen und feurigen Rasse, die noch niemals den Preis einer Tat ängstlich abgewogen hat. Und darum — Betsy Fenton, int Namen des Allerhöchsten und Allwissenden, der uns sieht und hört, fordere ich Sie auf — wenn Sie diese Tat begangen haben —, so sagen Sie mir, bei dem Namen und der Ehre Ihres Geschlechts, — sind Sie schuldig oder nicht? Wenn ja — so seien Sie wahr gegen den Himmel, wahr gegen sich selbst; befreien Sie die angeklagte Dame durch Ihr Geständnis, — um des Himmels willen!"
Sie stand ruhig auf und kniete neben ihm nieder.
„Sie sind ein guter Mann", sagte sie leise. ,Jch wollte — ch, wie sehr, — ich hätte jemanden so wie Sie geliebt. Ich will Ihnen die Wahrheit sagen, weil Sie mich darnach gefragt haben. Ich hätte ohnehin nicht viel länger mehr leben können, denn trotz und alledem — ich habe Jack geliebt. Keiner wird mir glauben; aber es ist wahr, ich habe Jack geliebt. Und ich — ich habe ihn auch getötet; niemand sonst dachte daran, ihm ein Leid zuzufügen!"
Er erhob den Kops, sah sie unaussprechlich traurig an und murmelte:
„Sie sind so jung, ach — Gott helfe Ihnen — so sehr jung."
-„Ich war nicht zu jung, um mich zu rächen", sagte sie, „und Sie werden finden, daß ich alt genug bin, um zu leiden."
„Aber ich kann Sie unmöglich auffordern, sich selbst der Gerechtigkeit auszuliefern/ sagte er wieder, „Sie sind so jung, und die Strafe ist so schrecklich."
„Nicht schrecklicher, wie das Leben jetzt," stöhnte sie leise. „Ich mag nicht mehr leben! Ich habe mich gerächt, und Jack ist tot! Ich dachte nicht an alles dieses, als ichs vollführte, ich dachte nur an Rache. Ob man mich entdecken würde, war mir vollständig gleichgültig — ein solcher Gedanke kam mir nicht einmal in den Sinn. Alles, was Sie gesagt haben, ist wahr. Boni ersten Augenblick, an, wo ich wußte, daß er mich verlassen hatte, war ich entschlofsen, daß keine andere meine Stelle einnehmen sollte. Sein Gehennnts konnte ich nicht ausfindig machen.. Er kam damals wieder hierhin nach Elton zurück, sein angezogen, viel Geld in der Tasche, und die Leute neckten mich, er hätte mich vergessen, er würde jetzt ein seines und reiches Mädchen heiraten. Wir hatten Streit miteinander. Ich verlangte von ihm, er solle seine ehrlichen Absichten dadurch beweisen, daß er mich sofort heiiaiete. Er wollte das nicht, und dann schwor ich ihm Rache. Ich folgte ihm nach Kenninghall; beobachtete ihn, als er auf Lady Wayne wartete; beobachtete ihn, während er da stand und mit ihr sprach, und zielte die ganze Zeit hindurch unverwandt nach ihm. Ich hörte sie etwas von einem Mädchen sprechen, in welches et sich verliebt hatte; ich verstand nicht alles — ich glaubte, Lady Wayne fei damit einverstanden — ich muß ihre Worte wohl mißverstanden haben. Tann sagte er etwas, ivas mein heißes Blut aufs höchste empörte; ich feuerte — und er fiel I"
„Als ich hörte, die Tat würde Lady Wayne zur Last gelegt, war ich froh, es tat mir nicht leid. Es schien mir, als ob ich zwei Feinde statt einen getötet hätte."
„Jetzt sehe ich alles in ganz anderem Lichte. Sie soll


