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hiugenommcn von den Erinnerungen, die dieser Flockcntanz in ihr weckte, dieser weiche, weiße, warme Schnee!

Er hielt die Hand fest, die sie ihm zur Begrüßung ge­reicht hatte. Und ein Weilchen standen sie, wie in sich versunken, und blickten hinaus in die stille, weite Dunkelheit.

Dann geleitete er sie zu einem Fauteuil, der in der Nähe des Kamins stand.

Ein leichtes Holzfeuer bräunte darin, knisternd lohten die Flammen auf und warfen einen rötlichen Schimmer über den hellen Teppich. In dämmerndes Licht war der Salon ge­hüllt. In den Ecken hatte der Abend sich schon eingenistet, sie waren in völlige Dunkelheit getaucht. Nur das Schnee­licht, das durch das breite Fenster fiel, und die zuckenden Flammen im Kamin schufen eine seltsame Beleuchtung.

Müde, wie willenlos ließ sie sich leiten und sank in den Sessel nieder. Er stand vor ihr und sah auf ihr Gesicht, das in diesem Augenblick abgespannt erschien, welk und matt. Eine Blüte, die erstarrt ist unter der weichen, weiten Schnee­decke, die sich über allem ausbreitet.

Draußen über der Erde, über Baum und Strauch, über die hohen Dächer und die niederen Hütten, über ragende Türme und spitze Giebel, über Leben und Tod. Uni) hier innen über ihre Empfindungen, über die mutigen Regungen ihres Herzens, über ihr Wollen, ihr Handeln.

Es >var ihr, als wache sie nicht, als lebe sie nur im Traume.

Er machte feinen Versuch, sie aufzurütteln.

Meine Macht, mein Einfluß auf sie werden größer fein, je fassungsloser, je schwächer sie ist, dachte er in rascher Er­wägung.

Endlich flüsterte er mit sanfter, schmeichelnder Stimme:

Della!" Dann wiederholte er ihren Namen mit stärkerem Klange.

Sie fuhr empor und starrte ihn an mit weit geöffneten Augen, als müßten die nächsten Minuten ihr etwas Schreck­liches bringen.

Laß uns ruhig miteinander reden und vernünftig, Kind." Er trat von ihr zurück an den Kainin, auf dessen Sims er sich leicht aufstützte.

Geisterbleich sah sein Antlitz aus der Dunkelheit, die sich immer mehr im Zimmer ausbreitete, zu ihr hinüber.

Ihr Blick hing an ihm wie gebannt.

Wir stehen vor einem Wendepunkt unseres Lebens. Wir müssen eine Entscheidung treffen."

Durchdringend heftete er seine Auge aus sie.

Ich eigentlich nicht, aber du! Es konnte dir nicht entgangen sein, daß ich die letzten Wochen dir mit anderen Gefühlen gegenüberftand wie bisher. Aus dem Lehrer, der nur daran dachte, deine herrlichen Eigenschaften zu entwickeln, aus dem Gärtner, der die wundervollen Keime hegte und pflegte, die in dir ruhten, bis sie zu unsagbar schöner Blüte sich entfalteten, hat sich der Mann ausgelöst, der Mau», der dich liebt, anbetet, begehrt. Der Mann, der um dich wirbt, der dich besitzen muß, besitzen ivird um jeden Preis!"

Seine Stimme hatte sich allmählich zu stärkerer Betonung gesteigert.

Angstvoll starrte sie ihn an. Kein Wort kam über ihre Lippen, die sie fest züsammenpreßte, als wollte sie nicht durch einen Laut die Qual ihrer Seele verraten.

Was sie bisher nur geahnt, worüber sie sich niemals Rechenschaft zu geben gewagt hatte, das trat in diesem Mo­mente mit erschreckender Klarheit vor sie hin; nicht ein Zug ihres Herzens, nicht ein Gedanke ihrer Seele, nicht eine Faser, ein 9(tom verband sie ihm in dem Sinne, den er ganz schroff und deutlich zu erkennen gab.

Hilfesuchend schaute sie umher.

Wie er dort vor ihr stand mit der Totenblässe im Gesicht, mit den brennenden Augen und bft sieggewohnten Haltung be§ Mannes, der alles sich unterjocht, alles und alle da erfaßte sie ein Widerwille.

Sie machte unwillkürlich eine abwehrende Bewegung und versuchte sich aufzuraffen, um ihm entgegentreten zu

können bei dem, was kommen würde, unweigerlich kommen würde!

Sie wußte, die nächste Stunde bringt die Entscheidung, aber anders, ivie er gemeint.

Wie ein stilles. Gebet zog es durch ihre Seele. Sie versuchte des Briefes sich zu erinnern, den der Vater ihr vor einigen Stunden gegeben hatte dieses rührenden, lieben Briefes, der so treu und groß uud wahr erschien in seiner stillen Herzenseinfalt, in seiner Weltfremdheit. Sie gedachte der Eltern, der Heimat, der Freunde alles sollte sich ver­einen, um sie vor ihm zu schützen, aber der Mut sank ihr wieder, als er sagte:

Eigentümlich, ich habe nie geforscht nach der Liebes­fähigkeit deiner Natur. So ganz war ich nur in deine künst­lerische Seele vertieft, daß ich daran nicht dachte, bis jetzt weiß ich, daß du ein Weib bist, ein heißes, leidenschaftliches, köstliches Weib."

Er zögerte, als wolle er ihr Zeit zu einer Antwort lassen. Da diese nicht erfolgte, fuhr er fort:

Als du zuerst in die Oeffentiichkeit tratest, da sah ich in deinen Bühnenerfolgen nur das Resultat der Studien, zu denen ich dich angeleitet. Alles, was du gabst, war nur die Folge einer ausgezeichneten Ausbildung. Deine Begabung ivar so stark, daß du auch auf der Skala des Gefühls alle Register spielen zu lassen vermochtest. Eiire gewisse Kunst. Ich konnte zufrieden mit dir sein"

Er zwang sich augenscheinlich zu diesem ruhigen Tone, um ihr einerseits eine gewisse Sicherheit zu geben, andrerseits, um die Steigerung geschickt vorzubereiten.

Komödiant!" trat es plötzlich mit erschreckender Klar­heit vor sie hin. Da-s gab ihr das gestörte Gleichgewicht wieder.

Aber schon bei deinem letzten Auftreten in Wien schienst du mir anders . . . etwas Neues, Unbekanntes war in dir, was dich mir entfremdete und doch um so intensiver mich anzog. Das warst du und doch nicht du! Das war, was ich dich gelehrt, und doch ein Anderes, und dann- du weißt es, Della! Schon während deines Aufenthaltes in Wien mußtest du e§ erkannt haben, wie es um mich stand was du mir geworden I"

Er hielt erschöpft inne. Als müsse er daS, was ihn mit dem Sturmesbrausen der Leidenschaft durchrüttelte, was ihn überwältigte und erschütterte, allmählich ausklingen lassen.

(Fortsetzung folgt.)

Arc Mrsurmpsuag der Mch/rrnen.

Eine naturwissenschaftliche Plauderei zur Erntezeit

Von Dr. K. Rudolph.

Nachdruck verboten.

Deutschland steht zurzeit mitten in einer Ernte, wie mau sie nach dem Verlaufe des Aprils und Mais nicht erwarten zu dürfen glaubte. Im allgemeinen hat die Regel' Ist der Mai kühl und naß, füllt dem Bauern Scheune und Faß" eine gute Berechtigung. Diesmal aber waren der April und der Mai heiß und trocken und man glaubte fast schon an eine drohende Mißernte, als sich Ende Mat die langersehnte feuchte Witterung einstellte. Diesem gerade noch zur rechten Zeit eintretenbeit Wetterumschlag aber haben wir es zu verdanken, daß die Ernte sich schließlich doch noch recht günstig gestaltet, wenngleich auch in vielen Gegenden ein Zuviel au Regen und Hagelschläge lokale Verwüstungen angerichtet haben.

Nicht immer fügt es die Wettergnust so, daß drohendes Unheil noch im letzten Augenblicke abgewendet wird. Eine allseitig und vollkommen befriedigende Ernte allerersten Ranges gehört überhaupt auf einer Fläche vom Umfange Deutschlands zu den Unmöglichkeiten. Es ist schon aus rein meteorologischen Gründen rein undenkbar, daß überall im erwünschten Augenblick die für die besondere Boden- beschaffenheit nötige Menge von Niederschlägen sich cinstellt und zur rechten Zeit der erforderlichen Wärme und Trocken­heit Platz macht. Wenn die Felder int niederschlagsreicheren deutschen Westen schon unter ungewöhnlicher Dürre leiden, liegt. eine große Wahrscheinlichkeit vor, daß der im all­gemeinen erheblich regenärmere Osten und Südosten nvcli