Ausgabe 
15.6.1906
 
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Gedichte eines Idealisten", erschienen. Später ersann er das .Lied der Menschheit", einen dichterischen Vorwurf von gigantischer Großartigkeit, ein Werk, das in vierundzwanzig Epen die gesamte Entwickelung der Menschheit umfassen sollte. Von diesen Epen sind bisher drei erschienen: .Tut und Nahila",Nimrod" undMose" reiche Schätze niöaen noch im Nachlaß vorhanden sein, denn Heinrich Hart hat" unablässig an seiner Schöpfung gearbeitet, der seine Studien, seine Beobachtungen, sein ganzes Leben gehörten. Tas Sinnen des Dichters ist darin aber seinem Wollen nicht gleichgekonnnen.

In den praktischen Dingen des Lebens ivar Heinrich Hart ein wahres Kind das trat besonders in seiner Gründung Neue Gemeinschaft" zutage, die seine litterarisch-religions- philosophischen Bestrebungen verwirklichen sollte. Die Gemein­schaft, der die Bruder Hart den ganzen Ertrag ihrer Arbeiten geopfert haben, hat sich vor zwei Jahren aufgelöst.

Heinrich Hart war am 30. Dezember 1855 zu Wesel geboren und hat das Gymnasium in Münster besucht. Nach Vollendung seiner Studien wandte er sich dem Redaktions­dienst zu; nach längerer Tätigkeit als Redakteur in Bremen, Glogau, Dresden und Kiel nahm Hart dauernden Aufenthalt in Berlin. Seit 1877 (mit einigen Unterbrechungen) in der deutschen Reichshauptstadt lebend, war er ganz mit Berlin verwachsen, dem er ein gedankenreiches Gedicht gewidmet hat, in dein es heißt:

Endlos auSbreitest du, dem grauen Ozemr gleich, Ten Riesenleib; in dunkler Ferne stoßen

Die Zinnen deiner Mauern ins Gewölk, und bleich

Und schattenhast verschivinunen in der großen Und letzten Weite deine steinigen Matten.

Weltstadt, zu Füßen mir, dich grüßt mein Geist Zehntaiisendmal; und wie ein Sperber kreist Mein Lied wirr über dich hin, berauscht vom Nailch Und Atem deines Mundes, Sei gegrüßt du, sei gegrüßt.

's ist SommermittagSzeit, unb leuchtende Sonnenflut Strömt aus den Himmeln über dick; rings blitzen Und flammen deine Mauern, nnb in weißer Glut Erglühe,t deine Dächer und der Türme Spitzen, Und Helle Wolken Staubs, die aus den Tiefen steigen. Gleich einem glüh'nden Riesenkessel liegst du Brand Tein Atem, Feuer dein weitfließendcs Gewand, Starr, unbewegt, gleich einem Felsenmeer,

Das nackt mit weißen Rippen aus der Wüste steigt.

Seine Familie er hinterläßt eine Frau und eine Tochter hatte den Eintritt der Katastrophe nicht so bald erwartet. Mit ihr trauert eine Gemeinde von Freunden und Verehrern um den Entschlafenen.

Vermischtes.

Das größte Theater der Welt. In New- york ist Ende Mai das Hippodrom eröffnet worden. Der Zuschauerraum enthalt 5300 Sitzplätze, die Haiiptfrout hat eine Länge von 60 Metern; die Träger haben die ungeheure Länge von 35 Metern, gehen bis 7Hz Meter in den Boden unb wiegen je 100 000 englische Pfund. Außerordentlich sind die elektrischen Llnlagen des ganzen Bauwerkes. Der Zuschauerraum wird von weniger als 25 000 elektrischen Lampen beleuchtet, wovon auf den großen Kronleuchter in der Mitte der Decke allein 5000 entfallen. Die Bühne hat eine lichte Höhe von 12, eine lichte Breite von 29 Metern und ist durch einen feuersicheren Äsbestvorhang von einer Größe abgeschlossen, wie sie bisher noch nie angefertigt worden war. Hinter dem vorderen Bogen erweitert sich der Bühnenraum bis auf 60 Meter Breite und 15 Meter Tiefe. Die Kulissen werden auf vier besonderen (Meisen mit Oberleitung hin und her geschoben. Die Geleise sind in konzentrischen Halbkreisen über der Bühne angebracht. Danach ioerden also die Kulissen nicht wie sonst gehoben und versenkt, sondern in seitliche Vertiefungen hinern- geschoben, von denen jede sämtliche Kulissen für die halbe Bühne aufnehmen kann. Ferner sind zur Bewegung von Lasten vier doppelte unb zwei einfache elektrisch betriebene Krane vorhanden, deren jeder einen eigenen Elektromotor besitzt und 23 Tonnen zu heben vermag. Die elektrischen Laufkrane laufen auf der unteren Kante der Geleise und besorgen so die Verschiebung der Kulissen und anderer

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Br

Dekorationsstücke. Außerdem ist jede der seitlichen Vertief­ungen neben der Bühne mit einer elektrisch betriebenen Winde versehen, wodurch die Kulissen nach oben hinauf­gezogen oder umgekehrt herabgelassen werden können. Im ganzen sind 60 verschiedene Winden vorhanden, die je 800 Pfund zu heben vermögen. Einen Fachmann würde vop allem die Beschreibung des ungeheuren elektrischen Schalt­bretts fesseln, das in acht Felder geteilt ist und aus Schiefer mit Marmor überdeckt besteht. Das Brett hat eine Flächenausdehuung von etwa 12 Quadratmetern. Nach fach­männischem Urteil ist noch bet keinem Schauspielhaus eine elektrische Ausrüstung von ähnlicher Vollkommenheit zurs Verwendung gekommen.

Der W i t w e n e x v o r t. Das Ausfuhrgeschäft in Witwen scheint, wenn man dem in Peking erscheinenden chinesischen Blatte Tschunghuahao" glauben dach in Japan in Blüte zu stehen. Das genannte Blatt läßt sich wenigstens von einem Berichterstatter in Fengticn melden, ein Japaner babe dort 3000 japanische Witwen eingeinhrt, die er als Hausdienslboleir oder als Hilisfraueu zum Verkauf anbiete. Kauflustigen würden zuerst Photographien gezeigt, worauf sie dann ihre Wahl treffen könnten. Die fremden Weiber würden nach dem Gewicht verkauft, zu 60 Cents das chinesische Piund. Man möchte, wie dieKöln. Ztg." hinzufügt, hoffen und glauben, daß der Berichterstatter desTschunghuahao" entweder selbst schlechte Witze macht oder einem den japanischen Nachbarn unfreundlichen Spaßvogel zum Opfer gefallen ist.

Literarisches.

Die Schaubiihne", herausgegeüeu von Siegst, Jäcobsohu, enthält in der 23. Nummer ihres zweiten Jahr­gangs vom 7. Juni: Ein Brief von Ibsen. Ibsen und Berlin. Von S. I. Tragödie des Schau­spielers. Von Jul. Bab. Frage. Von Paul Ver­laine. Br ahm in Wien. Von Willi Handl. Dra­maturgie. Von Karl Rößler. Rundschau. (Zur Re- form derProvitizbühne. VerwitweteTheater- direktionen. Prüfungsvorstellungen bei Reinhardt. Aufruf. Das Fest der Handwerker.)--Die Schaubühne" i .

(Verlag: Oesterheld u. Co., Berlin W. 15, Lietzenburger- straße 60), Wochenschrift für alle künstlerischen Bestrebungen des Dramas, des Theaters und der Oper, erscheint jeden Donnerstag im Umfang von 2432 Seiten und kostet: die Einzelnummer 20 Pfg., vierteljährlich 2,50 Mk. Probe­nummern gratis und franko durch den Verlag.

Für die Küche.

Mf das Preisausschreiben derMlg. Fleischer-Ztg.", das 1000 Mark für die besten Beantwortungen der Frage: Wie wird Fleisch am vorteilhaftesten für den bürgerlichen Tisch zubereitet?" aussetzte, sind 523 Bewerbungsschriften eingereicht worden. Das Preisrichterkollegium, dem der Präsident des Verbandes deutscher Köche, Brunfaut, die 'Altmeister Burg und Disch- latis, die Hofschlächtermeister Eimbeck und Hübner, Frau Hofschlächtermeister Wehlisch und Sarre angehörten, nahm zum Maßstab der Beurteilung der vorgeschlagenen Zu­bereitungsarten, daß das Fleisch die volle Nährkraft behalte, ferner schmackhaft, weich und leicht verdaulich ser, unb verlieh au Fräulein Helene Lotz in Kassel den ersten, an Frau Gertrud Goldschmidt in Karlsruhe den zweiten Preis, in der Ueberzeugung, daß die Arbeiten dieser Betverbe- rinnen die hygienisch, kulinarisch unb volkswirtschaftlich wichtige Frage der Zubereitung von Riub-, Hammel-, Kalb- unb Schweinefleisch zu ben verschiedenen Zwecken unter allen angeführten Gesichtspunkteil in ber befriedigendsten unb vollkommensten Weise lösen. Die ,,'Allg. Fleischer-Ztg. , Berlin SW. 19, hat die beiden Arbeiten in Form einer Broschüre veröffentlicht, die zum Preise von 30 Pfg. ab­gegeben wird.

Homonym.

Nachdruck verboten.

Ein lockrer Vogel ist es, sein Nist als schlecht bekannt.

Doch giebt es noch zwei Flüsse, die ebenso werden benannt, »n Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummer: Mit einem Herren steht es gut, Der, was er besohlen, selber tut. Woeuje.

hl'jchen Unwersitäts-Buch- und ©tetnbniderct, R. Lange, Gaben.