32
esg »Ke Eltern interessieren, zu erfahren, daß die „Zentrale! für Berufswahl und Erziehungsfragen" in Frankfurt a. M., Auskünfte über bestimmte Verussarten gibt, Berufszwerge für Knaben und Mädchen vorschlägt und auch geeignete Lehrstellen nachweist. Ten Anfragen ist eine Beschreibung des bisherigen Bildungsganges, Lebenslauf des Zöglmgs, um welchen es sich handelt, sowie eine Handschrrftprobe beizufügen. Für Prinzipale aus dein Kaufmanns- und Handwerkerberufe bietet die Stelle gleichzeitig Gelegenheit, einen geeigneten Lehrling zu bekommen.
" Die Tat eines Eifersüchtigen. Der in Paris lebende Inspektor einer belgischen Velsicherimgsanstalt van ©...., ein Herr von über 50 Jahren, hatte eine Dame geehelicht, die neben anderen Vorzügen arich den besaß, um dreißig Jahre jünger zu sein als ihr Gatte. Die Funktionen eines Inspektors zwangen van S. . . zu öfteren Reisen. Ein Zufall wollte es, daß seine Frau die Einsamkeit nicht vertrug. Insbesondere graute es ihr vor einsamen Nächten. Sie verfiel auf die Idee, ihre intime Freundin Frau E. . . einzuladen, ihr des Nachts Gesellschaft zu leisieri. Hierbei beging sie die Unvorsichtigkeit, ihren Gatten von den nächt- lichen Besuchen nichts wissen zu lassen. Ein anonymer Brief- schreiber tat, was sie unterlassen, doch in so wenig wohlwollender Weise, daß die Eifersucht von S. . . . rege wurde. Er simulierte eine Abreise und versteckte sich des abends, einen Revolver in der Hand, in den Büschen seines Gärtchens. Gegen Mitternacht öffnete sich das Pförtchen geräuschlos, und ein eleganter, junger Mann schritt auf das Haus zu. Nun zögerte von S. nicht länger, er drückte los, und mit einem Schmerzensschrei sank der Unbekannte zu Boden. Als die Dienerschaft den Verwundeten ins Haus brachte, erkannte van S. — Frau C. Um des nachts unbehindert die einsamen Straßen passieren zu können, pflegte die Dame Männerkleider ' anz ulegen. Sie wurde nach ihrer Wohnung transportiert, während von S. sich den Gerichten stellte.
* ©in Projekt für die Erstellung eines Groß- schiffahrtsweges voin Bodensee bis Rotterdam wird in der „Züricher Post" verfochten: Dasselbe sicht für die genannte Strecke die Erstellung eines großen Schiff- fahrtskanals mit einer Minimaltiefe von 8 Meter vor. Durch diesen Kanal soll ein großer Teil der Wassermassen des Rheins abgeführt werden, wodurch vom Bodensee bis unter Mainz gegen iy2 Millionen Pferdestärken Wasserkraft gewonnen würden. Für die Südseite der Alpen, vom Coiuersee bis ins Adriatische Meer, wird ein Kanal von 6,5 Meter Tiefe in Vorschlag gebracht. Durch diesen Südkanal sollen die sämtlichen Gewässer des Comersees geführt und dadurch bis zur Einmündung in den Po ebenfalls 220000 Pferdekräfte gewonnen werden.
* Zwei Milliarden in Diamanten. Seit einigen Jahren importiert man in Nordamerika jährlich für 60 Millionen Mark Edelsteine, und ein Newyorker Sachverständiger hat soeben den Wert der Diamanten — nur der Diamanten, nicht der anderen Edelsteine —, die gegenwärtig die Schönheit der Amerikanerinnen erhöhen, auf zwer Milliarden Mark geschätzt. Es herrscht jenseits des großen Ententeiches eine wahre Tiamantensucht. Früher begnügten sich die Frauen der Milliardäre damit, ihre Finger, ihre Arme, ihre Ohrläppchen und ihren Hals mit Ringen, Armbändern, Ohrringen und Kolliers zu schmücken; die Juwelen wurden jedoch nur bei festlichen Gelegenheiten zur Schau gestellt. Heutzutage tragen sie Gürtel, Kronen, Schuhschnallen, die mit Brillanten, Rubinen und Smaragden übersät find, und der kostbare Schmuck wird bei den einfachsten Tiners, ja, selbst im engsten Familienkreise und auf der Straße ausgestellt. Kronen, um deren Besitz manche europäische Königin die millionenschweren Amerikanerinnen beneiden könnte, gehören zum Hausschatze der Damen Astor und Ogden Mills, die drei Diademe besitzt, deren Wert mit 200 000 Dollar nicht zu hoch angegeben ist. Um sich von dem Kapital, das die Frauen der amerikanischen Stahl-, Eisenbahn-, Petroleum- und Schweinefleischkönige in ihren Schmuckschränken festgelegt haben, einen Begriff zu machen, braucht man nur nachstehende Liste zu überblicken: Frau
John D. Rockefeller hat für 2 Millionen Dollar Schmück; Frau William Astor für 1500 000 Dollar; Frau Jakob Astor für 1 Million; Frau Kornelius Banderbilt für 1 Million; Frau William K. Bandcrbick für 1 Million; Frau H. P. Belmont für 1 Million; Frau John W. Mackey für 1 Mill.: Frau Bradley Martin für 850 000 Doll.; Frau Perry Belmont für 800 000 Dollar; Frau Hermann Oelrichs für 800 000. Dollar; Frau Orme Wilzon für 800 000 Dollar; Frau James Burdan für 750000 Dollar" Frau William Star Miller für 750 000 Dollar; Frau Alfred Banderbilt für 750000. Dollar; Frau Friedrich Banderbilt für 750 000 Dollar; Frau Jay Gould für 500 000 Dollar: Frau Philipp Rhinelander für 500 000 Dollar. Siebzehn Damen besitzen also mehr als 65 Millionen Mark, die gänzlich unproduktiv angelegt sind. Es sind aber nicht nur die Zahl und der Geldwert der Edelsteine, die die Besitzgier der Amerikanerinnen lvach- rufen, sondern auch die Seltenheit des Schmuckes und das historische Interesse, das sich" daran knüpft. Frau Clarence H. Mackey zum Beispiel besitzt einen Saphyr, der an Reinheit und Schönheit in der ganzen Welt nicht seinesgleichen haben soll, und Frau Belmont ist Besitzerin einer Perlen- Halskette, die einst der Königin Marie Antoinette gehörte, und eines Tiamantschmuckes, der einst die Brust der Kaiserin Katharina von Rußland schmückte.
* (Sine Mißgeburt wird wohl bald aus unserem postalischen Verkehr wieder v e r s cb w i n b e tt — der Kartenbrief. Wie die Blätter berichten, wird er von Jahr zu Jahr weniger vom Publikum begehrt. In den wenigen Monaten des Jahres seiner ersten Ausgabe, 1897, waren über 6 Millionen Stück abgesetzt worden. Im ersten vollen Jahre stieg deren Verbrauch auf mehr als 8 Millionen. Schon 1899 wurde aber nur die Hälfte davon, etwas über 4 Millionen, verlangt. Im Jahre 1900 siel die Zahl weiter auf 3 Millionen, 1901 auf N/z Mill. 1902 war der Verkauf um weitere 174 000 zurückgegangen. Wohl die Ankündigung seines Endes verschaffte dem Kartenbrief 1903 wieder etwas mehr Interesse. Es wurden 17 000 Stück mehr als im Jahre vorher verkauft. Das letzte Jahr, 1904, bringt aber wieder einen weiteren Rückgang um 25 000 Stück. Insgesamt wurden 2 426 035 verkauft. Die Zahl ist verschwindend klein gegen die Gesamtzahl aller übrigen Wertzeichen, die in demselben Jahre fast 3s/4 Milliarden betrug. Allein an Fünfpfennigmarken wurden über 1 Milliarde, an Zehupfennigmarken 935 Millionen abgesetzt. Alle übrigen Wertzeichen, selbst hohe Werte bis zu 5 Mark, finden von Jahr zu Jahr steigenden Absatz. Allein der Kartenbrics wird immer weniger verlangt. Es besteht zwar noch nicht die Absicht, die Kartenbriefe abzuschaffen. Das wird sich aber im Laufe der Jahre von selbst ergeben, wenn glicht wesentliche Verbesserungen an ihm vorgenommen werden, <seme heutige unvollkommene und ünhaltliche Form aber grübt ihm selber das Grab.
* Die Frauen im Monde! Eine „Entdeckung", hat ein sonderbarer Kauz, der Herr Preschkowitz in Oppeln i. Schl., gemacht. „Im Mond, hervorgcrnfen durch Licht und Schatten, sind, so schreibt uns der Herr selber, auf der rechten Seite desselben zwei wunderschöne Frauenköpfe zu finden. Gesicht, Haar, Augen, Mund, Nase, Kinn, Hals, Büste treten sehr deutlich hervor, weun man einen Feldstecher, Opernglas usw. zur Hand nimmt und einige Sekunden das Mondbild betrachtet. Hat man aber erst ein Gesicht gefunden, so kann man es' mit dem bloßen Auge bei klarem Mondschein stets wahrnehmen. Es gehört nicht viel Phantasie, dazu, um diese Frauenköpse zu finden und es erscheint seltsam, daß Jahrtausende verflossen sind, ohne daß jemand diese Beobachtung bis heute machte. Nicht nur sind diese Franen- köpse im Monde selbst zu finden, sondern auf guten und scharfen Photographien des Mondes. Bei heiterem Abendhimmel dürfte sich ein jeder selbst davon überzengeu, daß das alte Wort „Der Mann im Monde" nicht mehr zutrifft."
Magisches Quadrat.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehenden Quadrates sind die Buchstaben A A B D D D E E G L L 0 0 R R U derart cinzntragen, daß die ivagerechteir unb senkrechten Reihen gleichlautend Folgendes bedeuten:
L Kostbares Metall.
2. Figur aus dem Kartenspiel.
3. Mythologischen Namen.
4. Nebenfluß der Donau.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung des Citatenrätsels in voriger Nummer: Des Menschen Wille, das ist sein Glück.
-Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Vertag der Brühl'scheu Universttäts-Buch- und Steindruckerech R, Lange, Gießen«


