Ausgabe 
15.1.1906
 
Einzelbild herunterladen

31 *Ä.

erklärte, er habe keine Minute mehr Zeit zu verlieren, sonst entwische ihm Priestap.

An der Entreetür blieb er aber doch noch einmal stehen und sagte:Imhoff, setzen wir die Gage für Ihre Tochter auf fünfhundert Mark fest also auf sechstausend Mark pro Jahr. Das ist wahrhaftig nicht zu viel für eine gute Soubrette . . /

(Fortsetzung folgt.)

ArauzöstsHe W Mdenjsmv chten.

Geschichtliche Skizze zur Präsidentenwahl in Versailles am 16. Januar 1906.

Von Tr. R. K r c u s ch n e r.

Als nach der Katastrophe von Sedan Jules Favre in der Nacht vom 3. zum 4. September 1870 die Absetzung der kaiser- lichen Dynastie beantragte, fand die auf dem Pariser Stadthause zusammentretende provisoris ne Regierung für beit Vorsitz keine anderen als General Trochu und Jules Favre, der seine Amts­tätigkeit mit beut Rundschreiben begann, daß Frankreich nicht einen Zoll breit des nationalen Gebietes, nicht einen Stein von den französischen Festungen abtreten werde. Einen Präsi­denten im heutigen Sinne der Verfassung besaß Frankreich damals eigentlich nicht; denn während die Regierung das Schick­sal der belagerten Hauptstadt zu teilen beschloß, richtete sie zur Verwaltung des Departements jene Delegation in Tours ein, in der Gambetta als Minister des Krieges und des Innern bald die Diktatur an sich riß.

Gambetta mußte vor der allgemeinen Friedenssehnsucht des französischen Volkes weichen, dessen zu Bordeaux zusammentretende Nationalversammlung am 17. Februar einstimmig den einzigen damals die Lage in Frankreich beherrschenden Mann, den alten Thiers zu ihrem Präsidenten machte. Ten offiziellen Titel Präsident" führte damals der berühmte Staatsmann und Ge­schichtsschreiber nicht. Er war zumChef der aussührenden Gewalt der französischen Republik" gewählt worden mit der Aufgabe, den Frieden mit Deutschland zustande zu bringen und erhielt das Recht, sich seine Minister zu wählen. Neber die endgiltig anzu­nehmende Regierungsform sollte erst die Zukunft entscheiden. Erst am 12. August desselben Jahres wurde vom linken Zentrum der Versammlung, von der kaum ein Drittel als wirkliche Repu­blikaner bezeichnet werden konnten, der Antrag eingebracht, daß dem Chef der vollziehenden Gewalt, der fortan den TitelPrä­sident" führen sollte, seine bisherigen Vollmachten auf drei weitere Jähre verlängert werden sollten. Die Linke, die eine Majorisierung durch die orleanistisch gefärbte Mehrheit fürchten mußte und sich von der baldigen Restauration der Monarchie bedroht sah, bestritt der Versammlung die Legitimation, über Ver- fassungsfragcn zu eutscheideu. Auf der monarchischen Seite konnte man Thiers noch nicht entbehren und so einigte man sich schließ­lich mit 491 gegen 93 Stimmen, daß Thiers auf weitere drei Jahre als Präsident der Republik unter der Autorität der Na­tionalversammlung, bis diese das Verfassuugswerk beendet habe, seine bisherigen Funktionen fortführen solle.

Tie dritte Republik hatte nun ihren ersten Präsidenten. Während mau sich mit dem Ausbau der Verfassung beschäftigte, das Land durchs schnellere Bezahlung der Milliardenkontribution von der feindlichen Besetzung zu befreien trachtete und mit Feuereifer den Revanchekrieg vorbereitete, begannen die Aussichten der unter sich gespaltenen Monarchisten zu sinken. Thiers über­zeugte sich von der Aussichtslosigkeit der Monarchie und wandte sich den gemäßigten Republikanern zu. Dafür arbeiteten nun­mehr Legitimisten, Orleanisten und Bonapartisten an seinem Sturz. Das gegen ihn beantragte Tadelsvotum gelangte zur Annahme. Ter greise Staatsmann dankte noch an demselben Tage ab und während man gerade daran ging, den einen der napoleonischen Marschälle, Bazaine, vor ein Kriegsgericht zu stellen, das ihn wenige Monate später zur Degradation und zum Tode verurteilte, erhob die Laune der souveränen Versamm­lung den andern, Mac Mahon, zur höchsten Würde, die Frank­reich zu vergeben hatte.

Termoderne Bayard" undloyale Soldat", wie mau Mac Mahon nannte, der vor dem unglücklichen Bazaine nur den Vorzug, hatte, daß ihn eine rechtzeitige Verwundung vor der Unterzeichnung einer gleich folgenschweren Kapitulation wie die von Metz bewahrte, hatte den Willen, im Sinne der monarchisti- fchen Kammermehrheit zu regieren und bildete dementsprechend sein Ministerium. Frankreich schien am Vorabend der Restauration zu stehen, besonders seit der Enkel Louis Philipps, der Graf von Paris, als Haupt der jüngeren orleanistischen Linie dem Grafen von Chambord, als Chef der älteren bourbonischen Linie in Frohsdorf einen offiziellen Besuche gemacht hatte. Mit vereinten Kräften arbeitete man auf das Ziel los und namentlich im Auslände war man daraus gefaßt,das von Gott geschenkte Wunderkind" den Posthumns des ermordeten Herzogs von Berry als Heinrich V. den Thron besteigen zu sehen. Indes der Prä­tendent stieß die ihm angetraaene Krone zurück und der Moment zur Wieberanfrichtung der Monarchie war verpaßt. Es galt «nn, die Republik zur definitiven Staatsform zu machen. Die

Verfassung wurde weiter ausgebaut und bestimmt, daß der Präsi­dent der Republik auf 7 Jahre gewählt werden und wieder wählbar sein solle. Mac Mahon hat aber seine Präsidentschaft nicht bis zu diesem gesetzlich vorgesehenen Ende fortgeführt. Zwar war es ihm 1878 noch vergönnt, die erste Weltausstellung nach dem Unglückskriege zu eröffnen. Aber schon im folgenden Jahre, als die Republikaner die Absetzung der bonapartistisch gesinnten Generale verlangten und er sich weigerte, die entsprechenden Dekrete zu unterzeichnen, legte er am 30. Januar seine Würde nieder.

Tie Republik war aus den Geburtswehen heraus und deshalb verlief auch die erste Präsidentschaft seines Nachfolgers, des aus dem Abvokatenstande hervorgegangenen Jules Grsvy, verhält­nismäßig ruhig. Erst als er am 28. Dezember 1885 zum zweiten Male zum Präsidenten gewählt worden war, zeigte es sich, daß er nichts weniger als populär war. Sein Sparsamkeitssinn/ seine friedlichen Absichten, vor allem aber die Tatsache, daß er in Frankreich so ziemlich der einzige war, der an den von seinem Schwiegersohn Wilson betriebenen Ordeusschacher nicht glauben wollte, führte seinen Sturz herbei. Wieder kam cs in der Te- putiertenkammer zu dramatischen Szenen, als Clsmenceau von ihm die Niederlegung seiner Würde verlangte. Sein MiitisteriuM nahm die Entlassung, um ihn dadurch zur Abdankung zu zwingen, und schon hatte er der Kammer eine diesbezügliche Botschaft in Aussicht gestellt, als das Zureden einiger Radikalen, die cm Ministerium des Toukinesen Ferry befürchteten, ihn verleitete, sich weiter an seine unhaltbar gewordene Stellung auzuklammern. Tie Kammern bestauben jedoch auf seinem Rücktritt und ver- tagteu sich nur, um seine Botschaft zn erwarten, und so blieb ihm nichts übrig, als zu entsagen .

Mit Grevys Nachfolger Sadi-Carnot, einem Enkel des Organisators der levee en mässe, kam ein Ingenieur auf den Präsidenteustuhl. Die am 3. Dezember 1887 in Versailles vor- genommene Wahl vollzog sich unter den Drohungen mit einem Votksäufstnnde, den die Boulangisteu nnb Chauvinisten in -Szene zu setzen drohten, falls Ferry aus beit Wahlen als Präsident hervorgeheu sollte. Von allen Parteien mit vollem Vertrauen betrachtet, bestrebt, die Politik in frieblichen Bahnen zu führen, hoch erhaben über dem Schmutz bes Paiiamasiänbals, in den man ihn vergeblich hiiiemzuziehen suchte, fiel Carnot am Wend des 24. Juni 1894, als er in Lyon zum Besuch der Kvlomab- ausstellung weilte, dem Dolche des italienischen Anarchisten Ca- serio zum Opfer und am 27. Juni versammelte sich der Kongreß wiederum, nm Casimier Perter, den bisherigen Kämmerpräsi- benten, auf den Präsideitteustuhl zu erheben.

Niemals hat die Wahlmaschinc in Frankreich so glatt tote damals funktioniert, als Perier gleich im ersten Wahlgange die Majorität der Stimmen auf sich vereinigte nnb dennoch wurde schon 6 Monate später eine neue Präsidentenwahl uottoeudm. Ms das Ministerium Tupuy über eine finanzpolitische, die Zinsgorantie für Eisenbahnen betreffende Gesetzesvorlage frei, legte auch der Präsident das undankbare Amt nieder, das aM 17. Januar 1895 auf Felix Faure überging.

Faure, der seine kaufmännische Laufbahn als Lehrling in einer Gerberei und Lederhaublung begönnen und sich später zum reichen Schiffsveeder emporgearbeitet hatte, verdaufte die höchste Würde des Staates dem Uinstande, daß nach dem ersten ergebnis­losen Wahlgange Waldeck-Rousseau zu seilten Guitsten zurück- getreteit tont, wodurch die Opportunisten gegenüber dem Brisson das Uebergewicht erlangten. Er brach mit der von Grsvy und Carnot beobachteten Zurückhaltung, hielt dem Sturme stand, der sich gegen ihn erhob, als er die deutsche Einladung an die französische Flotte zur Eröffnung des Kaiser Wilhelm-Kanals au- uahm, lenkte das Staatsschiff in den Wirren des Dreyfusprozesses und vcrschafitc endlich sogar der französischen Nationaleitelkeit die Genugtuung, daß das russische Kaiserpaar sich in Parts zum Besuch einfand und daß bei -der Erwiderung des Bcsucy.es vom Zaren das Wort von denalliierten Nationen" gesprochen ivutbe.

Als er am 16. Februar 1899 plötzlich einem Schlaganfalle erlag, ging aus den Wahlen des 18. Februar als 7. Präsident Emil Sou Bet, der bisherige Präsident des Senats, hervor, der von Anfang an mit der Feindseligkeit der Nationalisten zu kämpfen hatte. Zweifelsohne würde Loubet mit großer Mehrheit wieder gewählt werdcii, wenn dies in seinen Wünschen läge.

VermisÄite».

** Was soll unser Junge werden? Die toicEfri tige Frage, welchen Beruf wir unsere Kinder ergreifen! lassen sollen, tritt an alle Eltern heran, die nächste Ostern! einen Sohn oder eine Tochter der Schule entwachsen! sehen. Fast alle Bernfsarten sind überfüllt, und schwer fällt es den Eltern, etwas geeignetes zu wählen. Oft sind auch den Eltern gewisse Berufsarten unbekannt, und fitz sind daher nicht in der Lage, ihren Kindern einen Erwerbs-, zweig vorzuschlagen. Ganz unrichtig ist es, wenn Eltern! ihre Kinder in einen Beruf hineindrängen,für ben1 - diese weder Neigung noch Beanlagung besitzen. Daher wird