1906
ein
So
gelegt."
Erregt sprang Imhoff empor und hob wieder die Hände. „Aber da ist es ja allerhöchste Zeit, daß wir an die Arbeit gehen!",schrie er. .
„Ist es auch, Imhoff. Nur nicht hier. Wenn, Sie hier eine Sängerin empfangen, macht sie, daß sie wieder herauskommt. Ich lasse Ihnen morgen fünftausend Mark Vorschuß anweifen; übermorgen miesen Sie sich eine neue
Dem Wahren, Edlen, Schönen.
Ein Großstadtroman bon Fcdor U. Zabeltitz. (Nachdruck verboten.) (Fsrtfebung.)
„I natürlich", warf Imhoff ein; „ein Prinz und
rasch?"
„Nasch — nein. Es könnte noch schneller gehen. Lille Vorbereitungen sind beendet. Tie Paine sind fertig, die Gelder sind da. Am zweiten Mai wird der Grundstein
Gras im Aufsichtsrat: das albt Glanz, Schimmer und feinen Tufr. Ich tvundere mich, daß die Zeitungen noch nichts über die Geschichte gebracht haben."
„Sie haben sich bisher mit Andeutungen begnügt. Aber nun werd' ich mir Knappe kommen lassen . . . Ja, was ich noch sagen wollte: kennen Sie einen Herrn Swen Trusen?"
„Sioen Truseil?" . . . Imhoff nickte lebhaft. „Selbstverständlich. Ein Mann mit dunklem Knebelbart und einem zwei Finger breiten weißeil Streifen im schwarzen Haar. Trägt immer ein Monoele mit goldenem Rand. Versteht sich. Ein schlauer Spekulant. Er hat das Kasino in Rom begründet, ein großes Tingeltangel, und das Eden in Kopeu- hageil und den Cirgne d'hiver in Brüssel — lauter Tingeltangel. Soll Millionen verdient haben. Was wollte der Kerl von Ihnen?"
Haminer lehnte sich gegen das Fensterbrett. Er lächelte verächtlich,
„Er kam mit einem Vorschlag. Ein neues Opernhaus wär' Uusinu, sagte er mir. Eine gute Oper könnte ohne staatliche oder fürstliche Unterstützung gar ilicht existieren. Er tischte mir auch Zahleii auf. Jin ersten Jahre würde die Neugier unser Theater füllen. Tann wär' es aus. Und so propouierte er mir denn, den neuen Bau für eine mit raffinierter Eleganz eingerichtete Singspielhalle einzurich-- ten. Halb Zirkus, halb Tingeltangel; unten ein Ball-Lokal, daneben ein elegantes Restaurant —"
„Und im Souterrain eine Badeanstalt", vollendete Imhoff höhnisch. Er hob grimmig die Arme aus seinem Frisiermantel. „Baumeister, da könnte ich dreiuschlagen, mit beiden Fäusten — so wurmt mich dieses Sündigen wider den heiligen Geist der Kunst! So ivütend bin ich. . . Tas! cst ja alles Unsinn. Wir haben doch auch mit der Erbschaft der Peretti zu rechnen. Mit ihren Millionen —"
„Ei natürlich —" und Hammer lachte. „Ich erzähle Ihnen das auch nur apropos. Als Scherz. Ich habe Herrn Trusen höflich stedankt und erwidert, feine Pläne deckten sich in keiner Weise mit meinen Ideen. Da sagte er, er würde wiederkommen und ging."
„Wiederkommen!" rief Imhofs. „Er fliegt hinaus, wenn ►t sich bei mir zeigt. Jjch werde der Liesegang sagen, sie ,oll eine Dynamitpatrone für ihn bereit halten —"
„Wer ist die Liese g ang?"
„Meine Wirtfchaftsführerin. Woll'n Sie sie sehn? Aber sie sieht nicht hübsch aus."
„Ich danke ergebenst. Imhoff, auch Ihre Liesegang Muß in den Hintergrund treten. Sie führt Ihre Wirtschaft tzM ^glanzvoll genug, ®te müssen einen Livreediener
haben, der Ihre Besucher empfängt ... Ich ivill mich doch noch eimnal setzen" ... Er zog sich einen Stuhl au den Mitteltisch, betastete behutsam Lehne und Sitz, stäubte mit seinem parfümierten Taschentuch über letzteren unb, ließ sich bann nieder. „Imhoff, die Sache liegt so. Priestap sagt mir, daß er Ihnen unbedingtes Vertrauen schenkt., Ihr Patent als Ober-Reglfseur haben Sie in der Tasche. Priestap will aber auch, daß Sie im Verein mit Herrn von Seeben die Sache organisieren —"
„Aha . . . Seeben soll dcr Direktion übernehmen. Das war mein Vorschlag."
Hammer nickte. „Eine gute Wahl, soviel ich davon verstehe. Seeben kennt das Theater ans dem ff. Er hat lange" die Oper in Stuttgart geleitet. Er war selbst Sänger —"
„Jawohl: ein guter Cortez, ein vortrefflicher Ma- scmiello, ein ausgezeichneter Ädolar —"
„Er repräsentiert auch, mit seinem Adel, seinen Orden, feiner Equipage, seiner langen Figur und den fünf Sardellen über der Glatze. Und er hat noch immer Beziehungen zum Hofe. Er soll, als er noch bet der Garde stand, Prin- zesfintänzer gewesen sein —
„Und Prinzeß Luise hat auch tvirklich einmal irgend etwas mit ihm gehabt", bestätigte Imhofs. „So ein ganz zartes Prmzessintechtelme-chtel. Ta heiratete er die Storch und quittierte, ließ seine Stimme ausbilden unb ging selbst zur Bühne. Also gut: Seeben Direktor, ich Ober-Regifseur, Rasaöli erster Kapellmeister unb Orchesterdirigent —"
Ter Baumeister neigte zustimmend den Kopf. „Rafaölt ist mir unausstehlich", sagte er „aber das spricht nicht mit. Jedenfalls müssen Sie sich nut diesen beiden in Verbindung setzen und au die Zusammenstellung des Personals gehen —"
Imhoff wies auf die Papiere, Bücher intb Zeitungen, die den Tisch bedeckten. „Ich habe schon augefangen, Baumeister. Aber ich muß wissen, wann wir die erste Saison eröffnen können — der Verträge wegen. Wie lange wird der Ban dauern?"
„Am erfteit Oktober übers Jahr steht das neue Haus fix und fertig da", sagte Hammer mit Bestimmtheit.
Imhoff machte große Augen. „Donnerwetter ... °


