ie an, wie er ein Gemälde betrachtet haben würde, erkannt über die dunkle, zigeunerartige Schönheit, die großen chwarzen Augen und das üppige blauschwarze Haar. War >ies vielleicht Betsy Fenton? War cs der Kummer über Jacks Tod, was ihre Züge so unheimlich entstellt hatte? — Er ging auf sie zu, doch der leere träumerische Ausdruck wich nicht aus ihren Augen — sie sah ihn offenbar gar E Ein leiser Schrei entfuhr ihr, als er sie dann plötzlich ansprach. Sie fuhr zurück und ihr Gesicht wurde fast noch blässer und geisterhafter.
„Ich kenne Sie", rief sie, beide Hände tote abwehrend vorstreckend; „Sie sind Jack Jefferies' Bruder. Was wollen Sie von mir?''
(Fortsetzung folgt.)
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
Prost Neujahr!
Nun wird er wieder allenthalben im Reiche erschallen dieser derbe, oft gar rohe Ruf: „Prost Neujahr!" Selbst im Süden ist er schon eingedrungen, während er vor zwanzig Jahren den oberdeutschen Mundarten noch fremd war. Weit seltener hört man die wenigstens ctoas seiner klingende, aber noch undeutsckiere Form „Prosit Neujahr!", in der das lateinische prosit (es nütze, sei dienlich« voll erhalten ist. Nun werden wir unseren Studenten wohl nicht so leicht ihr Prost und Prosit anstreiben können, wiewohl schon manche „zum Wohle" oder „wohl be- komms" zu sagen wagen, und die österreichischen sich immer häufiger des alten deutschen Trinkrnss „Heil" bedienen; aber Mitten wir uns nicht befleißigen, uns statt jenes derben Zurufs am Neujahrstage eines würdigeren, dem Ernste des Jahres- vechsels angemesseneren zu bedienen? Wie wenige wissen überhaupt, was sie mit „Prost Neujahr" sagen. Die meisten antworten auf die Frage „Was heißt denn eigentlich dieses Prost?" nur: „Nun eben Prost." Beim Schlüsse der Mahlzeit („Prosit die Mäh'zeit") ist es schon verdrängt, denn „Prostemahlzeit" ist ganz urch gar ins niedrig Scherzhafte oder gar Spöttische hinabgesunken. Allerdings ist ja auch die „Gesegnete Mahlzeit" in der greulichen und in letzter Zeit mit Recht vielfach bekämpften Kürzung „Mahlzeit" schon unter das Fußvolk geraten; aber mit welchem Gruße ginge das nicht so? Bei dem häßlichen „Atjö" denkt sich Keiner mehr etwas, und selbst die doch dem Deutschen viel mehr sagenden „Guten Tag, Guten Abend, Gute Nacht" sind leider ganz verblaßt zu ,,'ntag, 'nabend, 'nacht". Aber wer herzlich sein will, der spricht auch diese schönen Grüße deutlich aus, sagt vielleicht auch gelegentlich „Auf Wiedersehen" oder „Lebewohl" oder „Fahrwohl"; und so sollte auch jeder Deutsche, der dem andern von Herzen ein gutes, glückliches, gesegnetes neues Jahr wünschen will, es mit diesen Worten tun und nicht mit dem kahlen, nüchternen „Prost". Wenn der Süddeutsche an seinem prächtigen „Guts neus Jahr" sesthült, trotz allem Einstürmen des Prost, so sollte auch jeder andere Deutsche ihm nacheifern. Geloben wir uns doch einmal alle zum neuen Fahre, auszuräumen mit dem bisher leider immer noch. vergebens bekämpften Atjö, mit dem ebenso häßlichen und nichts- agendeu Mahlzeit und mit — Prost Neujahr! Bieten wir uns in deutschen Treuen beim Gehen wie beim Kommen einen „Guten Tag", nach dem Essen — aber auch nur dann — eine „Gesegnete Mahlzeit", und beim Anfänge eines neuen Jahres: Heil Neujahr! oder: Viel Glück zum neuen Jahr! oder: Ein gutes neues Jahr! oder wie es uns sonst gerade ums Herz, ist. Auch hier könnte jeder etwas von dem zeigen, wovon doch jetzt soviel die Rede ist: Persönlichkeit! In diesem Sinne wünschen wir also ein: Gutes neues Jahr! ja ein: Gutes deutsches neues Lahr! ____________
Nerre Kalender.
Unter den vielen Kalendern, die heute schou das Jahr 1907 ansagen, ist eine ganze Anzahl, die man als alte Bekannte begrüßen kann. In Gewandung und Inhalt betonen sie ihren alten Kweck. D e s?ei schönen Abreißkalender, die der Verlag W. Spemann in Berlin und Stuttgart heraus-ringt, gehören seit Jayren zu den vetiebtesten Erscheinungen jedes Weihnachtsmarktes. „Spemanns Kunst-Kalender", der für jeden Tag ein Bild bereitpält, das erklärende Bemerkungen begleiten, ist ein alter lieber Freund zahlreicher für die Kunst Begeisterter, die sich an jedem Tage eines neuen schönen Kunstblattes erfreuen, das ein berühmtes Werk eines Großen aus dem Reiche der Künste reproduziert, sei es aus dem Altertum, der Renaissance oder der Neuzeit, sei es in Italien, der Wiege der bildenden Künste, oder in unserem deutschen Vaterlande oder sonstwo entstanden. — Spemanns Alpenkalender ist sehr beliebt bei unfern alljährlichen Bergkraxlern und Alpenreisenden. Jeder Tag erschließt diesen eine neue landschaftliche Schönheit von erhabener oder schauerlicher Größe oder lieblichem Reize aus dem weiten Alpengebict und lockt unsere Hochtouristen zu immer
neuen, kühne», wildromantische» Klettcrabenteuern. — Spemanns hi st orischerMedizinal-Kalender ist der tägliche oder jährliche (wie man's will) Hausfreund unseres Hausarztes. Er bringt die Kvnterfeis hervorragender Mediziner, zeigt für den ärztlicher! Berus bedeutungsvolle Stätten sowie bild- liche Darstellungen von der Ausübung der medizinischen Kunst auS dem unerschöpflichen Buche wissenschaftlicher Vergangenheit. Alle diese Kalender haben eine Reihe treuer alter Freunde und sind dazu angetan, sich alljährlich zahlreiche neue zu erwerben.
— HennhKoch erzählt in Band 11 der Kränzchenbibliothek, einer hübschen Büchersammlung für unsere Backftschlein, eine gemütstiese Geschichte von Mütterchen Sylvia, der ältesten von sieben Geschwistern und einzigen Schwester von sechs Jungen. (Stuttgart, Union. 3 Mk.) Die Mutter ist gestorben und auf ihre siebzehnjährigen Schultern wird die Last des großen Haushaltes gelegt. Wie sich das tapfere Mädel seiner schwierigen Aufgabe entledigt, sich selbst allerlei Entbehrungen auferlegt, um den Ihrigen dienen zu können, das führt die Verfasserin mit großem Geschick aus. Schließlich, nachdem das Nesthäkchen einer Krankheit erlegen und die anderen alle vorläufig versorgt sind, wird das Mütterchen mit dem Erkorenen ihres Herzens belohnt.
Weihttachtskoufckt für die bunten Teller.
Russische Apfel Paste. Dies sehr angenehme Konfekt kann man selbst sehr gut bereiten und braucht man dazu nur flache, neue, längliche oder runde Holzschachteln mit Deckeln. Ma» kann sie in Holzwarengeschäften kaufen, die Spansachen führen. — Zwei Pfund schöne Reinetten werden gebraten und dann das Mark durch ein Haarsieb gestrichen, mit ein Pfund gesiebtem Kochzucker und dem festen Schnee von 5 bis 6 Eiweiß, das man ebenfalls mit Zucker schlägt, verrührt. Dann füllt man die Masse in die Schachteln, läßt sie zwei Stunden im Ofen trocknen, streicht eine feste, feuchte Marzipanmasse darüber, etwa stricknadeldick, gießt die übrige Apfelmasse daraus und läßt sie wieder trocknen. Dann deckt man passend geschnittenes Pergamentpapier darauf, schließt den Deckel und bewahrt die Pastille an einem trockenen, kühlen Platz bis zum Gebrauch. Hierzu stürzt man die Förmchen aus den Schachteln und schneidet die Pastellen in passende Würfel oder Streifen, die man nach Belieben in gekniffte Papierhüllen legen und so dekoriert auf die Weihnacht^- teilet legen kann. Nach Belieben kann man die Apfelmasse auch mit etwas Alkermessaft rosa färben und die Mandelfüllung fortlassen.
Zuckerplättchen mit Zitronengeschmack. Em Pfund feinster durchgesiebter Zucker wird mit wenig Wasser zu einem dicken Brei gerührt, dann Schale und Saft von vier bis fünf Zitronen daran gegeben, letzteren kann man auch sratt des Wassers an den Zucker gießen. Ueber der Spiritusflamme erhitzt, wird die Masse in eine Schnabeltasse gegossen und damit tropfenweise auf eine mit Oel überwischte Weißblech- oder Schieferplatte kleine Häufchen gesetzt, die man zu kleinen Plätzchen auslaufen und im Kalten hart werden läßt.
Gewürzkonfekt. Dies Konfekt eignet sich sehr für einfachere Zwecke, z. B. für die Dienstbotenteller.. Man braucht dazu längliche, steife Papier kapseln, die man leicht aus ft ei; ent Papier selbst Herstellen kann. — 3 Pfund Zucker läutert man und kocht ihn zum Fluß, nimmt ihn vom Feuer, läßt ihn halb erkalten und verrührt ihn mit 50 Gramm gestoßenem Zimmet, halb so tiiel gestoßenen Nelken, 10 Gramm Cardamomen, einer halben geriebenen Muskatnuß, der abgeriebenen Schale einer großen Zitrone, 50 Gramm ganz fein geschnittenem. Zitronat, ebensoviel Pomeranzenschale und 1Ö0 Gramm feinstistelig geschnittenen abgezogenen Haselnußkernen und streicht die Masse in die Papierkapseln. (Der Zucker muß ganz weich bleiben, daher warm stehen, während man die Masse rührt!) Nach dem Erstarren werden die geformten Zuckerstangen in Streifen geschnitten. B. O. R.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Aeußerst gefräßig bin ich und häßlich; hübsch' werd ich später. Aendre mir Kopf und Herz, dien' ich als Kleidungsstück. m.
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Redakuon: Ernst Heß. — Roianonsdruck und Vertag der Brübl'tchen Umverstläts-Buch- und Sleutdruckeret, R, Lange, Metze«.
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