Ausgabe 
14.11.1906
 
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bin. Ich verdürbe mir ja meine ganze Karriere, wenn ich jetzt Betsy Fenton heiratete/ ' ' ?

(Fortsetzung folgt.)

Das erste thüringische Dorfmnsenm.

In Ruhla bei Eisenach ist jetzt dass erste Dorfmuseum Thüringens eröffnet worden. Die Ausführung dieses Lieblmgs- planes der kunstsinnigen thüringischen Gemeinde ist, nach der Vossischen Zeitung, glänzend geglückt, die Sammlungen, teilweise Geschenke, teilweise auf Zeit ausgestellt, sind reichhaltig und von großem Wert. Ruhla hofft, durch das Museum historische und Kunstgegenstäilde, die einzeln und im Privatbesitz unbeachtet bleiben würden, zu sammeln und so wie die großen städtischen Milseen eine Sammelstelle für den Ort zu bildeii. Das Museum. Ruhlas ist in einem dec ältesten Häuser des Ortes untergebracht; schlicht und für Thüringer Art charakteristisch ist das Museums- gebäude auch im Innern. Da die offizielle Eröffnung erst in einigen Tagen erfolgt die Borbesichtigung war nur einigen Pädagogen und Interessenten gestattet da weiter noch kein Ka­talog vorhanden, folgen wir in der Beschreibung der Sammlungen im wesentlichen den Aufzeichnungen, die ein Ruhlaer einem thü- ringischen Blatt zur Verfügung gestellt hat. Im Vorraum der Museumszimmer sind alte originelle thüringische Abzeichen aut- gehängt, so auch je eine Fahne derKopsschneider" (Meerschauni- pfeifenkopfschneider) und alten Holzdrechslerinnuug. Weiter fallen schmiedeeiserneBierzeichen" auf, mit denen maii früher im Orte die Häuser kenntlich machte, in denen das von der Gemeinde ver­zapfte Bier, das auch Gemeindebräu hieß, verkauft wurde. Im Mt-Ruhlaer Zimmer" steht ein alter Kachelofen, dessen eiserner Unterbau mit deut Relief der Hochzeit von Kanaan geziert ist. Blankgeputzte Mefsingkannen, Wärmflaschen aus Zinn, Knpser- geräte in längst veralteten Formen, die den Ofen schmücken, sind teilweise Erzeugnisse aus den Produkten des Thüringer Berg­baues. Die altmodischen Oellampen und Feuerzeuge auf dem weißgescheuerten hölzernen Tisch mahnen an die Beleuchtungs- gegenstünde zu Luthers Zeiten. Die aufgeschlagene Bibel, der gepolsterte Großvaterstuhl, die altmodischeAnrichte" mit schmucken, blanken Tellern, Krügen und Kannen aus Zinn sind liebes thü­ringisches Hausgerät. Der Großstädter, der ei» derartiges mit Gegenständen der begrenzten, engeren Heimat angefülltes Mu­seum betritt, darf nickst auf kostbare Wertstücke gefaßt machen, nur ein Stück deutscher Heinlatkunst, mit unendlicher Liebe zu­sammengetragen und voll Gemüt und Poesie wird ihm gezeigt. Da hängt ein Kandelfrauenrock, ein Schoßrock mit dem schwarz- rot-goldenen Schulzenabzeichen, alte Ruhlaer Trachten von Anno dazumal. Alte Gefäße zum Buttermacheu und Käsebereiten deuten auf die Landwirtschaft, die Werkbank des Ruhlaer Messerschmieds und das Spinnrad auf die Hausindustrie. Butzeuscheiben und Meisterwerke der Messerschmiedekunst gestalten den Raum an­heimelnd und lehrreich zugleich. Im zweiten Zimmer dominiert die Ruhlaer Industrie. Da findet der Beschauer die aus Schmiede- eifett hergestellte alte Spitze der gothaischen Kirche, aus dem Jahre 1662 stammend, antike Leuchter, eine Kirmespritsche von 1821, alte Reisescheine aus der Zeit der Postkutsche, Puppen aus dem 17. Jahrhundert,Heidlappen" (Kopftücher) und Sperrkappen, die Sonntagskopfbedeckung der Ruhlaer Dorfschöneu u. s. f. Die Tabakspfeifenindustrie Ruhlas ist durch die wertvolle Samm­lung von Beult, die auf der Leipziger Messe Aufsehen erregte, vertreten. Pfeifen aus Holz, Porzellan, aus weißem und rotem Ton, bemalt und uubemalt, bilden geordnet eine Illustration dec Entstehung der Pfeifenindustrie. Gerade der Kontrast zu den großen Museen der Städte macht das Ruhlaer Dorfmuseum interessant, sehenswert und für weitere ländliche Ausstellungen vorbildlich. ______________

Für de« Weihnachtstisch.

Eine reizende Beschäftigung für Knaben bietet das 4. Heft der SammlungSpiel und Arbeit" von Ott? Robert,*) nämlich die Erbauung^ einer großen Burg zum Spielen mit Bleisoldaten. Jeder Knabe von 9 Jahren an kann darnach eine prächtige Burg mit Auszügen, Zugbrücken, Wacht­türmen, Bastionen, Kasernen, Toren, wie sie unsere Knaben zu ihrem Spiel mit Bleisoldaten am liebsten benützen, erbauen. Vor­kenntnisse sind nicht nötig. Eine treffliche Anleitung und prak­tische Einrichtungen machen die Beschäftigung fast mühelos, ;edeu- falls sehr anziehend und anregend. Diese Burg wird dauerhaft und solid hergestellt. Jeder Junge, der sich diese Burg an­fertigt, wird stolz auf seine Arbeit sein, denn sie steht auch land­schaftlich malerisch vor dem Beschauer. Das Spiel ist aus^dem Prinzip hervorgegangen:Wackere Knaben fertigen ihr Spiel­zeug selbst "an" und cs wäre erfreulich und im Interesse de« Jugend, wenn unsere Kstaben solch' hübsche, anregende Hand­arbeiten pflegten, die eilte edle Erholung sind gegenüber den Anstrengungen des Schulunterrichts. Allen Eltern sei darum dieses Beschäftigungsmittel empfohlen.

*) Die Burg. Anleitung zur Erbauung nebst 20 Modell­bogen. Verlag von Otto Maier in Ravensburg. Preis 3.50 Mk.

Vermischtes.

* DZe Entstehung der Militär-Fängsch tiüre soll einer alten Chronik zufolge auf den Ausbruch des Aufstandes in den Niederlanden zurückzusühren sein. Im Jahre 1567 ver­ließ ein vorzügliches Regiment Philipps II. die spanischen Fahnen und vereinte sich mit den unterdrückten Landsleuten gegen den Tyrannen. Der Herzog Alba, dessen Henker mehr Blut vergossen, als seine Soldaten, befahl hierauf, einen jeden aus diesem ab­trünnigen Regiment, der in spanische Gefangenschaft geraten würde, ohne weiteres sofort aufknüpfen zu lassen. Das Regiment ver­spottete den Befehl und ließ dem Herzog mitteilen, daß Offiziere und Gemeine sich künftig alle mit einem Strick und einem Nagel versehen würden, um den Spaniern das Henkergeschäft zu erleich­tern, falls sie einen lebendig in ihre Gefangenschaft bekämen. Tatsächlich schlangen sie den Strick um den Hals und knoteten den großen Eisennagel data». Da sich diese Krieger mit der größten Tapferkeit und Todesverachtung schlugen, so wurde Strick und Nagel bald zum Ehrenzeichen, später in Wolle und Seide nach­gebildet. Statt um den Hals wurde die Auszeichnung später an der Achsel getragen. Auf ihren seltsamen Ursprung deutet heute noch der NameFangschnüre". ,

* Ein Mädchendorf. Das Dorf Doppcsfield in Essex zeigt einen aufsälligen Ueberschuh ah Mädchen. Während der letzten zehn Jahre überwogen die Geburten von Mädchen in der Gemeinde so sehr, daß die Dorfschule heute 93 weibliche und nur 11 männliche Schüler hat. Die Dorfbehörde fragt sich besorgt, was aus der Landarbeit werden soll, wenn kein Nachwuchs für die Arbeiterschaft kommt.

Weihttüchismusik.

K l i u g - K l a n g - G l o r i a. Deutsche Volks- und Kinder­lieber ausgewählt und in Musik gesetzt von W. Labler, illustriert von H. Lefler und I. Urbau. Qnerfvlio, 66 Seiten mit 16 künst­lerisch ausgeführten Vollbildern in Dreifarbendruck, jede Seite geschmückt mit Vignetten und Einrahmungen. Gedruckt auf Kunst­druckpapier. In farbigem Umschlag mit farbigem Vorsatzpapier gebunden. Preis 4 Mk. Dieses ganz außerordentlich schöne musikalische Bilderbuch ober illustr. Liederbuch dürfte eine der Hcmptzierdetr des nächsten Weihnachtstisches für unsere Kleinen bilden. Nennt doch Paul Heyse esein reizendes Lieder­und Bilderbuch, das ich in allen Kinderstuben eingeführt wünschte, wo mufikalische Mütter ihr junges Volk die lieblichen Worte unbi Weisen lehren unb mit den drolligen Bilbern ergötzen können. Den Biebermeierhnmor bet geistreichen Zeichnungen zu würdigen wirb freilich nur den Eltern möglich sein, da dieser Teil dieses Kinderbuches weit über das hinausragt, was sonst kleinen Leuten geboten wird. Auch die Auswahl der Lieder ist mit sicherem Takt getroffen, so daß man zu diesem anmutigen Werke nur Glück wünschen kann."

Weihimchts-Literiatur.

Silhouetten betitelt die Erzählerin I. B. .Semmig acht Skizzen und Novelletten, die sie bei Stephan Geibel in Alten­burg (S-A.) erscheinen ließ. Der 160 Seiten starke Band ver­einigt folgende acht Novelletten: Rüpel, aus dem Leben eines Kirters, Das Buch des toten Studenten, Robbys Werbung, Made­leines Studienreise, Im grünen Kleide, Die Erste, Seine Kopistin und Stiefmütterchen.

Das Telefon ist nichts Neues. Neu und überraschend ist dagegen, daß jeder Knabe, der im Basteln einigermaßen Geschicklichkeit besitzt, ein tadellos funktionierendes Telefon sich selbst ganz billig anfertigen unb anlegen tarnt, wenn er das 18. Bändchen ber bekannten SammlungSpiel unb Arbeit zu gtlfe nimmt (Verlag von Otto Maier in Ravensburg). An Hand von Modellbogen wird in dem Bändchen eine klare, leicht ver­ständliche Anleitung gegeben, tote der Apparat erbaut wird und was dabei berücksichtigt werden muß, kurz jeder damit be­schäftigte Kitabe wird sozusagen ein kleiner Hauselektrotechntker und kamt schon nach kurzer Zeit mit Stolz ans sein Werk blicken. Ein anregendes Geschenkbüchlein für unsere Knabenwelt, wre über­haupt für jeden Bastler, es sei daher dieses Bändchen (Preis 1.50 Mk.) empfohlen.

Logogriph.

Nachdruck verboten.

Ein deutscher Dichter ist es, Das Unglück traf ih>t schwer. Veränderst btt ein Zeichen, ßchmeckt's als Getränkttach mehr .

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nunnner: Zinunetftraucli Eisenspat Ibarra Tiger Bnccarat RegettSburg Illyrier»;

Zeit bringt R a th.

Redaktion: Ernst ö e6. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'Ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R, Lange, Gießen.