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N o t h" weitergesührt und immer vielseitiger ausgebaut wurde. Ms Emil Roth im Jahre 1876 aus dem Leben schied, toar seine Firma im Verlagsbuchhandel weit über die Grenzen des Großherzogtums Hessen hinaus zu riihm- lichem Ansehen imb hervorragender Bedeutung gelangt.
. Jni genannten Jahre ging das Geschäft von „(Smit Roth" auf desseu einzigen Sohn Otto Roth über, der die Firma des Vaters beibehielt.
Inzwischen hatte die neue Zeit, namentlich durch die Wiederausrichtung des Deutschen Reiches, durch die veränderte Stellung der Einzelstaaten zum Gesamtvaterlande, durch die einschneidenden Reformen in der Gesetzgebung, in der Kreis- und Gemeindeverwaltung, in der Verwa'l- tung und Umgestaltung des Unterrichtsweseus auch au den Ver'lagsbuchhandel nene und erhöhte Anforderungen gestellt; es galt, mit sicherem Blick auf dem Gebiete der Literatur die Lücken zu erkennen, welche sich bei dem Ueber- gauge in die neue Zeit auf dem Felde der Belehrung und des Unterrichts mit Bezugnahme auf die veränderten politischen und sozialen Verhältnisse eingestellt hatten. JUs- besondere waren in den 1870er Jahren die Errungenschaften des hessischen Schulverlages, bezw. die literarischen Unternehmungen für den Unterricht, auf ein Minimum herabgeschmolzen. Ms daher im Jahre 1874 mit Einführung des neuen Schulgesetzes auch das Bedürfnis nach zeitgemäßen Unterrichtsmitteln für die hessischen Volksschulen eintrat, war das neugebildete Großh. Ministeriuni des Innern und der Justiz, Abteilung für Schulangelegen- heiten, genötigt, bei dein gänzlichen Mängel an geeigneten hessischen Schulbüchern auf preußische, sächsische und andere außerhessische Verlagsbuchhandlungen für den Bezug von Lehrmitteln für die hessischen Volksschulen hinzuweisen. Die Summe, welche damals und in der Folge den: hessischen Buchgewerbe (Verlag und Sortiment, Buchdruck, Buchbinderei ufw.) verloren ging, rcsp. in das Ausland floß, war sehr hoch. Eine ähnliche Tatsache hat sich in dieser unverhältnismäßigen Ausdehnung in keinem andere:: deutschen Staate gezeigt.
Die Einführung der norddeutschen Schulbücher im Groß- Herzogtum Hessen war jedoch auch nach der didaktischen Seite hin nicht glücklich. Schon nach kurzem Gebrauch zeigten sich allerlei damit verbundene Mißstände und Un- zuträglichkeiten, und ans der Mitte des hessischen Lehrer- stanöes gab sich in erster Linie das lebhafte Verlangen kund nach Beschaffung eines Lesebuchs für die hessische Volksschule, welches, weit entfernt von einseitigem, überwundenem Partilularismus, den historischen Verhältnissen desHessen- landes Rechnung tragen, die heimatlichen Anschauungen ergänzen und berichtigen und den Anschluß an das große Gesamtvaterlaud in Bild und Wort Pflegen sollte. Diese Stimmung gab dem Inhaber der Firma Emil Roth die Anregung, mit praktischen hessischen Volksschulmännern in Verbindung zu treten und den Plan zu entwerfen zu einen: den: amtlichen Lehrplan eicksprechenden Lesebuch, das die Verfasser mit dem Erscheinen einer „Hessischen Fibel" einleiteten. Diese liegt heute in der 36. Auslage, deren jede in 10 000 Exemplaren erschien, vor. Hieran reihte sich in aufsteigender Folge Pas „Hessische L e s e b u ch", das in vier Ausgaben (A, B, C, D) in einer Reihe von Auflagen, jetzt in neuester Rechtschreibillig, in saft allen Schulen des Großherzogtums in segensreichen Gebrauch genommen ist.
Die pädagogische Presse des Jü- und Auslandes hat den hessischen Lesebüchern sowohl nach der pädagogischen Seite hin, wie auch wegen ihrer vorzüglichen 'Ausstattung einstimmig ihre Anerkennung entgegengebracht i:ub sie als mustergültig unb den besten Leistungen auf biefem Gebiete als gleichwertig bezeichnet.
Als Schlußstein haben bic Verfasser bes hessischen Lesebuchs noch bas „Hessische Lesebuch für Fortbildung s s ch ulen" bearbeitet. Dies Buch ist von acht deutschen Schulmiuisterien zur Einführung empfohlen worden, liegt bereits in 3. Auflage vor und genießt eine beachtens- werte Verbreitung in Hessen wie im Übrigen Deutschland. Für außerhessische Schulen wurden einige Lesestücke, die speziell für hessische Kinder bestimmt sind, weggelnsfeu und durch solche von allgemeinem Interesse ersetzt und dadurch das „Deutsche Lesebuch" geschaffen, das ebenfalls allseitige Anerkennung gefunden hat und sogar in verschiedenen deutschen Schulen des Auslandes eingeführt ist.
Einen gleich glücklichen Griff tgt die Emil Rothsche
Verlagsbuchhandlung mit der gründlichen Umarbeitung des schon von dem Gründer des Verlagsgeschäfts erworbenen „Niepothscheu Rechenbuches", das bereits in 19. resp. 23. Auflage in zwei Ausgaben (A und B) erschienen ist. Ein vortreffliches Werk, das nach den Urteilen pädagogischer Fachn:änner den besten Rechenbüchern, welche die deutsche Schulliteratnr aufweise, zur Seite steht. Auch diesen: Werke dient noch als Schlußstein das „Rechenbuch für Fortbildungsschulen", das zugleich einen Wegweiser darbietet zur Einführung in die soziale Reichsgesetzgebung.
Um ihre:: Schulbuchverlag, soweit er sich auf die Unterrichtsgegenstände der Volksschule bezieht, vollständig auszugestalten, trat der Verleger Otto Roth noch mit einen: nach den neuesten Forderungen der wissenschaftlichen Pädagogik bearbeiteten „Re alten buch" auf de:: Plan. Ter vortreffliche Lehrstoff des Buches, der sich auf sieben einzelne Hefte verteilt und durch zirka 400 Illustrationen belebt ist, wird in so ansprechender und musterhafter Weise dar- geboten, daß das Werk sich schnell, nicht allein in den hessischen, sondern auch in vielen außerhessischen Volksschulen eingeführt hat.
Füge:: wir noch an, daß der Rothsche Verlag auch in der Kartographie in der jüngsten Zeit große Ausdehnung gewonnen hat und besonders in bei: Schulwandkarten des Prof. Wämser (Hessen, Deutschland, Europa), in den Haud- karten und Kreiskarten desselben Autors, hervorragende kartographische Leistungen aufweist unb en blich noch ein sehr empfehlenswertes Werkchen in „D ölls Lieber- sammlung", sowie Kleins Biblischer Geschichte besitzt, so bürfen wir sagen, baß bie Verlagsbuch- handlung Emil Roth sämtliche Unterrichtsgegenstände, welche das hessische Volksschulgesetz vorschreibt, mit 'Ausnahme von Turnen und Zeichnen, in anerkannt vorzüglicher Weise vertritt und mit Recht auf den Namen eines „hessischen" Schulbuchverlags Anspruch machen darf. Tie beste Anerkennung für die Tüchtigkeit gerade des Pädagogischen Verlags wurde der Firma Emil Roth auf der Weltausstellung in St. Louis durch bie Zuerkennung ber Goldenen unb der Silbernen Medaille für Pädagogik, Schulbuch und Lehrmittel zuteil, ein Beweis, daß die Schulbücher der Firma Roth in ber gesamten Schulbuchliteratur zu be:: besten gehören müssen. —
Die Verlagsbuchhandlung Emil Roth wird nicht mit Unrecht als hessische Verlagsbuchhandlung par excellenee angesehen, weil ihr Inhaber alle literarischen Unternehmungen, welche darauf gerichtet sind, neben ber Begeisterung für bas große Vaterlanb bie Liebe zur engeren Heimat, bie Treue zum angestammten Fürstenhaus, bie Anhänglichkeit an hessisches Lanb unb hessische Leute wachzuhalten mit ausgesprochener Vorliebe unterstützt und zum Mittelpunkt seiner Verlagsunternehmungen genracht.hat.
Der Verlagskatalog weist eine stattliche Reihe von Verlagswerken auf, bie sich ohne Hervorkehrung eines einseitigen Partikularismus in milder Form in den Dienst der Pflege unb der Erhaltung ber Gefühle für Heimat unb Vaterland stellen und denen seitens des hessischen Volkes allzeit eine außerordentlich freundliche Beachtung zuteil geworden ist.
Von größeren Unternehmungen bes Verlags seien noch angeführt: die hervorragenden Verlagserscheinungen ber Jurisprudenz unb ber Staatswissenschaft, bie weit über bas deutsche Reich hinaus ihre Erfolge gefunden haben, so bie „Fuchsbergersche:: Entscheidungen", bie rechtswissenschaftlichen Werke bes berühmten Univerfitäts- prosessors Geh. Justizrat Gareis, bie Lehrbücher bes Kirchenrechtslehrers von Schulte unb in neuerer Zeit bie Er- scheinungen des bekannten Nationalökonomen Prof. Dr. Biermer. Ferner auf dem Gebiet ber Medizin und Naturwissenschaft bie Werke eines Moleschott, Ludwig Büchner, Eckharb unb Kehrer, bie ben: Verlage bei: Namen einer bedeutenden Verlagsbuchhandlung im deutschen Buchhandel verschafft haben.
Neben der Wissenschaft ist auch bie schöne Literatur" nicht zn kurz gekommen, wie bie Gedichte des Waldpfarrers Knodt, das Goethebrevier des Prof. Heinemann, Schlägers. Schillerworte, die vaterländischen Romane von Bechtels* Heimer, Becker und Bnxbanm zur Genüge dartun. Aber auch in den deutschen Familien ist der Verlag von Emil Roth durch seine Jugendschriften gern gesehen; hat doch kaü:n ein Jugendbuch sich einen solchen Famen gemacht


