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| War ich denn wirklich so schlimm? Mein Gott — daß ich damals das Haus verbot... nun ja, mich packte die Eifersucht. .. aber ich bin doch kein Blaubart, kein ^ann. Ich habe meme Eigenheiten — wer hat sie
Heros gab ihm den Bries zurück. „Frehlinghaus, Wagen und Strecken und Fragen, das kommt alles zu spat, sagte er ernst. „Nach diesen Zeilen kommt Freda nicht wieder, ^ch glaube, Deine Fahrt nach Bi sing eit wurde vergeblich sein." 1 J
„Cs widerstrebt mir auch, Heros. Ich bin kein Mann der guten Worte; sie fügen sich mir schwer; ich würde es! nur verkehrt machen. Ich kann auch gerade jetzt nicht recht fort. Sienzmer ist krank geworden, und ich muß ihn ver- treten . . ." Seme Augen blickte hilfeflehend auf Heros . . . „Arenstein, es klingt seltsani, um was ich Dich bitten mochte, nach alledem, was geschehen ist. Wer Tn bist em Mann von Ehre . . ich wüßte nicht, wem ich mehr Ber- trauen sch en cen konnte als Dir . . . Du kennst Freda von! Kindheit cm und bist ihr Freund . . . willst Du nicht nach! Bismgen fahren — als Vermittler zwischen ihr und mir?.
- Dem Wort hat mir genügt, ich bin nicht mehr eifer- süchtig; es war eine kindische Aufwallung ... es Ivar sehr kindisch, ich gebe es zu . . . Aber das ist vorbei. Ich m u st Freda wieder haben. Sage ihr, es solle alles vergessen sein, ihr törichter (Streut) _— es solle auch alles anders werden • • - - ,Cs ist ja jetzt in der Mode, die unverstandene Frau zu spielen — aber vielleicht biri ich auch ein Teil schuld an. der ilnseligcn Geschichte — ich hätte mehr auf sie emgeheu, mich mehr um sie kümmern sollen . . . Tas! wird alles geschehen . . Er sah nicht den eiskalten, be-, fremdeten Blick Arensteins, sprang lebhaft auf und schritt im Zimmer auf und nieder, die Hände an den Favoris, sehr erregt und hastig weitersprechend . . . „Herrgott, ivasl würde das für- einen Skandal geben! Heros, Eure ganze Familie wird bloßgestellt!! Und die Zeitungen — die verfluchten Klatschblätter! Und das Getratsch in der Gesellschaft ... es wäre der Strich unter meiner Karriere! . . . Heros, ich bitte Dich, fahre nach, Bisingen. Auch Deine, Tante, die Fürstin, ist eine verständige Frau. Sie wird, Freda die Leviten lesen; Du packst den Flüchtling auf und! und bringst ihn wieder zurück — und kein Mensch erfährt etwas von der ganzen Geschichte . . . sage ja, Heros!. ."
Run ständen die beiden sich dicht gegenüber, zwei, die zu Todfeinden werden sollten. Frehlinghaus bot Heros die Hand; der nahm sie nicht. Er verschränkte die Arme über der Brust und erwiderte:
„Laß mich nicht ja sagen, Frehlinghaus. Ginge ich nach Bisingen, so geschähe es nur, Fredamir zu holen!..."- lFortsetmng folgt.)
habe zuweilen das Gefüllt gehabt, als raiisse ich wahnsinnig werden. Nichts von Teurer Seele gehört mir, auch nichts von Deinem Herzen. Wir lieben uns nicht: da ist unsere Ehe ein Frevel geworden. Eugen, ich würde es für eine Sünde wider den Geist Gottes halten, bliebe ich auch nur eine Stunde länger bei Dir — und für ein Verbrechen an mir, denn ich würde im Selbstmord enden, hätte ich nicht die Kraft, Deiner mir fürchterlichen Nähe zu entfliehen.
„Ich werde vorr Bisingen arrs an den Justizrat Brandes schreiben und ihm meine Vollmachten senden. Wir sind kinderlos: das wird unsere Scheidung vor dem Gesetze erleichtern.
„Ich gehe ohne Haß und Groll; aber ich mußte gehen. Gönne mir den Frieden, dessen ich bedarf und lebe wohl. Freda."
Frehlinghaus las diesen Brief zweimal, Wort für Wort. Dann faltete er ihn langsam zusammen und schloß ihn ein. Er legte sich in dieser Nacht nicht nieder, er lvanderte ruhelos umher. Er schritt durch alle Gemächer und kam auch in die Wohnstube Fredas und in ihr Schlafgemach. Ueberail drehte er die elektrischen Lampen auf und ließ sie brennen. Er versuchte sein Herz zu sondieren: hatte er Freda geliebt? Und er fühlte, ivie dies kalte Herz zuckte. Er sah Freda vor sich ihre in ivarmem, grünem Licht schimmernden Augen, ihren roten Lockenkops und preßte die Hände gegen die häinmernde Schläfe. Dann wurde,: die Hände zu Fäusten. „Morgen!" rief er sich zu. —
Ter Morgen kam. Er fuhr zu Arenstein, der ihn voller Erstaunen empfing.
„Entschuldige" meinen Besuch", sagte Frehlinghaus fmster, „er ist eine Notwendigkeit. Ich frage Dich auf Tein Ehrenwort: hast Du seit jenem Abend bei den: Geheimrat Meier, Tn weißt, in irgend einem schriftlichen oder mündlichen Verkehr mit meiner Fran gestanden?"
■ Arenstein schaute den Fragenden groß an. Er hätte ihm unter anderen Umständen die Tür geiviesen; aber er saate sich unwillkürlich, daß irgend etwas passiert sein müsse das gewichtigen Gruiid gab zu diesem unvermuteten Be- such- Da mußte er antworten.
, Frage klingt seltsam", entgegnete er, „doch ich
will Dich beruhigen. Mein Ehrenwort, daß ich seit jener Zeck weder schriftlich noch mündlich mit Freda verkehrt habe ^ch habe sie auch nur einmal gesehen — damals in Ostende ... Was soll die Frage?"
„Freda", sagte der Graf nick schwer klingender Zunge, yW ~ 'ck mir davougelaufeuDies Wort stieß eg hervor, daß es einem Brüllaut glich, fiel in den Sessel, ImluchnniO iwr das Gesicht und begann nervös zu
Heros stand stumm vor ihm. ©eht Antlitz verblich, oict es glomm em heller Funke in seinem Auge auf npfJT’rbC öur 2ohc. Es war ihm, als höre er Engels^ umwehe ihn der Maienduft werdenden Frichlurgs. Sem Herz schlug laut, es stürmten die Pulse: eine jauchzende Hoffnung zog durch seine Seele. .
Frehlinghaus schaute auf. Er lvar wie gebrochen Er war freimdlos und suchte nach Mitgefühl. J '
„ glaube wir, Heros", tagte er lläaiich * liicktt hüt 7 NN ÄÄÄ
^Spiele gewesen, dann hält' ich die Lösung gefunden . . ! nm ■ rcf} ^nne das Bitten nicht, das Betteln und das "w Vergebung Flehen. Und sie hat so hart geschrieben
,n’e^ als ein flüchtiger Riß. Sie wird — wird S fJi?i» . Heros, lies diesen Brief und rate mir. soll ich nach Bismgen? . . ."
Er zerrte Papiere aus der Tasche, sichtete sie mit blödem Auge und gab Arenstein den Abschiedsbrief Fredas. Dann h11 L? wieder rn sich zusammen, die Wimpern gerötet, die Barte zerzaust, mit hängender Unterlippe: ein Bild des Jammers.
$.c Handschrift Fredas sah, hätte er sie am Drückt. Er las. In seine Wangen y.a”r^0t ö^ruck, aber das Auge wurde trübe. Er las 'iph-.- 3 Zeilen. Er las da von großem und
die^^n wPe, wClb', W.verer Entsagung, von Kämpfen, me cm Meirschei,glück vernichten können; er las weit mehr, als in -- ein Briefe stand. Und zugleich mit tiefem Erbarmen iXu riifschrie er verhundertfültigt die Ml im ächt scmer großen Lrebe un Herzen.
„-Mm?" fragte Frehlinghaus. „Ist es nicht greulich? |
Koetyes Jaust,
das Hohelied vom Sinn Des Lebens.
Vortrag! des Herrn Dr. Bruno Wille, gehalten in der Freidenker-Vereinigung Gießen am 8. März 1906.
„Still war's und jedes Ohr hing an Aeneas Munde." Diese Schillerworte fielen mir ein, als ich am Donnerstag abend dem Vortrage über „Goethes Faust, das Hohelied Hont ®init des Lebens" beiwohnte. Nur hatten wir keinen Aeneas vor uns, aber einen Erzähler, der nicht minder die Aufmerksamkeit leinet Zuhörer zu fesseln wußte, nämlich Herr Dr. Bruno Witte den geistreichen Verfasser der Offenbarungen des Wacholderbaums.-
Zunächst bemerkte er einleitend, daß Goethe auf dem Höhepunkt seines Lebens selbst noch nicht Mißte, was er eigentlich sei, was er für eine Bedeutung habe. Er hielt sich eigentlich für einen Naturforscher, aber er ist mehr wie das gewesen, er! war sowohl Naturforscher wie Künstler, er ist ein Naturdeutev geworden, der Schöpfer einer freien, einheitlichen Weltanschauung. Goethe ist für unsere Zeit, und vielleicht noch mehr für die künftigen Jahrzehnte, berufen, eine führende Rolle auf dem Gebiete der Weltanschauung, auf dem Gebiete der Religiosität emMnehmen. Ganz besonders sein Faust, der noch
lange nicht genug geschätzt wird, ist unserem Volke eilt
Brunnen, aus dem wir eine religiöse Erhebung schöpfen können, die atte Menschen, welche zerfallen sind mit dem alten Glauben, befriedigt in der Weise, wie ein moderner Mensch befriedigt werden mochte. Goethes Weltanschauung ist keineswegs nur eine naturwisseuschastliche, sie ist keineslvegs beschränkt am die Methode der NatursorfchuNg, sie umfaßt das Aeußcr- 1.1?., und das Innerliche. Schon in Wahrheit und Dichtung kritisiert Goethe die materialistische Weltanschauung abfällig, in« i’Oternler geltend macht, daß sie das Gemüt nicht befriedigen könne. Goethe wendet sich stets an den ganzen Menschen mit all seinem


