Ausgabe 
14.2.1906
 
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Vermischtes.

* Eilte M aiserseier im 18. Jahrhundert. Wir haben einen Nachweis darüber, daß schon im 18. Jahrhundert der Namenstag des deutschen Kaisers in Wetzlar öffentlich begangen wurde. In der 1797 zu F-ranyurt am Main erschienenen Reise eines Vaters mit seinen beiden Söhnen durch ganz Deutschland wird darüber eingehend berichtet. Das idhllische Lahnstüdtchen war damals noch der Sitz ReichÄainmergerichts, dessen Assessoren zusammen je zur SalM lutherisch iind katholisch sein urußten. D'.e Beamten dieses vbersteir Gerichtshofes des Reiches gaben in dem klemen Orte na­türlich deii Ton an. Schon am Vorabend erscholl eme -stiinde lang von allen Türmen feierliches Geläut. Am Festmorgen selbst erklangen abermals k-lle Glocken. , Dann fand rm Dome, der Lutheranern und Katholiken gemeinsam gehörte, zunächst feierlicher Gottesdienst der Lutheraner Mit ^ebeum und Fest­predigt statt. Dahin begaben sich die Ratsherren, die gleich den meisteil Einwohnern lutherisch waren, die katholischen Beamten des Kammergerichtes und Bürger. Unter Kanonendonner und im Geleite der Bürgertvehr begab sich der Zug später nach dem Rathausc zurück. Nun luden die Glocken zum kaholischen Gvtttes- dienste, zu dem die katholischen Mitglieder des Kammergerichts in dem größten Staate erschienen. Diesmal hatten kaiserliche Truppen vor dem Dome Aufstellung genommen. Der katholische Gottesdienst wurde iiicht minder feierlich mit Musik und unter Kanonendonner abgehalten. Präsidenten und Assessoren fanden sich darnach bei dem Kammcrgericht als dem Vertreter des Kaisers zur Gratulationsconr ein, Worauf ihnen dieser ein kost­bares Festmahl gab. Aber auch die Bürger versammelten sich mit ihren Frauen und machten sich recht lustig. Heuer werden es gerade hundert Jahre, seit Kaiser Franz II., dem zu Ehren die geschilderte Namenstagsfeier stattsand, die Kaiserkrone nicder- legte, .nachdem sein Haus sie weit iiber 400 Jahre getragen hatte. Aber seit Jahren war er nur mehr ein Schattenkaiser gewesen. Trotzdem feierten die Wetzlarer Bürger und Beamten das Fest des Kaisers nach Ivie vor, und von konfessionellem Zwie­spalt wird außer beim Gottesdienste nichts vermeldet. Unsere Von allerlei Hader zerrissene Zeit könnte sich daran ein Beispiel nehmen.

* Der Papst als Raucher. Vor einiger Zeit machte in der Presse eine kleine Erzählung die Runde, in der behauptet wurde, Pius X., das gegenwärtige Oberhaupt der katholischen Kirche, sei der erste und bis­her einzige Papst, der dem Rauchen zugetan sei, und sich hin und wieder gern den Genuß einer einfachen und kräftigen Zigarre erlaube. Es wurde dabei erwähnt, daß die Vorgänger des heiligen Vaters wohl zum Teil sehr starke Schnupfer gewesen seien, keiner von ihnen aber den Tabak in Zigarrenform genossen habe. Das ist, wie uns geschrieben wird, nicht ganz richtig. Pius IX., der dreißig Jahre lang auf dem Stuhle Petri saß, war ebensowenig wie Pius X. ein Verächter eines guten und aromatischen KrauteS. Er legte, wenn er Besuche empfing, die ihm besonders nahe standen, die Zigarre selbst nicht bei der Erteilung von Audienzen weg, bat dann aber wohl mit der ihm eigenen weltmännischen Liebenswürdigkeit dafür um Entschuldigung. Sehr bezeichnend in dieser Hinsicht ist eine Anekdote, die fälschlicherweise später auf andere zngeschuittcn worden ist. Papst Pius IX. nahm einst dm Besuch eines ihm befreundeten italienischen Grafen entgegen, und bat ihn nicht nur mit ein paar höflichen Worten um die Erlaubnis, weiter zu rauchen, sondern fragte ihn auch, ob er ihm wohl selbst eine Zigarre anbieteu dürfe. Der Graf gab die gutgemeinte, aber in der Form ziemlich verunglückte Antwort:Heiligkeit, Rauchen ist das einzige Lasier, das ich Nicht besitze." Worauf der Papst ihm sehr schlagfertig und ein wenig gereizt erwiderte:Wenn Rauchen ein Laster wäre, würdm Sie es längst haben."

LitsVKkrschss.

Zur Erinnerung an den 2. Februar, den Ver m a h l - ungstag des Großherzogs Ernst Ludwig mit der Prin- zessin Eleonore zu Solms, Hohensolms-Lich dürfte eine soeben im Verlage des Polytechnischen Instituts in Friedberg erschienene Votivtafel von Interesse sein. Das großherzogliche Paar, von Darstellungen der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit flankiert, wird mtf diesem 60.80 Zentimeter großen Lichtdruckblatt mit Parträtähnlichkeit Wiedergegeben, während das gesamte Volk, her­unter zahlreiche Andeu.tu.ngen an die engere, hessische Heimat, seinem Herrscherpaare huldigt. Die Zeichnung ist eine an Ideen reiche Arbeit des Architekten Robert Schmid in Friedberg; sie ist geschaffen um an der Wand jedes' bürgerlichen Hauses eine ein­fache und geschmackvolle Zierde zu bilden und kann daher für Festgeschenke und dergleichen nur empfohlen werden.

Die Balten und ihre Verfolger.

Von E r u st v. W i l d e n b r u ch.

Ernst v. Wildenbruch hat zu dem gugunften der notleidenden Deutschen Rußlands herausgegebenen Buche, das unter dem Titel Tie deutschen Balten" demnächst im Verlage von I. F. Lehmann in München erscheint, nachstehendes prächtige Gedicht als Beitrag geliefert. Ta das kleine Prachlwerk auch wertvolle Beiträge von

IPros. Ad. Harnack, Geheimerat v. Bergmann, Prof. Schiemann lind anderen hervorragenden Balten enthält, künstlerisch vorzüglich ausgestattet ist und in der Volksausgabe nur 1 Mk. kostet (die Prachtausgabe kostet gebunden 4 Mk.), dürste sein Absatz ein ganz außerordentlich großer werden. Das Gedicht, das als Einführung dient, hat folgenden Wortlaut:

Und es kam herauf aus dem Schoße der Zeil Eines finsteren Tages finsterste Stunde;

Aus den Tieien der Menschheit kam ein Gehettl: Richtet den Adelsmenschen zugrunde!

Er ist der Sonne näher als wir, Mit dem Himmel spricht er und mit den Sternen; Von der Himmelswarte reißt ihn herab!

Laßt das Gespräch ihn mit Göttern verlernen!

Er sagte zu uns:Meine Sprache ist reich, Kommt her, meine Sprache, wir wollen sie teilen l Er sagte zu uns:Ihr seid arm unb wund, Kommt her, eure Wunden, ich will sie heilen!"

Und er gab uns Heilung, er gab uns 83rot, Er wies uns Wege, zum Lichte zu wandern, Fluch ihm dafür wir erfuhren durch ihn, Daß Menschen anders sind als die andern.

Tas ivollen wir nicht, und es soll nicht sein, Denn die Menschheit ist eine einzige Masse; Den Adelsmeuscheii, der mehr sein will, Reißt ihn herab in den Kot der Gasse." Und sie griffen zur Stange, sie schliffen das Beil, Sie suchten den Deiltschen, wo sie ihn fänden, Sn brechen sein Harrs, zu erwürgen sein Gut, Seine Kinder zu töten, sein Weib zu schänden.

Da wurde das Land, das des Deutschen Hand Snm Garten erschuf, eine Wüste voll Grausen, Da wurde die Stadt, wo die Sitte gewohnt, Eine Stätte, wo brüllende Rotten hausen.

Sie strichen das Blut aus Bart und Haar: Der Deutsche ist tot und kommt nicht wieder." Und als die Mörder gesprochen so, Da kam ein Lachen vom Himmel hernieder:

Ihr Toren und Narren, die ihr wähnt, Ihr könntet den Geist mit der Faust vertreiben, Wie die Sonne über der Erde bleibt, Wird der Deutsche über euch sein und bleiben.

Ihr Toren und Narren, die ihr wähnt, Ein ruchloser Tag könne enden und wenden, Was ein herrliches Volk jahrhundertelang Mit dem Herzen erschuf, mit Kops und Händen.

Es wird kommen der Tag, und mit dem Tag Zu feinem Land wird der Denische kommen Und wieder sich nehmen mit zürnender Hand, Was ranbende Hände ihm heute genommen.

Wenn Recht der Menschheit dann wiederkehrt Und neue Frucht der zerlretenen Erde, Dann werdet ihr steh'n mit hängendem Haupt, Eine schuldbewußte, zitternde Herde.

Nicht mehr des Verführers hetzender Schrei, Euer Herz wird schreien zu eueren Obren: Wir stießen den großen Menschen hinaus, Wir haben uns selber,-uns selber verloren!"

Dann werdet ihr sprechen:Der wars und der. Nimm Rache an unserem verwirkten Leben" Und die große Rache des Großen wird sein, Betörten Toren stumm zu vergeben.

Citaterrrätsel.

Nachdruck verboten.

Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, fo daß sich ein neues Citat crgiebt:

1. Was mir ein Augenblick genommen, Das bringt kein Frühling mir zurück.

2. Jeder freut sich seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz.

3. Es gibt Dinge zwischen Himmel unb Erbe.. *

4. Wenn bte Rose selbst sich schinückt, Schmückt sie auch den Garlen.

5. Wer früh erwirbt, lernt früh den hohen Wert Der holden Güter dieses Lebens schätzen.

6. Mancher wähnt sich frei ......

7. Schade, daß ich ihn nicht küffen kann, Denn ich bin selbst dieser brave Mann. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Das einige Rom.

Redaktion: Ernst Heß..Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schrn UntversitLts-Buch»und Steinbruckerei, R. Lange, GteßM, .