ein ander greifen wie Lei den zahllos«! Teilen eurer einzigen riesigen Maschine. Und tote menschliche Intelligenz die Maschine bewegt, so war auch hier der Geist der leitende Faktor, bi«- dem Wahren, Edlen und Schönen eur hohes Haus baute.
Anfänglich war es ziemlich still in der Runde. Die Arbeiter, alle in ihrer Sonntagskleidung, hielten sich schuch- teril zurück und sprachen nicht viel. Hammer hatte jeden eirizelnen bewillkommnet; er hatte zweihundert Händedrucke ausgeteilt und mit vielen ein paar freundliche Worw gewechselt. Er war streng imb unnachsichtig auf oem Bauplatz;'er konnte auch heftig werden, wenn der Aerger über eine mißlungene Einzelheit in ihm aufquoil. Aber setne Gutmütigkeit und sein Herz brachen immer wieder durch. Man vergaß es ihm nicht, daß er einmal einen verunglückten Arbeiter selbst in die Charitee gebracht und die arme Frau des Mannes häufig besucht unb reichlich unterstützt hatte. Mau hatte ihn gern, und das kam auch auf diesem ^este zum Ausdruck.
Hammer begnügte sich mit einer kurzen Ansprache und trank auf das Gedeihen der Arbeit und auf das Wohl der daran Beteiligten. Nun erhob sich der älteste Polier, unk in netten Worten auf den Bauherrn zu toasten. Das klang gut; aber inan fühlte doch, der Toast war einstudiert und auf gewisse Anregungen hin ausgebracht worden. Da klopfte einer der Arbeiter an sein Glas, ein einfacher Maurer: ein starker Mann mit braunem Gesicht und einem ergrauenden Krausbart, mit gewaltigen Händen und ganz zarter Stimme, Er mußte erst schreien, um burchzudrmgeu. Dann aber wurde es aus einmal lautlo . u>>'. und alle schauten auf den plötzlich verlegen tverder.de -Mann. Doch rechts und links schnbbste man ihn und reo«e ihm zu: „Karle, nu' sprich doch" . . . „Leg' doch man los, Men- schenskind" . . . „Karle, Tu mußt uffsteh'n" . . . Und da faßte Karle Mut, richtete sich in seiner ganzen respektablen Größe auf und sagte: „Der Herr Zimmerpolier Schuurann hat auf den Herrn Baumeister Hamrner ein Hoch ausgebracht. Und alle, wo wir hier sind, haben in diesern Hoch eingestimmt und begeistert mitgeschrieen. Aber ich möchte mir erlauben, noch einmal Sie zu einem abermaligen Hoche aufzufordern, und zwar auch wieder auf eben demselbigen Herrn Baumeister Hammer, aber nicht als wie auf unserm Bauherrn, sondern als wie auf dem guten M e n s ch e n Herrn Hammer, der ein Arbeitgeber is, als wie wir einen zweiten lange wieder suchen können, und der mit seine Arbeiter fühlt, und der Mitleid mit sie hat und auch Liebe. Und aus dieser Ursache fvrd're ich die hier in diesem Kreise anwesend seienden Arbeiter aus: nehmt Eure Gläser und ruft aus: unser guter Arbeitgeber, Herr Baumeister Hammer, er lebe hoch — hoch — hoch!" . . .
Das gab uun ein dröhnendes Hoch und wollte nicht enden. Immer wieder Hub eine neue Stimme an, und die andern sielen ein, und oben am Tische umdrängte man Hammer uttb stieß mit ihm an und schüttelte ihul die Hand.
Es sind kleine Freuden tut Leben, die man auch über- größere nicht vergißt. So eine wurde Hammer zuteil. Es kamen noch Ruhm und Ehren über ihn und auch ein reiches Herzensglück; aber das Erinnern an diese Stunde, da ein schlichter Mund das Menschliche in ihm feierte, blieb wach zu allen Zeiten. —
Nach dem Bankett waren auch die Frauen und erwach!- senen Töchter der Leute geladen. In den Nebensälen fand ein Tanzfest statt, und Nun wich die Schüchternheit, und es wurde lustig. Der Sprecher von vorhin führte dem Bau- meister seine Gattin vor: sie war von erfreulicher Rundlichkeit, aber Hammer mußte mit ihr tanzen, denn es war gerade Tamenwähl, und Sb er ihre gewichtige Taille auch knapp umspannte, so gelang es ihm doch, einmal mit ihr durch den Saal zu walzen. Indes war dies nur der Anfang. Es kam jetzt eine nach der andern, Frauen und Mädchen, ansehnliche und solche, die minder schön waren, dicke und schlanke, und jede forderte Hammer zu einem Tanze auf; denn das hielten sie für Schick bei dieser Damenwahl, daß sie mit dem Bauherrn ihrer Männer und Väter tanzten. Hammer tat, was er konnte; doch auch seine Kraft erlahmte. Er war tote aus dem Wasser gezogen und fühlte setne Kniekehlen. Er mußte auch fort; um halb neun begann ein zweites Festmahl; diesmal bei Fridolin Meyer. So Nahm er sich denn die letzte vor, eines Zimmerers Töchter
chen, raste mit ihr eine Polka-Mazurka quer durch den Saal und empfahl sich sodann schnell und heimlich.
Er fuhr zunächst nach Hause, sich umzukleideu, und hörte dort zu seinem Erschrecken von Genoveva, daß Fräulein! von Sorben am Nachmittag erkrankt sei. Sie habe über Migräne und heftiges Frösteln geklagt und sich eine Droschke holen lassen, um sich daheim zu Bett zu legen.
„Migräne und Frösteln", sagte Hammer, „das deutet auf die Modekrankheit. Ich hoffe, es wird so schlimm nicht sein. Jedenfalls gehst Du morgen in aller Frühe in die Wohnung des Fräuleins, erkundigst Dich nach ihrem Befinden und sagst ihr, so sehr ich sie auch entbehrte, sie soll« sich schonen und nicht eher wieder hierherkommen, ehe sie nicht völlig gesundet sei. . . Halt — nimm ihr ein paar Rosen mit! .“. . Nein — nimm keine mit! Aber bestelle schöne Grüße von mir . . ."
Auch das Tiner bei Fridolin Meyer gehörte zur Weihe des Tages. Ter dicke Geheimrat ließ es sich nicht nehmen, auf seine Art das Richtfest zu feiern, und hatte nebelt den Mitgliedern des Aufsichtsrates, einigen hervorragend den Aktionären, den Direktoren des Prinz Ferdinand- Theaters und einem intimeren kleinen Freundeskreise auch noch ein paar Sterne erster Ordnung zu sich geladen, die hin und ivieder seine Geschäftsbahn kreuzten. Es ivar dies vor allein der erst vor kurzem ernannte neue Kultusminister, ferner der Polizeipräsident und ein Geheimrat von Elgersburg, der als Theaterzensor dem Polizeipräsidium beige-, gebe» war.
Hammer traf gerade zur rechteu Zeit ein. Tie Equipagen! rollten noch unter das hell erleuchtete Glasdach der Billa, die Pferde wieherten, die Coupetüren fchlugen auf und zu, Im sanft erwärmten Vestibül und im Treppenhaus rauschten! die Toiletten der Damen; das elektrische Licht ergoß sich über Helle Capuchons und farbige Abendmäntel. Bekannte begrüßten sich mit flüchtigem Wort. Auch ein paar Sporen klirrten; eine Uniform tauchte auf.
Int ersten Stockwerk war die ganze Zimmerflucht geöffnet. Fridolin Meyer war nicht nur sehr reich 1111b nicht nur ein großer Gourmet: er war auch ein Mann von Geschmack. In Kleinigkeiten verleugnete sich der Emporkömm- ling nicht. Er war glücklich, ein paar vornehme Namen, ein paar Exzellenzen, eine Durchlaucht und zivei Grafen bei sich zu haben; er klopfte gern in geeigneter Umgebung einem berühmten Schriftsteller oder einem großen Künstler auf die Schulter und nannte einen von der Modeströmung getragenen Schauspieler beim Vornamen. Aber er besaß doch auch eine umfassende Bildung. Er gehörte zu jenen Beneidenswerten, die ihre Zeit zu verdoppeln verstehen. Er war ein ausgezeichneter Geschäftsmann, tätig von früh bis spät; und immer behielt er noch Muße genug, sich an Unternehmungen zu beteiligen, die seinem Berufe mehr oder minder fern lagen. Auch dabei sprach häufig ein geschäftliches Interesse mit; aber nicht durchaus; es mischte sich vielfach ein ehrliches künstlerisches Empfinden hinein.
Er stand im Empfangszimmer und begrüßte die Gäste; neben ihm seine Hausdame, eine entfernte ältere Cousine, klein, schwarz, wie ausgetrocknet, mit stereotypem Lächeln aus dem zitronengelben Gesicht und der beständigen Phrase aus den Lippen: „Es ist mir eine besondere Freude" . . , Sie hatte etwas Automatisches. Mer sie repräsentierte trotzdem. Sie war Inhaberin der Roten Kreuz-Medaille, die an ihrer rechten Schulter schaukelte.
(Fortset.ung folgt.)
Eine Mspferdzagd auf dun Mam'r.*)
Von Marinestabsarzt a. D. Dr. L. Sander.
Seit Wochen lagen wir vor Zanzibar, wohin wir unseren ersten Generalkonsul, den bekannten Afrikareisenden Gerhard Rohlfs, gebracht hatten. Heiß brütete die Sonne über den Wassern, und das Land lag in flimmernder Fata! morgana, sodaß wir täglich das fernab liegende Festland, das Ziel unserer sehnlichsten Wünsche, in trügerische Nähe gerückt sahen. Plötzlich schellte die Glocke, und der Läufer des Kommondanten trat in die Stube:
„Herr Doktor möchten zum Kommandanten kommens „Herr Kapitän befehlen?"
*) Wir entnehmen diesen Aufsatz mit Erlaubnis des Verlages dem 4. Bande der bei Wilhelm Weicher in Leipzig erscheinenden Deutschen Marine- und Kolonialbibliothek „Auf weiter Fahrt . (BWer ^schienen 4 «ich illustrierte Bände zu je 4,50 Ms. geb.)


