Ausgabe 
13.10.1906
 
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Krater als gewöhnlich entsteht. Zur Würdigung dieser Tatsache müssen wir jedoch weiter ausholen.

Es ist ja bekannt, daß die positive Kohle doppelt so schnell verbrennt, wie die negative. Um daher ein gleich­mäßiges Nachschieben der Stäbe zu ermöglichen, pflegt man für die positive Kohle einen doppelt so großen Querschnitt AN nehmen. Ferner ist auch bekannt, daß an der positiven Kohle sich eine Vertiefung, der sog. Krater, ausbildet, der natürlich besonders hell strahlt, sein Licht aber nur unter einem ganz bestimmten Oeffnungskegel aussendet, gewöhn­lich etwa 110 Grad; d. h. einfacher gesagt, der Krater strahlt vornehmlich nur nach einer Seite. Man Pflegt daher die positive Kohle nach oben zu nehmen, um das Licht des Kraters nach unten zit erhalten, wenn es sich um die Beleuchtung von Straßen, Plätzen, Schaufenstern handelt. Sollen dagegen Zeichensäle, Arbeitsräume usw. erhellt wer­den, nimmt man die positive Kohle unten. Der Krater strahlt dann sein Licht nach oben an die Decke, von !vo es diffus zerstreut, also für das Auge viel angenehmer, wieder yerunterkomint. Man sieht aus diesen Beispielen, daß man die Lampen in einer gewissen Höhe aufhängen muß, sollen sie nicht gerade unter sich, sondern auch noch seitwärts einen beträchtlichen Teil des Raumes erleuchten.

Wird nun, wie bei der Rcginalampe, der Krater sehr klein, so strahlt er auch seitlich ziemlich viel Licht aus; das von ihm ausgesandte Strahlenbündel verbreitet sich, und die Lampe kann viel niedriger aufgehängt werden, was natürlich wieder zur Vergrößerung der Helligkeit bei­trägt.

Infolge aller dieser Eigenschaften brennt die Regina- lampe recht ökonomisch. Sie verbraucht nur 1,075 Watt Pro Normalkerze, gegen. 1,75 Watt bei gewöhnlichen Bogen­lampen. Endlich kann sie auch an höhere Spannungen wie diese angeschlossen werden.

Alle diese Vorteile gehen natürlich verloren, sowie Luft von Zimmertemperatur in das Glasgefäß um die Spitzen eindringen kann. Felix Jentzsch.

Die Zigarette Ser Hose.

Die Zeiten wandeln sich und die Menschen mit ihnen. Am Hofe der alten Königin Viktoria von England war das Rauchen in jeder Form auf das strengste verpönt. Das mußte der bekannte und verwöhnte Porträtmaler der eleganten Welt, Heinrich von Angeli eines Tages, da er der Gast der Königin in Windsvr war und sich nach der Tafel, sorglos, wie nun einmal die Künstler sind,Jemen Tobak" anzündete, in unliebsamer Weise erfahren. Die Königin ließ ihn durch einen Kammerherrn ersuchen, wie man auf gut Deutsch sagt, dasLokal zu verlassen". Seitdem hat das Rauchen längst Hoffähigkeit erlangt. Die meisten Mon­archen Europas sind leidenschaftliche Raucher. Davon ist schon oft erzählt worden. Man weiß, daß Kaiser Wilhelm II. sich eine besondere Sorte von Zigaretten Herstellen läßt, deren einzelnes Stück 15 Pfennige kostet, und datz midj eigene Zigarren der her­vorragendsten Qualität für ihn angesertigt werden. Man weiß, daß König Edward VII. von England sich tagsüber nicht fünf Minuten lang von seiner gewohnten schweren Import trennt, und daß Kaiser Franz Josef von Oesterreich ein leidenschaftlicher Freund einer guten, kunstfertig in Brand gesetzten Virginia ist. Aber es ist gewiß weniger bekannt, daß auch die Herrscherfrauen mehr und mehr Geschmack am Nikotin finden. Das kam jüngst zutage, als die Polizei in London einen Zigarettenhändler auf- sorderte, nachzuweisen, mit welcher Berechtigung er sich Hoflieferant der Königin-Witwe von Italien nenne. Der Fabrikant holte seine Bucher herbei und sie bezeugten, daß er tatsächlich die Ehre habe, den Bedarf an Zigaretten der Königin Margherita, der Mutter Viktor Emanuels III., zu decken, und zwar, der Zahl nach zu urteilen, einen recht erheblichen Bedarf. Die Witive des Königs Humbert gehört zu den sogenanntenKettenrauchern", die ecne erlöschende Zigarette erst weglegen, nachdem sie eilte fcifttje angezündet haben. So tut es auch die Kaiserin-Mütter von Rußland, Maria Feodorowna, bereit Zigaretten stark parfü- sthert und mit der Hand gerollt werden. Die Königin-Witwe Marie Christine von Spanien, einfach und streng in ihrer sonstigen Lebensweise, ist doch eine leidenschaftliche Liebhaberin der Zi­garette, verschmäht aber, das scharfe hispanische Kraut zu Gun­sten des türkischen. Sie begegnet sich in dieser Neigung mit

.,err* , des Nachbarreiches Spaniens, der schönen und stattlichen Königin Marie-AmÄie von Portugal, der die Zigarette lreue Begleiterin ist. Und selbst Carmen ^8^"' Rumäniens feinsinnige Königin, liebt es, sich in den bläu- ttctien Dunst der Zigarette zu hüllen, wenn sie am Schreibtische sitzt und schwärmt und dichtet.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Br

Vermischtes,

* Fritz Friedmann. Der berühmte Strafrechts-Anwalt, der hinreißend beredte Verteidiger Fritz Friedmann, dessen Ein- komnten in seiner Glanzzeit jährlich nach dem Urteil seines Substituten, Assessor L., 400 000 Mark, betrug, macht wieder von sich reden. Der geniale, seinem tollen Leben dereinst zum Opfer gefallene Berliner Anivalt, der selbst auf der Anklage- bank Platz nehmen mußte, als seines Glückes Stern im Erlöschen war, wird in den Annoncen einesInternationalen Advokaten- bureau's Hasselot für Rechts-, Handels- und Patentsachen" als Leiter der deutschen Abteilung jenes Pariser Instituts genannt. Zu wünschen wäre es, daß diese Stellung dem ruhelosen Unglück­lichen, den sein Genie und seine geniale Zügellosigkeit die Dornen­laufbahn des Landflüchtigen führte, den Hafen gewährt, in dem das Hasten seines Lebens vor Anker gehen kann. War doch mit dem Sinken seines Glückssternes ein fast völliges Erlöschen seines Augenlichtes verbunden! ---er.

* Zur Geschichte der H e i r a t s g e s u ch e. Heirats­gesuche auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Zeitungs­anzeige sind in unseren Tagen zu einem gewissen Bedürfnis ge­worden und erfreuen sich der geheimen Begünstigung aller zu­künftigen^ Schwiegermütter und der Väter von mehr als sechs bis sieben Töchtern. Selbst Jungfrauen von angenehmem Aeußercn und Witwen mit und ohne Kinder benutzen heute dieses Mittel bei der Jagd um den Ehering. Daß die Männerwelt sich dieser Vermittelung in ausgedehntem Maße bedient, darf als allge­mein bekannt angenommen werden. Solche Heirntsgesuche durch die Zeitung sind aber schon alt; jedenfalls bediente man sich schon vor mehr a ls 120 Jahren der Zeitungen zur Heirats- vermittelmig. In einer Hamburger Zeitung vom Jahre 1783 fand ich folgendes Inserat :Es wird dem Pnblieo hiermit bekannt gemacht, und vorzüglich den sämtlichen Amtsrichtern, daß der Amtsrichter F. I. Lambrech, zum Amte Trittau, unweit Ham­burg, wegen Schwäche seines Körpers, sich mit seiner Frau zur zur Ruhe begeben will, und seine leibliche Tochter, seinen Amts- richterdienst, nebst Land und Wiesen, an ein tüchtiges Subjekt, welches feine Tochter heiratet, zu übertragen geneigt ist. Lieb­haber können sich dieserhalb, um fernere Conditiones einzuholen, beim Amtsrichter Hennings adressieren. Hamburg, 3. Sep­tember 1783."

* Weise Mahnung. Direktor (die Abschiedsrede an die Abiturienten schließend): ,^Da Sie jetzt hinaus in das akademische Leben treten, Jo hüten eie sich vor allen Sausgesellschaften; SSiertrinfcn macht dumm, denken Sie an midj!"

Für die Hausfrau.

; Soeben erschien im Verlag von W. Barnbeck in Kassel ein Kochbnch für vegetarische Küche von Anna Barn­beck. Diese Sammlung von nahezu 300 Anweisungen wird von mancher Hausfrau zumal in diesen Tagen der Teuerung als willkommenes Nächschlagebuch begrüßt werden. Einen besonderen Vorzug bietet das Werkchen dadurch, daß die Kochanweisungen in einer Form gegeben sind, welche für jedermann als leicht und schnell verständlich bezeichnet werden müssen. Alle schwie­rigen Zusammensetzungen, alle Speisen, welche sich vermöge ihrer Art nur in größeren Küchen unter Mitwirkung zahlreicher Hilfs­kräfte wirklich zweckentsprechend Herstellen lassen, sind unberück­sichtigt geblieben. Dagegen ist alles aufgenommen, was unter der Bezeichnungkräftige H a u s m a n n s k o st", sowohl ein­facher wie feinerer Art, mit gutem Recht geführt werden kann. Insbesondere ist Wert darauf gelegt, die Anweisungen so zn geben, daß diese nicht nur leicht, sondern auch aus denkbar billigste Art auszuführen sind. Außerdem bieten sie Er­leichterung beim lieber gang von der gemischten zur Pflanzenkost.. Zu diesem Zweck sind eilte Anzahl Speisezettel für Sommer und Winter angehängt. Der Preis des Kochbuches ist 1.20 Mark.

Ergäuzuugsrätsel« Nachdruck verboten.

P . ob .. g . e. t e . . io . i, d .. i. n ..

S .. h d .. M .. n b ,. ä . r . n .. ß: B.. d .. . r . ei. r .. h . B .. i. n .., B .. in G .. i. ß .. r.. h . r S . h .. ß.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Zahlenquadrats in voriger Nummer:

15 |134 338(245

245(338 134,15

134] 15 245(338

338(245 15 [134

'schen Universttäts-Bnch- und Steindrnckeret. R. Lange, Dieb«.