Ausgabe 
13.10.1906
 
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Die Vornamen, die Kosenamen, die Spitznamen/

Eine Plauderei von Panl A. Kirsi ein.

In einer alten, längst verschollenen Berliner Posse lief, einmal ein Mann umher, der ein geheimnisvolles Leiden trug. Niemand wusste, was es eigentlich war. Fragte man ihn, so schüttelte er melancholisch den Kopf und sagte:Eigentlich ist's nichts, und eigentlich wieder ist es alles. Aber helfen kann mir kein Mensch!" Mit dieser rätselhaften Antwort machte er seine ganze Umgebung rebellisch, denn sonst war er kerngesund, war heiter und guter Dinge, war sehr wohlhabend, und hatte der Dichter der Posse hob es ganz besonders hervor auch absolut nichts zn tun. Nur die einzige Sache war ihm störend für sein ganzes Leben. Aber erst, als man ihn eines Mordes beschuldigte, kam er mit der Erklärung heraus.Ich kranke an meinem Namen", sagte er voll Trauer.Ich heiße Amadeus; jeder sagt: Aha, wie Mozart! . . . und ich bin so unmusikalisch, daß ich ein Kindergebrüll nicht von einem Glockengeläute unterscheiden kann."

Ist das an und für sich auch ein wenig übertrieben, so wird doch kein vernünftiger Mensch in Abrede stellen, daß mit der Namengebung ein erheblicher Mißbrauch getrieben wird, und die wenigsten Menschen dabei bedenken, daß so ein Name nicht, wie ein Hemd alle Jahre gewechselt werden kann, sondern fürs ganze Leben hasten bleibt. Der Hauptgrund für diese na sagen wir gelinde: Unbedachtsamkeit liegt fteilich in der Eitelkeit der Eltern und Verwandten. Hat sich so ein kleines Wurm mit Aufbietung seiner ganzen Kraft zum Leben durchgerungen, dann soll es auch einen ganz außergewöhnlich schönen Namen er­halten, ganz gleich, ob der zu feinem Wesen, zu feiner Stellung ober zu seinem Berufe paßt. Daher kommt es denn, daß plötzlich eine Waschfrau Jolanthe heißt und ein Müllkutscher Waldemar, das; ein Siegfried mit krummen Beinen durchs Dasein wallt und eine Agathe, zu deutsch dieGute", von 60 Jahren 44 wegen der bösesten Dinge int Zuchthaus sitzt.

Manche Eltern müssen sreilich auch ihren Geist und ihren Witz bei der Namengebung spielen lassen. So heißt plötzlich fo'n Mädel Ursula Ulrich, nur weil die Eltern die Initialen 11 U" so furchtbar entzückend finden. Oder Johannes Johannes, Iveil man sich dabei so angenehm die Zunge zerbricht. Es. kommt ihtten eben weniger daraus an, einen passenden Namen zu finden, als einen originellen, weil der besser behalten wird. Das ist manchmal recht gut, namentlich wenn aus dem Kinde mal ein Künstler wird, meist aber gibt es nur zu Neckereien Anlaß, die gerade einem Kinde nicht besonders angenehm sind.

Die Zuerteilung der Vornamen wird in anderer Hinsicht wieder sehr von den Namen der Welt- und Ta g es b erühm check en beeinflußt. Nie entstanden z. B. mehr Wilhelm, Friedrich, Otto und Hellmuth, als nach dem Kriege 70/71. Nach der Geburt des zweiten Kaifersohnes wurdeEitel" modern, nach Haupt­manns literarischen ErfolgenGerhard" und jetzt nach der Vermählung des Kronprinzen ist es Cäcilie. Diese Neigung ist ja im gewissen Sinne zu begreifen, aber sie führt andererseits' auch wieder zu jener Unbedachtheit, die einmal später im Leben nicht angenehm wirkt. Unwillkürlich muß man gerade bei dem Namen Cäcilie jenes Witzboldes gebenfeit, der da meinte: Alles im Leben ist zn verstehen, nur wie eine Mutter, die mit der Zunge anstößt, ihre einzige TochterCäcilie" nennen kann, ist nicht zu verstehen.

Es ist ganz klar, daß sich aus diesengesuchten" Vor­namen die größere Fülle derKosenamen" ergibt. Meist stam­men sie ja noch ans der Zeit, wo das Kind tastend nach seinen ersten Lauten sucht, und deshalb auch seinen eigenen Namen verdreht. Begeistert wiederholt der Kreis der Erwachsenen dies ^stammel, und so hört man zu seinem größten Erstaunen dann große Menschen noch Lule statt Ludwig, Matsch statt Maria, Neene statt Helene, Tutt statt Kurt usw. usw. neunen, und so un­angenehm es auch, manchem bei ruhiger Ueberlegung Hirt gen mag,die Gewohnheit hat es ihm zu einer leichten Sache gemacht"! Ihm und seinen Leidensgefährten ebenfalls.

Freilich mancher kriegt auch seinen Kosenamen, der ihn wie ein Schatten durchs Leben begleitet, schon vorher, und zwar ans eigener Machtvollkommenheit der Eltern. Jedes Kind ist natürlich einBaby"; manches aber bleibt es auch, wenn es längst schon verheiratet ist, und selber so etwas hat, was man im Ueberschwang der Gefühle nicht anders bezeichnen kann. Aber damit ist die Rubrik, noch lange nicht erschöpft. Die

-r £Iftn&et nicht nur Kosenamen, sie verdreht auch die ge- wohnltchen und hangt ihnen Endungen an, die das Aussehen der Namen völlig verändern. Liegt ein Mädelmittig" in semen Kissen, muß es unweigerlichNutte" heißen. Ist es sauber und zierlich, sozusagen wie ans dem Laden, wird esPuppe" genannt, und so noch weiterFratz, Schnupps, Kleinchen, Deibel, Hundevieh usw." Und dann Maxel, Friedelchen, Pauleken, Jörgl und tausend andere Variationen. Nur so konnte es kommen, daß eine Mutter ihre drei Kuder einmal vorstellte: Das ist Theresl (der Esel), das ist der Andresl (der andr' Esel) und das ist .Agnesl (Äch'n Esel).

Von, hier bis zu den richtigen Spitznamen ist's nicht gar zu weit. Sie aber , entspringen gewiß nicht der Liebe und Zärtlich- reit. Die Bosheit gab sie ein, und oft sind sie so wunderbar ge­

prägt, daß man den Aufwand von Scharfsinn für eine besserte Sache wünschte. Auch sie entstammen oft schon den Kinderjahren, und es ist bezeichnend, daß sie dort ganz sicher den Charakter festlegen. Wer wüßte nicht, was für schöne Eigenschaften hinter Bock", hinterSchmierfink", hinterPrinzessin" usw. zu suchen sind? Daß das Leben die Reihe der Spitznamen erweitert, ist klar. Fast so klar wie der Umstand, daß schließlich die meisten nicht mehr zu ihrem Träger passen wollen. Ganz sicher aber würden sie stark von der Bildfläche verschwinden, wenn die Eltern bei der Taufe mehr auf den Charakter und namentlich auf den Kreis, auf die Lebensstnfe Rücksicht nehmen wollten, in der ein Mensch anscheinend heranwachsen wird. Wenn sie sich bei der Namensgebung einer größeren Einfachheit befleißigten und auch die phonetische Wirkung beachteten. Ist doch oft schon der Familienname so, daß er zu mancherlei Aergernis Anlaß gibt. Erst kürzlich kam ein Herr aufs Polizeipräsidium und bat, seinen Namen ändern zu dürfen.Wie heißen Sie denn?" fragte der Beamte.Wilhelm Zieh".Na hören Sie, der Name ist doch recht hübsch!"Gewiß, gewiß. Aber sehen Sie, ich habe ein großes Geschäft. Alle Augenblicke werde ich ans Telephon gerufen, und wenn ich mich dann melde:Hier Zietz!", dann sagt jeder einzige:Na, daun machen Sie doch's Fenster zu, wenn's bei Ihnen zieht!" Das ist auf die Dauer! sehr unangenehm.

AuchAnna Will" undMartha Teetz" bilden nicht gerade ein Geschenk vom Himmel. Deshalb solle man aber auch die Glücklichen, die einen schönen Familiennamen haben, nicht durch das Danaergeschenk eines ausgefallenen Vornamens für das ganze Leben schimpsieren. Denn heutzutage ist der Name wirklich nicht mehrSchall und Rauch". Er empfiehlt oft einen ganzen. Menschen. ___________

BelenchtungstechniL.

Dauerbrand-, Iandus- und Regina-Lamp eck.

Nachdruck verboten.

Bekanntlich rührt die Leuchtkraft unserer gewöhnlichen Bogenlampen nur zum kleinen Teil von dem zwischen den beiden Kohlenspitzen überspringenden sog. Davyschen Licht­bogen her; der weitaus größere Teil stammt von den Kohlenspitzen selbst, die infolge des Stromdurchganges glühend werden. Ihre hohe Temperatur bringt es dabei mit sich, daß die Kohlen mit großer Lebhaftigkeit ver­brennen. Dieser Vorgang erzeugt zwar einen leuchteuden Mantel glühender Kohlensäure um die Spitzen herum, bringt aber diesem kleinen Vorteil gegenüber den viel größeren Nachteil mit sich, daß die Kohlen schnell , ver­braucht werden, bei der gebräuchlichen Dicke der Stäbe ein Stück von etwa 20 Millimeter pro Stunde. Man sucht daher den Vorgang der Verbrennung einzuschränken, teils auf 'chemischem Wege, teils dadurch, daß man den Sauer-. stoff der Luft, ohne den ja bekanntlich keine Verbrennung unterhalten werden kann, möglichst entfernt.

Zuerst suchte dies die Firma Fr. Krupp dadurch zu erreichen, daß sie die Kohlen mit Natriumwolframat tränkte; es wird damit bewirkt, daß sie erst bei der Temperatur! des Bogens selbst, d. h. bei 2......3000 Grad, verbrennen, nicht

mehr, wie früher, schon bei Weißglut.

Dies ist zwar schon ein bedeutender Fortschritt, insofern die Stäbe jetzt nur direkt an der Spitze selbst verbrennen, nicht mehr schon .in einigen Zentimetern Abstand, eine wirksame Abhilfe brachten aber erst die Dauerbrand­lampen, die, wie ja schon ihr Name besagt, ein viel sparsameres Brennen ermöglichten. Ingenieur Hardtmuth brachte als erster an der oberen Kohle einen isolierenden Ring an, der den im Bogen erhitzten Sauerstoff ver­hinderte, längns der Kohlen aufsteigen und diese verbrennen zu können.

Das beste auf diesem Gebiete stellen" wohl augen­blicklich die Jandus- und Reginalampen vor, die sich nur durch geringfügige konstruktive Einzelheiten von einander unterscheiden. Der wesentliche Bestandteil beider ist ein die Kohlenspitzen umschließender Glasbehälter, sodaß diese nur durch eine oder mehrere ganz kleine Oeffnungen mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Die starke Er­hitzung im Bogen treibt nun einen sehr großen Teil der. Luft aus dem Behälter heraus, sodaß dicht an den Spitzen eine starke Verdünnung entsteht. Infolgedessen können die Kohlen natürlich fast gar nicht verbrennen. Außerdem kann man dem Bogen eine größere Länge geben, was wiederum seine Temperatur ein wenig erhöht und die Verdünnung weiter treibt.

Ein weiterer Vorteil erwächst daraus, daß trotz des längeren Lichtbogens an der positiven Kohle ein kleinerer