1806
Samstag den 13. MtoLer
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Im Banne des Keßeimnisses.
Roman von H. v. Raesfeld.
Nachdruck verboten' (Fortsetzung.)
14. Kapitel.
Downha in.
Worte können die Aufregung Lady Romseys nicht beschreiben, als sie von dem Unglück hörte, das ihrem einzigen Sohne widerfahren.
„Ich wußte es — ich Habs immer gewußt, daß ihm in der Ferne etwas zustoßen würde", schluchzte sie gegen ihren Gemahl. „O, James, warum hast du ihn gehen lassen — hier wäre er sicher gewesen!"
„Liebste Charlotte", versetzte der Graf ruhig, „sein Leben ist mir womöglieh teurer als dir; aber die Romseys müssen Männer sein, wie du weißt, und du wirst aus einem Knaben, der stets von der Mutter verhätsehelt wird, niemals einen Mann machen."
„Männer hin, Männer her; ich muß jedenfalls sofort hin", versetzte die Gräfin. „Ich wollte, ich könnte einen Extra- zug bekommen."
„Ter Erpreß wird uns schnell genug hinbringen. Hier, sieh doch, der Rektor sehreibt ja, es sei alle Gefahr vorüber."
„O, nur zu denken", schrie Mylady wieder und rang die Hände, „daß er in Gefahr geschwebt hat, und ich nichts davon gewußt habe!"
„Jeh bin neugierig, wer es wohl ist, der ihm das Leben gerettet hat?" bemerkte der Graf, um sie etwas abzulenken. „Werner Jefferies, schreibt der Rektor. Ich erinnere mich an keinen Jefferies in der Gesellschaft; du, Charlotte?"
„Ganz gleich, wer und was er ist", erwiderte sie, „er hat meinem Jungen das Leben gerettet, und ich will ihn nach Balduin am liebsten auf der Welt haben. Denke nur, was wir ihm schulden! Hätte er unseren Knaben nicht gerettet, wo wären wir jetzt?"
„Wenn wir noch heute nach Cambridge kommen wollen, Charlotte, so müssen wir sofort aufbrechen; und wenn wir dort sind, so gebe ich dir carte bl an ehe — du magst diesem Herrn Jefferies welche wunderbare Belohnung du willst gewähren." —
Obgleich Lord St. Gilbert, wie der Rektor geschrieben, außer Gefahr war, so sah er doch sehr krank aus; so krank, daß die Gräfin beunruhigt wurde und durchaus darauf bestand, daß er unverzüglich mit nach Hause genommen werden sollte.
„Du darfst es mir nickt abschlagen". sagte sie rum
Grafen. „Wenn meinem Sohne jetzt noeh etwas hier zustieße,, würde ich nie wieder na eh Hause gehen."
Lord Romsey war selbst besorgter, als er eingestehen wollte.
„Gut, gut, alles für sein Bestes; Balduin soll selbst entscheiden, was ihm am meisten zusagt."
„Ach, Vater", sagte der junge Erbe, „du mußt Werner Jefferies danken, daß ich überhaupt hier bin. Jeh bin wirk« lieh mit so knapper Rot davon gekommen, wie nur je einer. Noeh eine Minute länger im Wasser, und ich hätte euch nie wieder gesehen. Er verlor selbst fast das Leben bei dem Nersuehe, es mir zu retten."
„Es gibt nichts", sagte Lady Romsey ernst und be« wegt, „das ich nicht tun möchte, um ihm meine Dankbarkeit zu beweisen. Ist er reich, Balduin?"
Lord St. Gilbert lachte.
„Nein, weit davon entfernt; er gewann ein Stipendium,- und darum ist er hier. Wie er mir sagt, hat er sein Glück in der Welt selbst zu machen."
„Dann mag er es als gemacht betrachten", sagte Lady Romsey; und bevor sie noeh ausgesprochen, öffnete sich die Tür.
Sie befanden sieh in Lord St. Gilberts Schlafzimmer, in dessen Privatwohnung; er hatte das Bett noch nicht verlassen können.
„Ach," sagte er, „hier kommt er, Mutter, ihm verdanke ich mein Leben."
Lady Romsey wandte sieh um und sah ein Gesicht und eine Gestalt vor sich, die sie nicht wieder vergaß — Züge, so schön und so edel, daß sie ihn ganz verdutzt und verwirrt an blickte.
„Werner, komm einmal her," rief St. Gilbert vom Beite aus. „Ich habe dir oft von meiner Mutter erzählt, wie zärtlich sie mich liebt; sie wünscht dir zu danken, daß du mich vom Tode gerettet. Mutter, dies ist Werner Jefferies."
Lady Romsey streckte beide Hände aus; Tränen blinkten ihr in den Augen.
„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll," sagte sie. „Indem Sie meinem Sohne das Leben gereitet, haben Sie es aueh mir gereitet. Sie müssen mir vergeben, wenn ich mehr nicht sage, nicht sagen kann."
Und Charlotte, Gräfin Romsey, eine der stolzesten Damen Englands, schluchzte laut auf.
Werner drückte einen ehrfurchtsvollen Kuß auf ihre Hände.
„Verehrte, teure Lady," sagte er, „Sie beschämen und überwältiaen mich mit solchen Worten. Alles in allem


