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in her alle Hoffnung ersticken muß und nur der Verzweiflung Raum bleibt; das Furchtbare dieses namenlosen Jammers osfen- bart sich plötzlich in einer unvergeßlichen Vision. . . . Eme ungewisse, noch dämmernde Helligkeit ist über die Erde gebreitet, während die tiefen Täler noch ganz in Nacht liegen. In der Reede von Numea, wo die Nebel noch unheimlich brauen und das Wasser im ersten Morgenstrahl schimmert, werden dre langen Mge der Sträflinge ausgeladen und die langen Reihen gebückter Männer, die der Stadt zuströmen, erscheinen wie gespensterhafte Massen der Verfluchten. Die Straßen der noch schlafenden otabt werden von ein ein dunklen und düsteren Lärm erfüllt, von dem dumpfen Tritt der schweren Schuhe, von den heileren Kommandorusen, von Flüchen und Schreien, von dumpfem Gemurmels Und überall, in all den Strafkolonien der Insel, ist zur selben stunde das gleiche Schauspiel, der gleiche unheimliche Gespensterzug, der in Elend und Qualen hinauswankt, während sich die erwachende Natur mit Glanz und Pracht schmückt. Von ihrem elenden Strohlager aus schreien die kleinen Kanaken dem Zuge Schimpfworte und Beleidigungen nach und freuen sich mit der Grausamkeit des naiven Mcnschenherzens an der machtlosen Wut und dem unterdrückten Grimm der Sträflinge. Am Arbeitsplatz angekommen, nimmt jeder die Arbeit da wieder auf, wo er sie am Abend des vorigen Tages unterbrach. Nach wenigen Sekunden sind alle am Werke. Das lautloseste Stillschweigen ist ihnen zur strengsten Pflicht gemacht. Im Falle der unver- ineidlichen Verständigung, wenn cs sich z. B. darum handelt, Befehle weiter zu geben, ist den Verurteilten streng anbefohlen, nur mit leiser Stimme zu sprechen. Um die Arbeitsstelle herum patrouillieren die bewaffneten Wächter und beaufsichtigen und leiten die Arbeit. Bei dem geringsten Widerspruch, bei dem leisesten Ermatten in der Arbeit verhängen sie über die Armen schwere Strafen, deren gelindeste eintägige Zellenhaft bei trocken Brot ist und d-ie bis zu einer Einsperrung von 60 Tagen int dunkeln Kerker gesteigert werden kann. Unwillkürlich denkt man bei dem furchtbaren Anblick dieser halbnackten Unglücklichen, die von Schweiß triefen und zu ununterbrochener schwerer Arbeit unter dem Feuerregen einer glühenden Sonne gezwungen sind, au ihre Genossen, die gleiche oder ähnliche Verbrechen verübt haben und nun in den Zuchthäusern Frankreichs untergebracht sind. Wahrlich, ein gewaltiger Unterschied der Bestrafung bei gleicher Schuld! Und dabei wagen sich die Zuchthäusler noch zu beklagen, daß sie, geschützt vor der Hitze des Sommers und den Unbilden des Winters, in hygienisch auf das Beste eingerichteten Räumen ihre Tage verbringen müssen, mit geringer Arbeit beschäftigt! Wenn sie nur wüßten, wie gut sie es haben! Sie würden nicht mehr die beneiben, die „in der freien Luft arbeiten und die Sonne sehen", wenn sie geblendet von dem Flimmern des Meeres, ausgedörrt von der Tropenglut, von einem Heer von Insekten zerstocheil und benagt unter schweren Lasten zusammcnbrechen würden, wenn sie den ganzen Tag hindurch bei einer Temperatur von wenigstens 40 Grad in den Steinbrüchen arbeiten müßten."
— Wir leben in einer Zeit, deren Merkmal es ist, daß sie mit ganz besonderer Jntensivität nach einer vertierteren Kultur und deren Verallgemeinerung strebt. Und der offenen Fragen dabei sind viele. Wir haben Aufsätze- und ganze Zeitschriften, die sich mit der Kultur der Persönlichkeit wie der Wohnung, der Kleidung des Körpers, der Schule, des Theaters usw., befassen. Kein Gebiet, über das dieser Zug unserer Zeit nicht ein Licht und eine Anregung würfe. Gleichen Zwecken dient eine unlängst neu ins Leben getretene Monatsschrift, die den Namen „Kultur der Familie" trägt. Herausgeber ist der als Publizist kultureller, sozialer und ästhetischer Artikel bekannte Schriftsteller Dr. Heinrich Pudor in Steglitz bei Berlin, und Ziel und Zweck des neuen Unternehmens ist, laut Untertitel, die Pflege der wirtschaftlichen, sozialen, geistigen und künstlerischen Interessen der Familie. Es berührt unendlich sympathisch, einmal einem Unternehmen zu begegnen, das sich die Familie zum Mittelpunkt wählt. Man bekommt so vieles heutzutage in die Hand, Gutes und Wohlgemeintes und Förderndes, wo diese Institution vollständig jenen Hemmungen zugerechnet wird, die überwunden werden müssen. Und warum? Damit das Jndivi- duuni sich freier und reicher entfalten könne. Es liegt unstreitig eine Wahrheit in dieser Behauptung, es ist nur schade, daß dieselbe mit so fanatischer Einseitigkeit immer und immer wieder betont und damit ins Ungeheuerliche vergrößert und vergröbert wird. Indirekt sollten alle Persönlichkeitsbestrebungen der Familie dienen, denn sie ist es, aus der sich immer wieder das zukünftige Leben erneuert.
— Der ®un(lmart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste. Herausgeber Ferdinand Ävenarius. Verlag von Georg D. W. Callwey in München. (Vierteljährlich 3.50 Mark, das einzelne Heft 70 Pf.) — Wenn sich jemals die Bedeutung einer Zeitschrift mit ihrem Namen, ihr Walten und Erreichen mit ihrem Programm gedeckt hat, so ist dies in geradezu idealer Weise beim „Kunstwart" der Fall. Diese „Halbrnonat- schau übet Dichtung, Theater, Musik, bildende und angewandte
Künste" ist nachgerade zum getreuen Eckart des artistischen Geisteslebens ihrer deutschen Nation geworden. Im besten Sinne modern, nämlich nicht Moden huldigend oder solche schaffend, sondern Leben und Kunst verbindend und durcheinander befruchtend, so streut das Blatt, ein Säemann der Kultur, reichste Anregungen in Fülle aus auf allen Gebieten, die sich ästhetisch adeln, vertiefen, durchsetzen lassen. In bedeutenden Aufsätzen verkündet die Zeitschrift ihr Credo und illustriert es durch Proben ans den Werken bester Dichter, Tonsetzer und bildender Künstler, die ebenso erquickend wie bildend, erzieherisch wie propagatorisch wirken. — Inhalt des ersten Augustheftes: Die Grundsätze der modernen Denkmalpflege. Von Konrad Lange. — Heinrich Steinhaufen. Vom Herausgeber. — Franz Liszt. Von Georg Göhler. — Die Dresdner Kunstgewerbeausstellung. Von Fritz Schumacher. — Lose Blätter: Aus Heinrich Steinhanseus Schriften. — Rundschau: Der Arbeiter Fischer ist gestorben. Max von Eyth. Ein Handbuch zur Geschichte der deutschen Literatur. Vom Dilettanten. Was sagt uns das Liszt-Museum? Münchner Musik. Schumanns Geisteskrankheit. Die deutsche Kunstausstellung zu Köln. Symmetrie und Gleichgewicht. Was wird aus Zous? Der Stadtwald. Nachschlagebücher. Der Türmer. — Bllder- beilagen: Ernst Liebermann, Jungbrunnen; Wilhelm Trübner, Alte Frau; Durchblick in einen Friedhof; Wilhelm Leibi, Männliches Bildnis. — Notenbeilagen: Franz Liszt, Andante mt§ der Bergsymphonie; Freudvoll und leidvoll.
— Rudolf Pinner: Was ihm das Leben gab. Roman. Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, Hermann Ehbock in Berlin IV. 50. Geh. Wik. 3.—. — Viel von dem, was dem „Helden" dieser Dichtimg, dem Hans Erik Wendlandt, das Leben gab, hat sicherlich der Autor aus der Heimat Gerhart Hauptmanns wirklich erlebt, vieles mag er an anderen Menschen erschaut und in sich ausgenommen haben; manches mag erträumt sein. Sollte inan Namen suchen von solchen, zu denen er hinneigt, so waren keine Geringeren zu nennen als Jens Peter Jacobsen und Herrn. Hesse.
-Aus Robert Schumarltts „Musikalischen Haus- und Lebeusregeln"
bringt der „Türmer" (Stuttgart, Greiner & Pfeiffer) eine kleine Sammlung zum Abdruck; einige der besten seien hier roiebergegeben :
Die Bildung des Gehörs ist das Wichtigste. Bemühe dich frühzeitig, Tonart und Toil 51t erkennen. Die Glocke, die Fensterscheibe, der Kuckuck — forsche nach, welche Töne sie angeben.
Spiele im Taktei Das Spiel mancher Virtuosen ist luie der Gang eines Betrunkenen. Solche nimm dir nicht zum Muster.
*
Klimpere nieI Spiele immer frisch zu, und nie ein Stück halb. *
Bemühe dich, leichte Stücke gut und schön zu spielen; es ist besser, als schivere mittelmäßig vorzukragen.
*
Du mußt es so weit bringen, daß du eine Musik auf dem Papier verstehst. *
Spiele immer, als hörte dir ein Meister zu. *
Du sollst schlechte Kompositionen weder spielen, noch, wenn du nicht dazu gezwungen bist, sie anhören.
Arithmogriph.
Nachdruck verboten.
1 2 5 6 9 ehemalige Steuer.
2 3 ein Nahrungsmittel.
1 8 2 6 2 weiblicher Vornamen.
4 10 11 12 2 6 1 Stadt in den Rheinlanden.
5 2 3 7 2 8 Naturforscher.
2 5 2 ein Bündnis.
6 3 2 7 Nebenfluß der Saar.
Die Anfangsbuchstaben der gefundenen Wörter sollen von oben nach nuten, dagegen die Endbuchstabe» von unten nach oben gelesen, ein ans der Bibel entlehntes geflügeltes Wort ergeben.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer:
A A V
c p e
her
A c h i Ileus
Apel d 0 0 r n Ver 1 obung
e 0 u u r n s n g
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Dießen.


