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sondern auch durch eine heitere, optimistische Denkweise auszeichnete. Durch den Besitz gerade dieses letzteren Vorzugs war sie dem ver­storbenen Herrn Krupp besonders sympathisch geworden, wie er dies dem Schreiber dieser Zeilen mehrfach seinerzeit ausgesprochen hat. Er begründete seine Vorliebe sür eine Erziehung zum Optimismus damit, daß er sagte, das Leben bringe an und sür sich schon viel Häßliches und Trauriges mit sich, daß es geboten sei, jeden jungen Menschen und namentlich Mädchen vorwiegend mit den Lichtseiten des irdischen Daseins und nicht mit dessen Mängeln bekannt zu machen. Diese letzteren drängten sich tut praktischen Leben von selbst aus und brauchten nicht erst ausdrücklich hervorgehoben und geschildert zu werden. Tas waren Krupps Ansichten über die Er­ziehung seiner Töchter, und man kann sich denkeit, daß diese mtr gute Früchte getragen haben.

Frl. Bertha Krttpp ist eine blühende, madonnenhafte Erschei- nung von frischem Aussehen tmd guter Körperbildung. Daztt kommt ein außerordentlich feines wtb liebenswürdiges Wesen, das in vielen Stücken ott die genugsam bekannte Eigenart ihres verstorbenen Vaters erinnert. "Insbesondere zu erwähnen ist die Abwesenheit jeder Spur von Blasiertheit, wie sie so häufig bei den herange- ivachscnen Töchtern vornehmer Familien auszutreten pflegt. Man muß im Gegenteil hervorheben, daß sich bei beiden Kruppschen Töchtern ein kindlich harntloses Gebaren und eine Frische des Ge- mülslebcus erhalten hat, wie sie nicht allzu ost unter den äußeren Umständen vorzusinden ist, unter denen Frl. Bertha und Frl. Bar­bara Krupp ausgewachsen sind. Letztere ist im Gegensatz zu ihrer Schwester von brünettem Teint und ähnelt int ganzen der Mutter, einer geborenen Freiin von Ende, die seinerzeit eine Stellung als Erzieherin am anhaltischen Ho!e bekleidete.

Jedenfalls ist die jetzt als Braut zu begrüßende Frl. Bertha Krupp mit allen den Vorzügen ausgestattet, die ein ungetrübtes Eheglück zu verbürgen imstande sind, d. h. mit Gesundheit, Anmut, Liebenswürdigkeit und geistiger Frische.

Und da mit diesen Spenden der Natur nun auch noch eine Fülle von Glücksgütern und hoher Bildung verbunden ist, so sind in diesem Falle alle Bedingungen gegeben, um die künftige Ehe der jüngst Verlobten segensreich zu gestalten.

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Gelegentlich der Verlobung erhielt Frau Krupp sotvohl von oem Kaiser als auch von dem' Grobherzog von Baden (Herr von Bohlen und Halbach ist Badenser) überaus herzlich abgesagte Tele- gramnte. Frau Krupp hat aus Anlaß der Feier sür die alten Veteranen der Arbeit mit einem Kostenaufwand von 1 Million Mark ein Altersheim begründet.

Fürstenreisen

i» der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Wie in der guten alten Zeit bei Fürstenreisen für einen begeisterten Empfang der hohen Reisenden durch die Landeskinder behördlich gesorgt wurde, zeigt nachstehende Mitteilung eines Lesers:

Nach vorliegenden Verfügungen des Großh. Hess. Land­rats Ouvrier vom Bezirk Gießen an die Großh. Bürger­meistereien zu Groß- und Klein-Linden, die Reise Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs (Ludwigs II.) und Jh.,.r Königl. Hoheit der Großherzogin in der Provinz Oberhessen betreffend, wurden die an der Landstraße Frank­furt-Gießen gelegenen Gemeinden aufgefordert, durch nach­stehende Bekanntmachung für einen würdigen Empfang des Großherzoglichen Paares bemüht zu sein.

Die Verfügung vom 25. Juni 1830 lautet:'Es wird der hiesigen Provinz das hohe Glück zuteil werden, unser hochverehrtes Fürstenpaar in ihrer Mitte zu sehen. Den 6. Juli werden die Allerhöchsten Herrschaften von Butzbach her nach Gießen kommen, und es wird nur dieser Nachricht bedürfen, um sämtliche getreuen Untertanen mit der größten Freude zu erfüllen und die Gefühle Ihrer Liebe und Ver­ehrung bei der Ankunft des Regentenpaares auf angemessene Weise an den Tag zu legen. Man ist unterrichtet, daß den Gemeinden große Kosten verursachende Empfangs­feierlichkeiten nicht gewünscht werden, dagegen wird es an­gemessen sein, daß an den Chausseen in den Ortschaften Ehrenpforten von Laubwerk und Blumen errichtet werden.

Die Herren Ortsgeistlichen, sonstige in den Gemeinden wohnende Staatsdiener, Großh. Bürgermeister und Orts­vorstandspersonen werden sich bei den errichteten Ehren­pforten aufstellen, sowie die Schullehrer mit der gesamten Schuljugend und alle Untertanen, welche ihr geliebtes Regent-enpaar beglückwünschen wollen, mögen in den besten Sonntagskleidern erscheinen und sich anständig benehmen. Die, ganze Bevölkerung möge in der üblichen Tracht er­scheinen, die Männer in ganz weißen, reinen Kitteln, die

in Urlaub befindlichen Soldaten hüben Mtlitärkleidung an­zulegen, ordnungsmäßig in Rock, Shako, Säbel, blauen! Hosen, schwarzen Gamaschen, überhaupt in größter Pro- preto zu erscheinen, die Kriegsreservisten in ihrer bürger­lichen Kleidung, da sie keinen Säbel und Shaw mehr be­sitzen.

Wenn an den Ehrenpforten Bänder aufgehängt wdrden, dann dürfen es nur die hessischen Farben rot und weiß sein. Schießen darf schlechterdings nicht statthabeu, um die höchsten Herrschaften nicht zu erschrecken; lange Anreden mögen ebenfalls unterbleiben, das Streuen von Blumen durch Mädchen dürfte angemessen sein.

Bet der Ankunft und der Durchfahrt des Regentenpaares wird mit allen Glocken geläutet, und zur Ausbringung eines herzlichen Vivathochs wird die Untertanen ihr Gefühl treiben."

Vermischtes.

* Eine Frau als Bräutigam. Eine eigenartige, zunächst kaum glaubliche Betrugsgeschichte beschäftigte dieser Tage die Berner Gerichte. Salome Lejenne, eine 29 jährige Französin, wurde im Jahre 1902 mit einer 19 jährigen Schweizerin, namens 'Lina Pauly, bekannt und bald deren intimste Freundin. 9(ttf diese Weise erfuhr sie auch, daß Lina gern heiraten wollte. Unter dem Namen eines überaus nicht existierendenDr. Krause aus Straßburg" knüpfte die Lejeune mit ihrer Freundin eine Korrespondenz an, die zur Verlobung führte, bei der als Bräutigam Salome in Männerkleidern er­schien. Vier Jahre währte die Verlobung, und derBräuti­gam" wußte sich in den Besitz fast des ganzen Verntögens des betrogenen Mädchens zu setzen. Da schöpfte dessen Bruder Verdacht, er unternahm Schritte bei der Polizei, und der weibliche Bräutigam wurde zu 1 Monat Gefängnis, den Kosten und Ausweisung verurteilt.

* Der Mameluk Napoleons I. Bei den Hof­festlichkeiten und an sonstigen offiziellen Gelegenheiten erregt der Neger, der bei unserer Garde stolz in Reih und Glied mitmarschiert, immer wieder Aufsehen und Freude. Auch Napoleon I. hielt sich so einen Leibmameluken, den dkubier Rustau. In Egypten hatte Bonaparte den Riesen kennen gelernt. Er fand an ihm so außergewöhnliches Gefallen, daß er ihn nach Frankreich mitnahm, unterrichten und erziehen ließ. Rustan entwickelte sich bald zum treuesten Diener seines Herrn, lag oft wie ein treuer Bernhardiner im Vorzimmer ans der Wacht und folgte dem Kaiser, wohin er auch immer gehen mochte. Sein Ruhm wuchs schließlich so sehr, daß er von Interviewern förmlich über­laufen wurde, und daß derMoniteur", die offizielle Zeitung der Hauptstadt, sein Bild veröffentlichte, was da­mals noch eine ganz besondere Auszeichnung war. Als er krank wurde, brachten sämtliche Blätter offizielle Bulletins über sein Befinden. Einen sehr großen Schmerz erlitt er jedoch, als er sich sterblich in die schöne Tochter des Sergeanten Belleville verliebte. Der Papst untersagte näm­lich die Ehe, weil ein Bündnis zwischen einem Heiden und einer guten Christin nun und nimmer gestattet werden dürfte. Kurz nach dem Sturze Napoleons ist dann auch Rustan an den Folgen der Schwindsucht gestorben. Er hinterließ ein großes Vermögen. Und so außergewöhnlich beliebt war er fit seiner neuen Heimat, daß man sein Vermögen, als sein einziges Vermächtnis, ebenfalls nicht ntel)ic missen wollte. Der Staat zog es ein, angeblich, weis keine Erben vorhanden waren. Freilich nach ihnen geforscht hat man nicht.

Ergänzungsrätsel.

Nachdruck verboten.

M . . e . n . . . . r . n . t . h . e . . u

D . ., w . . e . b . . o . l . tt, . e . b . r . . u .1 Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummert Pippin Heine Ille I-inie Inn Philipp Pille» IIi Nil - Ette Niel;

Philippinen.

Untversiläts-Buck- und Steint)ruderet, R. Lange. Gießen.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'lcbcn