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Ludivig am 27. Oktober Darmstadt, um sich nach Man »heim zu begeben. , , v „
Am 30. und 31. Oktober hatte sich Napoleon bei Hanau den Durchmarsch erkämpft, ohne daß es Wrede gelingen konnte, ihn aufzuhalten. Am 1. November reiste Napoleon von Frankfurt ab, um sein Hauptquartier in Höchst am Main aufzuschlagen. Nachdem Napoleon nach dem Rhein retiriert war, zogen die Ber- biindeten am 2. November in Frankfurt ein.
Die seit dein 26. Oktober von Baron du Thil gepflogenen Verhandlungen mit Wrede wurden jetzt, da letzterer bei Hanau verwundet war, mit dem östreichischen General F res ne l fortgesetzt und führten am 2. November 1813 zum.Abschlüße der Militär-Konvention zu Dörnigheim am Main. Eingangs dieses Vertrages betont Großherzog Ludwig, „daß er es als Wohltat seiner Unterthanen gemäß erachtet habe, sich von der Rheinischen Konföderation gu trennen, um der heiligen Sache der koalliierten Allerhöchsten Mächte beizutretm."
Ter französische Gesandte Vaudeuil in Darmstadt, der, wenn auch noch nicht von bem Abschlüsse der Konvention unterrichtet, doch wohl die bevorstehenden Berhandliingen Hessens mit den Verbündeten vermuten mochte, traf am 4. November in Mannheim ein, um im Namen seines Kaisers vom Großherzoge eine bestiiumte Erklärung abzufordern, welcher Partei er sich anzu- schließeu gedenke. Vaudeuil machte Ludwig Vorwürfe über die Verabschiedung seiner Truppen, die er doch dem Kaiser zur Unterstützung nach Frankreich hätte schicken sollen. Aber alle Ueber- reduugskünste und Drohungen, die der französische Gesandte in einer zweistündigen Unterredung anwandte, um Ludwig mt Franr- reichs Sache zu binden, scheiterte an bem festen Willen des Großherzogs, der durch den Umschwung der Verhältnisse gestärkt war.
Dem Vertrage von Dörnigheim folgte nnt 23. November der Vertrag zu Frankfurt, durch den der Anschluß des Gross- Herzogs von Hessen in uodji weiteren genaueren Bestimmungen vollendet wurde. Am 5. November kehrte der großherzogliche Hof von Mannheim nach, Darmstadt zurück, und an demselben Tage machte der Staatsministcr bon Lichtenberg durch eine Pro- klaniation dem Lande den Uebertritt zu beit Alliierten bekannt.
Durch die Wiener Schlußakte von 1815 gab Hessen Westfalen, das es 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß zu Regensburg erhalten, zurück und erhielt Rheinhessen. Nunmehr führte Großherzog Ludwig den Titel: Großherzog von Hessen und h e i R h e i n.
Großherzog Ludwig I. hat sich durch eine Reihe humaner Reformen große Verdienste nm das Volkswohl erivorben. Er beglückte sein Volk 1820 durch eine Verfassung und brachte durch seine Minister du Thil und v. Hofmann am 14. Februar 1828 den Zollverein zum Abschlüsse, der den Grundstein zu einem großen einigen Deutschland legte.
Das Andenken dieses hervorragenden hessischen Fürsten ehrte die dankbare Nachwelt, indenr sie ihm 1846 in Darmstadt ein Denkmal errichtete mit der Aufschrift:
„Ludewig den: Ersten sein dankbares Volk".
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Kunst.
— Dekorative Kunst. Zeitschrift für angewandte Kunst. 9. Jahrgang, Heft 3 und 4, Dezemberheft 1905 und Januar 1906. Verlagsanstalt F. Bruckmanu AGG., München XX. Quartals- Preis 3.75 Mk. Einzelpreis des Heftes 1.50 Mk. — Von den beiden letzten großen Ausstellungen des Jahres 1905, der Darin- städter Gartenbauansstcllnng und der Berliner Fächer- Ansstellung berichtet das Dezeinberheft der bekannten Münchener Zeitschrift. Beide Ausstellungen waren ein erster Versuch und haben trotzdem einen .großen ideellen und materiellen Erfolg gehabt. In Darmstadt konnte man sich auf die Mitwirkung der dortigen Künstlerkolonie stützen, und viele vorbildliche Leistungen waren bekanntlich auf dieser ausschließlich dem Gartenbau und der Gartenkunst gewidmeten, farbenprächtigen Ausstellung vereinigt; Professor Olbrichs Färb en gärt en sind schnell berühmt geworden. Die ebenfalls reich illustrierten Aufsätze von Julius Meier-Graefe und Frau Margarete Erler über die Berliner Fächer-Ausstellung sind die erste ausführliche Publikation über diese interessante Veranstaltung, an der sich Ludwig von Hoffmann, Henry van de Velde, Emil Orlik, Constantin Somoff, Felix Aubert u. v. a. mit hervorragenden modernen Arbeiten beteiligten. Welch eine reiche Fülle vortrefflichen künstlerischen Spielzeugs in den letzten Jahren entstanden ist, davon geben die 30 Abbildungen von lustigen Spielzeug-Gruppen einen Begriff, die das reichhaltige Heft beschließen. — Ludwig Hohlwein, ein junger Münchener Architekt, der sich seit einigen Jahren auf den verschiedensten Gebieten der angewandten Künst mit schönem Erfolg betätigt, tritt in dem Januarheft zum ersten Male mit einer größeren Anzahl seiner architektonischen und kunstgewerblichen Arbeiten an die Oeffentlichkeit. Auch die eigenartige Villa, die. sich der vielgenannte belgische Symbolist Fernand Khnopff in Brüssel bauen ließ, findet hier ihre erste Würdigung. Eine Studie über amerikanische Keramik zeugt von der glänzenden Entwicklung dieses Produktionszweiges in den Bereinigten Staaten,
und eine farbig gedruckte Beilage bringt geschmackvolle Satzsbeispiele von Heinrich Wieynks neuer Kürsiv-schrist Trianvn.
Mode.
— Wie man sich für billiges Geld graziöse Kostüme anschaffen kann, das lehrt die „Große Mvdenwelt", Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 35. In diesem Modenblatt findet man zahlreiche Kostümbilder. Trotzdem bezweckt das Blatt nichts mit schönen Bildern das Auge zu bestechen, es will vor allen. Dingen ein praktisches Modenblatt sein, und nach "dieser Seite, ist die Lieferung von Extraschnitten nach! Körpermaß nutzbringend/ Außerdem dient der Schnittmusterbogen (zu jeder 14 tägigen; Nummer) demselben Zweck. Ter Modenteil, die Rubrik: „Neuestes aus Paris", ein Roman, eine illustrierte Belletristik und eine Extra-Handarbeitenbeilage, ein Modenkolorit zeugen von dem reichen Inhalt des Blattes. Abonnements auf „G roße Modenwelt" zu 1 Mk. vierteljährlich nehmen sämtliche Buch- handlnngen entgegen. Gratis-Probenummern Bet ersteren und dem Verlage John Henry Schwerin, Berlin W. 35.
Literarisches«
— Wiederholt haben wir an dieser Stelle dem in Leipzig erscheinenden Familienblatt „W eit und Haus, einer modernen deutschen Wochenschrift mit Bilderschntuck" eine empfehlende Erwähnung gewidmet. Jedes neue Heft beweist,, daß die Redaktion mit Geschick und Glück bestrebt ist, das Blatt zu einem treuen! Spiegelbilde wichtiger Zeitereignisse, der Entwicklung des zeitgenössischen öffentlichen Lebens in Bezug auf Kunst, Literatur, neue Erfindungen, Technik und Verkehrswesen zu gestalteit. Auch, Mode und Sport sind in tresflickM Artikeln und bildlichen Darstellungen vertreten, ebenso Schöpfungen alter und neuerer Kunst, namentlich Gemälde, Denkmäler und Bauwerke. Den deutschen und ausländischen Großstädten und ihrem öffentlichen; Leben werden reichillustrierte Artikel gewidmet. Besondere Aufmerksamkeit wird zumal auch auf Schilderung moderner Erzeugnisse des Kunstgewerbes, namentlich der Möbel und der Innendekoration verwandt.
Httmvrisiisches.
Und entlieh. Isidor: „Ich weiß nicht, ich kühle so einen Drang zur Kunst in mir, nur bin ich noch unentschieden, soll ich mich der Malerei oder der Wcinbranche widmen? 1"
Erkannt. Kauf m a n n, zu einem Freunde: „Wenns so fort geht, da muß ich nur iviedcr den Konkurs nnmelden l" — Freund: „Ja, will denn schon wieder eine Deiner Töchter heiraten?!" . , _.
Schla u. Ein feiner H o t e l g a st, der schon einige Tags dort wohnt, kommt einmal am Abend total bezecht ins Hotel, Der Hotelier meint zum Oberkellner: „Jean, wissen Sie denn nichts, wie man den SDinitn nüchtern machen könnte? Ich will ihn doch nicht so schlafen gehen lassen I" - „O, ja 1" meint dec Oberkellner, „vielleicht wird er recht schnell nüchtern, wenn mau ihm die Rechnung geben würde?"
Humor des Auslandes.
* Ich sage Ihnen, es ist doch etwas wahres daran, daß der Freitag ein unglücklicher Tag ist", sagte Jones mit großem Ernst. „Ich machte Fräulein Higgins an einem Freitag einen Antrag." „Aha, ich verstehe", sagte Smyth. „lind sie gab Ihnen natürlich einen Korb." „Großer Cupido, nein! Sie erhörte mich, und wir sind seit beinahe einem Jahre verheiratet t"
Mtatenrätfel.
Nachdruck verboten.
Aus jedem der folgenden Citate ist ein Wort zu nehmen, so daß sich ein neues Eitat ergiebt:
1. Das ist des Landes nicht der Brauch.
2. Der Menschen Sünden leben fort in Erz;
Ihr edles Wirken schreiben wir in Wasser.
3. Der Wille lockt die Talen nicht herbei.
4. Das hat die Freude mit dem Schmerz gemein, Daß sie die Menschen der Verminst beraubt.
5. Auf den Wellen ist Alles Welle, Auf dem Meer ist kein Eigentum.
6. Der Augeubliek nur entscheidet
lieber das Leben des Menschen und über sein ganzes Geschick.
7. Das höchste Glück hat keine Lieder.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Ergänzungsrätsels in voriger Rummer-p.
Gut ist'S, daß der Himmel immer
Dir verschiebt die Wunschgewähr, Denn beglückt, du wärst es nimmer
Und dii hofftest es nicht mehr. F. Rückert.
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Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UniversttätS-Buch- und Stetndruckerei, R. Lange, Gieße«.


