Ausgabe 
13.1.1906
 
Einzelbild herunterladen

s» 2 7

^Prinz Skrenstein"

Äh", machte Claudius und zog die Brauen hoch. Gottlob da haben wir unseren Prinzen."

Meine Wenigkeit, Justizrat Brandes und der Graf Frehlinghaus"

Ter Hofmarschall mit dem heraldischen Pipps'?"

Ja. Er hat zwar noch seine Bedenken. Er fürchtet, man wird es ihm allerhöchsten Ortes übel neunten, wenn er einem Unternehmen beitritt, das doch sozusagen eine Konkurrenz zur Hofbühne sein soll. Wer seine gnädigste Herrin, btc Prinzessin Luise, begeistert sich für die Idee großer Oratorien mit szenischem Klimbim, ©te will Rubin­steins ,Christus' aus die Bühne bringen und denkt sich auch Händels »Messias' mit Engelschören oder so etwas. Na also für uns ist der Gras von großer Wichtigkeit" (Fortsetzung folgt.)

Zum lüüjährigen Kedenktage der Erhebung Kcssen-Iurmstadts zum Kroßherzogtum. *) (14. August 1806 bis 14. August 1906.)

Einen 100 jährigen Gedenktag begeht im August unser engeres Vaterland Hessen-Darmstadt, die Erhebung der Landgrafschaft zum Großherzogtum. Mit diesem Ereignisse feiern wir zugleich die gedeihliche Entwicklung unseres tzeimatsstaates während 100 Jahre, die dank der Fürsorge trefflicher Regenten denselben auf die Höhe gebracht hat, daß er sich heute jedem modernen deutschen Staate ebenbürtig zur Seite stellen kann.

Die Erhebung zum Großherzogtum verdankt allerdings zu- näkqst Hessen-Darmstadt seiner Zugehörigkeit zum Rheinbunde. Der Anschluß an Napoleon I. war ein Akt politischer Klugheit. Auf die Vorverhandlungen, die dazu führten, soll hier näher eingegangen werden; zeigen sie doch gerade, was verdient, betont zu werden, wie Landgraf Ludwig X. in der kritischen Zeit seine Würde wahrte.

Zur Abwehr der ihnen von dem neuen stanzösischen Impe­rator, der bereits 1803 Hannover besetzt hatte, drohenden Gefahr schlossen 1805 England, Rußland, Oesterreich und Schweden die brüte Koalition. Bayern, Württemberg und Baden, die bei Er­öffnung des französischen Feldzugs gegen Oesterreich in der Opera twnsliiiie des französischen Machthabers lagen, sahen sich genötigt, 1805 in ein Bundesverhältnis zu diesem zu treten. Ein gleiches Ansinnen an den Landgrafen Ludwig X. von Hessen wurde von diesem mit der Begründung abgelehnt,daß seine Pflicht ihn an das teutsche Reich und sein Oberhaupt binde". Napoleon schien diese Rücksiüt zu achten. Die aus Hannover in Oberhessen einrückenden französischen Truppen fanden beim Durch­märsche rücksichtsvolle Aufnahme. Es war dies die Nachwirkung der humanen Behandlung, die Stadt und Universität Gießen im Revo­lutionskriege 1799 seitens des französischen Generals Bernadotte, der auch jetzt wieder das durchziehende Armeekorps kommandierte, erfahren hatte. Tie Universität Gießen, die der französische Befehlshaber in seinen besonderen Schutz genommen und mit kostbaren literarischen Werken beschenkt hatte, gab ihrem Gönner Beweise des Dankes und der Verehrung intb ernannte ihn spater zum Ehrendoktor.

Benn Heranmarsche der gesamten stanzösischen Macht unter threm Kaiser wurde die Aufforderung an Hessen zum Beitritt mit der Erklärung wiederholt daß bei fernerer Weigerung ein Okkupationsheer von 10 000 Mann ins Land gelegt würde. Zur Vermeidung von Konflikten verließ Landgraf Ludwig Darmstadt, begab sich nach Gießen, nachdem er am 2. Oktober 1805 seinen Generalachutanten von Morenville zum Kaiser nach Ett- lingen entsandt und die Unmöglichkeit seines Beitritts wegen der Rücksicht auf Preußen hatte erklären lassen. Ueber den Erfolg dieser Verhandlungen mit Napoleon läßt der Landgraf aus Gießen, den 11. Oktober 1805 an feinen Geschäftsträger in Paris biirch folgendes Schreiben*") berichten:Der Major von Moren- ville ist am 3. d. M. von seiner Stellung znrückgckehrt. Er ^ e<Yv, Keifer Napoleon zu Ettlingen im Badeuschen erreicht, ^oe. .vcaiestät würdigten ihn einer sehr ausführlichen Unter- redung, worin Sie zu beweisen suchten, daß es das wahre Interesse **t- ।Lerat Landgrafen erheische, sich eng mit Frankreich zu verbinden, und die Verhältnisse wieder herzustellen, worin sich £?* Hessen-Darmstadt ehemals gegen die Könige der dritten Dynastie befunden habe. Für jetzt begehrte der Kaiser wiederholt und dringend, die Stellung eines' Kvrps von 3000 Mann. . . Verweigere man ihm ,die 3000 Mann, so werde er zwar deswegen das Land nicht femdlich behandeln, aber dann wissen, was es,,zu tun, und woran er sick zu halten habe. Er werde sich alsdann, statt des Landgrafen, mit einem anderen deutschen n cN'^echeres:Hessenland", 1902, Nr. 10. Hessen-Darm- Mdts Abfall von Napoleon I. Von Dr. Phil. Berger.

-Tarmst. Archiv: Ministerial - Akten. Neutralität 1805. Verhandlungen und Ereignisse 1806. Rheinbund A. D. Con- polut I.

Fürsten verbinden und diesem' die Bo-rteile zuwenden, die jenem zugedacht gewesen... So sehr indessen Se. Landgräfl. Durch- laucht durch die stanzösischen Anträge Sich geschmeichelt fühlen, und so sehr Sie nach Ihrem dem Kaiser Napoleon gewidmeten Gesinnungen von Verehrung und Anhänglichkeit wünschten, Sich für diese Partei erklären zu können, so wären Sie doch durch das gegen den Berliner Hof übernommene Engagement zu sehr ge­bunden, als daß Sie Sich nicht für verpflichtet hatten halten sollen, bei diesen neueren Umständen und wiederholtem fran­zösische Ansinnen, ehe Sie darauf eine definitive Antwort er­teilten, Sich abermals ben bestimmten Rat des Königs von Preußen zu erbitten." . . .

Nach der Schlacht frei Austerlitz und dem Preßburger Frieden: war der Fortbestand tns Deutschen Reiches nur noch eine Frage der Zeit. Mit der geplanteil Errichtung eines Königsreichs West- falen znm Schutze Hollands und der Abrundung dieses neuen Staates nach Süden war der Fortbestand der Landgrafschvft Hessen-Darmstadt bedroht. Um seinen Staat zu retten, zeigte sich Landgraf Ludwig X. nach den von Gießen aus geführten m Darmstadt fortgesetzten Verhandlungen im Januar 1806 einem Bündnisse mit Frankreich geneigt. Es geschah dies wohl unter dem Eindrücke der Nachricht, daß bei dem Gouverneur zu Darm­stadt, dem General de Werneo, unter dem 5. Januar 1806 ein Schreiben*) des Oberkommandanten der französischen Armee, des Marschalls Augereau aus dem Hauptquartier zu Heidelberg ein» gelaufen sei, aus dem hervorging, daß das französische Korps Augereaus sich gegen die hessischen Staaten wenden würde. Einige Tage nachher schlug auch Augereau sein Hauptquartier in Darmstadt aus. Die Verhandlungen über den Anschluß Hessen-Darmstadts an Frankreich zogen sich noch einige Monate hin, bis der Landgraf schließlich durch folgeiches, vom 16. Juni 1806 aus Gießen datiertes, eigenhändiges Schreiben"") seinen Generalbevollmächtigten Moren- ville autorisierte, den Beitritt zu Frankreichs Sache bestimmt zn erklären:Da die gegenwärtigen'Umstände Uns bestimmt haben, Herrn von Morenville, unseren Generaladjutanten, an den kaiser­lich stanzösischen Hof zu schicken, so ermächtigen wir ihn durch dieses Schreiben, jedem Bundesvertrage mit dem Kaiser der Franzosen beizutreten, alle unsere Truppen gegen Fransteichs Feinde anzubieten und allen Einrichtungen zuzustimmen, welche Seiner Kaiserlichen Majestät angenehm sind."

Zwischen den Vertretern der Regenten von Bayern, Württem- berg, Baden, Berg und Cleve, Hessen-Darmstadt, Nassau-Usingen Nassau-Weilburg, Hohenzolleni-Sigmaringen, Salm-salm, Salm- Kyrburg, Vsenburg-Birsteiu, Arenberg, Lichtenstein, Leyen wurde unter dem Vorsitze des französischen Ministers Talleyrand in vierzig Artikeln die Rheinische B u u d e s a k t e beraten. Die vorerwähnten Staaten schließen eilten Bund unter dem Namen: Etats c o n {e be r 6 § d u Rhin. Napoleon erklärt sich zuml Protektor des Bundes und verlieh seinen Bundesgenossen Rang­erhöhungen und Gebietserweiterungen. Nach Unterzeichnung der Akte nahm Landgraf Ludwig X. a m 14. Augu st 1806 den Titel eines Groß Herzogs an. Hessen-Tarmstadt erhielt die Landgrafsch!aft Homburg, daS Burggraseittum Friedberg, die Herrschaft Breuberg, die Grafschaft Erbach, die Besitzungen der fürst­liche- und gräflich-solmsischen Häuser in der Wetterau mit^Aus­schluß von Hohen-Solms und Braunfels, die Grafschaft Schlitz, im Ganzen einen Zuwachs von 122 600 Einwohnern. Während seiner Zugehörigkeit zum Rheinbunde nahm Hessen-Darm­stadt an den Feldzügen 1806 und 1807 gegen Preußen, Ruß­land und Schweden, 1809 gegen Oesterreich, 18081812 gegen Spanien, 1811,1812 und 1813 gegen Rußland und Preußen teil.

Nach den für Napoleon unglücklich verlaufenen Schlachten von Großbeeren, an der Katzbach, bei Kulm und Dennewitz war der Glaube an seine Unbesiegbarkeit erschüttert worden, und sein Glücksstern schien zu erbleichen. Aber nur schwer konnte unter seinen Bundesgenossen eine Stimmung aufkommen, die zum Wfall neigte. Bayern suchte sich am ersten von dem Korsen zu emanzipieren. Durch den Vertrag von Ried am 8. Oktober 1813 hatte es seinen Anschluß an die Verbündeten zugesagt. Die Mit- teilung hiervon ging bald darauf an die einzelnen bayrischen Gesandten, so auch an Herrn von Sulzer in Darmstadt. Die Nachricht von dem Anschlüsse Bayerns an die Verbündeten machte auf die Rheinbundsürsten tiefen Eindruck. In Darmstadt suchte man zunächst eine abwartende Haltung zu beobachten.

Am 24. Oktober überbrachte der Adjutant des Königs Max Joseph von Bayern, Prinz von Thurn und Taxis, dein Groß Herzog Ludwig einen Brief Wredes, der eine Aufforderung zur Sache der Verbündeten enthielt. Der großherzogliche Hof glaubte, in Anbetracht der noch unsicheren Sage sich ablehnend verhalten zn müssen. Eine Wendung trat ein, als bald darauf dest Hauptmamt Fresenius von der Großen Armee in Darm­stadt erschien und meldete, Prinz Emil sei an der Spitze seiner Truppen bei Leipzig durch die Verbündeten gefangen^ genommen worden. Jetzt wagte man in Darmstadt einen Schritt vov- wärts; man ordnete am 26. Okt. den Baron du Thil nach Aschaffenburg ab, um mit Wrede zu verhandeln. Immerhin war die Sage noch nicht geklärt; daher verließ Großherzog

*) Tarmst. Archiv. Rheinbund. A. D. Convolut I.

") Darmst. Archiv. Rheinbund pp. Wir geben hier eine Ueber» ketzuna deI franz. Briefes.