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Das Chrysanthemum.
Das Chrysanthemum oder die Winteraster, die Modeblume des Herbstes, die alle Veranstaltungen beherrscht, wo Blumen zur Verwendung gelangen, kann auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. In ihrer Heimat, den Wunderländern Indien, China und Japan reicht ihre Kultur weit m das Dunkel der Vorzeit zurück Es ist bezeichnend, daß einer^ der, luchsten spanischen Orden, der Chrysanthemunwrden. ist. Die Siamesen fuhren die Blunie im Wappen ihres Landes.
Nach Europa kam die Pflanze 1764. Ans Büchern kannte man sie seit 1689. Sinne beschrieb zwei Arten, Chrysanthemum indicum mit größeren weißen und Ehr. stnense mit kleinen gelben Blumen. Im Jahre 1'822 hatte man bereits 36 Sorten m braunrot, gelb iind weiß, aus Indien eingefuhrt. 1830 zog man in Südfrankreich den ersten Samen und begann von da ab selbst neue Formen zu züchten. Die eigentliche SieWaberel datiert aber erst seit 1852, ivo der Reisende Fortune aus Japan Gartenformen einführte, die durch ihre bizarren Formen alle Welt in Erstaunen versetzten. Diese waren die Vorläufer der großblütigen Rasse, die man gegenwärtig auf der Ausstellung rot Neuen Saalbau in den verschiedensten Farbentönen bewundern kann In der Tat fehlt nur noch das Blau. Man hat blaue Chrysanthemum auf altem japanischen Porzellan gemalt gefnnden und darans geschlossen, daß es in Japan solche gäbe Es war aber Täuschung, und ebensowenig es blaue Rosen gibt, hat es blaue Chrysanthemum gegeben.
Neben den großblumigen Arten, die meistens mpamschen Ursprungs sind, kann man auf der gegenwärtigen Ausstellung auch die Abkömmlinge der Sorten sehen, wie sie vor 1862 m den Gärten gepflegt wurden. Ihre Blüten sind wenig großer als die eines gefüllten Gänseblümchens. Was ihnen jedoch an Große mangelt, ersetzen sie drirch Blütenmenge und Anspruchslosigkeit, denn die Erziehung solcher Riesenblumen, wie,te heute Mode sind, erfordert viel Aufmerksantkeit und fachmännisches Geschick Die großblumigen Sorten werden daher nie eine Gartenpflanze des gemeinen Mannes werden. Es ist daraus auch erklärlich, wartlm wir bei den ausgestellten Pflanzen der SMle- rinnen nur mittelgroße und kleine Blumen sehen.
VsrmZschtss.
* Schicksale eines Schmuckstückes. Mehrere Inhaber bedeutender Pariser Juwelenfirmen sind, wie aus Sankt Petersburg berichtet wird, dort angekommen, um im Auftrage einer ungenannt bleibenden Persönlichkeit ein Schmuckstück zu erwerben, das sich seit einer Reihe von Jahren auf dem Petersburger Seihamte befindet. Das kostbare Kleinod soll einen Wert von einer Million Rubel darstellen und ,es wäre,eine sehr bedeutende Summe erforderlich, um es auszulösen. Die Herabsetzung der Summe ist der Zweck der Mission der sachverständigen Pariser Juweliere, doch hat es vorläufig nicht den Anschein, daß sie ihn erreichen werden. In St. Petersburg erzählt man sich, der Schmuck habe einer russischen Fürstin gehört, die ihn aus Not versetzt habe, nachdem sie ihn von ihrer Großmutter, der Herzogin von Morny geerbt hatte. Der Herzog von Mornh^ — eigentlich hieß er Demorny — war ein Halbbruder des Kaisers Napoleon III., ein Sohn der Königin Hortense und des Grafen Flahanlt. Napoleon hatte ihn als Botschafter nach St. Petersburg geschickt, ivo er durch den Glanz feines Auftretens hervorstach und schließlich ein hübsches und begütertes Hoffräulein, die Prinzessin Sophie Trubetzkey, heiratete, die ihn, nachdem er 1865 als Präsident des Gesetzgebenden Körpers gestorben war, noch um 31 Jahre überlebte. Wie Morny übrigens als Gesandter in Petersburg seine diplomatische Stellung zu seiner persönlichen Bereicherung benutzte, das hat Bismarck gelegentlich, wie folgt, erzählt: „Wie der zum Gesandten in Petersburg ernannt worden war, kam er mit einer ganzen langen Reihe schöner, eleganter Wagen an und hatte alle Koffer, Kisten und Kasten voll Spitzen und Seidenzeug und Damenputz, wofür er als exterritorial keinen Zoll zu zahlen hatte. Jeder Diener hatte seinen eigenen Wagen, jeder Attachs oder Sekretär mindestens zwei, und et selber hatte wohl fünf oder sechs, und wie er ein paar Tage da war, verauktionierte er das alles, Wagen, und Spitzen und Modesachen. Er soll achtmalhunderttausend Rubel dabei verdient haben." —; Es scheint, daß Mornys finanzielle Begabung sich nicht seinen Nachkommen mitgeteilt hat.
* Die 10 Psennigmarke und die Eier. Kommt da an den Schalter eines kleinen Postamts im Münsterlande ein Bauernmädchen und verlangt eine 10 Psennigmarke. Der Gehilfe gibt dem Mädchen die Marke und erwartet den Groschen. Zu seinem großen Staunen greift jedoch das Mädchen in einen Korb und präsentiert als Gegenleistung zwei dicke Eier. Der Beamte schaut verwundert auf, solche Bezahlung hat er nicht erwartet. Ein schivieriger Fall. Geld hat die Kleine nicht. Entgegenkommend, wie der Postmann
nun einmal sein soll, nimmt der Beamte die Eier und will den Schalter schließen. Aber, o weht „NeeP schreit die Kleine, „de Eier kostet twälf Pfennige, ick krieg nao 2 Pfennige trüggl- Wohl oder übel — das Geschäft war nun einmal gemacht — gibt denn unser Stephansjünger auch noch zwei Pfennige heraus und freut sich, seinen Teil zur Lösung dieser sozialen Frage beigetragen zu haben.
WeihnachtsliLeratur.
— Im Verlage von Hermann Peters in Göttingen erschien von Kuno Ridderhoff: Seine Filia hospitalis. Drama in 4 Akten >cr us einer kleinen Universitätsstadt. Preis 1.20 Mark. — Nicht die harmlos-trauliche Filia hospitalis des Studentenliedes ist es, die uns in diesem Drama entgegentritt, sondern ein starkes, stolzes, leidenschaftliches Weib, dessen Willenskraft etwas Dämonisches hat. Ihr ganzes Lebensglück hat diese Filia hospitalis auf eine Karte gesetzt. Den vornehmen, ritterlichen Studenten in ihrer Mutter Haus, dem ihr Herz mit glühender, aber klug verborgener Siebe sich für immer zu eigen gegeben hat, von der geliebten Braut loszureißen und an sich zu ketten, danach ring sie mit aller Kraft ihrer starken Natur, mit jedem Mittel, das sich ihr darbietet. Im Kampf um den Geliebten, in dem sie schließlich allein gegen alle anderen Personen des Dramas, ja im Grunde gegen die eigene Miitter steht, geht sie zu Grunde. Mag der Weg, auf dem die Leidenschaftliche, Skrupellose zu ihrem Ziele zu schreiten sucht, verwerflich fein, unserer Teilnahme ist 'diese starke, tapfere Natur sicher.
—Bei B. G. Teubner in Leipzig erschien „Klein-Elsbeth und die Welt", Geschichten aus einem Kinderleben für solche, die Kuder liebhaben, von Betty Hertel. Mit Buchschmuck von Franz Hein. gr. 8. Geb. 2 Mark. — Wie's wohl in einem so kleinen Kindskopf aussieht!? Ach, es ist so lange her, daß wir Erwachsenen kindlich dachten und fühlten — wir können uns nicht mehr darauf besinnen. Und zwischen unserer Kiuderzeit und den reiferen Jahren liegt ein Zeitraum, in dem wir uns förmlich schämten, daß wir auch einmal klein und dumm waren; da ist denn vieles untergegangen, was uns jetzt ergötzlich und erstaunlich anmuten würde, wüßten wir's nur noch! —i Und doch sollten wir uoch'mit den Kindern schauen und grübeln, zagen und hoffen, jammern und, jauchzen können, wollen wir ihrer Eigenart gerecht werden. Aber nur wenigen ist's vergönnt, aus sich selbst heraus den Rückweg zu finden in das Paradies! kindlicher Gedankengefilde; zu denen müssen Eltern und Erzieher in die Schule gehen, damit sie wieder lernen, worüber ein Kind jubelt und wovor es zittert, was ihm gleichgültig ist und was sein Denken erregt. Daun nur kann man die rechten Mittel und Wege entdecken, um das Kind ohne Hast und Zwang aus feiner Welt in die Welt der Erwachsenen zu geleiten. Da kommen die Ausführungen der Betty Hertel so recht gelegen. , Eine gottbegnadete Kennerin des Kindergemütes und eine Künstlerin in der Darstellung der Töne, die aus zart besaiteten Kinderh-rzenl guellen, spricht zu uns in dem vorliegenden Werke; die Verfasserin hat cs verstanden, die Kindesseele in ihrem geheimsten Regen zu belauschen: Wie Klein-Elsbeth die seele sticht, nach dem Leben forscht, die Auferstehung glauben lernt, ihren. Stolz behauptet, sich zum Zölibat entschließt usw. usw. Es ist em köstliches Buch! Wie wenige, erscheint die Verfasserin drews Büchleins berufen, zu zeigen, wie und was man in einer Klnder- seele lesen kann. Jeder Vater und jede Mutter, überhaupt ieber, der Kinder lieb hat, sollten zu dem Büchlein greifen, sie werden es dankbaren Herzens aus der Hand legen.
Silbenrätsel.
Nachdruck verboten.
at, an, bac, bar, bu, eh, ca, ei, en, gens, ger. I, il, niet, ly, ra, rat, re, rg, ri, sen, str, sp, ti, ziin.
Aus vorstehend eil Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangs- buchstabe» von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes:
1. Eine Gewürzpflanze.
2. Wichtiges Erz.
8, Südamerikanische Stadt.
4. Reißendes Raubtier.
5. Ein Kartenspiel.
6. Stadt in Bayern.
7. Küstenlandschaft am Adriatischen Meere.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Bilder-Nätsels in voriger Nummerr Vereinsvergnügen.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, M Lange, Gieße».


