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daß er Jahre seines Lebens daran setzte, den Plan eines preußisch-österreichischen Bundes zugleich gegen Osten und Westen zu verwirklichen. Erst nahezu 70 Jahre später war es unserem Altreichskanzler Bismarck vergönnt, den jener Idee ähnlichen mitteleuropäischen Bund, der für die Politik unserer Tage so große Bedeutung gewonnen hat, ab- znschließen. Mr unser Hessenlaud wendet sich die Aufmerksamkeit auf das Leben dieses Prinzen, weil er au" jetzt hessischem Boden in den Kämpfen gegen die Franzosen verschiedene Proben seines Heldenmutes und seiner Tapferkeit ablegte.
Prinz Louis Ferdinand war am 18. November 1772 zu Berlin geboren. Er war ein Neffe Friedrichs des Großen. Der Tradition des Hohenzollernhauses gemäß ergriff er die militärische Laufbahn. Jeder Gemeine war ihm ein Kamerad, zu gleichen Gefahren und Ehren mit ihm berufen. Daß er Rang nnd Stand als etwas Zufälliges ansehe und vor allem den Menschen- achten wollte, bezeigte er durch Wort und Tat. Zn seinem Oheim sagte er einst: „Ich muß jetzt ei» bißchen der Prinz sein, die Leute wollen es durchaus so haben." Im Jahre 1792 beteiligte er sich als Oberst au dem Feldzüge gegen Frankreich, allein dieser bot keine bedeutende Gefechte, der junge ungeduldige Krieger fand keine Gelegenheit zu persönlicher Tat. Um so stürmischer warf sich sein leidenschaftliches Gemüt auf die Zerstreuungen, wie sie ihm während des Wiuteraufenthaltes in Frankfurt a. M. mit seinen Lustbarkeiten geboten wurden. Goethe erzählt uns in launiger Weise von mehreren Begegnissen, die er mit dem geistreichen Prinzen hatte. Die Liebe zur Tonkunst überwog jede andere Leidenschaft. Am Klavier war er ein Meister. Bekannt ist, daß er in einem Konzerte, das der Künstler in Frankfurt gab, eine Sonate spielte. Alles strömte herbei, den Prinzen zu hören. Der Erfolg war glänzend.
In dem folgenden Jahre war es ihm bei der Belagerung der von den Franzosen besetzten Festung Mainz vergönnt, sich auszuzeichneu. Gelegentlich eines Ausfalls stand Prinz Lonis an der Spitze zweier Jnfanterieregi- menter und trieb den Feind mit großem Verluste zurück. Mit dem Degen in der Faust stürmte er seinen Leuten voran; in vier Gefechten bei den Zahlbacher Höhen und bet Wegenan blieb er siegreich, einen verwundeten Oester- retcher trug er mit Lebensgefahr aus dem dichten Kugelregen. Endlich wurde er bei Erstürmung einer feindlichen Schanze durch einen Kartätschenschuß schwer verwundet. König Friedrich Wilhelm II. ehrte den tapferen Prinzen ourch die Ernennung zum Generalmajor. Ebenso zeichnete er sich 1794 in der Pfalz aus. Mit sechs Kompagnien des Regiments uxomberg entschied er den Sieg bei Edesheim Die Nachricht von bem im Frühjahre 1795 in Basel mit den Franzosen unterzeichneten Frieden erfüllte ihn mit lebhaftem Unwillen, tote er schon vorher über die lässige Art der Kriegführung auf preußischer Seite sich mit großer Unzufriedenheit geäußert hatte.
Der Prinz ging mit seinem Regimente nach Magdeburg und beschäftigte sich mit militärwissenschaftlichen Studien. Doch nahm er die folgenden 10 Jahre seinen Aufenthalt an den verschiedensten Orten, bald finden wir rhn in Hamburg, in Wien und in Berlin. Hier trat er
Kvvßen Staatsmännern und Führern jener Zeit näher, k icH°' 'ube'g, Scharnhorst, Klausewitz usw. In diesen
Jeit lmichfe der Gedanke auf, dem immer drückender msbn?nen U.ebergewicht Frankreichs einen Bund Preußens ■ ^ntgegenzusetzen, der auch dem Eingreifen eror0^aT|^en Angelegenheiten Schranken £uljeii sollte. Der Plan etnes mitteleuropäischen Bundes mit Feuer ergriffen. Wiederholt er selbst nach Wien, entwickelte den Gedanken einer Allmnz und empfahl die Sendung eines Erzherzogs nach Aber Friedrich Wilhelm III., durch das franzoseu- ^1?^ermm Haugwitz dazu veranlaßt, zauderte. Aer suhlte sich ourch das Mißlingen seiner Bestreb- ungeu sehr unglücklich, der Ablehnung seiner Ratschläge das Verderben zu, das 1805 und 1806 über Deutschland herembrach. Im Dezember 1805 kam die Nach- ^-t von dem Abschlüsse eines Vertrags mit Frankreich und die Verfügung von der Demobilisierung der preußischen Armee. Grollend darüber blieb der Prinz von Berlin fern und suchte Zerstreuung in Jagdvergnügnngen in der Nähe Magdeburgs. Erst im folgenden Sommer gelang es in Berlin einer Vereinigung angesehener patriotischer Männer,
eine Aenderung in der preußischen Politik und einen Wechsel m den leitenden Persönlichkeiten hervorzurufen. Die Willkür und Falschheit Napoleons mußten endlich den Ausbruch des Krieges herbeiführen. Die Aussicht auf den nahen Kampf hob des Prinzen Stimmung, die Unsicherheit in der Leitung der Armee erfüllte ihn mit Besorgnis. Die Franzosen rückten von Bamberg aus nach dem Saaletale vor. Prinz Louis hatte den Oberbefehl über die Vor- trnppen des Korps Hohenlohe übernommen und stand mit etwa 6000 Mann an der oberen Saale in der Nähe von Saalfeld; Fürst Hohenlohe stand weiter unterhalb bei Rudolstadt, von ihm erwartete der Prinz Hilfe. Im Vertrauen darauf und weil Prinz Louis die Wichtigkeit des Uebergaugs über die Saale an dem Punkte bei Saalfeld mit richtigem Blick erkannte, ließ er sich mit dem etwa viermal stärkeren Feind in ein Gefecht ein, in dem er fünf Stunden lang Widerstand leistete. Obschon die versprochene Hilfe ausblieb, zeigte der Prinz Ruhe und Kaltblütigkeit. Auch sein persönliches Eingreifen konnte das Geschick der Schlacht nicht wenden. Zu der Uebermacht kam noch die überlegene Fechtweise, das Tiraillieren, der Franzosen. Im Getümmel des Rückzugs wurde der Prinz mit fortgerissen. Um nicht gefangen zu werden, mußte er über einen Zaun setzen. Sein sonst vortreffliches Pferd blieb mit dem einen Fuße hängen, ein feindlicher Husar sprengte heran und hieb dem Prinzen in den Hinterkopf. Die Aufforderung, sich zu ergeben, beantwortete er durch einen Säbelhieb; da empfing er einen Stich durch die Brust, er sank vom Pferde und fiel jetzt in die Hände der nach- sprengenden Husaren, die ihn mit Säbelhieben zerfleischten. Mit 13 Hieb- und Stichwunden bedeckt, fand man später seinen Leichnam, nackt und ausgeplündert. Er wurde in die herzogliche Gruft nach Saalfeld, im Winter 1811' nach Berlin übergeführt und im Dom beigesetzt.
Der Tod des Prinzen, auf dessen feuriges und entschlossenes Wesen die Armee mit Vertrauen geblickt hatte, übte auf die Truppen einen entmutigenden Eindruck; man ahnte jetzt den bösen Ausgang des Krieges, wie er vier Tage später in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstädt erfolgte. Hätte er die Erhebung des Jahres 1813 erleben können, so wäre ihm freilich ein großes Los zugefallen; selbst ein französischer Schriftsteller meint, daß er die Lorbeeren Blüchers geteilt haben würde.
Dicht an der Straße bet dem Dorfe Wölsdorf, eine Stunde unterhalb von Saalfeld, befindet sich ein Denkmal von Gußeisen mit der einfachen Inschrift: „Hier fiel kämpfend für fein Vaterland Prinz Ludwig von Preußen". Dies Denkmal hat die Prinzessin Luise von Preußen ihrem geliebten, in der Blüte der Jahre gefallenen Brnder 1823 errichten lassen. Adolf Bergheimer.
HohenzolleLttsprossL» linker Hand.
Die 100. Wiederkehr des Tages, an dem Prinz Lonis Ferdinand von Prcußcit int Vorpostcngesechte von Saatfeld den Heldentod fand, hat vielfach Veranlassung gegeben, nicht nur der ritterlichen Gestalt dieses Prinzen zu gedenken, den Clausewitz den „preußischen Alcibiades" genannt hat, sondern auch daran zu erinnern, daß noch Nachkommen Louis Ferdinands am Leben fütb und daß zu ihnen einer der Dichter Deutschlands, Ernst von Wildeubruch, gehört. Der Verbindung des Priu- zen Louis Ferdinand mit Henriette Fromm, einem jungen Mädchen aus guter Blirgerfamilie, waren zwei Kinder entsprossen, ein Sohn und eilte Tochter. Beide nahm nach des Prinzen ^.ode seine . Schwester, die Fürstin Luise Radziwill, zu sich, und Friedrich Wilhelm III. verlieh ihnen 1810 den adligen Namen „von Wildeubruch". Die Tochter, Blauka von Wildenbruch, wurde Hofdame ihrer Tante Radziwill und starb 1887 als Witwe des Majors a. D. Friedrich v. Roeder. Der Sohn, Ludwig von Wildeubruch, war bei seinem 1874 erfolgten Tode preußischen Generalleutnant a. D. und Gesandter in Konstantinopel gewesen; der Dichter der „Quitzows" und der „Haubenlerche" Zst sein Sohn. Wildeubruch, ein Gut bei Greifenhagen in Pommern, war Eigentum des Prinzen Louis Ferdinand und hatte schon früher einmal der Benennung eines Hohenzollemsprossen gedient. Friedrich der Große uobilitierte einen Sohn des Markgrafen Heinrich Friedrich von Brandenburg-Schwedt 1776 als von „Wilden- bruch"; der Nobilitierte stand als Fähnrich im 1. Bataillon Garde und das Diplom verzeichnet als den Grund der Auszeichnung den Vermerk: „wegen Diensteifers". Dieser erste Wildenbruch starb ohne Nachkommen. Aber es gibt noch eine Reihe von Familien in Deutschland, die ihre Herkunft auf die Verbindung zur linken Hand eines Mitgliedes der Dynastie Hohen- zollern zuriicksühren. Da find, um zunächst der morganatischen Ehen zu gedenken, die Grafen von In gen heim, die vom


