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Ich glaube kaum, daß meine Worte anders verstanden werden konnten. Trotzdem hat es nun aber Herr Pfarrer Sch. in ganz ungerechtfertigter Weise fertig gebracht, meinen Worten einen von mir durchaus nicht gebilligten, geradezu frivolen Sinn zu unterschieben, indem er meine Worte vom ^letzten Lache n" (so beliebt sich Herr ©dj. auszudrücken) als identisch mit „dem letzten Stündlein" darstellt. Wie Herr Sch. zu einer solchen Auffassung meiner Worte kommen konnte, bleibt mir unverständlich. Ich gestatte mir, Herrn Sckx höflich darauf aufmerksam zu machen, daß auch wir Freidenker die Majestät des Todes vollkommen und in gebührlicher Weise zu respektieren wissen. — Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle auch etwas über meine Erfahrungen erwähnen, welche ich bei Sterbenden auf den Schlachtfeldern in Siidafrika gelegentlich des Änrenkrieges, an welchen! ich als Freiwilliger der Burenarmee teilnahm, gemacht habe. Es sind dort an meiner Seite gar liebe Kameraden gefallen, sowohl Christen, wie Freidenker. Auffallend war es hier, !vie gerade so nrancher mir gleichdenkende Kamerad im großen und ganzen ergeben und gefaßt sein Leben aushauchte, oftmals unter gräßlichen Schmerzen, mit trockenen Lippen bei quälendem Durst, während andererseits mancher, der wohl ein Unrecht auf das Prädikat „guter Christ" verdient hatte, unter wilden "Verwünschungen verschied, sich vor dem nahenden Tod fürchtete, und seinem Gott ein Ultimatum stellte: „Gott laß mich nicht sterben! Ich glaube ja doch an Dich! Wenn Du mich aber dock sterben läßt, so-muß ich ja an Dir irre werden!",— Nun viele sind doch verschieden, allerdings können sie auch jetzt nicht mehr glauben! — Ich könnte über manche Episode berichten, doch würde es an dieser Stelle zu weit führen.
Sehr geläufig ist dem Herrn Sch. im Schluß seiner Abhandlung auch das Wort „unreligiös" und kann leicht den Anschein erwecken, als nähme Herr Sch. an, daß wir Freireligiösen frei von Religion wären. Um Jrrtüinern von vornherein vorzubeugen, möchte ich hierzu bemerken, daß wir Freidenker uns entschieden dagegen verwahren, als „unreligiös" bezeichnet zu werden. Jin Gegenteil, iv ir glauben, eine bessere Religion zu pflegen als diejenige ist, ivelche Herr Sch. vertritt. Unsere rn o n i st i s ch e Religion liegt im Wesen der Natur selbst begründet,und stützt sich auf die Wirklichkeit und aus erkannte Wahrheit, während die dualistische Religion des Herrn Sch. nur auf Vermutungen, also aus Wahn basiert. Die dualistische Lehre will ihre Anhänger durch einen verheißenen Lohn (das ewige Leben) erziehen, ivährend unsere monistische Religion es als selbstverständlich für jeden Freidenker erachtet, daß er die Pflichten der sittlichen und ethischen Gebote erfüllt.
Zum Schlüsse meiner Richtigstellung möchte ich aber dem Herrn Pfarrer Sch. noch die Worte von Leonore Frei zngerusen haben:
„Ihr habt's versucht I Ihr habt zu allen Stunden Euch uns'rer Welt breit in den Weg gestellt. Wenn ihr sie schlau verhindert habt, zu schreiten, So riest ihr triumphierend: „Seht! Sie steht 1" Und was habt dennoch ihr mit euren Ketten, Mit eurem Scheiterhaufen, eurem Bann Am Ende nun erreicht?!--
Tie neue Geisteswelt könnt ihr nicht fesseln! Sie reißt von euch sich los--
Nur ihr — i h r st e h t —
Und s i e b eiv e g t sich doch!"
Gießen. P. P l a g c, Kfm.
Ein europäisches Goldland.
Von einem „neuenideckten", wenn auch schon im Altertum bekannten Goldlande berichtet Dr. Körnig-Saloniki im Prometheus. Wir entnehmen seinen Ausführungen das Folgende:
Es war seit längerer Zcir bekannt geworden, daß unweit vom großen Hafen Saloniki slawische Bauern insgeheim Goldwäsche betrieben. Der Sultan Abdul Hamid, der sich eifrig bemüht, die Hilfsmittel seines Reiches zu heben, war auf diese Dinge kaum aufmerksam gemacht worden, als er seinem Privaiingenicur Großkopf, einem erfahrenen Geologen, der in den letzten Jahren ganz Kleinasien geologisch erforscht hat, den Auftrag erteilte, Makedonien ans seinen Mineralreichlum hin zu prüfen. Herr Großkopf hat nach mühseligen Reisen und Ritten, quer durch das fast wegelose Land, seine Untersuchung soeben beendet; das Ergebnis seiner Forschungen lautet: „Makedonien ist ein sehr reiches Goldland".
Wie im Ural, diesem so reichen mineralischen Gebirgszuge, hat auch im Balkan der Kontakt der alten krystalliuischen Schiefer mit dem Kalke eine sehr starke Mineralisierung anfzuwcisen. Hier die Siätten der im Altertumc so berühmieu Goldlager zu vermuten, lag nahe, und die Forschung Hai die Annahme bestätigt. Zwischen dem Karasu (Strymon) und Wardar (Asios) zieht sich ein 600 bis 900 Meter hoher Bergzug hin, der Kruscha- Balkan. Hier müssen sich die primären Lager der goldführenden Gänge vorfinden, und eine schon in Angriff genommene Untersuchung, die freilich größere Zeit und besonders die Anwendung neuer Maschinen nötig macht, wird sie feststellen. Daß diese Urlager sehr reich sind zeigen die ergiebigen Massen des Schwemmgoldes der Flüsse, die aus jenen Bergen hervorströmcn. Besonders ergiebig hat sich bis jetzt das Stromgebiet der Flüsse Galliko
und Alexia erwiesen, nebst deren Zuflüssen. Die Goldfelder dieses Gebietes haben eine Länge von 60 km, eine Breite von 40 km. Das Delta deS Gallikoflnsses, der wenige Wegstunden westlich von Saloniki in den Ther- inäischen Golf mündet, ist ein großes Goldfeld. Das Vorkommen des Edelmetalles ist aber auf jene Strecke kcinegswegs beschränkt: östlich von Saloniki, unweit deö großen Sees von Langasa, an dessen Ufer heiße Schwefelquellen sind, findet es sich auch in allen Durchbrüchen der Tonschieferberge. Das Gold zeigt sich im Schwemmlaude der Flüsse in kleinen dicken Plättchen und feinen Drahtstiften, 3 cm lang 1 mm dick. Die Stifte sind manchmal durch das Rollen zwischen dem Flußgesteine seltsam schraubenartig gedreht und verbogen. Größere Stücke findet man selten, manchmal solche von 10 gr. Eine Tonne Sand liefert 1/2 bis l*/8 gr, an einigen Stellen bis 3 gr Gold. Zur Zeit genügt es, ohne kostspieligere Veranstaltungen, das Alluvialgold zu gewinnen, das sich in ganz Süd- Makedonien vorstndkt. Hier liegen viele Hunderte von Millionen Kubikmeter goldführenden Erdreiches und das sind eben so viele Hunderte von Millionen Mark.
Makedonien ist aber, das hat die jetzt erfolgte Untersuchung auch noch ergeben, ebenso wie der Ural, ein Mineralland ersten Ranges. Silber und Blei finden sich in Masse, die Tonne Bleiglanz liefert drei bis fünf Kilo Silber. In nächster Nähe von Saloniki also bequem für die Verschiffung, ist Chrom — zur Stahlbereitung — in ungeheueren Lagern aufgeschlossen worden. Mangan, Asbest, Kupfer, Eisen sind vorhanden. Der Berg Athos, bekannt durch seine russisch-orthodoxen Mönchsklöster, deren fromme Insassen sich unlängst wegen eines Stückes Land eine förmliche Schlacht lieferten, besteht nicht, wie man glaubte, ans weißem Marmor, sondern jene blendend weißen Felseninauern, an denen daS azurblaue Meer der Aegäa brandet, sind schönster Magnesit.
Gleiste tzrrcMrsehe Ratschläge.
Flaschen, Gläser, Vasen usw. aus Glas reinigt man mit lauwarmem Essig und Sand, mit denen diese Gegenstände tüchtig ausgeschüttelt werden. Nachdem sie mit tautoarmem Wasser sorgfältig nachgespült worden sind, trocknet und poliert man sie mit nichtfaserndem Tucke gut ab. Ebenso kann man statt Sand und Essig klein geschnittene rohe Kartoffeln und etwas Salz nehmen.*)
A it f f r i s ch u n g u it a n s e h n l i ch e r L e d e r b e z ü g e. Steifen Eiweißschnee reibe intensiv in das Leder ein; es ivird dadurch lvie neu.*)
Auffärben verblichener Farben. Manches zurück- gelegte Stück kann dadurch dem Haushalte wieder nutzbar gemacht werden. Die Farbseife ff Stück 50 Pf., ist, wie ich erprobte, sehr empfehlenswert. Man bekommt auch schon billigere Färbemittel, welche auch gut sind. Weiße Stoffe kann man in jeder Nuance färben, blaue färbt man etwas dunkler oder violett, dunkelgrün, braun, schwarz usw.; grüne Stoffe kaffeebraun oder sckwarz, überhaupt dunkel. Ueberhauvt merke man sich, daß man immer einige Farbentöne dunkler ivählt, als der verblichene Stoff war.*)
Au ffrisch en farbiger St roh hüte geschieht, hindern man sie zunächst trocken gut abbürstet ittti» sodann mit Seifen- spiritits anstreicht; hierdurch erhalten die Hüte einen schönen Glanz, frische Farbe, auch bleibt die Form biegsam.*)
Aufpvlieren vonMöbeln. Man übergieße 10 Gramm weißes Wachs in einem irdenen Topfe mit 10 Gramm Terpentin- Oel, binde den Topf mit weißem Papier zu und lasse das Wachs älsdanu bei mäßiger Wärme schmelzen. Nachdem die Masse wieder abgekühlt und fest geworden ist, gibt man 5 Gramm starken Spiritus hinzu und rührt das Ganze tüchtig um. Mit dieser Masse reibt man mittels eines iveichen trockenen Tuches die Möbel ab.*)
*) Aus „Prakt. Winke für den Haushalt. Jllustr. Mch- schlagebuch, euch. Ratschläge für alle Fragen des Hauswesens." Bon Frau Dr. Loni Grosse. Verlag von M. O. Groh in Dresden.
* Ein junger Mensch, der einer jungen Pariserin den Hos machte, sprach von seinem anscheinend bevorzugten Rivalen: „Gewiß, darin gebe ich Ihnen Recht, — er ist sehr elegant und ein hübsches Kerlchen, aber er weiß es auch sehr genau . . ." — „Aber", unterbrach ihn die geistreiche Kleine, „wenn Sie galant und ein hübsches Kerlchen wären, würden Sie eS dann nicht auch wissen?"
Ergiinzmlgsrätsei.
Nachdruck verboten.
G . . ß . . M . n . e . . n W . r. e . u . eh' .,
S . . . ä . t . i . e . n . . d . r,
. . ch e . h . b . e . . u . h w . . d . r,
. . ß >o . t . a . d . . c . M . n . c . . g .. e. eh'.!
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Vexirbilds in voriger Nummer r Hält man das Bild verkehrt, steht man den Chauffeur zwischen dem Brückenzaun.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der Brühl'icken Universiiäts-Buck- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«,


