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den Weingärten anderer Leute, zum größeren und besseren Teil unseren: Volkstum entstammen, unmittelbar, meine ich, ohne dichterisch wiedergeboren. zu sein. Es wird, das ist meine feste Uebcrzeugung, eine Zeit kommen, wo mau in Deutschland ungefähr so über Frenssen urteilt, wie man es seht über Julius Wolff tut, der ja auch eine schöne Schilderung^abe besitzt, und mit den: er als Talent im Kern verwandt ist (vgl. übrigens einige Geständnisse in beit „Drei Getreuen"). Auch die geistige Persönlichkeit Frenssens wird dann meines Erachtens nicht besser wegkommen als der Dichter.
Vermischtes.
* ßiit Verein gegen das Lebendigbegraben- werden b c st e h t i n L o n d o n und hat neulich seine 9. Jahresversammlung abgehalten. Der dabei erstattete Bericht kennzeichnet das vergangene Jahr als das erfolgreichste der Vereinigung, nicht nur durch erhebliche Zunahme der Mitglieder, sondern auch durch eine Bereicherung der vom Verein unterhaltenen Bibliothek. Die Gesellschaft ist u. a. bestrebt, in allen Teilen des Reiches Aerzte für ihre Interessen zu gewinnen. Ein Geistlicher stellte den Antrag, die neue Regierung um Verbesserung der Bestettüngsgesetze zu ersuchen, dantit eine vollständige Sicherheit gegen die Gefahr eines vorzeitigen Begräbnisses geschaffen tvürdc. Er erzählte dabei, daß er selbst als Beispiel einer zufälligen Rettung vom Lebendigbegrabenwerden dienen könnte. Er rvar als Kind 2y» Tage als tot betrachtet und bereits in einen Sarg gelegt worden, als seine Amme zufällig eine Bewegung seiner Hand sah, worauf ein Arzt gerufen und erfolgreich Wiederbelebungsversuche gemacht wurden. Erst vor zwei Jahren sei außerdem in seiner eigenen Gemeinde ein Grab geöffnet und nachgewiesen worden, daß der Betreffende leben big begraben gewesen war. Nach der Lage der Gebeine konnte ermittelt werden, daß die Person sich gegen den Sargdeckel gestemmt nnd sich bar.it auf die linke Seite gelegt hatte. Die vorgeschlagene Resolution wurde von ärztlicher Leite unterstützt und angenommen. Selbstverständlich wurde auch über Mittel zur Verhütung des vorzeitigen Begräbnisses und seiner Folget: gesprochen, z. B. über die Möglichkeit, im Sarge eine Vorrichtung anznbringen, die eine Glocke im Raum des Wächters in Bewegung setzen würde. Merkwürdigerweise wurde dagegen eingewenbet, „daß der Wächter vielleicht aus Furcht sterben wurde, wenn die Glocke plötzlich ertönte." Uebrigcns sind jetzt in Stockholm etwa 50 Personen zusammengetreten, um eine ähnliche Gesellschaft auch für Schweden zu begründen.
“ Das g csündeste Gemüse ist nach uraltem Glauben der Kohl. Schon bei den Schriftstellern des Altertums finden sich zahlreiche Lobpreisungen ans ihn. Der alte Cato nennt ihn das erste unter allen Gemüsen, weil er die Verdauung fördere, gut für den Magen und stets günstig für die Gesundheit sei. Von dieser Autorität stammt auch das folgende Rezept „Wenn Du einem Gastmahl volle Ehre antuu willst, so iß so viel Kohl, wie Du willst, bevor Du Dich zu Tisch setzest; daun nach dem Essen iß noch etwa fünf Blatt in Essig, Du wirst Dich daun so wohl fühlen, als wenn Du nichts zu Dir genommen hättest, und Du wirst so viel trinken können, wie Du magst." Gerade diese sonderbare Eigenschaft der Trunkenheit vorzudcugen oder sie zu bekämpfen, wird dem Kohl von allen Acrzten und Philosophen des Altertums nachgerühmt und noch heute vielfach geglaubt. Auch der Zyniker Diogenes soll in seiner Tonne hauptsächlich von Kohl gelebt haben. Wenn es uns heute nicht sehr appetitlich erscheint, so war es doch ein besonderer Ausdruck der Wertschätzung, wenn die alten Griechen glaubten, der Kohl sei göttlichen Ursprungs, nämlich aus dem Schweiß des Zeus entstanden. Sogar die röntischcn Kaiser, die doch in einem unerhörten Luxus lebten, waren gegen eine schmackhafte Kohlsuppe nicht unempfindlich. Damit aber waren die Lugenden des Kohls noch lange nicht crschövst, sondern auch eigentlich medizinische Eigenschaften wurden ihm nachgcsagt, nnd zwar schon von Pythagoras an. Die Väter der Heilkunde, Hippokratcs nnd Galen, verordneten gekochten Kohl gegen Durchfall und Dysenterie. Cato, der ein erbitterter Feind aller Aerzte war, kurierte als sein eigener Hausarzt ohne Unterschied alle Krankheiten mit Kohl, nnd seine Hausgenossen sollen dadurch zum mindesten nicht kränker geworden sein. Nach Plinius war der Kohl jahrhundertelang die einzige Arznei, die den Römern bekannt war. Noch die berühmte Arzneischule von Salerno lehrte, daß der Kohl durch seinen Saft erschlaffend und durch sein Gewebe zusammenziehend wirke. Damit nicht genug, zieht sich eine ähnliche Bewertung des Kohl- gemüscs bis in die neueste Zeit hinein. So sind mehrere Fälle von Wassersucht und Skorbut in der ärztlichen Literatur erwähnt worden, die durch Kohl geheilt sein sollen. Alle möglichen Krankheiten werden außerdem genannt, gegen die entweder der bloße Saft des Kohls oder irgend welche Abkochungen von Nutzen sein sollen, z. B. fressende Geschwülste, Aussatz, Warzen, Blascustkine, verschiedene Entzündungen, wie das Milchsieber junger Frauen, Vrustkrankheiten, Gicht, Rheumatismus, Ausschlag bei Säuglingen usw. Die chemische Untersuchung des Kohls scheint seine besondere Stellung unter den Gemüsen zu bestätigen, denn er enthält nicht nur mehr Stickstoff, sondern oncl). eine ziemlich große Menge mehr oder weniger zuckerhaltigen Saftes, der in Wasser und Alkohol löslich ist, Pflauzcnetwciß und Stärke, ferner Kalisalze, kalk- und magnesiahaltige Phosphate, Eisen- und Manganoxyd, endlich Schwefel, der im Wasser beim Kochen des Kohls den bekannten starken Geruch mitteilt, übrigens auch für die Entstehung von Gasen in den Gedärmen verantwortlich zu machen ist. Auch die modernen Pharmakopöcn
haben den Kohl daher nicht auSgeschaltet, sondern erwähnen den Gebrauch seines Safts und eines daraus durch Beimischung von Zucker bereiteten Sirups. Man stellt auch Marmelade und Gelee aus Rotkohl her, von dem man sich gute Dienste bei Asthma, Luftröhrenkatarrh, sogar bei Lungenschwindsucht und auch bei Harnkrankheiten verspricht. Am besten begründet dürfte die Wirkung des Kohls gegen Skorbut sein, und zwar soll gegen diese Krankheit auch schon der Genuß von Sauerkohl gute Dienste leisten.
* Was will der Dürerbnnd? „Eine gesunde bodenwüchsige Kultur, deren Erscheinung wahr, klar nnd erfreulich ausdrücke, was ist, und eben durch ihre fiitter- und schminkelose Wahrhaftigkeit beständig nach- prnsen lasse, ob das, was ist, auch gut ist."
Das ist mit wenig Worten tatsächlich das Programm einer jeden gesundgerichtetcn ästhetischen Kultur. Mit diesem Satz beginnt die neue Werbeschrift, die der Dürcrbund jüngst heransgab und die jedermann unentgeltlich von: Schatzuteister und Geschäftsführer beS Bundes, Verlagsbuchhändler Georg D. W. Callwey, München, auf Wunsch gesyndt erhält. Hören wir noch etwas weiter: „Der Dürerbund" — fein Gründer und Leiter ist bekanntlich Ferdinand AvenariuS, der Knustwartherausgeber — „ist ein Erzeugnis nnd eine Bereinigung wirkender Kräfte int Kulturleben der Gegenwart. Das Endziel aller Kultur, den Einzelmenschen innerhalb und mit Hilfe des Gemeinschaftslebens harmonisch zu entwickeln, gab ihm das Leben. An vielen Orten nnd aus vielen Wünschen erwuchs das Gefühl für seine Notwendigkeit, und nun haben die zurückliegenden wenigen Arbeitsjahre Erfahrungen genug eingebracht, wie groß diese Notwendigkeit ist. An unzähligen Punkten nnd auf unzähligen Wegen setzt die Entwicklung des ästhetischen Inhalts in unserem Volksleben ein, und all dieses Verlangen gibt den: Dürerbunde die Aufgaben. Von tatbereiten Einzelnen aus in breitere Kreise nnd so in die Gesamtheit hineinwirken ein Mehrer der besten Güter im Kleinen und im Großen, ordnen, fördern befriedigen, das Gute, das die Eigenhilfe des Einzelnei: fand, an Biel weitergeben, das alles ist der Sinn der Arbeit des DürerbundeS."
Die Schrift berichtet weiter von den Aufgaben nnd Arbeiten des Bundes und seinen erfreulichen Erfolgen, von seinem Vorstand, dem die besten unserer Geistesarbeiter angehören, von feiner Organisation nnd der schon mit einer Mark jährlich zu erwerbenden Mitgliedschaft. Wir empfehlen unseren Lesern warm, an der guten Sache des Dürerbundes Anteil zu nehmen.
Boshaft. F r e n n d i n, zur alten Jungfer, welche sich verlobt hat: „Na das Eine steht fest, an Deiner Seite wird Dein zukünftiger Gatte ein recht ruhiges Leben haben!" — Alte Jungfer: „Wie habe ich das zu verstehen?(" — Freundin: „Nun, in erster Linie braucht ihn keine Eifersucht zu quälen!"
LiteNKVisches.
— Dr. phil. Arthur Ploch, Grabbes Stellung in der deutschen Literatur. 224 Seiten. Preis broschiert 2 Mk. Verlag von K. G. Th. Scheffer in Leipzig. — Selbstanzeige des Verfassers (der übrigens, so viel wir wissen, ein Hesse ist und als Feuilleton-Redakteur an der Saale- Zeitung in Halle wirkt): Ich habe mich bemüht, auf Grund bisher unbeachtet gelassener Bücher und Zeitschriften früherer Jahrzehnte die Lücken im Lebensbild: Grabbes auszufüllen und seine literarische Physiognomie deutlicher zu machen. Die Aufhellung der Beziehungen Jmntermanns zu Grabbe habe ich mir angelegen fein lassen. Die Stellung, die die Jung- deutschen dem Dichter gegenüber eiitnahmen, ist eingehend von mir untersucht worden. Ebenso habe ich dem Verhältnis Grabbes zum Sturn: und Drang und seiner Einwirkung auf die moderne Literatnrbewegnng einen Abschnitt gewidmet. Ein psychologisches Porträt von Grabbe zu liefern lag mir fern. Ich habe es für wichtiger gehalten, seine dramatische Produktion einer Kritik zu unterziehen, um dadurch den neumodischen Grabbeenthusiasmus einbäntmen zu helfen. Auch ohne für Grabbe zu schwärmen, kann man doch in diesem excentrle man der deutschen Literatur eilte dichterische Erscheinung sehen, mit der sich zu beschäftigen immer lohnend bleiben wird. DaS letzte Wort über Grabbe wird nicht der Literaturforscher, sondern der Arzt zu sprechen haben.
Logvgrrph.
(Nachdruck «erboten.)' . , Wenn att schönen Frühlingstagen Dich die Pflicht gefangen hält, Wünschst du wohl, ich könnt' dich tragen In die weite, weite Well.
Doch wenn meine beiden Enden Du mir abgeschnilten hast, Wirst du wohl dich von mir wenden, Denn nun bin ich dir verhaßt.
(Auflösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Kreuzrätsels in vor. Nr,r H W G- u e o n i t Hund s tage Weis s 1 i n g
Gottl e u b a a i u
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Redaktion: Ernst £>eß- — Rotationsdruck und Verlaa der 33 r ü Ei Pichen Universitäts-Buck- und Steindruckerei. R, Lange, Dießen.


