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Aegeuiropferi.

Hunwristische Skizze von M. Lorenz.

(9iad)brucE verboten.)

«-plnilch wie es regnet! an den Fensterscheiben laust c in breiten Bächen hernieder, ein kleines Rinnsal läuft nach innen ins gemütliche Zimmer.

«Tip, tip, iip", tropit's mit ausdringlicher Regelmäßigkeit ans dem blanken Fußboden herab.

«Auguste, Auguste!"' ruft die eben eintretende Hausfrau, schnell, schnell, einen Lappen, «in Tuch!"

Auguste ist nicht da, ist oben aus dein Wäscheboden, schließt die Luken und Mtansardenienster.

Die Frau läuft selber in die Küche, auch da rinnt ein Bäch­lein durchs schlecht geschlossene Fenster.

Sie reißt die Küchentücher vom Gestell und legt sie hastig vor die beiden Fenster im Wohnzimmer.

Auguste, Auguste!" zeterts tu der Arbeitsstube des Herrn, der soeben voin Mittagsschläkchen erwachend, das eindringende, segens­reiche Naß ein halbvollendeles, an die Erde geworfenes Manuskript belecken sieht, und mit der bekannten Hilflosigkeit der Herren der kchöpsung kleinen Malicen des SchicksatS gegenüber ratlos hiu- und herläult.

^Greie, Grete!" schreit jetzt der Gemahl ins Wohnzimmer der Gattin,Grete, mein Buch, o je, o je, komm doch schnell!"

Sie rast herbei, reißt draußen noch einen Stuhl untich bitte Dich, Conrad", ruft sie atemlos vor Schreck,brennt's denn?'*

Als sie die Wassersnot sieht, lacht sie ans.0, Eonrad!" mit einem Griff rettet sie sein gefährdetes Hossnungskleinod.

Auguste erscheint endlich:Ach, Frau Prozessor haben ja nicht iir die Schlasstube geguckt", ruft sie mit vorivursSvoller Hoheit,na, da schwimrnt's!"

Eilfertig eilt sie mit Eimer und Scheuerqerät hinüber.

Ta schellt's.

Nanu", grunzt Auguste und läßt den geschürzten Nock her­unter,bei das Welter?"

Herje", schreit sie, als sie die Glastür öffnet,Fräulein Ilse, schon aus der Kliinperstunde zurück? Und bei beu Rejen?" Auguste spricht ein ausgeprägt reines Berlinisch, wie eS die ge­bildete Dame lür alles heute nur noch selten zu Gebote hat, da sie ureistenS nicht mit Spree-, sondern mit schlesischem oder pommer- schem Oderwaffer getauft ist.

,Still, Guste!" flüstert die itiedliche Tochter des Hauses,ich springe schnell in meine Stube, mich urnzuziehn, und", setzt sie er­rötend hinzu", wenn Herr von Wetter kontint, führ' ihn gleich zu Mama!"

Merkste wat?" ermutigte Auguste,der Rejen iS doch zu wal jut, da kann de Madam den Herrn Asseffor ntch durch de Lappen zehn! Na, Freilein, mmi flink, wird allens besorgtI"

Ilse Stein, des Herrn Professors Einzige, befolgt lächelnd den Rat der Fee für alles. Sie ist ein hübsches, blondes Ding nnb schon seit zwei Monaten heimlich mit dem Affeffor Kurt voir Wetter verlobt. Aber jedesmal, wenn der Letztere bei den Eltern vor­sprechen wiß, hui, da heißts: Es "ist niemand zu Hause!

Heute aber regnet cs schon seit frühem Morgen, nnb jetzt gegen Mittag gießts jetzt kann die Mama nicht echappiert fein 1 O, gesegnet, Ihr flutenden Tropfen!

Da rollt eine Droschke vors Haus. Gtiste öffnet geschivind die Glastür.

Herr Affeffor von Wetter?" fragt sie und betrachtet ihn un­geniert ringsum,neu juten Jeschmack hat unsere Kleene!" sagt sie und lächelt huldreich, als er um Meldung bei der Gnädigen bittet.

Frau Proftffor kommt grad mit dem nassen Wischtuch aus der Stndierstube des Professors.

Sie trifft nm Korridoreingang auf den etwas verlegen drein- blickenden jungen Juristen:

Um Gottes Willen, ein freinder Herr!" ruft sie zurück- prallend.

Verzeihung, meine gnädigste Frau", stammelte Weiler,ich wollte mir erlauben, meine Aufwartung zu wiederholen!"

In dem Regen?" fragt Fran Professor, unb mißtrauisch be­trachtet sie den völlig trockeneir Gast.

Die eiiizige Chance, Sie, meine gnädigste Frau und den Herrii Professor daheinr zu treffen I" erwiderte er mutig.

Auguste hat schon höflich die Salonlür weit mifgeschlagen ' und nötigt nun zuvorkommend:Da gehen Sie man rin, Herr Professor kommt gleich!"

Der entrüstete Blick ihrer Gebieterin prallt an ihr ab, wie draußen der Regen am Dachgiebel. .

Kurt v. Welter steht int Salon, die Professorin ist mit irgend etwas Gemurmeltem unb dem ominösen Wischlappen an Jlje's Tür gelaufen, der Professor tritt eilt.

Als nach zehn Minuten Frau Grete eintritt, erheben sich die Herren unb der Professor ergreift des Assessors Hand.

Erlaube, Frauchen," sagt er,und gieb Deine Eimvilligung, unser Schwiegersohn Kurt von Wetter."

Frau Grete schreit auf:Ader Mann unmöglich!*'

Da kommt Ilse; eine Sekunde später erlebt ihre fDlufter, daß die wohlerzogene Tochter in Veit Armen eines wildsrentdeit Menschen

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Während Ilse der Mtitter auZeinanderzusetzeit bemüht ist, daß ihr Kurt ihr diirchanS nicht fremd ist, bringt Äuste auf des Herrn Geheiß Sekt und Gläser.

Siehst Du, Mama," sagt eben Ilse,Kurt ivar schon so oft hier, immer wäret Ihr nicht zu Hause bei deut schönen Wetter."

Da knallt der Pfropfen, der Baker füllt die Gläser; auch Auguste erhält ihr Teil unb bars mit anstoßen.

Da, auf einmal gehts mit Fenster: pitsch, patschsss wieber dringt es ein, Tropfen auf Tropfen ein kleiner Bach.

Frau Grete lacht und greift nach dem Wischtuch.

Er will auch gratulieren," ruft sie,dieser aufdriitgliche Gelegenheitsmacher."

Nicht docb, dieser liebe, liebe, gesegnete Regen!" widerspricht der Herr Assessor,Mütterchen, es ist doch heut' das allerjchönste Weiter."

Es sind schon viele Jahre her seit diesem frohen Ver­lobungsfest.

Heute regnets wieder, unb am Fenster der herrlichen Villa, die der Geheime Justizrat von Wetter bewohnt, rinnt das Wasser herab. . .

Die gnädige Fran steht an diesem Fenster; sie lächelt unb nickt lustig in bas elegante Zimmer zurück, wo mit Kaffeetüch eilt alles Pärchen sitzt, Herr unb Frau Professor Stein. Nebenan lachen fröhliche Kinderstimmen, Fran Ilse von Wetters Buben.

Die Tür öffnet sich. In Hut und Mantel, die nassen Tropfen auf Haar und Bart, tritt der Geheimrat ein:Ilse, ich begrüße Dich als Frau Staatsntiuister von Wetter, Exzellenz l"

Die Alten fahren auf.

O Kurt", rufen alle drei, und Ilse fliegt ihm an den Hals.

Ja, Mamachen, er war damals doch gut, der aufdringliche Gelegenheitsmacher, der böse Regen!"

Und Fran Grele faltet still die Hände und sagt dankbar: Amens" _____

VöUnrsschtes.

* Ein Duell, zwischen zwei Knaben um eine Geliebte. In einem Hause der Rue Crozaliar in Paris wohueit zlvei Knaben im Alter von 14 Jahren bei ihren Eltern, achtbaren und angesehenen Leuten. Beide Knirpse hatten sich unsterblich in die 13jährige Tochter eines in demselben Hause wohnenden Kaufmanns verliebt. Ta die so seurig angeschwärmte junge Tarne nicht recht wußte, welchem Verehrer sie den Vorzug geben sollte, beschlossen die beiden Seladons, durch ein Duell die Entscheidung herbei-- zuführen. Sie entwendeten ihren Müttern die großen und scharfen Brotmesser, nahmen vor der Wohnung der Ange­beteten Ausstellung, llud das Duell begann. Nach kaum zwei Minuten erhielt der eine der Jungen einen Messerstich in die Brust, sodaß er ohnmächtig und blutüberströmt zn- sammenbrach. Mau schaffte den kleinen Duellanten schleu­nigst nach dem Krankenhause, aber er verstarb bereits artf dem Transporte.

* Sardische Bluthochzeit. Eilt großer Zug von Freunden und Verwandten begleitete den Bauern Ruin in Sasjari und feine Braut Antonia Sanna zur Kirche, wo die Trauung stattsindeu sollte Plötzlich drängte sich eine juuge Frau durch die Menge, stieß mit einem wilden Auf­schrei dem Bräutigam einen Dolch in die Brnst nnd entfloh. Ruin brach blntttbersrrömt zusammen. Carabinieri. verhafteten die Mörderin, die keinen Widerstand leistete,' sondern laut mit flammenden Angen dem entsetzt herbei- gelanfeneit Volke znries:Daß ihr's wißt! Ich bin Smma Delogn; jenen hat sein Los ereilt, das er verdient, er hat mich zur Mutter gemacht und ntich und mein Kind ver­lassen!" Inzwischen wurde der Verwundete aufgehoben und auf eine Bahre gelegt. Da sein letztes Stündlein gekommen schien, und auch seine Braut Mutterfreuden entgegensah, so bat diese herzbeweglich den Priester, er möge die Trauung an der Bahre vollziehen. So geschah es, daß Ruin Antonia Sanna an der Bahre heiratete, aber anstatt des Weines, der zu Hanse wartete, floß sein Herzblut, und statt des Hoch­zeitsjubels und der Böllerschüsse erscholl Weinen und Weh­klagen. Wenige Minuten nach seiner Trauung war Ruin tot. Sanna Delngo aber jauchzte laut auf, als sie das hörte, denn sie hatte ihre Rache gesättigt.

» Eine Operation au zusammengewachsenen Zwillingen hat Professor Ku kn la von der Nnioersitüt Prag vorgenommen. Nachdem erst vor etwa 2 Jahren an den berühmten siamesischen Zwillingen Nadiea unb Sabic« von Meyen in Paris eine gewaltsame Scheidung der zu- sainmengewachsenen Körper durch die Operation auZgesührt wurde, kann man sich verrnnilich überhaupt nicht mehr vor-! stellen, daß Has Messer des Arztes mit solchen «Lesen eiwas