Ausgabe 
12.2.1906
 
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1906

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De«r Waßrm, Edlen, Schönen.

Ein Großstadtroman von Fedor v. Zabeltitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

I buoua scra, figitore", sagte fte, ihtr in der Entree empfangend.Wat is denn passiert? Tu bist eine Wend zu Ans, Urbano? Du bist nick bei gutte Freunde und trinkst Schampa?"

Lündgräsin, quass'le nicht, sondern zieh' mir den Patetot aus. Wenn Tu spotten ivillst, heirate ich über­morgen. Sorge für Abendbrot; aber nicht Schampa, sondern Pschorrbräu."

Genoveva hing Hut und Mantel an die Riegel.Bravo, lieb' Kind. Pschorrbräu; es brauch' nick immer gesüffelt §n werden. Ick hol' eine große Topp voll. Ick brat' ein feines Uehnchen unb macke Risotto dazu mit kleine Trüffel- stücksken 'rein. Ick macke eine ganz seine Pranzo vor meine liebe Kind, tveil er 'mal abends zu Stufe is und nick bommctn tut . . ."

Schön", sagte Hammer,niacke Tn, was Du ivillst, und macke Tu, daß Du fortkommst. Bring' mir mein Essen, wenn es fertig ist, aber rede möglichst wenig dabei. Ist das Fräulein noch da?"

Stock da", nickte Genoveva,uock in die Bureau. Eine liebe sanfte Frülen. Und so fleißick, so fleißick. . ."

Sie watschelte davon, und Hammer trat in sein Bureau, 'n Abend, Fräulein von Sorben", rief er.Genoveva hat recht, wenn sie mir Ihr Loblied singt. Sie singt cs mit Eigenart, aber cs stimmt. Bis sechs währt Ihr Frohn- dienst,1 und jetzt ist cs sieben dura). Ich klage laut, daß Sie Ihre Burcaustunden nicht pünktlich einhalten."

Fräulein Agnes saß am Arbeitstische, über dem die Hängelampe brannte, und ringsumher lagen Papiere ver­streut. Sie war dabei, die Blätter in verschiedene Registra­toren einznreihen. Run erhob sie sich. Das Lampenlicht fiel hell auf ihr hübsches, warm getöntes und freund­liches Gesicht.

Ich mußte einmal die Rechnungen ordnen, Herr Bau­meister", antwortete sie.Aber es ist nicht so leicht. Quit­tierte und unquittierte, alles liegt durcheinander. Und bei manchen steht unten das Wort ,bezahlt', aber kein Datum und keine Empfangsbestätigung. Da können die Leute wiederkvmmen und sich zweimal bezahlen lassen."

Das können sie", bemerkte Hammer zustimmend.Doch es wäre eine offensichtliche Gemeinheit, und noch glaube ich an das Edle im Menschen. Fräulein von Sorben, seit ein gütiges Geschick Sie in mein Haus geführt hat, waltet hier eüie schier göttliche Ordnung. Es ist wie Kosmos. Alles cm seinem Fleck, sogar die unbezahlten Rechnungen."

Es sind ihrer viele", sagte das Fräulein klagend. »Manches ist mir ganz unverständlich. Zum Beispiel eine Nota von Biester über ein Dutzend seidene Chemisen, die schrecklich viel kosten, und. daneben, eine andere über eine

Pelzboa, die mit zweihundert Mark angesetzt ist. Ich denke, es wird ein Irrtum sein. Mari müßte recherchieren."

Ach lieht", meinte der Baumeister;das lohnt sich nicht. La recherche est intredite. O rühret, rühret nicht daran. Ich habe Rechnungen gern. Es sind unsere treuesten Freunde. Sie kommen immer wieder, wenn man sie auch zehnmal fortschickt. Wer nun machen Sie Feierabend. Sind, noch Briefe zu unterzeichnen?"

Nur wenige, Herr Baumeister. Ein paar neue sind gekommen . . ."

Sie legte Hammer die Briefschaften Vor. Er unterschrieb' einige und öffnete die neu eingetroffenen, sie mit kurzen Bemerkungen gleich wieder zurückgebend.

Nichts als Anerbietungen von allen möglichen Firmen,* sagte er.Bitte alles dankend ablehnen. Aha das ist die Handschrift des Grafen Frehlingbaus. Was will der Graf?---Fräulein Agnes, unser Einfluß wächst. Kaiser­

liche Majestät haben uns bereits empfangen, aber mas will das sagen gegen die Gnade, so uns Prinzeß Luise Hoheit zuteil werden läßt. Sie läßt mich zum Tee bitten; ich soll ihr Vortrag halten, Vortrag worüber? Darüber spricht sich Graf Frchlinghaus nicht miS. Vermutlich über das Prinz Ferdinand-Theater und seine künstlerische Zukunft. Dann kommt auch das Oratorium oder Mysterium oder was die Prinzeß gedichtet und komponiert hat, wieder an die Reihe. Auch gekrönte Häupter haben ihren Ergeiz. Ich graule mich vor dem Teebesuch. Mein Legitimismas kommt bei dieser Prinzessin ins Wanken. Sic hat ihren eigenen Hof, und man sagt, daß sie nur selten zu den Majestäten befohlen wird, weil man ihr dort nicht recht wohl will. Das muß seinen Haken haben. Die Prinzeß hat selbst einen Haken. Das ist ihr Oberhofmarschall. Wie sind Sie eigentlich zu dem Grafen Frchlinghaus gekommen, Fräulein von Sorben?"

Er hatte sich gesetzt. Auch das Fräulein nahm wieder Platz und ordnete ihre Papiere weiter, während sie sprach:

'Ich suchte eine Stellung, Herr Baumeister. Sic wissen, ich bin Waise; mein Vater war zuletzt Vorsitzender des In- validcndank. Aber--aber so, wie die Verhältn.ffe liegen,

mußte ich mich nach irgend einem Erwerb umtun. Ich wollte auch eine Tätigkeit haben. Da wandte ich mich an die Adels- gcnofsenschaft,' deren Präsidium Graf Frehlinghaus angehört. So kam es, daß er mich empfahl--"

Sie hatte eine wunderhübsche Stimme. Ihr Organ klang weich und frisch; es lag wirklich etwas kühl Erfrischendes in ihrer Tonfärbung. Das strömte auch ihre Erscheinung aus. Es läßt sich schwer sagen, woran das lag. Es gibt Frauen, deren Wesen sich auch im Aeußercn bekimdet. Zuweilen täuscht das; nicht immer sind Brünetten mit lebhaften Slugen temperamentvoll und nicht immer sanfte Blondinen harmlose Lämmleim die kein Wässerchen trüben. Aber bei. anderen