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KnN, wenn er spazieren oder auf die Jagd' fahrt; grauleverne auf der Jagd; Kastorhandschnhe, wenn er in die,Stadt zitrück- kchrt; farbige ziegenlederne auf der Promenade in der Stadt; hellgelbe ans Hnnveleder, um zum Tiner zu gehen, und abends für den Ball oder für die Gesellschaft weiße bezw. perlgraue mit seidenen Nähten!
* Wahlscherze in England. Allerlei Absonderliche leiten und Scherze bilden den anregenden Teil zu der im Gange befindlichen Wahlkampagne. Die Dame, die im ganzen Wahlkreis umher fährt und sich zugunsten der liberalen Kandidaten küssen läßt; bie’ andere Dame, welche einen walisischen Aspiranten auf einen Parlamentsitz überall öffentlich für den hübschesten jungen Mann des Landes erklärt, das sind einige Musterbeispiele aus der reichen Sammlung von kölnischen Zwischenfällen. Anderwärts plakatiert eine schntzzöllnerische Gemeinde ihre Plakate hauptsächlich in der rivalisierenden Nachbargemeinde liberalen Bekenntnisses, weil die Plakatierungsfirma sich in den verwickelten Grenzverhältnissen nicht auskennt. , In einem anderen Wahlkreise kann der Kandidat — seine Partei sei füglich verschwiegen — nicht vorwärts kommen, weil die Kutscher, Wirte und Wähler diesmal Barzahlung verlangen, nachdem sie sich bei der letzten Wahl mit Schecks zufrieden gegeben hatten. In Westminster spricht ein Wahlagent bei einem Wähler vor, wird zu Whisky und.einer Zigarre eingeladen, in ein -'Gespräch über die Tarifreform verwickelt und als man sich schließlich spät abends trennt, sagt der Gastgeber, welcher natürlich ein Tarifreformer! ist: „Ich hosse, zu dieser nachtschlafenden Zeit Werben Sie nicht mehr viel Unheil anrichten können." Ein anderer Agent findet in einem Hause eine geradezu bezaubernde Aufnahme. Er fragt schließlich seinen neuen Freund, ob er nun seine Stimme für die Konservativen abgeben werde? „O", erwiderte ihm dieser, „ich stehe hier gar nicht in den Wahllisten. Ich 'bin nur Gerichtsvollzieher und der Mieter des Hauses ist ausgegangen, um Geld zu suchen. ,Es war schrecklich langweilig, bevor Sie kamen." Ein anderer Scherz, der in einer Wahlversammlung in Nord- Loridon. vor der Balfour sprach, sich zutrug, hat schon mehr einen bitteren Beigeschmack. „Ich werde", rief Herr Balfour aus, „euer Führer sein." „Jawohl", sagte eine Stimme aus dem Hintergrund, „bei unserem Rückzug".
" Illustrierte Visitenkarten. Die erste Mode, die Paris im neuen Jahre inauguriert, sind illustrierte Visitenkarte». Elegante Leute schmücken ihre Karte mit einem Miniaturporträt, das" sie selber darstellt und in einer Ecke in Gravüre ober Photo- typie angebracht wird. Mau nimmt damit nur eine alte Mode wieder auf. Denn schon die Zeit der Revolution kannte Visitenkarten, bie nach dem damaligen antikisierenden Geschmack mit Lorbeerkränzen, Olivenzweigen, Liktorenbündeln oder einer phrygi- schen Mütze geschmückt waren. Bis in die Zeit des Kaiserreiches hinein erhielt sich diese Mode, doch seit 1820 etwa war sie wieder abgekommen.
* Neber das Wörtchen „Eventuell" macht das „Lcipz. Tgbl." sich in folgenden Versen lustig:
Sag an, wo kommst du her. Gesell, Zudringliches Eventuell?
Tas jetzt in jeden Satz sich drängt Und gleich an jedes Wort sich hängt Wenn sich auch nur ein schwacher Rest Bedingtheit dabei denken läßt!
Nun sagt: Was ist denn nicht bedingt In uni ernt Sein und Tun? ES zwingt Der Dinge hemmende Geivalt Den Kaiser selbst zum jähen Halt, Wenn seines Geistes hoher Flug Ihn über ihre Schranken trug.
Nun erst wir andern! Wer da denkt, Der kühlt sich auch bedingt, beschränkt;
. Und ängstlich, wie der Deutsche ist, Daß ja kein Tippchen er vergißt, Sucht er gewissenhaft ein Wort, Das dies auch sage. Und sofort Drängt sich vor andern dienstbereit Itnb noch dazu in fremdem Kleid Sehr brauchbar und geschmeidig schnell Das Wort hervor Eventuell!
„Zurück, ihr Vettern deutschen Schalls;
Etwa, Etwaig, Allenfalls,
Womöglich, »nötig, Wohl, Vielleicht, Die ihr mir nicht das Wasser reicht! Ihr seid wohl gar so schwach und denkt, Daß ihr im Deutschen mich verdrängt? Tas bildet euch doch ja tticht ein!
Zu deutsch seid ihr und zu gemein — Und wer sein Deutsch gebildet spricht, Der leistet nie auf mich Verzicht!
Mit mir erhebt sich morgens früh Er und eventuell auch sie;
Um sieb'», eventuell um acht. Je nach eventueller Nacht. Dann gibts eventuell Kaffee — Mit Milch, eventuell auch Tee. Wies eventuell dann weiter geht, Ihr selbst eventuell wohl seht!"
Literatur.
— Zur Silberhochzeit des Kaiserpaares. Soeben ist int Verlage der Schriftenvertriebsanstalt G. m. b.. H., Berlin SW. 18, erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehe!:: Hermann Petrich: „Das Buch von: D e»t s ch e n K a i s e rp a a r im Jubeljahr". Festschrift vom Deutschen Hause für das Deutsche Haus zum 27. Februar 1906, . Preis 50 Pfg., ferner Hermann Petrich: „U »serKaise r u n d u »sreKaiseri n". Ein Jubelbüchlein, darin für jung und alt erzählt wird, warum das demsche Volk am 27. Februar 1906 sich freuen soll. Preis 20 Pfg. — Diese zwei Schriften mit ganz verschiedenem Inhalte und Texte wollen neben einander der Jubelfeier bienen. Die größere ist ein Buch von 80 Seite» mit 19 Silbern und 2 Faestmiles, das in 12 Kapiteln den LebenSgang des Kaiserpaares am Leser vorübergehen läßt. Das zweite Ist ein Heft von 20 Seite», baS in 3 Kapiteln kurz und doch nicht ohne viele lebendige Emzelzüge von dem Kaiserpaare und seinen: Familienleben berichtet. Auch dieses Büchlein ist ihit 8 hübschen Bilder» ausgestattet.
— Im Verlage von Julius Hoffmann in Stuttgart erschien H o ffman n's Haushaltungsbuch für das Jahr 1.906 (21. Jahrgang). Karton, mit Umschlagbild 2 Mk. — Wie manche glückliche Ehe ist durch Sorglosigkeit der Fratl beim Geldausgeben! und Mangel an Sparsamkeit zerstört worden. Versteht man es nicht, mit seinen Mitteln richtig zu wirtschaften, und das ist selbst bei kleinen Einnahmen ohne eine genaue Uebcrsicht schwer, dann stellen sich leicht Schulden und mit den Schulden schwere Sorgen ein. Am größten ist bte Gefahr bei Haushaltungen, die ihre Einnahmen monatlich beziehen. Da kommt es oft vor, daß bei unrichtiger Einteilung gegen Ende des Monats Schmalhans Küchenmeister loird. Aber selbst ohne derartige Vorfälle ist cs für jede Hausfrau von Wichtigkeit zu wissen, wofür sie ihr Geld ausgegeben hat und wo sie unter Umstanden noch sparen könnte. Das Hossmannsche Haushaltungsbuch ist dazu angetan, eine kleine Uebersicht zu erleichtern. Eine Hausfrau, die dieses' Wirtschaftsbuch gewissenhaft führt, ist imstande, ihre Dienstboten auf bas genaueste zu kontrollieren, und wie nötig das in vielen Fällen ist, braucht nicht auseinandergefetzt zu werden.
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—, Die „Meggendorfer Blätter", Zeitschrift für Humor und Kunst (Verlag von I. F. Schreiber, München und Eßlingen), beginnen soeben ihren 18. Jahrgang. Nach der ersten Nummer zu schließen, verspricht der Jahrgang 1906 sich seine», Vorgängern würdig anzureihen. Wir finden da allerhand spaßige Einfälle, abwechselnd mit grotesken Satiren. Viele heitere Zeichnungen beleben das ganze, tote überhaupt die farbigen Illustrationen dem Blatte seinen besonderen Reiz verleihen. Fast immer lustig, bieten die „Meggendorfer Blätter" ihrem Leserkreise Zerstreuung. Als' Empfehlung des Blattes seien aus dem umfangreichen Text der ersten Nummer folgende Scherze wieder- gegeben:
Glänzend w i d e r l c g t. „Einen Gendarmerieoffizier heiratet Ihre Tochter?" — Wucherer: „Ja, und jetzt sollen die Leute sagen, ich hält' ein schlechtes Gewissen."
Aengstlich. Pianist: „Ich würde Ihnen raten, das Programm tnit dem wunderschönen Mendelssohnschen Frühlingslied-: „Hinaus, hinaus, die Türen auf!" zu eröffnen". — Sängerin: „Ach nein, das nehmen wir lieber als Schlußnummer!"
Ah so! Besucher: „Sie haben ja da Ihr Wohnzimmer mit der Küche durch eilt Telephon verbinden lassen, das nenne ich praktisch!" — Hausherr: „Ja, wir wollen demnächst unserer Köchin kündigen."
D epla z ier t e Em p sii! dli ch ke i t. (Cousine ihrem Vetter ein Blatt Papier überreichend): „Da lies 'mal, einen Witz hab' ich gemacht." — Vetter (liest und lacht laut auf). — Cousine: „Aber was lachst Du denn, der Witz ist doch ganz gut!"
ErgättzrmgsEsel.
Nachdruck verboten.
G . . i . . 's, . . s; . c . . i . m . l . m . . t
D . . . e . . ch . e . t . i . . n . s . . g . wä . .,
. . n . b . . . ü . t ., . tt . ä . s. c . . . m . . r
U . . . u . o . s . . s . e . . . ch . m . . r.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Grog (ein Bißchen Eis — „i"), Prosit!
Redaktion: Ernst Hetz. — RotatÄrKdruck und Verlag der Brühl'schen Untversitäts»Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen«


