Ausgabe 
11.8.1906
 
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Ich fühle im Herzen Verzweiflung und Schmerzen, Weil ich nicht mehr sehe mein Liebchen, o wehe!" Plötzlich tauchte der Herzog auf. Neues Liebesgeplänkel, jetn endlich reellere Liebesrundgebungen Umarmungen, Wsse folgten. Die Sache hatte aber einen Haken: der Herzog war verheiratet! Doch wer wird sich daran stoßen! Eberhard Ludwig ernannte Wilhelmine zur Ehrendame (lucus a non lncendo!) der Herzogin und beging für sie tausend Dummheiten. Wegen der schönen Augen des Fräu­leins v. Graevenitz verließ er ruhig sein Heer, das gegen den Marschall v. Villars kämpfte. Nach dem Rückzüge des Marschalls richtete die Mutter des Herzogs an ihren Sohn nachstehenden Brief:Mein Sohn! Wie ich das Land von der französischen Geißel befreit habe, erwarte ich, daß Sie das Land von der Geißel und Plage Ihrer Sünde befreien werden. Kehren Sie nach Stuttgart zurück und tun Sie Ihre Pflicht als Gatte, als Vater, als Sohn und als christlicher Fürst. Sie werden Ihrer Mutter den Frieden wiedergeben. Magdalene Sybille, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, Herzogin-Witwe von Württemberg. Diese Graevenitz ist eine! Ich könnte Beweise haben, wenn ich sie geben wollte; ich bitte Sie, mir zu glauben, daß sie Ihre Gunst nicht verdient!" Herzog Eberhard wollte aber nicht Vernunft annehmen und heiratete die junge Wilhelmine, natürlich morganatisch. Er heiratete sie sogar zweimal und machte sie zur wirklichen Herrin von Württemberg. Schließlich aber jagte er sie davon, und das ist das Ende der schönen Wilhelmine und des schönen Buches.

Vermischtes.

* Ein wertvoller Zuchtwidder. Für fehlerfreie Zuchttiere werden bekanntlich die höchsten Preise gezahlt. Man erinnere sich der für Flying Fox, des englischen Rennpferdes, welches in französischen Besitz überging, gezahlten Summe von % Millionen und anderer verhältnismäßig hohen Summen, die sowohl für erstklassige Pferde, aber auch Rinder usw. auf jeder Ausstellung gezahlt werden. Namentlich in England, wo die Haustiere in hervorragenden Qualitäten gezüchtet werden, gehören hohe Tierpreise zu den alltäglichen. Der Lincoln Widder beispielsweise erzielte einen Preis von 29 000 Mark. Das Tier ist vollkommen fehlerfrei, es vertritt eine Rasse, die wegen ihrer feinen Wolle sich besonderer Wertschätzung erfreut. Züchter des stattlichen Widders ist Mr. Henry Dudding in Great Grimsby.

* Wachsendes Eisen. Es ist eine bekannte Erscheinung, so schreibt der Prometheus, daß die Metalle, wenn sie mehr­mals hoch erhitzt und wieder abgekühlt werden, schließlich ihre ursprünglichen Dimensionen nicht wieder annehmen, ein Umstand, der z. B. bei Metallpyrometern, bei denen die Ausdehnung eines Metallstückes als Maßstab für die Temperatur dient, zu Störungen und Ungenauigkeiten Veranlassung gibt und eine öftere Korrektur erforderlich macht. Neuerdings hat nun das gcanklin-Jnstitut dem Erfinder eines Verfahrens, das unter usnutzung dieser Erscheinung ein wirUich-esWachsen" des Eisens erzielt, eine goldene Medaille verliehen. Das Verfahren besteht lediglich in mehrfacher Erhitzung und Abkühlung des betreffenden Eisenstückes unter Einhaltung bestimmter. Tempe­raturen, über deren Höhe Näheres noch nicht mitgeteilt wird. Die Resultate des Verfahrens sollen außerordentliche fein; die Ausdehnung eines Eisenbarrens soll bis zu 46 Prozent be­tragen, wobei sein Gewicht völlig unverändert bleibt, während seine Struktur infolge der gänzlich veränderten Lagerung der Molecüle naturgemäß eine andere ist als die eines gewöhnlichen Eisens gleicher Qualität und Herkunft. Welche praktische An­wendungen das Verfahren wird finden können, bleibt abzuwarten.

* Ueber koloniale Eingeborene »Politik mit be­sonderer Bezugnahme auf O st a f r i k a schreibt Dr. Ernst Erd- mannsdörsfer in dem 22. Hefte der illustrierten ZeitschriftUeber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) unter anderm folgendes: Die Hauptaufstandsgefahr ist weniger in den angestammten Häuptlingen zu erblicken, wie man vielfach glaubt, als besonders in den entlassenen Askari, die nicht unsere Stärke, sondern unsere Schwäche kennen gelernt haben. Bei den vielen Versetzungen weiß jeder Rekrut nach drei Monaten, daß es nur zwölf Kompagnien und wenige Polizeiabteilungen von knapp zweitausend Mann sind, die sechs Millionen auf einem doppelt so großen Raume wie Deutschland im Zaum halten glen. Er kennt den Sicherungsdienst, die Signale und die arschordnung und weiß ganz genau, in welchem Augenblick man sich niederzuwerfen und zum Schüsse zu erheben hat. Unsere Politik hat den Häuptlingen und Sultanen ihre Macht genommen und ihnen dafür die beschwerlichsten Pflichten auferlegt. Statt sie noch mehr zu unterdrücken, würde sich im Gegenteil eine Er­

weiterung ihrer Machtbefugnisse empfehlen. Diese Machtlosig­keit wird von manchen Häuptlingen so tief empfunden, daß, wo früher blutige Fehden um die Thronfolge stattfanden, jetzt hin und wieder schon Thronflucht eintritt.Als ich erfuhr", so erzählt ein alter Afrikaner in seinen Erinnerungen,daß mein farbiger Diener eigentlich ein kleiner Dorfhäuptling von der Küste sei, drückte ich meine Verwunderung aus, daß er die dienende Stellung seiner angestammten Würde vorziehe. ,Herr,' antwortete er in der drastischen Sprache des Negers, ,lieber will ich eine Ziege sein als ein Jumbe. Alle Woche wird man gemahnt, die Steuern beizutreiben, alle Monate muß man aufs Bezirksamt, um sich wegen seiner Faulheit schelten zu lassen. Schlägt ein Mann im Dorfe den andern tot, so ist der Jumbe schuld, wenn der Verbrecher nicht ergriffen werden kann. Laufen die Leute vor dem Steuererheber weg und der Jumbe bleibt, so wird sein Vieh beschlagnahmt. Teilt ihr Saaten für neue Kulturen aus, so muß der Jumbe die Hacke in die Hand nehmen. Denn wer täte es sonst? Wer gehorcht mir denn noch, seitdem ich nicht mehr strafen kann?'" Es wird hierzu bemerkt, daß dieser Jumbe von Haus aus ein wohlhabender Mann ist, bald vierzig Jahre zählt und an Umsicht, Fleiß, Nüchternheit, Ehr­lichkeit und Herzensbildung einen Jdealneger darstellt.

Lrreeerrrswes.

Rechtsanwalt Dr. I. Werthauer ist einer der populärsten Berliner Verteidiger. Besonders in alle Gebieten des Großstädtischen Schwindlertums dürfte wohl kaum einer durch seinen Beruf so tiefe Einblicke getan haben, wie Dr. Werthauer. Einer der neuesten Bände der von Hans Ostwald herausgegebenen KollektionGroßstadt-Dokumente", der BandBerliner Schwindel" ist von Werthauer bearbeitet worden. Werthauer beginnt sein Buch mit der relativ harmlosesten Sorte von Schwindlern, nämlich mit den sogenanntenRingneppern" und führt uns dann in packenden Einzelschilderungen durch die Ge­biete des Kautions-, Vermittelungs-, Heirats-, Annoncen-, Kredit- und Wechselschwindels, um zuletzt den Bauschwindel in einer wohl bis heute noch nie dagewesenen umfassenden Darstellung zu beleuchten. Werthauers Buch liest sich wie ein spannender Roman, sein Wert liegt aber darin, daß alles, jede Type und jeder Vorgang dem Leben abgelauscht ist.

Was wir vom Mo nde wissen, Entwicklung und heutiger Stand der Monderforschung. Mit 66 Abbildungen. Von PH. Fauth (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9). Preis brosch. 1.50 Mk. Die Neigung der gebildeten Welt ist seit einigen Jahren in zunehmendem Maße den naturwissenfchaftlichen Forsch­ungen zugewandt. Kann es doch auch kaum etwas Interessanteres geben, als die Fortschritte zu verfolgen, die gerade auf diesem Gebiete von Jahr zu Jahr gemacht werden. Ein besonderes Interesse dürfte daher der vorliegende Band in den weitesten Kreisen finden, da es darin ein erprobter Fachmann, der sich während 21 Jahren fast ausschließlich diesem Spezialfache widmet und Tausende neuer Formen der Mondplastik entdeckt hat, unter­nimmt, alles das in Wort und Bild vorzuführen, was wir von dem treuen Begleiter unserer Erde wissen. Die Schilderung ist nicht in trockenem Gelehrtentone gehalten, sondern fesselnd und spannend. Ganz besonderer Wert ist auch auf die Illustrierung, ohne die ein Buch über den Mond fast undenkbar ist, gelegt; die Auswahl derselben nach allerbesten Vorlagen ist eine sehr gewissenhafte und reichhallige, die Wiedergabe derselben äußerst scharf. Wir können das Buch allen Naturfreunden bestens empfehlen.

Kreuzrätsel.

(Nachdruck verboten.)

Auflösung in nächster

In die Feider neben­stehender Figur sind die Buchstaben a a a ä, b, <r c, d, e e e e e e, g g, h h, i, 1 1 1 1, n n n n, o o o o, p p, r r r r, s s, u u u u, v v derart einzutragen, daß die senkrechten und wage- rechtenReihen gleichlautend Folgendes ergeben:

1. Homerischen Helden.

2. Niederländische Stadt.

3, Veranlaßt meistens eine fröhliche Feier.

Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer: Der Kampf um's Dasein.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Dießem